Kraftwerk ‚Datteln 4‘: E.On mimt den Wohltäter der lokalen Wirtschaft

Das Kraftwerk 'Datteln 4'. Foto: Dieter Wirdeier
Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘. Foto: Dieter Wirdeier

Gestern habe ich mich mal wieder ziemlich über die öffentliche Darstellung von E.On in Sachen ‚Datteln 4‘ geärgert. Da taucht in einer Phase wo es um den umstrittenen Kraftwerksneubau ‚Datteln 4‘ eigentlich zuletzt doch relativ ruhig geworden war, plötzlich eine Meldung in der örtlichen Presse auf, in der E.On sich ziemlich damit brüstet, in der bisherigen Bauphase des neuen Kohlekraftwerks zwischen Datteln und Waltrop schon Aufträge im Wert von 19 Mio. Euro der lokalen Wirtschaft hier im Ostvest erteilt zu haben.

Im ganzen Kreis Recklinghausen seien insgesamt schon Aufträge für 58 Millionen Euro an 90 Unternehmen verteilt worden.

E.On-Sprecherin Franziska Krasnici wird in diesem Zusammenhang u.a. mit den Worten zitiert: ‚Wir sind als Unternehmen grundsätzlich immer bemüht, Firmen aus der Region zum Zuge kommen zu lassen.‘

Wem will E.On hiermit nun eigentlich noch etwas vormachen? Nicht nur, dass selbst in scheinbar ruhigen Phasen inzwischen wirklich jede Gelegenheit genutzt werden soll den Leuten der Region das strittige Projekt noch irgendwie schmackhaft zu machen. Und natürlich vermeidet man in diesem Zusammenhang dann auch gerne jedwede kritische Information, oder Relativierung, in Punkto des riesigen Neubaus. Klar, denn viel schöner ist es ja auch, wen man mal kurz so tut als handele es sich hierbei um ein ganz ‚normales‘ Projekt.

Es wird natürlich in diesem Zusammenhang somit auch gar nicht erst irgendwo erwähnt, wie gigantisch teuer das E.On-Projekt bisher schon war. Was merkwürdig ist, denn sonst findet man diese Informationen und einen Verweis auf die bisherigen Gesamtkosten von über 1 Milliarde Euro eigentlich bei so gut wie jeder (passenden) Gelegenheit.

Ist hier in diesem Fall dann aber ja auch irgendwie logisch, denn sonst könnte der mitdenkende Leser bzw. Bürger ja allzu leicht bemerken, dass bei Baukosten von ca. 1 bis 1,2 Milliarden Euro für ‚Datteln 4‘, der Anteil der lokalen Betriebe im Ostvest am Gesamtauftragsvolumen, selbst wenn wir mal mit dem unteren Rahmen der öffentlich kursierenden Spannbreite, also mit Kosten von ‚nur‘ rund 1 Mrd. Euro rechnen, der Anteil der lokalen Wirtschaft, selbst laut E.On-Angaben, somit leider deutlich unter 2% (!!!) liegt! Wahrlich kein besonders beeindruckender Wert.

Und selbst der ganze Kreis Recklinghausen bekommt dann nur läppische 5,8 % der bisher insgesamt vergebenen Bausumme.

Dies heißt dann eben auch im Umkehrschluss: Stolze 98% der bisher verbauten Bausumme geht an Betriebe außerhalb des Ostvests, und immerhin noch über 94% an Unternehmen außerhalb des großen Kreises Recklinghausen.

Kann man bei E.On darauf dann wirklich mit Stolz verweisen? Ist das ein Grund sich damit öffentlich zu brüsten, kann man damit wirklich den Wohltäter der angeschlagenen Wirtschaft der Region darstellen?

Und auch wenn unsere Lokalzeitung da offensichtlich gerne mitspielt,  ich sehe das nicht so. Eher im Gegenteil!

Diese Information zeigt mir doch eher, dass E.On die Region in Wirklichkeit ziemlich egal ist, das man dort überregional denkt und nur aus wirtschaftlichen Interessen heraus handelt. Womit ich grundsätzlich auch gar kein Problem habe. Man muss aber wohl schon ziemlich kurzsichtig sein, um dies als Bürger der betroffenen Region dann aber auch nicht genauso zu bemerken.

Für mich als bekennender Kritiker von ‚Datteln 4‘ zeigt dieses Vorgehen von E.On allerdings auch mal wieder recht eindeutig, dass man dort inzwischen wohl schon ziemlich verzweifelt darum bemüht ist wirklich jedwede Art der Positivdarstellung in Punkto Datteln zu nutzen, wenn man den Leuten nun mit so einem plumpen Zahlenspiel kommt.

Und ja, auch mir ist klar das 19 Millionen Euro im Grunde viel Geld sind in einer Region die am Boden zu liegen scheint. Nur hätte es bei einem Gesamtvolumen von über 1 Milliarde vermutlich deutlich mehr sein können, sollen, vielleicht sogar müssen. Und vor allem ist dies so bestimmt kein Grund für E.On sich hier nun als Wohltäter des Ostvests darzustellen. Besonders wenn man bedenkt wie umstritten der Bau seit Jahren ist, auch juristisch.

Bedenklich stimmt mich allerdings auch, dass die Lokalpresse hier am Ort das Alles so (unkommentiert) mitmacht.

Der dazugehörige Artikel unserer Lokalzeitung, auf den sich mein Ärger diesmal überwiegend begründet hat, ist übrigens auch im Netz zu finden:

http://www.waltroper-zeitung.de/lokales/waltrop/Kraftwerk-Auftraege-fuer-19-Mio-Euro;art1010,990228

Eine dazugehörige Pressemeldung findet man hier:

http://www.kraftwerksforum-datteln.de/presse/presseinformationen/12-maerz-2013/

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5 Kommentare

  1. #1 | Stefan Laurin sagt am 5. April 2013 um 13:13 Uhr

    @Robin: Das ist für den Kreis immer noch lohnender als der Import von chinesischen Solarzellen, deren Betrieb dann auch noch subventioniert werden muss 🙂

  2. #2 | Walter Stach sagt am 5. April 2013 um 13:40 Uhr

    Robin, das Klappern gehört zum Handwerk, in diesem Falle zum Job von Frau Krasnici (E.on.)als der E.on- Mitarbeiterin für die „Öffentlichkeitsarbeit“ in Sachen Datteln IV.

    In der Bürgerschaft in Datteln/Waltrop/Lünen findet nach meiner Wahrnehmung viel größeres Interesse als diese Werbeaktion von E.on die Berichterstattung über ein im Auftrag von Greenpeace erstelltes Gutachten zu den Gesundheitsschäden, die die Kohlekraftwerke verursachen -graduell unterschiedlich-.
    Ich erinnere daran, daß das Kraftwerk pro Jahr tonnenweise Schwefeldioxyd, Stickoxyde, Feinstaub, Blei, Quecksilber, Arsen,Cadimum und Nickel ausstößt. Das Ganze selbstverständlich nach den von E.on bestellten und bezahlten Gutachten nie „grenzüberschreitend“!

    Und damit wären wir wieder bei der in unmittelbarer Nachbarschaft zu E.on-Datteln IV befindlichen Vestischen Kinderklinik und bei der Frage, ob die Verantwortlichen für die Kinderklinik gutachtlich haben prüfen lassen, inwieweit gesundheitliche Beeinträchtigungen ihrer Patienten während des Aufenthaltes in der Kinderklinik durch vorgenannte Emmissionen seitens des größten Monoblock-Kohlekraftwerkes Europas auszuschließen sind. Und wenn ich nach einer „gutachtlichen Prüfung“ speziell bezogen auf die Kinderklinik frage, dann selbstverständlich nicht nach einem von E.on bestellten und bezahltem Gutachten.

    In dem Zusammenang erinner ich daran, daß ich zuletzt hier bei den Ruhrbaronen im Zusammenhang mit einer andere Werbeaktion von E.on-Datteln -Spende an die Vestische Kinderklinik-und einer Diskussion mit Frau Krasnici (E.on) nach einer medial bestens plazierten Übereichung zweier Schecks im Jahre 2005 an die Kinderklinik gefragt habe, und zwar konkret nach der Höhe der beiden seinerzeit überreichten Schecks und danach, warum an der Schecküberreichung auch jemand aus der Geschäftsführung beteiligt war, obwohl Frau Krasnici immer wieder beteuert hat, daß solche Spenden „aus eigenem Antrieb und in eigener Verantwortung“ von Mitarbeitern des Unternehmes, also nicht vom Unternehmen selbst stammen.Dazu gibt es bis heute keine Antwort von Frau Krasnici.

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 5. April 2013 um 13:42 Uhr

    @Stefan: Der Preis für die 19 Mio. Euro ist mir am Ende aber deutlich zu hoch.

  4. #4 | Harald sagt am 5. April 2013 um 15:55 Uhr

    @Stefan Laurin
    Ich finde es auch nicht unbedingt ok einfach zu sagen, es bringt ja Geld in die Kassen und wenn es nicht zu viel Schaden anrichtet, ist das schon ok.

    Wenn wirklich nur noch danach abgewogen wird, welche Industrie einen größeren Mehrwert schafft, im Verhältnis zum Schaden den sie anrichtet, na dann gute Nacht.

    Wer entscheidet denn darüber welcher Schaden bei welchem ökonomischen Gewinn/Zuwachs ok ist. Die Regierung? Die setzen dann, wie z.B. in Fukushima gesehen, die Grenzwerte nach oben wenn es genügend Wirtschaftswachstum einbring. Und erzählt das ist ok. Dann jagt wieder ein Gutachten das nächste Gegengutachten. Und ist nach 3 Monaten aus der öffentlichen Debatte wieder verschwunden.

    Die Auswirkungen von den Kohlekraftwerken, dem zunehmenden Verkehr und der Verschmutzung der restlichen Industrie (und hier sei nur die „legale“ Verschmutzung gemeint) sorgt dafür, dass bei einem Großteil der Bevölkerung die in Gebieten mit hoher Feinstaubbelastung leben, das Risiko eine chronischen Lungenerkrankung zu bekommen stark ansteigt.

    Und Lungenerkrankungen sind keine angenehme Geschichte.

    Aber das ist es ja alles Wert solange das Kapital nur immer weiter wächst. Schei.. auf die „paar“ Bürger die dafür dann im Alter bei einer Armutsrente mit chronischen Erkrankungen klar kommen müssen.

    Und ständig nur damit zu argumentieren, dass ökonomisches Wachstum = Wohlstand für Alle bedeute (was, wenn man sich die Realtität anschaut, wohl eher wiederlegt werden kann), finde ich langsam ziemlich zynisch.

    Auch hier wird mal wieder bestätigt: Bürger=Mittel / Kapital=Zweck

    Vielen Dank, Nein Danke

  5. #5 | danebod sagt am 6. April 2013 um 20:01 Uhr

    Wieviel wäre wohl in die regionale Wirtschaft geflossen, wenn das Geld statt für den Schwarzbau in die Energiewende investiert worden wäre?

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