Nordirland in Aufruhr

Dietrich Schulze-Marmeling. Foto: privat

Vor einigen Tagen fragten sich die Ruhrbarone, warum die Unruhen in Nordirland einen relativ geringen Widerhall in den Medien fänden und was dort eigentlich los sei.  Der Brexit, die neuen Zollschranken, der britische Erfolg im Kampf gegen Corona – was ist es?  Die Leser der Ruhrbarone kennen Dietrich Schulze-Marmeling als Fußballsachautor. Nicht bekannt sein dürfte, dass unserem Gastautor die Verhältnisse in Nordirland bestens vertraut sind: 

Vorab: Nordirland hat schon wesentlich schwerere Unruhen erlebt. Aber die letzten Tage lieferten die Bilder, die wir aus der Provinz gewohnt sind und in den letzten Jahren etwas vermisst haben. Die hiesige Presse berichtet vom ersten Einsatz von Wasserwerfern in Nordirland. Nun, während der „Troubles“, wie die Nordiren ihren Krieg nannten, feuerte die Polizei mit Plastikgeschossen auf „rioters“.

Die SPD-Politikerin Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europaparlaments, sieht die Gefahr eines neuerlichen Bürgerkrieges. Bevor ich mich dem Eskalationspotenzial der gegenwärtigen Unruhen widme, einige Erläuterungen zu deren Ursachen. Was nicht ohne einen tieferen Blick in ein politisches Gebildes geht, das in diesem Jahr seinen 100sten Geburtstag feiert.

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Berliner Zeitung: Berliner Abschied von der Zeitung


Die „Berliner Zeitung“ verabschiedet sich von der Zeitung. Am Wochenende heisst sie nur noch so, ist aber keine mehr, sondern wurde in ein Magazin verwandelt. Damit verzichtet das einst auflagenstärkste Aboblatt der Hauptstadt darauf, an den beiden Tagen der Woche, an denen am längsten und meisten gelesen wird, mit dem Anspruch einer Zeitung den aktuellen öffentlichen Diskurs durch Reportagen, Analysen und Kommentare zu prägen. Die neuen Verleger kehren damit als erste in Berlin der grossen Tradition der Zeitung den Rücken, die über lange Zeit die Öffentlichkeit entscheidend bestimmte. Von unserem Gastautor Franz Sommerfeld.

Ihrer Entscheidung wohnt eine gewisse Logik inne. Denn schon lange spielen die Zeitungen nicht mehr die dominierende und bestimmende Rolle in der Meinungsbildung, die ihnen Politiker und andere immer noch zumessen, wenn sie ihr eigenes Statement und Foto dort entdecken. Die Auflagen der Berliner Abo-Zeitungen liegen unter 50.000 Exemplaren, nur der „Tagesspiegel“ hält sich deutlich darüber. Aber es ist überhaupt nicht zu vergleichen mit den Zeiten, in denen Tageszeitungen über die Hälfte der Haushalte erreichten und so tatsächlich Meinung machten. Öffentliche Meinung entsteht heute in einer vielfältigeren und unübersichtlicheren Medienlandschaft.

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Die heimlichen Konservativen: Warum Queerfeminismus und Genderideologie keinen Fortschritt bringen

Die 50er: Typische Wohnzimmereinrichtung mit Nierentisch Foto: Hans Weingartz Lizenz: CC BY-SA 2.0 de

Noch vor 70 Jahren war die Welt eine einfache: Männer waren stark, gingen arbeiten, machten Politik, trugen Anzug, kurzes Haar und flache Schuhe, während ihre Frauen sich zuhause um die Kinder und den Haushalt kümmerten, um anschließend das Abendessen vorzubereiten. Wer damit nicht einverstanden war – ja, der hatte eben Pech. Von unserem Gastautor Paul Geilenkeuser.

Bis heute verlangt die Gesellschaft, wenn auch hierzulande in abgeschwächter Form, von jedem Einzelnen, sich gewissen Normen zu unterwerfen, die ihm aufgrund seines Geschlechts auferlegt werden. Mann und Frau haben ihre Rollen zu spielen, und wer aus diesen ausbricht,

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Jerusalemer Erklärung: Antisemitismus definieren, dann BDS hofieren

Jerusalem: Die Klagemauer, im Hintergrund der Felsendom Foto: Berthold Werner Lizenz: Gemeinfrei

Es war zu erwarten: Eines Tages würde eine internationale Riege mit wissenschaftlicher Autorität ihren Gütesiegel an BDS verleihen. Jetzt ist es passiert. Es ist übel. Vielleicht liegt es am Jerusalem-Syndrom. Von unserem Gastautor Thomas Wessel

Es gibt das ja, so eine Art Flimmern im Selbstbild, das nur in Jerusalem auftritt und macht, dass Leute, die aus aller Welt angereist kommen, sich plötzlich mit Mose verwechseln oder mit Petrus, dem Fischer. Jährlich erkranken rund 100 Menschen an diesem Syndrom, meistens verliert es sich auf dem Rückflug. Wie viele Jerusalemer Erklärungen es schon gegeben haben mag?

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50 Jahre Moers Festival

Tim Isfort Foto:
Matthias Hesse


„Improvisation ist eine gesellschaftliche Idee, Moers hat 2021 den Kampf für eine neue Zukunft der Kunst aufgenommen,“ sagt Tim Isfort im Time-Tunnel, einer seit langem versiegelten Unterführung in der Innenstadt, in die das Festival geladen hat. Von unserem Gastautor ************@***oo.com“ data-hovercard-owner-id=“126″>Matthias Hesse.

Vergangenes Pfingsten war das Moers Festival das erste seiner Art, das trotz Pandemie stattfand, indem es komplett ins Internet gestreamt wurde – flankiert von allerlei Versuchen, mit den virtuellen Besucherinnen und Besuchern interaktive Tuchfühlung aufzunehmen, von der internationalen Jazzpresse mit reichlich Aufmerksamkeit bedacht. Nun fällt ausgerechnet das

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Wie Überregulierung und Bürokratie die Corona-Schutzimpfung verlangsamt

Impfstoff von AstraZeneca Foto: gencat cat Lizenz: CC0

Über eine Million Impfdosen liegen allein in NRW ungenutzt herum. Von unserem Gastautor Volker Eichener.

Die Regierung ist vom Krisenmodus in den Panikmodus gegangen. Anders kann man nicht deuten, was am 23. und 24. März passiert ist. Die dritte Infektionswelle rollt, und die Impfkampagne kommt – auch im internationalen Vergleich – nur schleppend voran, hat sogar gegenüber einem zwischenzeitlichen Höchststand am 12. März wieder an Tempo verloren. Die komplett missratene Idee eines Gründonnerstags-Total-Lockdowns war der Versuch eines

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Kultur in der Krise: Das schweigende Publikum

Christian Miedl – Staatsoper Stuttgart – Luci mie traditrici – Quelle Matthias Baus

Vor kurzem gab es auf Facebook einen gutgemeinten Post: Die Kultur hätte die Pandemie natürlich überlebt, so wie sie auch viel schlimmere Krisen überstanden hat, und nichts, auch nicht die Politik, würde sie beenden können. Es gab sofort beistimmende Worte der Leserschaft. Das war sehr berührend, aber: Beipflichten können hier nur die Konsumenten, weniger die Ausführenden. Von unserem Gastautor Christian Miedl in Kooperation mit dem Opernmagazin.

Gegen Kriege sind die Zeiten jetzt natürlich Pillepalle – aktuell haben 80% der Bevölkerung finanziell keinerlei Einschränkungen. Das Tragen der Maske wird beklagt, was in realiter aber keine existenzielle Einschränkung ist! Mich würden dagegen die Kommentare interessieren, wenn dieselben Leute wie die freischaffenden Opernsänger seit einem Jahr keine Einnahmen hatten und auch keine staatliche Hilfe erhalten haben, sprich, bereits 12 Monate nur Ausgaben hatten, bei Null Einnahmen. Da hilft leider kein Umarmungs-Emoji!

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Das Wutbürgertum in Zeiten von Corona

Brotzeit im Biergarten Foto: Magnus Gertkemper Lizenz: Das Wutbürgertum in Zeiten von Corona

Eine Replik auf Stefan Laurins gestrigen Text von unserem Gastautor Arthur Buckow

„Die wachsende Wut wird sich ihren Weg bahnen“ – so ein boulevardesker Titel hat es eigentlich nicht verdient, auf einem kleinen Blog aus dem Revier zu verkümmern, denn er sagt: „Völker, hört die Signale!“. Aber was er absichtsvoll nicht sagt: Ist das Signal als Warnung oder als Drohung zu verstehen? Das nämlich wäre ein Unterschied ums Ganze. Doch Laurin gibt sich ergebnisoffen, die Wut sei berechtigt, die Richtung, in der sie sich entladen wird, sei derweil noch unklar.

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Konkurrent China: Im Mandarin gibt es keine Gendersternchen

Tian’anmen-Platz Foto: Yo Hibino aus Lafayette IN Lizenz: CC BY 2.0

Einige Medien zitieren die Befürchtungen deutscher Wirtschaftsvertreter, dass Chinas Wirtschaft unverhältnismäßig wächst, während die der „westlichen Wirtschaftsmächte“ vor allem seit der Coronapandemie stagniert und sogar negative Entwicklung aufzeigt. Andere, auch wieder deutsche Wirtschaftsvertreter befürchten, dass die chinesische Führung für ihren nächsten 5-Jahresplan mehr Autarkie für die chinesische Wirtschaft plant, und dass das für deutsche Exportprodukte, sehr nachteilige Folgen haben wird. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

Vor einigen Wochen schrieb Businessinsider  „In 2020 wuchs die chinesische Wirtschaft insgesamt um 2,3 Prozent – trotz Corona-Pandemie. Damit schlägt China die Erwartungen zahlreicher Analysten. Für Europa sind das nur bedingt gute Nachrichten, China will nämlich wirtschaftlich autarker werden. Neue Studien zeigen, dass 96 Prozent der in China tätigen Firmen aus Europa von den Entkopplungsplänen betroffen sind.“

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Marx21 und die Linkspartei Essen


Es gibt Parteien, die manche grundsätzlich im Parteienspektrum für unverzichtbar halten mögen, aber in ihrer Praxis dann unwählbar werden. Kaum eine Partei schafft das so gut, wie die Linkspartei. Dabei sind Fragen nach Solidarität, gerechter Verteilung von Wohlstand welche, die in einer Gesellschaft immer neu gestellt werden sollten – und auch diese Partei könnte Impulse geben. Könnte. Von unserem Gastautor Tobias Müller.

Schreibe ich über die Linkspartei, so ist die Frage zu stellen, was mit dieser eigentlich gemeint ist. Sie ist eine Partei im politischen Spektrum, genau wie andere. Sie hat unterschiedliche Netzwerke, Flügel und Unterorganisationen.

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