Bundespräsident gesucht: Warum eigentlich unbedingt eine Frau?

Hape Kerkeling; Foto: Peter Ansmann
Hape Kerkeling; Foto: Peter Ansmann

Seit Wochen wabert durch Berlin die Diskussion über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. In einem Punkt scheinen sich viele führende Politiker bereits einig zu sein: Diesmal soll eine Frau ins Schloss Bellevue einziehen. Unions-Fraktionschef Thorsten Frei findet das ebenfalls gut, obwohl er Quotendiskussionen eigentlich wenig abgewinnen kann. Ja, was denn nun? Mich beschleicht bei dieser Debatte zunehmend das Gefühl, dass in Berlin die falschen Fragen gestellt werden.

Das Geschlecht ist offenbar wichtiger als die Person

Natürlich wäre eine Bundespräsidentin ein schönes Signal. Frauen sind in den höchsten Staatsämtern noch immer keine Selbstverständlichkeit. Aber seit wann ist das Geschlecht das entscheidende Kriterium für die Besetzung eines Amtes, das vor allem von persönlicher Integrität, Glaubwürdigkeit und überparteilicher Ausstrahlung lebt? Genau diese Eigenschaften sollte man bei der Suche an die erste Stelle setzen. Stattdessen wird offenbar erst einmal festgelegt, wer infrage kommen soll, bevor überhaupt geklärt ist, wer die beste Besetzung wäre.

Berlin sucht und findet offenbar niemanden

Besonders merkwürdig wird es, wenn man sich die bisherige Diskussion anschaut. Namen kursieren, Politiker halten sich bedeckt, und Thorsten Frei möchte beim „Namedropping“ nicht mitmachen. Gleichzeitig versichert er, es gebe sehr gute Kandidatinnen. Na wunderbar! Warum fällt es dann offenbar so schwer, eine Persönlichkeit zu präsentieren, hinter der sich auch jenseits der Parteigrenzen eine breite Mehrheit versammeln könnte?

Ein Bundespräsident sollte schließlich nicht bloß das Ergebnis eines Koalitionspokers sein. Er sollte Menschen erreichen, die mit der jeweiligen Regierung wenig anfangen können. Gerade in einer politisch aufgeheizten Zeit wäre das wichtiger denn je.

Warum nicht einfach Hape Kerkeling?

Ich gebe zu: Bei einem Namen wie Hape Kerkeling dürften manche zunächst schmunzeln. Ein Entertainer als Bundespräsident? Doch je länger ich darüber nachdenke, desto weniger abwegig erscheint mir die Idee. Kerkeling ist intelligent, humorvoll, gesellschaftlich anschlussfähig und nicht erkennbar auf eine politische Karriere fixiert. Er kann Menschen zusammenbringen, ohne ihnen ständig die Welt erklären zu müssen. Das wäre für dieses Amt keine schlechte Voraussetzung.

Natürlich müsste man prüfen, ob er diese Aufgabe tatsächlich übernehmen wollte und könnte. Aber warum sollte man einen solchen Gedanken von vornherein verwerfen, während sich die politische Klasse an einer Kandidatinnensuche abarbeitet, deren überzeugendes Ergebnis bislang nicht erkennbar ist?

Eignung statt Symbolpolitik!

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, Frauen für das höchste Staatsamt auszuschließen. Im Gegenteil: Wenn es eine überzeugende Kandidatin gibt, die breite Zustimmung findet, soll sie es werden. Aber warum sollte man sich freiwillig die Hälfte des möglichen Kandidatenfeldes verbauen, nur um ein politisch erwünschtes Signal zu senden?

Vielleicht wäre es an der Zeit, in Berlin einmal vom Kopf auf die Füße zu kommen. Nicht das Geschlecht sollte die Suche bestimmen, sondern die Persönlichkeit. Wenn am Ende eine Frau die Beste ist: wunderbar. Wenn es ein Mann ist: ebenfalls.

Und wenn ausgerechnet Hape Kerkeling die bessere Wahl wäre, sollte man zumindest darüber reden dürfen. Dass ausgerechnet Politiker, die ständig von Offenheit, Vielfalt und demokratischer Erneuerung sprechen, bei dieser Personalfrage derart eng denken, finde ich jedenfalls bemerkenswert.

In der App öffnen Autorenseite: Robin Patzwaldt
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2 Comments
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Axel C. Knappmeyer
Axel C. Knappmeyer
58 Minuten vor

Ich stelle die Frage um: Warum eigentlich unbedingt dieses Amt an sich? Und bei allem Respekt: Herr Kerkeling sollte bei Schlemmer und Co bleiben. Dessen Rede im Landtag von Thüringen, damit hatte HPK unterirdische hist. Vergleiche getätigt. Alles ist möglich – und dann ad hoc Buchenwald? Geht’s noch? All die Komiker, die verfassen doch seit Jahrzehnten Texte – oder lassen’s tun oder nunr noch KI? – und sollten m. E. sehr (!) sorgfältg die Worte wählen, insb. was das Vergleichen von NS-Monströsitäten zu anderen hist. Dingen betrifft.
Er trug damit zur Inflationierung des NS-Begriffs bei – ein Bärendienst. Welche miserablen Reden würde er sonach als BP denn dann halten, es drohte, dass er solche halten würde…
Ein Komiker als BP: bitte nicht. Oder dann vllt. Dieter Bohlen? Wie wäre es, um an die Geschlechterfrage zu erinnern – Quoten erachte ich als Unsinn, nebenbei: Alice Schwarzer? Dann käme endlich das großartig-sarkastische Titanic-Magazin-Titelbild „Endlich ein Schwarzer Präsident“ zu dessen Recht, haha.

Alf
Gast
Alf
8 Minuten vor

In München wurde schon eine Kandidatin in den Ring geworfen.
Die SPD hat sich schon positiv geäußert, einige den beiden Grünen halten sie auch für eine gute Kandidatin.

Doch Friedrich Merz zaubert jetzt Ines Klaus aus dem Hut. Eine Frau die die meisten in Deutschland, außerhalb von Hessen, noch nie was gehört haben.

Dieses ist wieder eine Personalpolitik die Niemand versteht.

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