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Ex-BVB-Profi Kevin Großkreutz steht vor den Trümmern seiner Karriere

Wohin führt der Weg des Kevin Großkreutz? Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Heutzutage mögen es manche vielleicht schon gar nicht mehr so recht glauben, doch er war einmal eine ganz große Nummer. Inzwischen taugt der Spieler Kevin Großkreutz, immerhin früher einmal Nationalspieler, deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger mit dem BVB, nur noch für die Berichte auf den hinteren Seiten im Fußball-Sommerloch.

Fast wäre es mir in dieser Woche sogar komplett durchgegangen, dass die Ruhrnachrichten über das nahende Karriereende des Kevin G. spekulierten. Nachdem sein derzeitiger Verein, der Drittligist KFC Uerdingen den Ur-Dortmunder offenbar loswerden will, ist der nächste Tiefpunkt in einer Karriere, die einmal eine der ganz großen hätte werden können, offensichtlich gekommen.

Selten sah man einen so vielversprechenden Karrierestart durch eine Verkettung von Pleiten, Pech und Pannen dermaßen niedergehen. Man muss zwangsläufig Mitleid mit Großkreutz bekommen. Etwas, worauf kein Mensch erpicht ist. Im Falle des früheren Topspielers ist das aber gar nicht zu vermeiden. Ich will ihm daher am heutigen Sonntag auch hier bei uns im Blog noch einmal ein paar Zeilen widmen. Eine Art fußballerischer Nachruf sozusagen.

Als Großkreutz unter Trainer Jürgen Klopp zu einem sportlichen Aushängeschild beim BVB wurde, eine Bilderbuchkarriere vom Südtribünenbesucher hin zum Stammspieler der Schwarzgelben hinlegte, da hatte er alle Tugenden um in Dortmund zu einer echten Legende zu werden.

Selber BVB-Fan, hart arbeitend, lockeres Mundwerk, viel Talent zum Kicken. Der Himmel stand Kevin G. in Dortmund offen. Die Fans liebten ihn ob seiner ideal zum Verein passenden Art wie kaum einen anderen. Zwei Mal Deutscher Meister in den Jahren 2011 und 2012, DFB-Pokalsieger 2012 gegen die Bayern, Champions League-Finale im Jahr darauf. Es lief. Für den BVB und auch für ‚Eigengewächs‘ Großkreutz.

Der umtriebige Profi ergatterte auf dem Höhepunkt seine Laufbahn sogar (etwas überraschend) einen Platz in Joachim Löws WM-Kader für das Turnier 2014 in Brasilien. Zwar in Südamerika ohne eine einzige Einsatzminute geblieben, durfte sich ‚unser Kevin‘ hinterher trotzdem auch Weltmeister nennen.

Doch irgendetwas muss in dieser Phase bei ihm schiefgelaufen sein. Die Verletzungen häuften sich. Immer öfter fand er sich auf Bank oder Tribüne wieder. Irgendwann kam es zum Abschied aus Dortmund. Zumindest für den Fußballprofi. Im Herzen blieb er ein Schwarzgelber.

Die Affären häuften sich auch andernorts. Döner-Wurf, Hotelpinkelaffäre, Schlägereien, Instagram-Fehltritte. Dazu kam ein sportlicher Abstieg, wie man ihn von einem Weltmeister so wohl noch nie gesehen hat.

Der sich eigentlich noch im besten Fußballeralter befindende Dortmunder, er sank von Verein zu Verein, von Liga zu Liga immer tiefer ab, bis er schließlich in Uerdingen landete. Und selbst dort will man ihn nun offenbar nicht mehr, wenn man den Kollegen der Ruhr-Nachrichten da glauben kann. Und da besteht im Regelfall ja kein Grund für einen begründeten Zweifel.

Ich verfolge jetzt schon über 40 Jahre das Fußballgeschehen. An einen solch krass abgestürzten Senkrechtstarter kann ich mich nicht erinnern. Viele junge Profis haben Probleme sich in der schwierigen und hart umkämpften Branche zu etablieren. Es ist wahrlich keine Schande, wenn man es nicht unter die Besten schafft. Aber wenn einem mit Mitte 20 alle Türen offen zu stehen scheinen, man auf dem Wege ist einer der ganz Großen in diesem Geschäft zu werden, und dann so abschmiert, dann ist das schon hart mitanzusehen. Und wenn mir das als Betrachter aus der relativen Ferne schon so geht, wie mag sich da erst der Betroffene selber fühlen?

Sicher, Großkreutz suchte in der Vergangenheit die ‚Schuld‘ für seine Rückschläge gerne woanders. Der Trainer war schuld, oder der Verein. Er hatte schlicht Pech, oder es wurde falsch über ihn berichtet. Viele Ausreden wurden ins Feld geführt, wenn es um Erklärungen für die negative Entwicklung ging.

All dies mag mit dazu beigetragen haben, dass die Karriere von Großkreutz so verlief, wie sie es eben tat. Aber bei dieser für einen Profisportler extremen Anhäufung von Pleiten, Pech und Pannen ist man als direkt Betroffener meiner Erfahrung nach niemals völlig unschuldig. Ob sich Kevin Großkreutz dessen selber wohl auch bewusst ist?

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20 Kommentare zu “Ex-BVB-Profi Kevin Großkreutz steht vor den Trümmern seiner Karriere

  • #1
    DODo

    Man muss immer aufpassen, wenn man Gerüchte über Spieler hört. Aber als Dortmunder kennt man natürlich hin und wieder Dortmunder, die Kevin kennen oder ihn zumindest irgendwo antrafen.

    Wenn man auf der Tanzfläche zu ner Frau sagt ,,Du! Mitkommen!" und damit noch Erfolg hat, hebt der ein oder andere natürlich ab. Dass er in Stuttgart trotz schwangerer Freundin in den Puff gegangen ist, ist bekannt.

    Privat sind die Fußballer häufig Menschen, die man wohl nicht anfeuern würde, wenn man sie privat kennenlernen würde!

  • #2
    Berti

    Man sollte die zurückliegenden 2-3 Jahre nicht überbewerten. Sicherlich verliefen diese nicht ideal. Aber Großkreutz ist mittlerweile 32 Jahre alt – also für den Profifußball fast schon "Öpi" (nicht jeder wird wie ein Manni Burgsmüller noch bis 40 bei Proficlubs weiterkicken). Ich könnte mir gut vorstellen, dass Großkreutz bei einem Verein in der Regionalliga eine richtig spannende und ihn belebende Funktion wahrnimmt. Er bräuchte so etwas. Und könnte damit wieder eine klare Wende nach vorn einleiten. Er mal zuweilen ein Giftpilz sein, aber er ist nach meinem Eindruck ein prima Kerl. Geld müsste er auch genug haben – da soll er unbedingt aufpassen, nicht von falschen Freunden beraten zu werden. Ich würde ihn gern beraten (nur solide Investments, keine geschlossenen Fonds, keine Anleihen, nur Qualitätsaktien und Topfonds). Außerdem: er hat eine Familie, nette hübsche Frau, zwei Kinder. Menschenkind, das ist doch klasse. Kevin, mach hinne, es geht wieder nach oben! Grüße. Berti, fußballerfahren, aktiv und danach.

  • #3
    Kalle

    Du scheinst ihn und sämtliche Umstände sehr gut zu kennen. 🙂

    Kevin ist und bleibt ein geiler Typ, dessen Freundschaft ich sehr schätze.
    Ich mag Typen wie ihn auf und neben dem Platz.

    Schade, dass du ihm keinen schönen Nachruf gewährt hast…

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Kalle: Glaub mir, als BVB-Anhänger seit 1977 wäre ich der Erste gewesen, der Kevin ein schöneres Karrierefazit gegönnt hätte. War aber leider nicht drin. Die Realität sieht leider anders aus als auch von mir erhofft.

  • #5
    Franz Przechowski

    Nix im Kopp, schwanzgesteuert und kein Benehmen. Mitleid? Wohl kaum. Grüße aus GE

  • #6
    Lutz

    Als Fan der Uerdinger möchte ich mich nur zur sportlichen Seite äußern. Da hat Kevin durchschnittliche Leistungen gezeigt, nicht besonders schlecht, nicht besonders gut. Hungrigere Spieler verdrängten ihn dann völlig zu Recht aus dem Kader. Genau das Engagement, was ihn bei Dortmund auf dem Platz ausmachte, war bei Uerdingen maximal bei Nickeligkeiten gegen Gegenspieler zu sehen. Deswegen vermute ich, dass er auch in der Regionalliga seinen Platz mangels Biss nicht finden wird. Trotzdem wünsche ich ihm für die Zukunft alles Gute.

  • #7
    Angelika

    Ein Borusse durch und durch.
    Schade das seine Karriere so endet. Aber er hat ja noch sein Restaurant in Dortmund. Kann ich jedem nur empfehlen

  • #8
    Günter Rense

    Mit "Pleiten, Pech und Pannen" haben sein übersteigertes Revoluzzer-Ego und seine permanenten Ausfälle gegenüber Kollegen, Fans (natürlich die der anderen Teams und Spieler), Vereinsbossen und DFB-/DFL-Offiziellen nichts zu tun, sind aber letztlich der "rote Faden" durch sein Spielerleben – inkl. der fehlenden Fähigkeit, sein Privatleben mit Familie, Freunden und Beziehungen auch im Interesse der Beteiligten mal gepflegt vom Image des nie erwachsen gewordenen Südtribünen-Pubertären, der plötzlich selbst da unten auf’m Platz steht und bejubelt wird, zu trennen.

    Und nein, außer seiner ohne Zweifel kämpferisch außerordentlich aufopfernden Leistungen für den BvB gibt es wenig bis nichts, für das sich selbst eingefleischte BvB-Fans uneingeschränkt begeistern würden. Da haben Idole wie Dede oder ein Neven Subotic nun doch wesentlich mehr persönliche Reife zu bieten.

  • #9
    thomas weigle

    Da bleibt ja wohl nur noch das Dschungelcamp, reportiert von Werner Hansch, der sich ja wohl gerade dafür warmläuft. Oder isser schon drin,der Werner H?

  • #10
    BDN130671

    Und trotz allem bleibt festzuhalten, dass Kevin immer als prägender Bestandteil einer herausragenden Dortmunder Ära in Erinnerung bleibt. Das kann ihm keiner nehmen. Mir sind so Typen mit Ecken und Kanten allemal lieber, als die Musterschüler, die Dir das Messer in den Rücken rammen.

  • #11
    Torsten Hoffmann

    Immer wieder das gleiche Bild. Erst die Füße küssen und dann verdammen. Ich denke da nur zu gerne an Ulle. Lasst den Mann einfach in Ruhe. Manches war wirklich unklug wie das pinkeln im Hotel. Manches völlig falsch dargestellt wie der Döhnerwurf. Er hat sich aber immer für den BVB zerrissen. Es kommt eh nicht drauf an was man sagt sondern wer es sagt.
    Schweinsteiger singt "BVB Hurensöhne" und alles ist halbso wild. Neuer grölt im Urlaub Songs einer kroatischen Nazi-Band und alles ist gut.
    Und lieber Freund aus GE. Kehrt zuerst vor eurer Tür. Ich sage nur Asamoah.
    Also nochmal, lasst einfach den Mann in Ruhe.

  • #12
    Günter Rense

    @9: seit Freitag isser drin! Allerdings wird sich unser Kevin wohl eher nix vom Schalke-Oberfan Hansch erzählen lassen.

  • #13
    thomas weigle

    @ Torsten Hoffmann Der gute Kevin lässt sich doch selbst nicht in Ruhe,das ist doch SEIN Problem.

  • #14
    Arkell

    Kevins Fluch und Segen heißt Borussia Dortmund. Als er bei Ahlen spielte und körperlich frisch war, konnte er es sich erlauben vor oder nach dem eigenen Zweitligaspiel noch ins Stadion zum BVB-Heimspiel zu fahren, auch wenn er, wenn es mal zu knapp war, selbst damals schlechte Leistungen folgen ließ. Glück hatte er dann, dass der BVB ihn wollte. Solche Ausflüge blieben dadurch aus, allerdings liebten ihn die Fans genau deswegen. Besser konnte es für Kevin beim BVB auch nicht laufen. Während er sich in die Mannschaft spielte, wurde Dortmund Meister und Double Sieger. Dann folgte die Champions League Saison, aber mit Kevin gingen privat immer mal wieder die Pferde durch. Nicht selten trank er in seiner Freizeit gerne mal einen über den Durst. Bekannt wurden nur seltene Fälle, während seiner Zeit beim BVB. Sein unprofessioneller Lifestyle machte sich dann auch beim BVB bemerkbar. Klopp, der unter anderem deswegen ging, weil er es nicht über sich brachte im Kader auszumisten, ließ auch Großkreutz gewähren. Tuchel zog dann einen Schlussstrich und Kevins Abwärtsspirale war in vollem Gange. Hier könnte ich noch einiges über seine Verfehlungen schreiben, aber seine größten Fehler sind bekannt. Dazu fiel er in alte Muster. Statt Regeneration Zuhause gab es lieber Südtribünenbesuch und Bier. Und jetzt steht er vor seinem Scherbenhaufen.

  • #15
    Andreas

    Lasst ihn doch einfach in Ruhe!
    Wenn einer der hier negativ kommentiert hat und nur annähernd so eine Karriere zu bieten hat und dabei nie Fehler gemacht hat, darf sprechen.
    Klar hat er bestimmt nicht immer alles richtig gemacht und sein loses Mundwerk wurde ihn oft zum Verhängnis.
    Aber wenigstens hat er immer das gesagt was er gedacht hat und nicht das gesagt was alle hören wollten.
    So Menschen sind mir lieber als die "Ja" sager und die, die sich immer mit der Fahne im Wind drehen.
    Ich glaube die wenigsten hier kennen ihn persönlich, ich übrigens auch nicht und genau deshalb sage ich immer, nicht alles glauben was die Medien schreiben.
    Das schreibt hier einer der kein Dortmund Fan ist, sondern Schalke Fan.
    Leben und leben lassen!

  • #16
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Andreas: Meiner Beobachtung nach sind Profisportler im Regelfall für ihr Bild in den Medien selber verantwortlich. Ich sehe hier auch nicht, dass Großkreutz übel mitgespielt würde. Die Themen setzt er schon selber.

  • #17
    Bruno

    Ein Beispiel dafür, wie Idole beim BVB "gepflegt" werden, wenn sie drohen abzurutschen. Schwach! Offensichtlich ist es dem BVB auch nicht gelungen, ein Talent auch menschlich ein wenig zu formen und mit Werten aufzuladen.

  • #18
    Paule

    Es gibt unzählige Beispiele für ähnliche verlaufene "Karrieren".
    Spontan fallen mir Reich, Rau, Rink, Weis ein. Aber es gibt noch deutlich mehr.
    Es ist wie so oft, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Außer bei richtigen Ausnahmetalenten glaube ich nicht, dass die qualitativen Unterschiede in den ersten Ligen so groß sind. Es gehört viel Glück, Vitamin B und oft auch der richtige Berater dazu.
    Im Fall Kevin würde ich nicht mehr draus machen, als es ist.
    Selbst Schuld. Einfach ein typischer Ruhrpott-Asi.

  • #19
    Ralf Merz

    ..außerdem, wieviel Kicker außer ihm haben den goldenen Umberto verliehen bekommen !!!

  • #20
    Gerd Rechts

    Also ich kenne Kevin schon aus dem Kinderwagen, er ist ein super Mensch. Also ich kann nur sagen das Kevin für mich ein Ur-Dortmunder bleibt egal was ist, ich mag Kevin weil er Fußball gearbeitet hat beim BVB.
    Sollte Typen gibt es nur noch wenige in der Bundesliga, aber mir ist es auch egal was andere über Kevin denken, weil ich kenne Kevin besser.
    Für immer der Verein Borussia Dortmund 👍🏻

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