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Der BVB zahlt jetzt den Preis für seine offensiv ausgerufenen Ambitionen auf die Meisterschaft

Marco Reus war auch schon einmal besser drauf. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

So unterschiedlich können zwei Teams im Fußball eine ähnliche Ausbeute bewerten. Während man bei Schalke 04 mit den zehn Zählern aus den ersten fünf Saisonspielen fast schon euphorisch zu sein scheint, obwohl die Leistungen gegen eher schwache Gegner nicht gerade spitzenmässig waren, wie auch das 2:1 gegen den FSV Mainz 05 am Freitag wieder gezeigt hat, als die Gelsenkirchener nach eher mühsam wirkenden 90 Minuten gerade noch durch einen Glücksschuss in der Schlussphase gewannen, herrscht beim BVB, nur wenige Kilometer weiter, aktuell gefühlt so eine Art Untergangsstimmung.

Kapitän Marco Reus platzte im Interview nach dem 2:2 der Dortmunder bei Eintracht Frankfurt im TV-Interview direkt der Kragen, als ihm eine Frage nach der womöglich fehlenden Mentalität des Teams gestellt wurde. Dabei war die Frage von Sky durchaus berechtigt, hatte der BVB in Frankfurt doch einmal mehr unnötig Punkte liegengelassen. Das hat der BVB jetzt davon, dass er vor Saisonbeginn ungewohnt offensiv das Ziel Meisterschaft ausgerufen hat.

Im Vorjahr, als die Schwarzgelben phasenweise mit neun Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze standen, mieden Lucien Favre & Co. das Wort Meisterschaft wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Am Ende, als die erste Meisterschaft seit 2012 knapp verpasst wurde, hagelte es Kritik, dass der Verein zu defensiv mit dem Thema umgegangen sei, er sich früher zum Ziel Meisterschaft hätte bekennen müssen.

Die Dortmunder reagierten, gingen nach einer Transferoffensive im Sommer, diesmal ungewohnt offensiv an die Saisonzielsetzung heran und erklärten den Titel öffentlich und vielstimmig zum Ziel der Bemühungen. Dies könnte sich nun bitter rächen.

Bei jedem Rückschlag bekommt der BVB massive Häme und Kritik zu spüren. So auch gestern in Frankfurt. Wenn ein Meisterschaftsanwärter eine Führung in den Schlussminuten verspielt, auch völlig zurecht. Das geht dem FC Bayern München schon seit Jahren so. Immer wenn Bayern nicht gewinnt, wird eine Krise vermutet und die Presse reagiert entsprechend harsch.

In eine vergleichbare Situation hat sich der Double-Sieger von 2012 jetzt selber gebracht. Das könnte sich als großer Fehler erweisen. Vermutlich hätte es sich mit einer Aussage a la ‘Wir versuchen, wie immer, jedes Spiel erfolgreich zu gestalten und schauen dann einmal was dabei herauskommt’ besser leben lassen.

Dass die Nerven schon nach fünf Spieltagen offenkundig blank liegen, wie Marco Reus am Sonntag in Frankfurt mit seiner Dünnhäutigkeit offenbarte, deutet jedenfalls ganz eindeutig darauf hin, dass das Team für die öffentlichen Ansprüche noch nicht reif genug ist.

Denn eigentlich ist die Bilanz der Borussen, im Gegensatz zum eigenen Empfinden, durchaus vorzeigbar. Die beiden Liga-Heimspiele wurden gewonnen, auswärts wurde man in drei Spielen erst einmal besiegt und auch ein Punkt in Frankfurt, wo der BVB seit sechs Jahren nicht mehr gewinnen konnte, ist nichts wofür man sich entschuldigen müsste. Das Team rangiert auf Rang drei in der Tabelle, nur einen Punkt hinter dem großen Favoriten, dem FC Bayern.

Dass man dies beim BVB, im Gegensatz zum FC Schalke, der sogar schon drei Heimspiele hatte um seine zehn Punkte einzusammeln, jetzt trotzdem als einen schwachen Saisonstart empfindet, ist reine Psychologie. Und in diese Bredouille hat sich der Klub selbst gebracht. Echt dumm gelaufen!

 

 

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6 Kommentare zu “Der BVB zahlt jetzt den Preis für seine offensiv ausgerufenen Ambitionen auf die Meisterschaft

  • #1
    thomas weigle

    Ein Remis im Frankfurter Stadtwald ist nun tatsächlich kein Zeichen von Gästeschwäche, auch ein Ausgleichstor kurz vor Schluss nicht, dass ist schon vielen dort so gegangen.
    Allerdings nur ein Punkt hinter oder meinethalben auch vor Bayern ist dann kein Trost, wenn man am Ende hinter den ungeliebten Brausekickern aus Sachsen einkommt.
    Vorlaut sein ist nicht immer ein Zeichen von Stärke.
    P.S. Im Oktober kommt "der weiße Brasilianer" Brinkmann nach Halle, Eintritt 20 Euro. Sind solche Preise bei Autorenlesungen von ehemals Profifußballern üblich?

  • #2
    ke

    Bei dem Kader muss Borussia auch Ansprüche offensiv vertreten.

    Das Problem ist doch, dass man versucht, knappe Führungen über die Zeit zu bringen und das muss nicht immer klappen.
    Beim Auswechseln zeigte sich doch deutlich, dass Borussia nichts mehr machen will. Die Körpersprache mit Super-Zeitlupe beim Gang vom Platz 15 Minuten vor Schluss zeigt sofort, dass man nichts mehr machen will und nur noch auch Zeit spielt.

    Bei der fehleranfälligen Abwehr ist das ein extremes Risiko.
    Reus hat auch kaum noch Durchschlagskraft und oft einfach Pech/Ungenauigkeiten beim Abschluss.

    Selbstbewusstsein ist anders.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Wenn ich offiziell ausrufe in der Tabelle am Ende vor den Bayern landen zu wollen, dann brauche ich eben auch deren Selbstverständnis. Und das hat der BVB offenkundig noch nicht, wie das Ergebnis und Reus’ Ausraster einmal mehr gezeigt haben.

  • #4
    Paul Kriener

    Der Vergleich zwischen den beiden Revierclubs hinkt etwas. Schaut man sich das kickende Personal an, ist der BVB nahezu auf allen Positionen nominell deutlich besser besetzt. Schaut man auf die Ansprüche, sind die höher. Schaut man auf die Aussprüche der Vereinsoberen vor Saisonbeginn…

    „Eher schwache Gegner“? Schalke musste erst auswärts in M‘Gladbach ran, und spielte dann zuhause gegen die Bayern.

    Der BVB spielte gegen Augsburg, Köln und Union Berlin. Das war nicht immer erfolgreich, aber wirklich stark waren diese Gegner eher nicht.

    Die Euphorie auf Schalke rührt aber nicht nur von den erzielten Punkten, immerhin 10 mehr als nach fünf Spieltagen in der Vorsaison. Sie kommt von dem deutlich besseren Auftreten der Mannschaft, nachdem das Spiel vorher lange zum Fremdschämen war. So kann auch eine limitierte Truppe dann kurz vor Schluss noch ein Spiel für sich entscheiden, und das macht natürlich mehr Spaß, als kurz vor dem Schlusspfiff noch den Ausgleich zu kassieren (dazu noch per Eigentor) oder gegen Union Berlin unterzugehen!

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Paul Kriener: Also, spielerisch waren die Schalker bisher eindeutig schwächer als der BVB. Sie haben allerdings davon profitiert, dass ihre 3 Siege gegen eine schwache Hertha (zwei Berliner Eigentore), bei unterirdischen Paderborner und gegen mutlose und blasse Mainzer möglich waren. Gegen Mönchengladbach und Bayern war Schalke zudem ohne Siegchance. Da war der BVB schon deutlich weiter in seinen Spielen, wenn er auch ebenfalls nicht gerade geglänzt hat.

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