Angekündigter Bellingham-Abgang in Dortmund: So wird der BVB zu ‚Vizekusen 2.0‘!

DFB-Pokal und Meisterschale sind seltene Gäste in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Via Ad-hoc-Mitteilung hat der BVB am Mittwoch den bevorstehenden Wechsel von Jude Bellingham zu Real Madrid bestätigt. Fällig wird offenbar eine Ablösesumme von 103 Millionen Euro, die sich durch vereinbarte Bonuszahlungen noch um bis zu 30 Millionen erhöhen können soll. Die Borussen werden jetzt vielfach für das vermeintlich ‚gute Geschäft‘ gefeiert.

Dabei wird vielfach übersehen, dass es gerade diese finanziell lukrativen Abgänge sind, die den BVB seit Jahren immer wieder entscheidend zurückwerfen, was das Sportliche betrifft.

Seit Jahren schon geben die Schwarzgelben am Ende einer jeden Saison ihre vielversprechendsten Talente an die Konkurrenz ab. Die Liste der betroffenen Spieler ist lang und führt von Lewandowski, über Dembele und Aubameyang, bis hin zu Sancho, Haaland und jetzt Bellingham. Um hier nur die prominentesten zu nennen.

Seit sich diese Strategie, junge Talente möglichst günstig zu verpflichten um sie dann ein oder zwei Jahre später meistbietend gegen hohe Ablösesummen weiterzureichen, in Dortmund etabliert hat, wurde der Klub nicht mehr Meister. Mehr als zwei Siege im DFB-Pokal (2017 und 2021) war nicht mehr drin.

Das verwundert nicht, wenn man mal ein paar Minuten darüber nachdenkt. Wenn ich in jedem Sommer die wertvollsten Aktiven aus einem Kader entferne, kann ich nur mit viel Glück einmal Deutscher Meister werden. Die entstehenden Lücken gleichwertig zu füllen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Und dieses für den Erfolg notwendige Glück hatte der BVB in diesem Sommer eben auch nicht. Es dürfte somit noch einige Zeit dauern, bis die Borussia einmal wieder die Meisterschale in die Höhe stemmen darf, oder gar in das Champions League Endspiel einziehen kann, wie es einst unter Trainer Jürgen Klopp im Frühjahr 2013 noch gelang.

Der Unterschied ist: Klopp erhielt nach seiner Verpflichtung einige Jahre Zeit um an der Strobelallee etwas wachsen zu lassen. Auch damals, im Sommer 2008, begannen die Schwarzgelben vielversprechende Talente nach Dortmund zu holen. Mit Mats Hummels und Neven Subotic, um hier nur zwei Beispiele zu nennen, setzte man zum Beispiel auf den sogenannten ‚Kinderriegel‘ in der Abwehr. Nur wurden Hummels und Subotic eben nicht direkt nach nur zwei Jahren mit Gewinn an andere Klubs abgegeben, sondern der Coach bekam die Möglichkeit etwas zu formen, das vielleicht irgendwann einmal die Chance auf einen Titel hätte. Die Folge waren die Meisterschaften 2011 und 2012, der DFB-Pokalsieg 2012 und der Einzug ins IEFA Champions League Finale 2013.

Diese Möglichkeit wird Klopps Nachfolgern seither leider immer wieder genommen. Die Folge ist, dass der BVB als zweiter Leuchtturm der Liga, wie Aki Watzke seinen Verein so gerne bezeichnet, seither eher nach hinten auf das aufstrebende RB Leipzig schauen muss, als nach vorne in Richtung Tabellenspitze. Auch in diesem Jahr entstand die historisch ‚verbaselte‘ Titelchance des BVB ja fast ausschließlich aufgrund der Schwäche des FC Bayern, als durch eigene Stärke.

Die Münchener dürften in der kommenden Saison dann auch wieder mehr Zähler holen, als die 71 aus der vergangenen Runde. Ob der BVB seine Ausbeute demnächst ebenfalls weiter steigern kann, wenn er einmal mehr mit größeren Kaderumbauten zurechtkommen muss, darf bzw. muss hingegen bezweifelt werden.

Spieler wie Bellingham, die nach allgemeiner Einschätzung noch großes Steigerungspotenzial n sich haben, im Kader der Dortmunder zu verlieren, erschwert Coach Edin Terzic die Aufgabe erheblich.

Bei den Bayern gehen hingegen nur im absoluten Ausnahmefall die besten Kicker im Kader verlustig. Robert Lewandowski im vergangenen Sommer war da eine große Ausnahme. Und sein Verlust war im Rückblick auch heftig kritisiert worden, kostete Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić wohl ein Stück weit den Job an der Isar.

In Dortmund sollten sie, bei aller Freude über den finanziellen Gewinn den der Bellingham-Abgang mit sich bringt, einmal ernsthaft darüber nachdenken, ob die etablierte Vereinstaktik in dieser Hinsicht auf längere Sicht wirklich erfolgsversprechend ist, oder ob der BVB so nicht zu ‚Vizekusen 2.0‘ wird…

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