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Lasst die Loveparade besser ruhen!

2010 in Duisburg. Quelle: Wikipedia, Foto: Beademung, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Wird es bald eine Neuauflage der Loveparade in Berlin geben? Wenn es nach ‚Dr. Motte‘ geht, dann schon. Der DJ hatte das Technofestival vor gut 30 Jahren gegründet. Jetzt will er mit seinem Team Spenden sammeln und damit herausfinden, wie groß das Interesse an einer Neuauflage ist.

Die Loveparade, die Ende der 1980er-Jahre mit wenigen hundert Teilnehmern unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ in der Hauptstadt begonnen hatte, wurde später bekanntlich zu einem Millionenspektakel, war in seiner Endphase auch hier im Ruhrgebiet zu Gast.

Seit der Katastrophe von Duisburg im Jahre 2010, bei der 21 Menschen ums Leben und 541 weitere schwer verletzt wurden, hat es keine neue Ausgabe der Party mehr gegeben.

Jetzt also ein neuer Anlauf in Berlin?

Wer die Loveparade in ihrer Entwicklung damals beobachtet hat, der konnte von Jahr zu Jahr ein nicht unerhebliches Wachstum feststellen. Das Ganze ging so lange gut, bis es in Duisburg zur Katstrophe kam. Einer Katastrophe, die bis heute in den Augen vieler nicht richtig bzw. angemessen verarbeitet wurde.

Seit nahezu 10 Jahren fühlen sich zahlreiche Angehörige vieler Opfer mehr oder weniger im Stich gelassen, wünschen sich mehr Beachtung und Konsequenzen. In ihrem, und im Sinne ihrer verstorbenen Angehörigen.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Viel Gras ist inzwischen über die Sache gewachsen. Es erscheint daher grundsätzlich nachvollziehbar, dass es jetzt Bestrebungen gibt das Ganze womöglich wieder neu zu beleben. Das Leben geht eben weiter.

Viele von den heute bei einer neuen Loveparade zu erwartenden Feierwütigen waren noch Kinder, als die Welt im Jahre 2010 auf die Tragödie von Duisburg blickte. Ihnen fehlen somit die konkreten Bezüge zu den Geschehnissen damals.

Und genau deshalb plädiere ich dafür, die Loveparade auch in Zukunft besser ruhen zu lassen.

Es wäre gegenüber den Opfern von Duisburg schlicht nicht zu erklären, wieso die Aufarbeitung der Geschehnisse über Jahre hinweg nicht so recht vom Fleck gekommen ist, die Party aber dann, wenn nur erst einmal genug Zeit vergangen ist, einfach in etwas veränderter Form und am alten Ort fortgesetzt wird.

Natürlich hilft es auch den Hinterbliebenen von damals grundsätzlich nicht, wenn auf eine Neuauflage der Loveparade verzichtet wird. An ihrem Verlust und dem Schmerz ändert das nichts.

Aber manchmal gebietet es einfach der Anstand, nicht auf jede mögliche Party zu gehen, auf die man im Laufe des Lebens eingeladen wird. Manche Feste lässt man besser ausfallen.

Wie seht ihr das? Seid ihr für eine Neuauflage, oder sollte man das Kapitel ‚Loveparade‘ besser endgültig für beendet erklären?

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8 Kommentare zu “Lasst die Loveparade besser ruhen!

  • #1
    Nina

    Wenn es inhaltlich und namentlich nichts mit der Loveparade zu tun hat und Rainer Schaller sich da raushält, fände ich es ok im Sinne der Musikkultur. Dass Dr. Motte beim Fundraising aber fragt "Wollt Ihr eine neue Loveparade?" empfinde ich zum… Abgewöhnen. Was soll das? Keiner, absolut keiner will "eine neue Loveparade". Nicht nach Duisburg und nicht nach der vielleicht niemals zu klärenden Frage: Wer hat Duisburg zu verantworten?
    Mit Loveparade verbinde ich seit Duisburg nur noch eines- Menschen drücken sich gegenseitig zu Tode und quetschen sich, bis 21 Menschen nicht mehr atmen können. Die, die bewusstlos oben lagen bekamen nicht mit, dass direkt unter ihnen einer lag und erstickte.
    Ich finde das alles sehr geschmacklos. Kaum hat Motte die Idee im Kopf, macht er bereits den ersten Fehler.

  • #2
  • #3
    Thommy

    Kommerzielle Scheiße, die kein Mensch braucht, Müll ohne Ende, den keiner mehr haben will, zugedröhnte Kids am Rande des Kollaps, Sanitäter und Ärzte, die für Wichtigeres gebraucht werden usw.

    Das alles erinnert doch eher an das "German Drinking Festival", also das Münchner Oktoberfest als an eine unverzichtbare Kulturveranstaltung.

    Und ja-wenn dieser Veranstalter diese Veranstaltung aus reinem Profitinteresse, das schon damals gepaart mit grenzenloser Dummheit und Ignoranz zu den vielen Toten und Verletzten führte, nun wieder "aufleben" lassen möchte, soll er sich doch -wenn er auf bürgerkriegsähnliche Zustände steht- ein Ticket nach Bagdad oder Tripolis kaufen.

  • #4
    Emscher-Lippizianer

    Wichtig ist auch, daß diese unsägliche Veranstaltung nicht mehr als "Demonstration" durchgeht und der Steuerzahler für dieses Berliner Vergnügen aufkommen darf.

  • #5
    Nina

    @Thommy: Dr. Motte ist nicht Lopavent (Schaller). Die Anfänge der Loveparade waren nicht-kommerziell und etwas ähnliches scheint Motte vorzuschweben.

  • #6
  • #7
    Klaus Lohmann

    @Nina: Mit dem klein-feinen Unterschied, dass Motte ganz nonchalant die Ursprungsjahre mit ein paar hundert Teilnehmern aus der eher geschlossenen Clubszene überspringt und die fürs Großberliner Massenspektakel notwendigen Millönchen durchs Verscherbeln von Legofiguren für eine Art Selbstbeweihräucherungs-Diorama sammeln will. Irgendwie braucht der Typ Frischkohle…

  • #8
    Stadtzuhörer

    Versuch bei DuisTop-Blog: Politische Aufarbeitung der Loveparade

    http://www.viewww.de/123/duistop-forum/2020/01/13/politische-aufarbeitung-was-haben-loveparade-versagen-und-die-schliessung-der-polizeiwache-homberg-gemeinsam/

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