#1 | Helmut Junge sagt am 14. Februar 2017 um 18:47 Uhr

Meine Großeltern sind 1895 als Kinder aus verschiedenen Städten der Steiermark ins Ruhrgebiet gekommen und haben sich später hier kennengelernt. Unter den vielen Steirern, die hier hingezogen waren, gab es auch Slovenen. Mit einem slovenischstämmigen Ehepaar, das in der gleichen kleinen Straße wohnte, waren meine Großeltern befreundet. Die haben sich gegenseitig besucht. Aber wenn mein Großvater mich Samstagsnachmittag zu ihnen geschickt habe, weil ich sie benachrichtigen sollte, daß alle gebadet hätten und die beiden kommen könnten, hat er gesagt, ich soll die Schlawiner holen. Wohlgemerkt, alle hatten die deutsche Staatsangehörigkeit und ihre ursprüngliche steirische Heimat seit ihrer Kindheit nie mehr gesehen. Als ich selbst die Spuren meiner Vorfahren in der Steiermark besuchte, dachte ich, daß ich in der Steiermark keine Sprachprobleme haben könnte. Doch da habe ich Maria Lankowitz, wo meine Großmutter her stammte noch nicht gekannt. Kein Wort habe ich verstanden. Dort hat sich wohl ein lokaler Dialekt als Mischsprache zwischen Deutsch und Slovenisch gebildet. Glaube ich jedenfalls. Meine Großmutter hat aber nie so gesprochen, sondern sie sprachen den Dialekt meines Großvaters, wenn sie alleine waren. Sonst sprachen sie so eine Art Hochdeutsch, wie es im Ruhrgebiet üblich ist. Nebenbei denke ich, daß während der KuK- Zeit die Volksgruppen hin und her gezogen sind, und sehr gut nebeneinander oder miteinander gelebt haben, genauso wie hier im Ruhrgebiet auch.