7

‚La bestia negra‘ am Ende dann doch nur ein Schmusekätzchen

Das Stadion in Barcelona. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Das Stadion in Barcelona. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Verfolgt man das aktuelle Fußballgeschehen regelmäßig, dann kommt man natürlich auch am gestrigen Halbfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern München (in Spanien als ‚Angstgegner‘ ehrfurchtsvoll ‚La bestia negra‘ („Die schwarze Bestie“) genannt) nicht vorbei. Eine Partie, welche bei jedem Fußballfreund weltweit schon von der reinen Papierform her große Vorfreude auf einen echten Klassiker des Weltfußballs weckt. Gestern jedoch waren die Vorzeichen eigentlich weniger günstig. Zu ersatzgeschwächt schien der deutsche Meister die Reise nach Spanien angetreten zu haben.
Und auch wenn Bayern Trainer, Pep Guardiola, für den persönlich das Spiel in Barcelona eine Reise in die eigene Vergangenheit bedeutete, sich offiziell nie über die vielen Ausfälle beklagt hat, waren die Aussagen vieler Bayern-Fans vor der Begegnung ungewohnt defensiv. Man wolle doch gerne möglichst ein Auswärtstor erzielen, möglichst nicht zu hoch verlieren, um dann im Rückspiel nächste Woche in der bayerischen Landeshauptstadt noch immer eine Chance auf ein Weiterkommen zu haben, den Weg zum Endspiel in Berlin, doch noch erfolgreich bestreiten zu können.
Doch das Spiel am Mittwoch verlief dann zunächst über weite Phasen widererwartend positiv für die Deutschen.

 

Zwar dominierte der spanische Gastgeber von Beginn an das Geschehen im Stadion Nou Camp, doch hielt Torwart Manuel Neuer die Bayern zunächst im Spiel, rettete ihnen bis zur Halbzeit das torlose Remis. Zu Beginn von Halbzeit Zwei übernahmen diese sogar zunehmend die Kontrolle auf dem Platz, ohne jedoch selber für große Torgefahr sorgen zu können. So musste der Ex-Mönchengladbacher Andre Ter Stegen im Tor der Katalanen einen überwiegend ruhigen Abend, musste über die kompletten 90 Minuten hinweg nur einen Torschuss abwehren.
Als dann alles bereits nach einem 0:0, einer nahezu idealen Ausgangsposition für die Münchener im Rückspiel aussah, da geschah das, was man bei den Bayern in dieser Form nur ganz selten sieht: Das Team brach in den letzten 15 Minuten des Spiels förmlich ein. Ein zu hektisch ausgeführter Abwurf von Manuel Neuer war zunächst der Ausgangspunkt für den aus Münchener Sicht doch arg unglücklichen Treffer zum 1:0 durch Superstar Lionel Messi in der 77. Minute. Die Erschütterung die dieser Treffer bei den Gästen hinterließ muss jedoch so groß gewesen sein, dass dieser bereits 180 Sekunden später zum 2:0 einnetzen konnte. Erneut sah die Defensive des deutschen Meisters dabei schlecht aus. Die gute Ausgangsposition für das Rückspiel war damit plötzlich völlig hinüber. Die Guardiola-Truppe löste folgerichtig die Defensive mehr und mehr auf, versuchte in der Restspielzeit noch den dringend erforderlichen Anschlusstreffer zu erzielen und lief in der Nachspierölzeit prompt noch in einen Konter, den Neymar zum 3:0 für die Hausherren abschließen konnte (90.). Das Debakel für die Gäste war damit komplett!

Innerhalb von 13 Minuten hatten sich die dezimierten Münchener an diesem Abend alles zerstört, was sie sich in zuvor in gut 75 Minuten so tapfer erkämpft und erspielt hatten. Das 3:0 nun im Rückspiel noch drehen zu können, das erscheint nahezu unmöglich. Erst einmal gelang es einem Team in der Champions League überhaupt einen solchen Rückstand zu drehen. Und auch wenn die Münchener zuletzt den FC Porto daheim mit 6:1 schlagen konnten, einem Ergebnis welches nun auch gegen Barcelona reichen würde, erscheint das Vorhaben das Endspiel von Berlin erreichen zu können nun doch nahezu ausgeschlossen für die die Bundesliga so deutlich dominierenden Bayern.

In einem Club für den laut Trainer Pep Guardiola eigentlich nur der Gewinn des Triples, also der Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Europapokal, zählt, steht vermutlich eine enttäuschende Saison ins Haus. Zwar wurde die Meisterschaft vor knapp 2 Wochen bereits eingefahren. Doch wurden die Feierlichkeiten dafür der Konzentrationsphase auf das Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund geopfert. Nun haben die Bayern innerhalb von 8 Tagen aber Pokalsieg und Champions League-Titel definitiv bzw. so gut wie verpasst. Manch ein Anhänger des Rekordmeisters wird nun sicherlich bedauern, dass man der gewonnenen Meisterschaft nicht doch schon mehr Bedeutung und Aufmerksam gewidmet hat. Schon das alte Sprichwort sagt ja, man soll die Feste feiern wie sie fallen. Die Bayern haben nach der Meisterschaft bewusst darauf verzichtet. Und ob es nun überhaupt noch etwas zu feiern geben wird für den Club, das ist seit gestern zumindest sehr, sehr zweifelhaft.

Vieles deutet aktuell dann doch eher darauf hin, dass der Ruhrbarone-Kollege Michael Kolb mit seinem kurzen Bayern-Kommentar nach dem Spiel Recht hat und der die Situation in einem kurzen knapp äußerst passend zusammengefasst hat, als er schrieb: „La bestia negra… Pfffff… eher ein Schmusekätzchen…“

Wenn die Münchener sicherlich auch (einmal mehr) den nationalen Fußball dominiert haben, ihren eigenen Ansprüchen sind sie sowohl gegen den BVB in der Vorwoche, als auch gestern in Barcelona, zumindest nur noch im Ansatz gerecht geworden. Und wann hat man das schon einmal, bei den Bayern. Die nächsten Tagen dürften in und um München spannend werden. Denn die Verletzungsproblematik erklärt natürlich nur einen Teil der jüngsten sportlichen Misserfolge. Immerhin konnte man gestern nicht nur 75 Minuten lang durchaus gut mit dem Favoriten mithalten, auf der Bank saß auch immerhin noch Weltmeistermacher Mario Götze.

Ganz so einfach zu erklären ist das jüngste sportliche Schicksal der Münchener also wohl auch nicht… Warum, um im Bild zu bleiben, die Bestie gestern also, so wie ja auch schon in der Vorwoche gegen den BVB, nur zeitweise ihre Zähne gezeigt hat, bevor sie zur Schmusekatze wurde? Verletzungspech, individuelle Fehler, oder auch einfach auch Pech? Da gehen die Meinungen dann garantiert rasch und auch sehr weit auseinander.

RuhrBarone-Logo

7 Kommentare zu “‚La bestia negra‘ am Ende dann doch nur ein Schmusekätzchen

  • #1
    Michael Kolb

    Ich ärgere mich nur, dass ich das nicht gestern schon ordentlich formuliert habe… Es hätte eigentlich "weißes, kuscheliges Schmusekätzchen…" lauten müssen… wenn es mir gestern schon so eingefallen wäre 😀

  • #2
    Thorsten Stumm

    q Michael
    Tragisch in der Tat…aber wie singt man "Zieht den Bayern die Lederhose aus" auf spanisch oder wäre katalanisch korrekt 🙂

  • #3
    Klaus Lohmann

    Tja, Götze…. In seinen Glanzzeiten beim BvB "primus inter pares" in einem stimmigen Team, bei den Bauern nur noch Ergänzungsspieler und keine Berümtheit bei den Mädels mehr. Seine Saison sollte man als Video-Zusammenschnitt jedem Jungprofi vorspielen – mit der Bemerkung "Jungs, so macht man Kohle, wenn Fußball keine Rolle spielt".

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Wobei Götze ja auch beim BVB gar nicht so herausragend gespielt hat, wie man meinen könnte. War ja oft verletzt usw.. Natürlich ein toller Spieler. Keine Frage. Und es scheint so, als hätten ihm ein paar Jahre länger beim BVB zumindest wohl nicht geschadet. Wechseln hätte er ja immer noch können. Die Beckenbauer-Kritik, er sei noch nicht ‚erwachsen genug‘, schlägt ja auch in diese Kerbe….

  • #5
    WALTER Stach

    Robin,
    ich hatte mir ja schon im Vorfeld als Barca-Fan hier bei den Ruhrbaronen eine Niederlage des FCB gewünscht. Folglich habe ich mich über das Spiel von Barca und über den hochverdienten Sieg gegen den FCB sehr gefreut.

    Gerade deshalb, weil ich grudnsätzlich zu den bekennenden "Gegner des FCB" gehöre, möchtel ich ausdrücklich betonen, daß die erkennbar wegen des Fehlens von Robben, Ribey, Alaba sichtlich geschwächten Bayern aus meiner Sicht gestern in Barcelona eine gute bis sehr gute Leistung geboten haben, die es anzuerkennen gilt!

    Ich bringe mich nicht in die Diskussion darüber ein, was im einzelnen dazu geführt haben könnte, daß die Bayern 3:0 verloren haben. Die überragenden Leistungen von Barca, Fehler in der Abwehr des FCB , die Ausfälle wichtiger Spieler beim FCB oder ….?

    Haben die Bayern noch Chancen, doch noch……..?
    "Man soll nie die sagen", eine Phrase, aber…………!

    Ich neige ehe dazu anzunehmen, daß der FCB das Endspiel in Berlin nicht erreichen dürfte, denn Barca kann gegen offensive Bayern auch in München Tore schießen, die selbst beim einem Bayern – Sieg reichen dürften, um…..

    Um auf mich als BVB-Fan bezogene Mißverständnisse von FCB-Fans möglichst zu vermeiden:
    Ich bin mir ziemlich sicher, daß "mein" BVB in seiner jetzigen Verfassung gestern gegen Barca total untergegangen wäre. Wenn ich z.B. daran denke, daß Schmelzer Messi hätte "aufhalten" sollen, daß Durm gegen Neymar, daß………….., , spätestens dann wird klar, wo der BVB heute europaweit einzuorden ist, nicht nur weit hinter Barca, sondern auch deutlich hinter den Bayern. Daran ändert sich für mich nichts mit dem für mich überraschenden, glücklichen und höchst erfreulichen Einzug des BVB ins Pokalenspielt mit dem Sieg gegen den FCB.

  • #6
    John Matrix

    Alle, die die Bayern in den letzten Jahren mit "in den nächsten Jahrzehnten unerreichbar" tituliert haben, sind hoffentlich in den letzten Wochen eines Besseren belehrt worden.

    Ohne Ribery und Robben ist die Mannschaft deutlich schwächer, das Ende der Karriere der beiden ohnehin absehbar, ebenso wie das weiterer Leistungsträger wie Lahm. Alonso oder Schweinsteiger. Und so breit ist selbst der Bayern Kader nicht. Von Spielern wie Thiago, Martinez und Götze, die bisher eh unter den Erwartungen geblieben sind, darf man dazu keine allzu große Aufreibung für den Verein erwarten.

    Es wird wieder spannender in der Liga und Europa…

  • Pingback: UCL: Von der Dominanz der deutschen Clubs aus dem Jahre 2013 ist aktuell nichts mehr geblieben | Ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.