Neustart statt Stillstand: Warum ein Kehl-Abgang dem BVB helfen könnte

Sebastian Kehl. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Ein möglicher Wechsel von Sebastian Kehl zum HSV, wie er aktuell in einigen Medien diskutiert wird, würde in Dortmund zunächst für Schlagzeilen sorgen – und vermutlich für empörte Reaktionen in der Vereinsführung. Doch jenseits der Emotionen lohnt sich ein genauer Blick. Denn so unbequem es klingt: Ein Abgang Kehls wäre für Borussia Dortmund möglicherweise genau der Impuls, den der Klub seit Jahren vergeblich sucht.

Viel Anspruch, wenig Entwicklung

Als Kehl das Amt des Sportdirektors übernahm, waren die Erwartungen hoch. Mehr Struktur, mehr Strategie, weniger Aktionismus – so lautete das Versprechen. Die Realität sieht ernüchternd aus. In der Kaderzusammenstellung waren kaum nennenswerte Fortschritte zu erkennen.

Statt eines klaren Plans dominierte oft das Prinzip Hoffnung: Spieler mit „Potenzial“, Leihgeschäfte ohne nachhaltigen Effekt und Baustellen, die sich von Saison zu Saison hartnäckig hielten. Der Kader wirkte selten wie aus einem Guss, vielmehr wie ein Flickenteppich aus Kompromissen.

Stagnation als Dauerzustand

Sportlich trat der BVB in dieser Phase auf der Stelle. Der große Wurf blieb aus, national wie international. Während andere Klubs mutiger umbauten oder klare Profile entwickelten, wirkte Dortmund erstaunlich ideenlos.

Jahr für Jahr dieselben Diskussionen, dieselben Schwächen, dieselbe Ernüchterung nach entscheidenden Spielen. Kehl mag nicht allein verantwortlich sein – aber als Sportdirektor trägt er eben eine Schlüsselrolle.

Die Fans verlieren die Geduld

Besonders brisant: Die Stimmung im Umfeld kippt. Die Unzufriedenheit unter den Fans ist längst nicht mehr nur leises Murren, sondern offener Frust. Viele Anhänger haben das Gefühl, dass der Klub seine eigenen Ansprüche aus den Augen verloren hat. Wofür steht dieser BVB eigentlich noch? Eine klare Antwort bleibt die sportliche Führung schuldig – und das fällt zunehmend auf Kehl zurück.

Trennung als Chance

Ein Wechsel zum HSV könnte deshalb für beide Seiten ein Befreiungsschlag sein. Kehl bekommt einen Neustart, der BVB die Gelegenheit, die sportliche Leitung neu auszurichten. Ein externer Sportdirektor mit frischen Ideen, klarer Kaderstrategie und dem Mut zu unbequemen Entscheidungen könnte genau das sein, was Dortmund braucht.

Manchmal ist ein Abschied eben kein Rückschritt – sondern der erste Schritt nach vorn.

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