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Duisburg ist echt tot: Auch für die Querfront

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Die Querfrontdemo am HBF in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Die Querfrontdemo am HBF in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Endlich mal was los in Duisburg! Richtig viel Widerstand war am gestrigen Samstag in Duisburg zu spüren!

Zahlreiche prominente Redner waren geladen.

Von denen keiner am gestrigen Samstag in die Innenstadt von Duisburg kommen wollte.

Am Samstag war was los: Für 13.00 Uhr war eine Demo vor dem Duisburger HBF angemeldet. Dort, wo früher der NRW-Ableger von PEgIdA ab und zu vor sich hingammelte. Eine weitere Demo von Corona-Rebellen unter dem ironischen Motto „Querdenken“ fand mehrere Meter von dort entfernt am Averdunk-Center, dem Duisburger Gegenentwurf zum Centro in Oberhausen, statt.

Im Norden von Duisburg, in Marxloh, fand die bizarrste Demo des Jahres statt: Dort wurde für die Genehmigung großer Hochzeitsfeiern demonstriert. Was irgendwo auch Sinn macht, wenn ein Stadtteil wirtschaftlich zu 150% im Brautmodenbereich aufgestellt ist.

„Demo für Bürgerrechte“

Zur „Demo für Bürgerrechte“ hatte Ralf Kubsch (Neutraler Deutscher Nachrichtendienst) angeblich als Privatperson geladen. In der Facebookgruppe Duisburg ~Stadt- und Bürgerpolitik ging er auf die Berichterstattung in der WAZ ein: „Diese Demo ist erstens keine AFD Veranstaltung wie es unter anderem von der WAZ (Funke Medien Gruppe) falsch verbreitet wird.“

Witzigerweise bejahten die anwesenden Polizisten – die unmittelbar neben mir standen – die Frage „Ist das hier die AfD-Demo?“ jedesmal, sobald Interessierte vor den Hamburger Gittern aufschlugen und sich erkundigten.

Kein Name, den man sich merken muss: Ralf Kubsch; Foto: Peter Ansmann

Kein Name, den man sich merken muss: Ralf Kubsch; Foto: Peter Ansmann

Die Themen der angemeldeten Demo deuteten auf eine Querfront-Veranstaltung hin. Anwesend waren ca. 30 Demonstranten. Das Aufgebot von Polizei und Ordnungsamt war ungleich höher.

Die Rede von Ralf Kubsch beinhalte die üblichen Allgemeinplätzchen: Hohe Abgabenlast in Deutschland, Rentenproblematik, Blabla. Ralf Kubsch schläferte mich dermaßen schnell ein, dass ich vorzeitig das Weite suchte.

Imposant war die geladene Prominenz: Heiko Schrang, Ken Jebsen, Hans-Georg Maaßen, Dr. Sucharit Bhakdi, Sahra Wagenknecht und Kay Gottschalk. Mehr AfD-Affinität und Querfront geht kaum. Attila Hildmann und Xavier Naidoo waren merkwürdigerweise nicht geladen: Was mich, zugegebenermaßen, etwas erstaunt hat.

Von der eingeladenen Prominenz erschien niemand zur Demo: Für Querfrontaler  und Verschwörungstheoretiker ist Duisburg offensichtlich keine Reise wert.

Was noch so im Epizentrum von Duisburg los war

Auf der Gegendemonstration – das Duisburger Bündnis RiseUp hatte zum Gegenprotest geladen – war deutlich mehr los. Der Versuch zum HBF vorzudringen wurde, nach einem Gespräch mit der Polizei, aufgegeben.

Zum Glück vor Ort: Die Antifa in Duisburg! Foto: Peter Ansmann

Zum Glück vor Ort: Die Antifa in Duisburg! Foto: Peter Ansmann

Auf der anderen Demonstration, die unter dem ironischen Motto „Querdenken“ veranstaltet wurde, war deutlich mehr los. Ein Redner wetterte gegen die Putsch-Regierung, die BRD-GmbH, sowie gegen „SPD- und Antifa-Terroristen“ und irgendwas zu Israel. Die Bandbreite fehlte diesmal. Wenigstens das blieb Duisburg an diesem Wochenende erspart.

Corona-Rebellen: Viel Elend am Averdunk-Centrum; Foto: Peter Ansmann

Corona-Rebellen: Viel Elend am Averdunk-Centrum; Foto: Peter Ansmann

Wie kann man den gestrigen Mittag in der City von Duisburg zusammenfassen?

Den hätte ich mir sparen können und einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können: The Mandalorian zum zweiten Mal schauen beispielsweise.

Selbst die „Prominenz“ aus den Kreisen von Verschwörungstheoretikern, Querfront und Rechtsextremisten hatte keinen Bock auf Duisburg.

Prognose und Hoffnung

Motivierend dürfte sich die Nicht-AfD-/Af’D-Veranstaltung nicht gerade auf die staatszersetzende fünfte Kolonne Moskaus, aka Alternative für Deutschland, ausgewirkt haben.

Bleibt zu hoffen, dass sich dies auch bei der Kommunalwahl widerspiegelt: Bei der letzten Kommunalwahl konnte die AfD in Duisburg 3,5% der Stimmen auf sich ziehen. Eine Verbesserung dieses Ergebnisses haben sich die – vom Verfassungsschutz beobachteten – Rechtspopulisten auch nicht verdient.

Mit weiteren „Querdenker-Demos“ ist zu rechnen: Was hierbei Hornung gibt, ist die Tatsache, dass diese Ansammlungen mengenmäßig sehr überschaubar sind:

Bildungsferne Anhänger der Gib Gates keine Chance-Fraktion und Verschwörungstheoretiker: Mit solchen Leuten ist kein Staat zu machen.

Und „richtige“ Demonstrationen eben auch nicht.

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4 Kommentare zu “Duisburg ist echt tot: Auch für die Querfront

  • #1
    Horst Horstmann

    Schade, dass hier wieder so negativ über Menschen geschrieben wird, die etwas verändern wollen. Ich bin auch kein Freund von Demos, aber ich finde es bemerkenswert, wenn jemand so etwas privat organisiert und sich traut es trotz viel Gegenwind durchzuziehen. Obwohl ich diesen Gegenwind sowieso nicht verstehe, denn das Thema Bürgerrecht sollte jeden tangieren. Aber es gibt immer Menschen, die gegen alles sind ohne Sinn und Verstand. Wer gegen Bürgerrechte ist, ist gegen sich selbst. So blöd, kann man doch gar nicht sein….

  • #2
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @Horst Horstmann:

    Eingeladen als Redner waren Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker.
    Die mit Bürgerrechten nichts zu tun haben.

  • #3
    Schneberger

    Es ist immer das gleiche, wenn Jemand aus der Reihe tanzt und nicht so denk, wie unsere Politik heute läuft, dann wird man gleich als Rechter abgestempelt…..klasse. Dann dürfte ich ja ,obwohl ich parteilos bin auch ein Rechter sein, da mir diese Politik in unserem Land nicht ganz zusagt. Wenn Menschen etwas aufrütteln wollen und Demos veranstalten, sind sie Alle dann Radikale oder Rechte ? Wir wollen doch mal darüber nachdenken, denn ist es nicht so, das man springt, wenn unsere Politiker was ansagen, wird dann nicht gleich Alles in den Tagesablauf gepackt ? Wir sind Alle am meckern, aber nur wenige Menschen machen ihr Mund auf, ebend durch Demos und es ist ein Jedermanns Recht dies zu tun.

  • #4
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @Schneberger: Nein, rechtsradikal sind nur Menschen die auf Demos gehen auf denen sich Rechtsextremisten tummeln und auf denen Mitglieder einer staatszersetzenden und rechtsextremistisch beeinflussten Partei Reden halten (Wie z.B. Martin Renner, "AfD", der ja auch am Samstag in Duisburg gesprochen hat; https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Renner#Positionen).

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