Jürgen Klopp: „The normal one“ in Liverpool

Jürgen Klopp. Foto: Robin Patzwaldt
Jürgen Klopp, hier noch bei einer seiner letzten PKs in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Punkt 11 Uhr, um 10 Uhr Ortszeit in England, heute Vormittag war es dann auch offiziell soweit: Jürgen Klopp stellte sich erstmals seit seiner Vertragsunterschrift beim FC Liverpool in England den Medien. Ganz in schwarz `neutral‘ gekleidet, wurde nun auch dem letzten BVB-Anhänger klar, dass der Kulttrainer der Schwarzgelben nun den Dortmundern endgültig verlustig gegangen ist.

Es war und ist vielleicht das Sportthema dieser Woche: Jürgen Klopp, der nun angeblich rund 10 Mio. Euro pro Jahr verdienen soll, hat seine neue Herausforderung gefunden, nachdem seine Ära beim Revierclub im Mai, nach sieben insgesamt sehr erfolgreichen Jahren, mit dem verlorenen Pokalfinale in Berlin geendet hatte.

Und damit endet nun auch eine schier unglaubliche Spekulationsblase um die Zukunft des aktuell wohl begehrtesten Fußballtrainers. Dass Klopp sich nun dem FC Liverpool anschließt kommt dabei natürlich nicht wirklich überraschend. Der Club ist aufgrund seiner reichen Historie und seiner immensen Möglichkeiten sicher eine logische Wahl für den 48-jährigen. Dass der Trainer dafür seine Auszeit beendet erscheint plausibel, hat sich ihm doch hier nun eine seltene Gelegenheit geboten.

In Dortmund und Umgebung wird manch einer sicherlich nun zumindest kurzfristig eher erleichtert sein, dass sämtliche Spekulationen Klopp könnte im nächsten Sommer vielleicht auch der Nachfolger von Pep Guardiola beim FC Bayern München werden, wenn dieser seinen im Sommer auslaufenden Vertrag denn dort nicht verlängern sollte, damit auch wohl beendet sind.

Der neue Job in England verschafft besonders eben auch den BVB-Fans zunächst einmal, so oder so, zumindest etwas mehr Zeit um sich auch emotional vom Meistertrainer der Jahre 2011 und 2012 weiter zu distanzieren. Sollte Klopp nach seiner Zeit in Liverpool dann irgendwann vielleicht doch einmal in München landen, dann wäre das für viele Fußballfans im Revier sicherlich schon deutlich leichter zu akzeptieren.

Wie sympathisch und auch charismatisch der neue ‚Manager‘ des LFC ist, dass machte Klopp heute gleich bei seiner ersten PK in der Arbeiterstadt im Norden Englands überaus deutlich, als er , angesprochen auf eine kurze Selbsteinschätzung, in Anspielung auch Chelseas Trainer Jose Mourinho, der sich seinerzeit als ‚The special one‘ vorstellte, unter lautem Gelächter der anwesenden Medienvertreter sagte er sei dann vielleicht ‚The normal one‘.

Und auch wenn sicherlich allen im Raum spätestens zu diesem Zeitpunkt bereits völlig klar war, das dies eigentlich nicht der Fall ist, verdeutlichte der gebürtige Stuttgarter spätestens an dieser Stelle, durch seine feine Selbstironie und Bescheidenheit, was ihn denn aus Sicht vieler Fußballfreunde so besonders macht, nämlich seine sympathische und im Regelfall eben auch stets lockere, sehr umgängliche, aber auf dem Fußballplatz eben häufig auch äußerst emotionale Art.

So froh man beim BVB aber vielleicht aktuell auch ist, dass Jürgen Klopp sein sportliches Glück nun zunächst erst einmal in Liverpool sucht, und eben noch nicht in München, so besorgt werden einige Leute nun vermutlich rasch werden, wenn ausgerechnet auch Ex-Trainer Jürgen Klopp demnächst mit den im englischen Fußball aktuell bekanntlich vorhandenen Unsummen von Geld um sich werfen dürfte, wenn es um Verstärkungen für seine neue Mannschaft geht, und dann natürlich automatisch auch einige Ex-Spieler von Klopp aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten ins Blickfeld des neuen starken Mannes bei den ‚Roten‘ geraten dürften.

Das Thema Jürgen Klopp wird daher auch in den nächsten Wochen noch die Sportberichterstattung in diesem Lande mit prägen, auch wenn dieser spätestens seit heute auch offiziell eigentlich gar nicht mehr ‚hier‘ ist….

 

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4 Kommentare

  1. #1 | Klaus Lohmann sagt am 9. Oktober 2015 um 13:43 Uhr

    Ich glaube nicht, dass Klopp nach Liverpool oder den danach folgenden Engagements irgendwann zu den Bayern gehen wird. Seine Erklärung, warum er jetzt bei den Reds anheuert, basiert auf der Leidenschaft sowohl der Fans als auch bei ihm für eben diesen Club.

    Eine derart innige Beziehung kann der FCB niemals bieten – es sei denn, die Bayern steigen in der düsteren Zeit nach Peps Weggang und des kräftigen Gegenwinds in der CL von Tuchel, Klopp und dann auch von Pep (bei ManCity) aus der Bundesliga ab und dümpeln nur noch mit einer Handvoll realer Fans als "Outsider" in Liga 2 rum;-))))

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 9. Oktober 2015 um 13:50 Uhr

    @Klaus: Da ist schon was dran, was Du sagst. Jetzt zu den Bayern zu gehen wäre zudem ja auch mit einem ziemlichen sportlichen Risiko verbunden gewesen. Da kann man eigentlich als neuer Coach nur verlieren. In Liverpool kann er jetzt fast nur gewinnen. Aber wer weiß schon was in 4-5 Jahren ist. Vielleicht kann man sich die Sache dann doch irgendwann mal gut vorstellen. Und dann wäre auch diese emotionale Verbindung nach Dortmund längst verblasst. Letztendlich sind doch immer alle Wechsel vorstellbar. Wer fragt zum Beispiel heute noch danach dass Manuel Neuer mal Schalker war, sein Wechsel nach München damals ein riesiges Geschrei ausgelöst hat? Die Zeit heilt eben letztendlich dann doch alle Wunden und auch das Erinnerungsvermögen der Fußballfans ist in der Regel doch recht kurz 😉

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 9. Oktober 2015 um 14:09 Uhr

    @Robin: Klar, das ist wohl eher eine Frage des richtigen Kaffeesatzes beim Lesen;-)

    Aber ich habe Klopp immer so verstanden, dass *er* sich seinen Verein sehr stark nach Bauchgefühl und seinem eigenen Gusto aussucht – wie auch jetzt in der Anfield Road. Gleichzeitig habe ich nie von ihm ein einziges Wort einer fan-artigen Verbundenheit oder Leidenschaft für den FCB vernommen, da waren ihm doch eher Teams wie Gladbach, Pauli, Köln oder selbst die Düsseldoofer Fortuna viel näher am Herzen.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 9. Oktober 2015 um 14:29 Uhr

    Klaus, das hat er heute auch so ähnlich gesagt. Er meinte, er wäre nicht nach Liverpool gegangen weil der Club dem BVB so ähnlich sei, sondern schlicht, weil das eben auch ein richtig 'geiler' Club sei. Und dabei hat er gestrahlt wie ein 'Honigkuchenpferd'. Das schien ihm jedenfalls eine echte Herzensangelegenheit zu sein, keine Frage. 🙂

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