Die Gitarristin Wendy Eisenberg, Strictly Missionary Foto: André Symann Lizenz: Copyright
„I am gonna show you now, what this festival is all about.“ Jamaladeen Tacuma lobt die Bedeutung des Moers Festivals für die Jazzwelt mit deutlichen Worten, ehe er sich in ein fünfzehnminütiges Basssolo versenkt, das gleichermassen virtuos und schlicht, eingängig und verschroben, vor allem aber ein äußerst vitales Statement für die Spontaneität und bewusstseinserweiternde Kraft seiner Musik ist. Von unserem Gastautor ************@***oo.com“ data-hovercard-owner-id=“121″>Matthias Hesse.
Dass sich zeitgleich im Youtube-Chat ein paar Experten mit Klugscheißereien und Name-Dropping überbieten, ist eine ironische Fußnote des Ganzen. Festivalleiter Tim Isfort hat sich auch im zweiten Coronajahr gegen eine Absage entschieden und damit das Risiko in Kauf genommen, dass vieles online stattfinden, der Jubiläumsglamour insgesamt etwas spärlicher ausfallen muss.
Werder Fans in der Ostkurve im Weserstadion Foto: Schlixn Lizenz: CC BY-SA 3.0
Werder ist abgestiegen. Das letzte Mal war das vor 40 Jahren. Es dauerte nur eine Saison und Werder war wieder ganz oben und kämpfte sogar um die Meisterschaft, den wichtigsten Pokal und internationale Ränge mit. Damals aber waren andere Zeiten. Von unserem Gastautor Thomas Hafke.
Der Fußball steckte noch in seinen kommerziellen Kinderschuhen. Heute wird Werder sehr viel mehr Geld brauchen, um wieder aufzusteigen. Mittel, die der Verein in der Bremer Provinz nicht generieren kann. Höchstens noch gut betuchte Investoren wären in der Lage Werder zu helfen. Aber warum soll irgendjemand in einen Verein investieren, der über Bremen hinaus wenig Bedeutung hat und international ein Niemand ist.
Heute vor 75 Jahren begann der sowjetische Angriff, der die deutsche Ostfront zusammenbrechen ließ. Erdacht und gegen den Widerstand Stalins durchgesetzt hat ihn der polnisch-sowjetische Marschall Konstantin Rokossowski, der noch wenige Jahre zuvor in Stalins Foltergefängnissen gequält wurde. Von unserem Gastautor Manfred Barnekow.
Rokossowski
Konstantin Rokossowski stand seinem Herrn am 20. Mai 1944 gegenüber. Stalin hatte die Marschälle und Generäle zur Besprechung geladen, das Thema war nichts weniger, als der Wehrmacht einen Todesstoß zu geben. Rokossowski legte seine Planung vor, die Heeresgruppe Mitte, den Kern der Ostfront zu vernichten.
Schon bis dahin hatte er ein höchst bemerkenswertes Leben vorzuweisen. Seine Ahnen entstammten dem polnischen Uradel, die Vorfahren waren nach Aufständen im 19. Jahrhundert nach Russland gezogen, sie fingen mittellos ein neues Leben an. Als Vater und Mutter 1910 starben, musste er die höhere Schule verlassen, verdiente sein Geld als Arbeiter und meldete sich zu Beginn des ersten Weltkriegs freiwillig in die zaristische Armee, brachte es zum Korporal. Nach der Revolution schloss er sich den Roten an, stieg schnell auf, beendete den Bürgerkrieg als Regimentskommandeur. Generalstabslehrgänge machten aus ihm einen führenden General, dessen Karriere abrupt 1937 in den Folterkellern der GPU endete. Jeschows Schergen folterten, schlugen ihm die Zähne aus, Scheinhinrichtungen sollten ihn brechen, bevor er zu 10 Jahren Lagerhaft verurteilt wurde. Im sibirischen Norilsk schien sein Leben der Zerstörung preisgegeben.
Nach der sowjetischen Katastrophe im finnischen Krieg aber wurde er ohne jede Begründung in ein Erholungsheim nach Sotschi verbracht. Einigermaßen zu Kräften gekommen, tat er im alten Rang erneut Dienst in der Armee, als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben. Er hatte die Allmacht des Woschd in seiner ganzen Brutalität erfahren. Nach dem deutschen Überfall verzögerte Rokossowski den Fall von Smolensk, in der alles entscheidenden Schlacht um Moskau befehligte er eine wichtige Verteidigungslinie, auch in den schweren Zeiten der Sowjetarmee gehörte er zu den erfolgreichen Offizieren. Seine Stunde aber kam ein Jahr danach. Er kommandierte als Oberbefehlshaber der Don-Front die Einschließung der 6. Armee bei Stalingrad. Der Feldmarschall Paulus wurde sein Gefangener, den er der Presse vorführte und verhörte. Von da an war er prominent.
Der Plan
Rokossowski war von der eigenen Stärke und der Schwäche der Deutschen überzeugt, er glaubte fest daran, mit mehreren Einbrüchen zugleich den Einsturz der deutschen Front bewerkstelligen zu können, ihre Armeen nacheinander aufzusplittern, in immer neuen Umschließungen zu vernichten, in der Lage zu sein, den gesamten Mittelabschnitt der deutschen Ostfront auszulöschen. Ein skeptischer Stalin schlug nur einen Stoß von Süden hinter die deutschen Linien vor, in der Hoffnung, so viel wie möglich abzuschneiden. Der Mann, der wusste, wie eine Laune seines Gegenübers, der Widerspruch nicht schätzte, Leben beenden konnte, widersprach. Rokossowski bestand auf seinem Doppelangriff. Der Diktator begann ein Spiel mit ihm. Er wurde hinausgeschickt, wiedergeholt, brachte dasselbe vor, musste erneut gehen, sich von Malenkow und Molotow bedrohen lassen und sagte Stalin ein drittes Mal, was er dachte. Das rote Monster muss Vergnügen daran gehabt haben, denn nun stimmte der Vater der Völker seinem General, der bald Marschall werden sollte, zu aller Überraschung zu. Der Plan stand.
Die Heeresgruppe Mitte
Die Heeresgruppe Mitte, das Bollwerk der Wehrmacht, das zwischen der Roten Armee und dem Reich stand, war einmal die Speerspitze des Russlandfeldzuges gewesen. Sie schlug die gewaltigen Kesselschlachten von 1941, blieb vor Moskau im Schlamm liegen, erhob sich bei Frost, um vor der Hauptstadt auszubrennen. Sie wurde nicht durchbrochen, aber die hohen Verluste nahmen die Offensivkraft. Mit dem ersten Kriegstag begann in ihrem Rückraum die Ermordung der russischen Juden durch die Einsatzgruppen, ohne dass ihre Führer auch nur protestierten. Der Kommissarbefehl wurde umgesetzt, ebenso der völkermörderische Gerichtsbarkeitserlass, der die Zivilbevölkerung für vogelfrei erklärte. Der Partisanenkrieg erfasste Weißrussland, die Methode der Nazis war das wahllose Töten seiner Menschen, das Auslöschen der Dörfer ganzer Landstriche als Repression. Wer sich Oradour erklären will, muss nur wissen, dass die SS Division „Das Reich“ zuvor in Russland war, sie verfuhr, wie sie es mit Hunderten russischer Ortschaften, deren Namen niemand mehr kennt, gemacht hatte. Der Krieg im Osten war durch und durch verbrecherisch, nicht nur seine Kommandeure Täter. Seit der Feldmarschall von Kluge, der sich dem Widerstand zugehörig fühlte, ohne je etwas Widerständiges zu tun, lediglich Hitler das Leben rettete (“Sie können den Mann doch nicht einfach so beim Essen erschießen”), im Herbst 1943 nach einem Autounfall ausfiel, führte Ernst Busch die Heeresgruppe, ein überzeugter Nazi minderer militärischer Begabung. Die Soldaten waren unterernährt, obwohl man die Bevölkerung ausraubte, sie hungern ließ und Busch eine grauenvolle Aktion durchführte, in der Zehntausende, die man als “Esser” loswerden wollte, zusammengetrieben, in Hungerlager nahe der Front gepfercht wurden, bis niemand mehr hineinpasste. Hunderte, vielleicht Tausende kamen um, dann nahm die Wehrmacht die Hauptkampflinie zurück und überließ wie geplant die eingezäunten Sterbenden der Roten Armee. Ungefähr 750.000 Mann kommandierte Busch, nur 450.000 von ihnen waren Frontsoldaten. Die Löcher, die im Südabschnitt und im Westen zu stopfen waren, hatten die Truppe ausgezehrt, Panzerarmeen ohne Panzer, nur noch wenige Flugzeuge, kaum schwere Waffen, statt Frontlinien Stützpunkte. Rokossowski schätzte seinen Feind richtig ein.
Die Ausgangslage
Seit Sommer 1943 hatten die Deutschen im Südabschnitt eine Niederlage nach der anderen erlitten, die Verbände waren nahezu an jener Stelle zurück, wo sie 1941 zum Vernichtungskrieg aufgebrochen waren. Die Heeresgruppe Mitte aber hatte nur die Region um Smolensk verloren, wie ein riesiger Ballon ragte sie nach Russland hinein, jeder Laie konnte erkennen, ein Kessel, den man nur schließen musste. Busch begab sich mehrfach zu Hitler, um darum zu bitten, den Rückzug antreten zu dürfen, eine vielleicht verteidigungsfähige Linie auf Höhe der südlichen Heeresgruppen herstellen zu können. Hitler lehnte ab, der OB der 4. Armee, Heinrici, meldete sich krank, er wollte keine Verantwortung für das unvermeidliche Desaster tragen. Die deutschen Heerführer waren sich mit Stalin einig, sie vermuteten einen Angriff im Süden gegen die 2. Armee, der die Heeresgruppe abschneiden sollte. Ihre unzureichenden Verteidigungspläne beruhten darauf.
Dreifach ist der 22. Juni ein Schicksalspunkt im großen Sterben. Am 22. Juni 1940 kapitulierte Frankreich, der 22. Juni 1941, der 129. Jahrestag des Angriffs Napoleons, war der Tag des Überfalls auf die Sowjetunion, der aus dem Krieg den Vernichtungskrieg machte und den Auftakt der Shoa bedeutete. Das Bedürfnis der Sowjets nach Rache, nach Selbstbefreiung von aller Last und allen Ängsten, wird es gewesen sein, den großen Angriff auf den 22. Juni 1944 zu legen. Mit mehr als 1,4 Millionen Soldaten; Tausenden von Panzern, Flugzeugen und Geschützen, über zehnmal mehr, als die Deutschen hatten, schlugen sie im Osten der deutschen Front zu, dort wo der Ballon am tiefsten ins russische Land hineinragte, nördlich und südlich der Stadt Witebsk, wie Rokossowski es vorgeschlagen hatte. Keine drei Wochen nach der Invasion in der Normandie, koordiniert mit der westlichen Kriegsführung.
Die Schlacht
Die jüdischen Bielski-Partisanen
Was sich darauf abspielte, war wie eine Spiegelung des Geschehens in Weißrussland drei Jahre zuvor. Den sowjetischen Blitzkrieg hat es jemand genannt. Schon in den ersten Tagen riss die deutsche Front Hunderte Kilometer auf, Armeen wurden abgeschnitten, eingeschlossen, versuchten als flüchtende Wanderkessel gen Westen zu gelangen, Busch wurde abgesetzt, sein Nachfolger Model vermochte nichts zu retten. An der Beresina wiederholte sich das Inferno, das einst Bonapartes Grande Armee untergehen ließ. In den Wäldern vor Minsk gingen die Besatzer zugrunde, erschossen, erschlagen, die Partisanen bildeten Linien, sie aufzuhalten, bis die regulären russischen Verbände sie vernichten konnten. Die Vergeltung schlug auf die Täter zurück. Die jüdischen Partisanen der Bielski-Brüder, die im Urwald von Naliboki Geflüchtete aus den Ghettos in Waldlagern geschützt und zu Kämpfern gemacht hatten, sie bildeten die Barriere, vor denen die Fliehenden der 4. Armee zugrunde gingen. Sie machten keine Gefangenen und hatten allen Grund dazu. In Wilna drangen jüdische Kämpfer ein, niemand soll sagen, sie hätten sich wie Schafe zur Schlachtbank führen lassen. Vor Minsk eroberte die Rote Armee die Reste des Lagers Maly Trostinez, des kaum bekannten Vernichtungslagers auf russischem Gebiet. Hier hatte man 1942 und 1943 Transporte deutscher Juden ermordet, mit Gaswagen oder erschossen, aus Köln, aus Wien, aus anderen Städten. Ihre Leichen lagen in Massengräbern, als die Mörder fürchteten, die Russen könnten zurückkehren, wurden jüdische Häftlinge gezwungen, die verwesenden Toten auszugraben und zu verbrennen, alle brachte die SS in den Tagen vor der Befreiung um.
Minsk war schon Anfang Juli genommen, jetzt konnten die Sowjets fast ungehindert weiter vorstoßen, hinein nach Polen, bei Lublin fiel ihnen ein intaktes Vernichtungslager in die Hände, Majdanek, Gaskammern und Krematorien konnten nicht mehr zerstört werden, die Welt bekam einen ersten Anblick der Wahrheit des Judenmordes zu Gesicht. Doch mühsam baute die 2. deutsche Armee, die intakt geblieben war und sich vorsichtig zurückzog, den Schleier einer neuen Front auf. Die Sieger, die Hunderte Kilometer in wenigen Wochen vorgedrungen waren, ermüdet, auch sie hatten entsetzliche Verluste erlitten. Während die Deutschen weit über 400.000 Mann an Toten, Vermissten, Verwundeten, Gefangenen verloren, waren es bei der Roten Armee sogar 750.000 gewesen. Eine neue Seite trat in den Kampf ein, die polnische Heimatarmee. Sobald die Russen auf der Ostseite der Weichsel angelangt waren, begann der Warschauer Aufstand. Stalin stoppte seine Offensive, er sah zu, wie die Deutschen ihm die Drecksarbeit der Vernichtung des polnischen Widerstandes abnahmen, er ließ dort, wo ihm Kämpfer der Heimatarmee in die Hände fielen, diese entwaffnen, oft festnehmen und gründete in Lublin eine kommunistische polnische Regierung. Die Nachkriegszeit zog auf, mit ihr der Eiserne Vorhang. Polen tauschte nur den Unterdrücker.
Die Bedeutung
Zhukov, Montgomery und Rokossowski in Berlin
Als der Sommer sich dem Ende neigte, hatte die Wehrmacht nichts mehr, was sie einer nächsten Offensive hätte entgegenwerfen können. Selbst das Abschneiden der Heeresgruppe Nord, deren Flanke nach dem Verschwinden der Heeresgruppe Mitte im Süden völlig offen war, gelang am Ende dank Hitlers neuerlicher Weigerung, auch sie zurück zu nehmen. Die deutschen Verluste waren nicht auszugleichen, die Sowjets hatten damit kein Problem. Stalin genoss seinen Triumph, in dem er 50.000 Gefangene durch Moskau treiben ließ. Die deutsche Propaganda konzentrierte sich auf die Invasionsschlacht, um den Blick der Menschen vom Osten wegzulenken. Selbst der Zusammenbruch dort schien erträglicher, als das, was sich gerade zwischen Witebsk und Warschau abgespielt hatte. Es war die größte Niederlage, die je deutsche Streitkräfte in der Geschichte erlitten. Sie hätten unverzüglich kapitulieren müssen. Nichts, gar nichts konnte die Liquidierung des germanischen Mordstaates noch abwenden, jeder Tote, den Deutsche bis zum Ende beklagten, in den Ardennen, in Ostpreußen, Pommern und Schlesien, in Dresden, in Berlin und anderswo, haben nur jene, die sinnlos weiterkämpften, zu verantworten, niemand anderer. So markiert der 22. Juni 1944 den Beginn des Schlusspunktes des 2. Weltkriegs. Goebbels Mantel des Schweigens wirkt in der deutschen Geschichtsbetrachtung indes bis heute fort. Es war angenehmer, sich von den Alliierten besiegt zu fühlen, als durch die Rote Armee den Blattschuss empfangen zu haben.
Vor alle dem jedoch steht Rokossowskis Mut, Stalin zu widersprechen. Er kommandierte die Siegesparade in Moskau.
Susana Santos Silva 2016 beim Festival mit ihrem Flügelhorn Foto: Harald Krichel Lizenz: CC BY-SA 4.0
Bis heute hatte das traditionsreiche Pfingstereignis, das vor 50 Jahren als „New Jazz Festival Moers“ an den Start ging, auf physisch anwesende Zuschauerinnen und Zuschauer gehofft, wenn auch in eher kleinteiligen Formaten. Aus dem geplanten Hybridfestival wird nun – wie im Vorjahr – ein rein digitales Ereignis. Von unserem Gastautor ************@***oo.com“ data-hovercard-owner-id=“121″>Matthias Hesse
Grund für diese endgültige Entscheidung ist die neu in Kraft getretene Coronaschutzverordnung NRW, die trotz einiger Lockerungen in anderen Bereichen bis zum 4. Juni generell kein grünes Licht für Festivals gibt. Aber auf außergewöhnliche Klänge brauche
Generaloberst Alfred Jodl, zuvor von Karl Dönitz dazu autorisiert, unterzeichnet die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 7. Mai 1945 in Reims. Foto: Franklin D. Roosevelt Library Lizenz: Gemeinfrei
Die Wehrmacht kapituliert in Reims und Göring wird festgenommen. Von unserem Gastautor Manfred Barnekow.
Der Schlussakt, Montag, 07. Mai 1945
In Prag, wo die Deutschen noch herrschten, brach am 5. Mai einer der Aufstände in allerletzter Stunde los, die Wehrmacht, ohnehin im Aufbruch, reagierte eher unwillig, die SS hingegen schlug brutal zurück. An diesem 7. Mai rückte eine russische Division unter dem General Bunjatschenko zur Unterstützung der Aufständischen in die tschechische Hauptstadt ein. Allein, diese unterstand nicht Konew, dem später das Denkmal gebaut wurde, ihre
Bundesverfassungsgericht (Ausschnitt) Foto: Rainer Lück 1RL.de Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Von unserem Gastautor Thomas Hafke
„Künftig könnten selbst gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein, erläuterten die Richter.“ FAZ
Wieso das Verfassungsgericht sich für die Klage von Fridays for Future, die Maßnahmen der Regierung gegen den Klimawandel seien nicht ausreichend, überhaupt angenommen hat, bleibt mir als Bürger dieses Landes ein Rätsel. Ich denke nicht, dass ein Verfassungsgericht für diese
Ausgebrannte Häuserzeilen in Hamburg, 1944/1945 Foto: Dowd J (Fg Off), Royal Air Force official photographe Lizenz: Gemeinfrei
In Hamburg versucht die Naziführung ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen. Von unserem Gastautor Manfred Barnekow.
Donnerstag, 26. April 1945, die Schlacht am Kiekeberg
Die britischen Truppen hatten den Süden Hamburgs besetzt, die Frontlinie war beim Stadtteil Harburg. Am 15. April hatten sie Bergen-Belsen befreit, ihre Sicht auf Deutschland und die Deutschen war nachhaltig geprägt. Sie gingen methodisch voran, keinesfalls wollten sie ein Gemetzel in den Ruinen Hamburgs, wie die Russen es zur selben Zeit in Berlin hinter sich brachten. Zwei Versuche westlich und östlich von Hamburg die Elbe zu
Der sogenannte „Führerbunker“ im Garten der im II. Weltkrieg zerstörten Reichskanzlei Foto: Bundesarchiv, Bild 183-V04744 Lizenz: CC-BY-SA 3.0
In Berlin hat der Kampf um das Zentrum begonnen. Von unserem Gastautor Manfred Barnekow.
In Berlin begann der Kampf um den unmittelbaren Innenstadtbereich mit Reichskanzlei und Führerbunker, wo sich vornehmlich SS unter dem Befehl des SS-Brigadeführers Mohnke verschanzt hatte. Zitadelle war der deutsche Codename für diesen dritten und inneren Verteidigungsring Berlins. Hier sollte sich das Ende in der Reichshauptstadt abspielen. Mohnke war wahrlich der geeignete Mann dafür, von brutaler Härte, mehrfach verwundet und mehrfach verantwortlich für die Ermordung alliierter Kriegsgefangener in den Jahren 1941 und 44. Auch der Mitverantwortung am Malmedymassaker war er verdächtig, da er sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft befand und erst 1955 mit den Letzten zurückkehren konnte, entging er einem Kriegsverbrecherprozess. Noch einmal wird er auftauchen, bekannt geworden mit dem Sternreporter Gerd Heidemann, auf dessen berüchtigter Göringyacht er zu Gast war, wird er diesem den Kontakt zu einem Militaria Händler ebnen, einem gewissen Konrad Kujau. Als er die falschen Hitler-Tagebücher allerdings zu lesen bekommen wird, macht er Heidemann auf krasse Fehler aufmerksam. Vergebens.
Am 28.04.1945 ließ er seine Truppen sich Stellungen bauen, da nun die Sowjets seinen Verteidigungsbereich erreicht hatten. Lettische und französische SS-Soldaten waren dabei, sie hatten nichts zu verlieren und würden entschlossen bis zum Ende durchhalten. Im Reichstagsgebäude suchten vor allem Franzosen und Versprengte ihren Platz für den Endkampf. Das Gebäude war seit dem Brand von 1933 nicht mehr verwendet worden, den Nazis verhasst. Aus unerfindlichen Gründen aber hatte Stalin einen Narren an ihm gefressen. Die Rote Fahne auf dem Reichstag sollte den Sieg symbolisieren. Mohnke würde das das Halten des Bunkers auf dem Areal der Reichskanzlei erleichtern. Das Datum begann Stalin unruhig zu machen, Unmissverständlich erklärte er seinen Marschällen, was er wollte, das Ende der Schlacht zum 1. Mai. Zum Nachdruck erlaubte er Konew wieder in die Stadt vorzudringen; der hatte den Zoo fast erreicht, als er feststellen musste, dass die vor ihm stehenden Truppen schon keine Deutschen mehr waren, sondern zu Schukow gehörten.
Hitler sah das Ende kommen und begann sich an die Illusion zu klammern, Wencks 12. Armee war es erstaunlicher Weise gelungen, die sowjetischen Flanken zu durchbrechen und einige Kilometer nach Osten vorzudringen. Vermutlich war es der Überraschungseffekt, aber er bediente damit Hitlers Wahnideen. Indessen befreiten die Männer und Jungen der 12. Armee die schon eingeschlossene Garnison von Potsdam. Wenck benachrichtigte General Busse mit den eingeschlossenen Resten der 9. Armee, dass er nicht weiter vorankommen könnte und Busse zu ihm ausbrechen müsse, was dieser umzusetzen begann
Autoritätsstrukturen lösten sich auf. In Vorpommern fluteten die Reste der Heeresgruppe Weichsel zurück. Keitel und Jodl waren von Hitler aus Berlin fortgeschickt worden, um für Durchhalten zu sorgen. Bei Wenck waren sie gewesen, der ihnen erzählt hatte, was sie hören wollten, ohne die geringste Absicht der Umsetzung. Nun traf Keitel bei einer Straßenkreuzung nahe Neubrandenburg am 28.04. den OB der Heeresgruppe Weichsel Heinrici und den der 3. Panzerarmee von Manteuffel, die sich aufzulösen begann. Der erste Lakeitel seines Führers beschwor beide, Widerstand zu leisten, für den Führer, forderte Heinrici unmissverständlich auf, die fliehenden Truppen mit Standgerichten aufzuhalten, zu erschießen. Genau in jenem Moment tauchten ungeordnete Soldaten auf, die nach Westen strebten. Heinrici zog seine Pistole, hielt sie Keitel hin und sagte nur, er könne ja schon mal damit anfangen. Keitel verließ wortlos die Szenerie. Er wird Heinrici absetzen, der Nachfolger nie bei der Heeresgruppe eintreffen, weil er sich vorher für die amerikanische Gefangenschaft entscheidet. Ungeordnete Fluchten, Führungslosigkeit und Massaker sind die letzten Zuckungen des Krieges. Rokossowski aber kann umso schneller vordringen, Richtung Rostock, dann wird der Weg nach Wismar frei werden und dahinter käme schon Lübeck.
Die Amerikaner zogen in Richtung der Alpen. Sie glaubten noch, dort wäre die letzte Festung der Nazis. Hinter ihnen lag das am Vortag eingenommene KZ Dachau und ein Entsetzen, das nicht beschreibbar ist. Dachau bot einen Belsen nicht unähnlichen Anblick. Halbverhungerte und Tote, die überall lagen. Ein nicht ausgeladener Zug mit Viehwaggons voller Leichen. Darauf waren die Fronttruppen nicht vorbereitet. Sie handelten, sie taten, was sie als die richtige Reaktion darauf ansahen. Aufgegriffene SS Bestien wurden an die Wand gestellt und erschossen, andere erschlagen, niedergemacht. Eine Abrechnung, die nicht dem Wunsch der alliierten Führungen entsprach, ordentliche Gerichtsverfahren zu führen und darum abgebrochen wurde. Aber eine, die Befriedigung zurücklässt, dass es auch jene schmutzigen kleinen Mörder getroffen hatte, die in der Nachkriegszeit nur allzu oft sich herauswinden konnten.
Die Briten befreiten in der Heide ein Kriegsgefangenenlager bei dem Ort Sandbostel. In den Wochen zuvor aber hatten die SS Horden im Zuge der Räumungsphasen schon Tausende Häftlinge aus Neuengamme hierin verbracht, 3000 von ihnen waren tot, die anderen unversorgt und im Sterbeprozess. Montgomerys Truppen hatten nach Bergen Belsen schon den zweiten Blick in die Hölle getan. Sie werden an diesem Ort später deutsche Gefangene internieren und sie werden nicht sehr nett zu ihnen sein. In rechten Kreisen gilt Sandbostel seither als Selbstmitleidsanlass.
Endphasenverbrechen heißt in der heutigen Geschichtswissenschaft das Vernichten von Menschen im Chaos des Untergangs. Es war von Beginn des Zusammenbruches an die Absicht, möglichst keine Befreiungen zuzulassen. So kam es zu Todesmärschen in eisiger Kälte, die oft nur wenige überlebten, Bahntransporten in offenen Wagen, die die Opfer festfrieren ließen, zum zehntausenfachen Tod durch Verzicht auf Versorgung, Hunger und Krankheit, wie in fast allen Lagern am Ende.
Und es gab ein weiteres Phänomen. Transporte ins Nirgendwo blieben auch liegen, Gefangene kamen frei. Die örtlichen Behörden handelten hier. Sie bewaffneten Bürger, zumeist Jugendliche aus der HJ die mit gnadenlosem Fanatismus Jagd auf die orientierungslosen, hungernden und frierenden Menschen machen. Von den Frauen aus Stutthof am Strand Ostpreußens über die Gegend um Mauthausen, Gardelegen bis Celle dasselbe Bild. Es gab kaum Überlebende. All die guten Deutschen, die sich von Hitler um den Sieg betrogen fühlten und ihm übelnahmen, dass er sie in den Untergang mitnehmen wollte, hatten keine Hemmungen, ihre Mordgelüste an Unschuldigen bis zuletzt auszuleben, manchmal waren die Alliierten keinen Tagesmarsch mehr entfernt. Im Februar, als Dresden der städteplanerischen Überarbeitung unterzogen wurde, sei der Krieg so gut wie vorbei gewesen? Welch eine heuchlerische Lüge. Der Krieg war vorbei, als die Truppen der Sieger all den professionellen Tätern ebenso wie den barbarischen halbwüchsigen Hobbymördern für alle Zeiten das Handwerk gelegt hatten. Bis dahin machte Harris Strategie überraschend doch noch einmal Sinn.
Schiffsverkehr auf der Elbe in Hamburg Foto: Frank Liebig Lizenz: CC BY-SA 3.0 de
Die EU hat eine neue Handelsstrategie und gibt sich freihandelsliebend. Tatsächlich stehen wettbewerbsschwache EU-Unternehmen unter Bestandsschutz. Knallharter Protektionismus ist die Folge. Von unserem Gastautor Alexander Horn.
Die Corona-Krise könnte „zum Beschleuniger von Trends wie Protektionismus oder der Entstehung von konkurrierenden geoökonomischen Blöcken werden“, warnte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor einigen Monaten.[1] Allerdings hätten schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie „globale Handelskonflikte, neue Zölle und
Schauspielhaus Düsseldorf 2013 Foto: Tuheidi Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wer in den letzten Tagen auf das Geschehen rund um das Düsseldorfer Schauspielhaus geblickt hat, wird erstaunt sein. Es scheint als hätte das Politische vollends Einzug gefunden in die Darstellende Kunst. Ron Iyamu, ein junger Schauspieler vom Mozarteum Salzburg, erhebt Rassismusvorwürfe gegen das Schauspielhaus und bezieht sich dabei vor allem auf die Proben zu Dantons Tod.[1] Als Reaktion forderte eine Gruppe von Darstellern und Dartstellerinnen die Finanzierung eines eigens für sie geschaffenen Theaters, das frei von Rassismus und Ausgrenzung aller Art sei.[2] Bernd Stegemann, der in der FAZ zu den Vorwürfen Stellung bezog, wurde nun durch einen offenen Brief Replik geboten. Dieser ist jedoch in vielerlei Hinsicht problematisch. Eine kurze Betrachtung von unserem Gastautor Ioannis Dimopulos:
Zu Beginn sei gesagt, dass unter den Verfassern des Briefes einige Hochkaräter der deutschen Theaterlandschaft sind. Hierzu zählt etwa Prof. Dr. Thomas Schmidt und die Regisseurin Angela Richter. Problematisch ist hier bereit der erste Absatz, den es im Wortlaut zu zitieren gilt.
„Wir möchten mit dieser Erwiderung Partei ergreifen für Ron Iyamu, ohne uns anmaßen zu wollen, zu verstehen, wie es ihm in dem was passiert ist, ergangen sein mag. Wir versuchen es nachzuempfinden, ohne es uns aneignen zu wollen und ohne es uns aneignen zu dürfen.“[3]
Wie spricht man aber über etwas, was man nicht versteht? Zu Beginn wird hier der rassistische Angriff auf den Darsteller Iyamu als etwas behauptet, was sich anscheinend nicht objektiv
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