Jahrestag des BVB-Mannschaftsbus-Anschlags erinnert daran, wie unwichtig der Sport eigentlich ist

BVB-Bus nach dem Anschlag Foto: Polizei Dortmund

Im Ruhrgebiet und darüber hinaus freuen sich die Fußballfans in diesen Tagen natürlich auf das anstehende große Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund am kommenden Wochenende. Kein anderes Fußballspiel zieht die Massen hierzulande wohl so sehr in seinen Bann. Gerade auch in diesem Jahr wird der Ausgang des Spiels mit besonders großer Spannung erwartet, trennt die beiden Kontrahenten wenige Wochen vor Saisonende vor dem Derby in der Tabelle doch lediglich ein einziger Zähler.

Der Sieger vom Sonntag darf sich also tatsächlich wohl über weit mehr als die drei Zähler freuen, wenn er einen am Ende vermutlich mit vorentscheidenden Schritt zurück in die europäische Königsklasse getan hat. Der Verlierer hingegen wird in der Tabelle und darüber hinaus vermutlich noch einige Zeit länger als sonst üblich über diesen sportlichen Rückschlag grübeln dürfen, hat er womöglich entscheidenden Boden im Kampf um die Vizemeisterschaft verloren.

Im Vorfeld dieser Begegnung droht da, bei all dieser Brisanz, der Jahrestag des Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus, heute vor genau einem Jahr, leider etwas in den Hintergrund zu geraten. Und das völlig zu Unrecht, hat uns allen gerade dieser Anschlag damals doch ganz klar verdeutlicht, wie unwichtig der Ausgang eines Spiels, und sei es in der Augen aller Beteiligten noch so bedeutend, eigentlich ist.

Zur Erinnerung: Vor dem UEFA Champions League Spiel des BVB gegen AS Monaco hatte damals ein offensichtlich letztendlich schlicht auf Börsengewinne spekulierender Täter den BVB-Bus bei der Abfahrt zum Stadion mit drei Bomben ‚unter Beschuss‘ genommen, dabei mehrere Personen verletzt, das Team, die diversen Betreuer und Polizisten in Lebensgefahr gebracht.

BVB-Spieler Marc Bartra fiel im Anschluss daran wochenlang verletzt aus. Die Mannschaft des BVB musste, dem Druck des Geschäfts folgend, das für diesen Abend angesetzte Spiel in der Königsklasse bereits 22 Stunden später am Folgeabend nachholen, verlor es mit 2:3, schied im Anschluss daran aus dem Wettbewerb aus.

Die wahren Folgen dieses Anschlags gingen für die Schwarzgelben jedoch weit über das Ausscheiden aus der Champions League hinaus. Im Streit über das weitere Vorgehen trennte sich der Klub am Ende nicht nur von Erfolgstrainer Thomas Tuchel, obwohl dieser mit der Team nur wenige Wochen später in Berlin sogar das DFB-Pokal-Finale gewonnen hatte.

Wie sehr einige Beteiligte unter den Folgen noch immer leiden, das wird immer wieder öffentlich, wenn über den Fortgang des Prozesses gegen den Attentäter berichtet wird. Egal ob Roman Weidenfeller oder Marcel Schmelzer, fast jeder unmittelbar Beteiligte berichtet bis heute von den massiven Auswirkungen, die die Bomben auf das eigene Leben haben.

Auch das Schicksal von Marc Bartra, der sich bei dem Anschlag als einziger Spieler körperlich schwerer verletzt hatte, macht besonders nachdenklich, wechselte er doch zum Jahresbeginn 2018 zurück in seine Heimat Spanien um sich dort einer neuen persönlichen Situation auszusetzen, das aus seiner Sicht belastende Umfeld des BVB zu verlassen. Trotz seiner ungebrochenen Sympathie für Klub und Fans.

Letztendlich dürfte auch die sportlich unbefriedigende Situation in Dortmund bis in die Gegenwart hinein noch immer, zumindest teilweise, den Folgen dieses unglückseligen Tages, heute vor genau einem Jahr, zuzuordnen sein.

Der Verein hat die Folgen dessen zu tragen, in Form der diversen Einzelschicksale der Beteiligten, aber auch in Gänze, durch eine noch immer nicht sportlich wirklich zurück in die Spur gefundene Mannschaft.

Wie nah das Geschehen den Beteiligten nämlich tatsächlich wohl noch bis heute geht, das konnte man erst am vergangenen Wochenende wieder einmal miterleben, als Nuri Sahin auf die Frage von Sky-Reporter Patrick Wasserzier nach dem bevorstehenden Jahrestag, das Interview sofort abbrach und wortlos postwendend davon stapfte.

Es gibt eben im Leben tatsächlich weitaus Wichtigeres als so ein Fußballspiel!

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3 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 11. April 2018 um 13:10 Uhr

    Robin,
    "….es gibt im Leben….".
    Ja, so ist es.
    Und dann und wann scheint es angebracht zu sein, Fans wie mich an diese Erkenntnis zu erinnern, damit sie sich ihrer stets bewußt sind, vor allem dann, wenn aus Wut oder aus Freude die Emotionen jegliche Vernunft zu überlagern drohen.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 11. April 2018 um 13:11 Uhr

    Och, Walter, ich erinnere mich da so hin und wieder auch ganz gerne selber mal dran. 😉 😀

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 11. April 2018 um 13:52 Uhr

    Man sollte allerdings nicht unüberlegt und undiskutiert lassen, was denn passiert wäre, wenn wir trotz des Anschlags gegen Monaco ins Halbfinale eingezogen wären. Ich schätze und befürchte, dass dann – bis auf eine kleine Meldung in der Lokaldepesche – heute wohl Niemand an dieses Datum erinnern und mahnen würde.

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