Neuer, noch geheimer Verkehrswegeplan entdeckt

Haben sie es schon gemerkt? So beim Fahren mit dem Auto oder mit dem Rad? Vor allem auf Stadtstraßen? Es gibt einen neuen, noch geheimen Verkehrsentwicklungsplan! D.h. man spürt ihn schon, aber er ist offiziell noch nicht bekannt gegeben. Wird er wahrscheinlich auch nie, denn er tritt quasinatürlich in Kraft. Durch Nichtstun. Besser durch Nichtreparatur. Unaufhaltsam aber doch irgendwie unmerklich. Bis ihn niemand mehr ändern kann. Geheim eben.

Vielen Autofahrern werden die zunehmenden Löcher in unseren Straßen nämlich gar nicht auffallen. Zumindest nicht während der Fahrt. Dank lastwagengroßer Räder mit Vierradantrieb und Megafederung. Dank ihres SUVs, ausbuchstabiert Sport Utility Vehicles. Diese Autos, bei denen man sich immer wundert, wieso die überhaupt auf planem Asphalt fahren dürfen, wo sie doch für das Gegenteil gebaut sind. Für das, was man ein Piste nennt und nicht eine Straße. Sie wissen schon: Querbeet, mitten durch die Pampa, über Stock und Stein.

Selbst wenn unsere Straßen in nicht weiter Zukunft nur noch aus Löchern bestehen sollten, ist das für SUV-Piloten eben kein Problem. Im Gegenteil, je mehr je besser. Am besten noch Schlamm drin. Möglichst viel. Das muss richtig spritzen wenn man da durch hobelt. Die SUV-Fans werden deswegen den Plan begrüßen ohne ihn auch nur zu kennen. Für sie trennt sich so endlich auch auf den Stadtstraßen die Spreu vom Weizen, werden trotz mobilem Gleichmacher Tempo 50 die wirklichen Leistungsträger sichtbar.

Höher sitzen als andere ist auch schon klasse. Aber auf andere runter gucken u n d ihnen zeigen, wer´s wirklich bringt, macht erst richtigen Spaß. All den Armleuchtern mit ihren Kleinwagen oder Fahrrädern, die die Löcher umfahren müssen, weil ihnen sonst die Achse bricht oder die Fahrt im Sturzflug beendet wird. All den Losern, die sich ganz ohne Fahrzeug bewegen müssen, weil´s nicht mal zum Bike reicht.

Der SUV-Fahrer als solcher ist sparwillig. Ihm reicht es, wenn die Autobahnen gepflegt bleiben. Denn so ein SUV kann nicht nur in Dreck und Loch, er kann auch sehr schnell auf absolut planer Ebene. Ist halt ein Alleskönner. Und nur so etwas hat Zukunft, wenn die öffentlichen Kassen immer leerer werden. Wenn´s kollektiv nur noch zum Notwendigsten reicht. Wenn sich auch unsere Verkehrswege dem Diktat des Sparens stellen müssen.

Wie gut, dass von unseren politische Leistungsträger in Form der Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie der Minister, selber so viele im SUV fahren. Sie werden schon dafür sorgen, dass unsere Autobahnen und sonstigen Schnellstraßen auch weiter für die Höchstgeschwindigkeit tauglich bleiben. Dass nicht an der falschen Stelle und zum Schaden des ganzen Landes und seiner Elite der Kürzungshammer geschwungen wird.

Wie gut aber erst, dass sich unsere Autoindustrie geradezu hellseherisch gegen all die kleinlichen und rückwärtsgewandten SUV-Bedenken unserer Umweltschützer durchgesetzt hat. Dass sie den eisernen Sparwillen unserer Städte und Gemeinden im Sinne des allseits beliebten Public-Privat-Partnership zu unterstützen bereit ist. So sind wir wenigstens dort auf die Krise vorbereitet. Wir müssen die Dinger einfach nur alle kaufen und können damit auch noch Arbeitsplätze sichern.

In holpernden Bussen und Bahnen sitzen mit den armen Schluckern? Im Dauerslalom auf dem Rad und das auch noch bei Matsch und Regen? Eingeklemmt in einem von diesen halsbrecherischen Minigurken in denen man nicht mal einen kompletten Wochenendeinkauf reinkriegt? Und das Ganze auf zerbröselndem Asphalt? Wer will denn so was, wenn er anders kann?

Begrüßen wir also in Anbetracht der Griechenlandisierung Europas den neuen Verkehrsplan mit der für die Straßenkämpfer in aller Welt beliebten und natürlich dem technischen Fortschritt angepassten Parole: SUV oder Tod!

Oder halt Tod durch SUV, wenn man sich so ein Ding nicht leisten kann. Aber für Menschen, die nicht mal mehr so viel Kohle haben, macht das Leben in Zukunft sowieso nicht viel Sinn.

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11 Kommentare

  1. #1 | pmn sagt am 1. Juni 2010 um 18:52 Uhr

    Man hätte den Individualverkehr nie so bedeutend werden lassen, jetzt hat man eben den Salat.

  2. #2 | Fantomas sagt am 1. Juni 2010 um 20:56 Uhr

    AAAH! Deppenapostroph bei Ruhrbarone!

  3. #3 | Hannes sagt am 1. Juni 2010 um 21:21 Uhr

    @Fantomas: Chez Arnold’s – eben 🙂

    Im Ernst: Der eigentliche Spaß beginnt dann, wenn die Asphaltdecke weg ist. Schlaglöcher in den „dirt roads“ umkurven, dabei permanent die Straßenseite wechseln und das Dauerhupen nicht vergessen. Ein Herz wärmendes Deja vu für jeden Entwicklungshelfer. #ThirdWorldRoads

    Ohne SUV habe ich die Geschichte Anfang April mit Bürgerbeteiligung gelöst 😉 https://www.schiebener.net/wordpress/?p=7203

  4. #4 | 68er sagt am 1. Juni 2010 um 23:48 Uhr

    Lieber Herr Voss,

    habe Ihren Artikel so verstanden, dass Sie letztlich eher für Tempo 90 auf Autobahnen sind als für Kriege für Öl.

    Bereits Anfang der 90er Jahre kommentierte die Mutter eines Freundes den baulichen Zustand einiger Straßenzüge in Duisburg mit den schönen Worten:

    „Wie konnte man das in 40 Jahren nur so runterkommen lassen?“

    In den 10 Jahren, in denen ich nun im Ruhrgebiet lebe, hat sich allerdings tatsächlich etwas bei der Straßensanierung deutlich verändert:

    Die Intervalle, in denen die Provisorisch-Die-Löcher-Wegmach-Einsatz-Wagen (PDLWEW) von den Stadtwerken durch die Straßen fahren, werden immer kürzer. Das ist ein Schauspiel wie in einer Sozialismuskarikatur:

    Vorne im Pritschenwagen sitzen Fahrer und Beifahrer.

    Hinten auf der Pritsche befindet sich ein Haufen bröckeligen Asphalts und schräg dahinter ein müder Junge mit einer Schaufel.

    Anfangs noch alle 100 Meter, heute alle 10 Meter schippt dieser eine Ladung Asphalt in die immer größer werdenden Löcher und ein weiterer Straßenarbeiter-Laiendarsteller klopft den Dreck provisorisch mit einer Handrammenimitation in die Furchen.

    Das hält höchsten für die Überfahrt von 2 SUV’s, aber was soll’s?

    Der PDLWEW kommt ja in den nächsten Wochen wieder mal vorbei!

    Beste Grüße

    Ihr 68er

  5. #5 | BesorgterBürger sagt am 2. Juni 2010 um 07:45 Uhr

    Die größte Lobbyorganisation Deutschland, ist der? Na? Genau! ADAC.

    Die sorgen schon seit Jahren für einen starken motorisierten Individualverkehr…

  6. #7 | Helmut Junge sagt am 2. Juni 2010 um 09:11 Uhr

    Schlaglochgärten! Klasse Idee. Beuys soll sich angeblich mal einen Pickel im Gesicht mit Kugelschreiberstrichen umrahmt haben. Ich weiß nicht, ob das stimmt,
    aber die Idee war auch gut.

  7. #8 | Alexander sagt am 2. Juni 2010 um 09:35 Uhr

    Oh! Schlagloch-Meckerei bei den Ruhrbaronen! Ich dachte, dafür wäre die Kommentar-Spalte des Westens der prädestinierte Platz.

  8. #9 | Stefan Pieper sagt am 2. Juni 2010 um 10:24 Uhr

    Mir macht es nix aus – fahr eh ne Enduro!

  9. #10 | emden09 sagt am 8. Juni 2010 um 09:13 Uhr

    Was soll das? Mit jedem heutigen Auto (und selbst mit meinem 30 Jahre alten Motorrad – 250 kg) kann man durch jedes heutige Schlagloch in deutschen Straßen fahren, ohne irgendwelche Schäden am Auto (oder Motorrad) zu verursachen. Ausweichen ist Verkehrsgefährdung. In anderen Ländern (z.B. auch in New York) lernt man so was in der Fahrschule. Die deutschen Weicheier hingegen fahren nicht auf Straßen, die nicht für Milliarden glatt wie ein Babypopo geschmirgelt wurden – herrje. An handelsüblichen Fahrrädern hingegen gibt es vorne so ’ne kleine Querstange (Kenner sprechen im Fachjargon auch mal vom „Lenker) damit kann man (also ich zumindest) locker kleine Schlenker um die Schlaglöcher in den Straßen fahren oder man benutzt einfach gleich den Fahradweg – aber dafür ist der Deutsche Radler ja viel zu erwachsen. Kinderkram dieser Artikel und das Thema als „Aufreger“ sowieso.

  10. #11 | Arnold Voß sagt am 8. Juni 2010 um 12:45 Uhr

    Emden09

    Schon mal beim Fahrradfahren nach links und rechts geguckt? Ich meine wegen des Verkehrs den es auf Straßen ja unvermeidlich geben soll? Oder sogar mal nach oben anstatt dauernd nach unten geschaut? Dabei schon mal durch ein Schlagloch gebraten? Am besten im Regen, also voll mit Wasser? Wenn es gar nicht wie ein Loch aussieht sondern irgendwie glatt? Dabei schon mal auf die Fresse gefallen? Owohl beide Hände am Lenker waren?

    Bin ich mal in New York, als die 5th Avenue noch reihenweise solche Löcher hatte. Der kleine Straßensee hatte ungefähr den selben Radius wie mein Vorderad und war auch genauso tief. Und es hatte jemand vergessen einen der zu dieser Seit üblichen Stahlplatten drauf zu legen.

    Für Rad- und Motorradfahrer gibt es in der Stadt übrigens nichts besseres als glatten Asphalt. Die sitzen halt nicht auf einem warmen Sessel mit Dach drüber. Aber was so ein richtiger Streetfighter ist, der kennt keinen Schmerz. Der will immer ein kleiner/großer Stadtindianer sein. Der wird halt erste erwachsen wenn er tot ist.

    Aber so ernst habe ich mein Posting gar nicht gemeint, Emden09! Und außer ihnen hat es auch keiner so aufgefasst.

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