Update: Aussteigerberatung BackUp wirft Claudia Luzar raus

backupEnde April hat sich die Dortmunder  Nazi-Aussteiger und Nazi-Opferberatung BackUp von Claudia Luzar getrennt. Luzar hatte das Projekt mit aufgebaut, in den vergangenen Jahren hat die Politik ihren Einfluss auf den Verein immer stärker ausgebaut. Nun nahm Luzar auf Facebook Stellung:

Liebe Freunde und Kollegen, der ehrenamtlich geführte Trägerverein von Back UP, der ersten Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt in Westdeutschland, hat sich von mir getrennt. Die Ursachen für diesen absehbaren Entschluss liegen in der unterschiedlichen Bewertung des Rechtsextremismus insbesondere in Dortmund. Dort habe ich auf Wunsch der Stadtverwaltung Back Up ab August 2011 mit großem Einsatz aufgebaut. Ganz persönlich habe ich 87 Opfern rechtsextremer Gewalt in NRW geholfen. Dabei bin ich humanistischen Grundsätzen gefolgt: Stadt- und Parteipolitik müssen aus meiner Sicht hinter dieser Arbeit zurück stehen. Im vergangenen Jahr wurde ich zusätzlich gebeten, mich um Ausstiegswillige Rechtsextremisten zu kümmern: Denn diese wichtige Aufgabe wurde in der Region Westfalen bislang nicht mit dem gewünschten Erfolg erledigt. Ich hoffe nun vor allem, dass die drei durch mich zuletzt betreuten ehemaligen Neonazis bei ihrer Ausstiegsentscheidung bleiben.

Ich selbst beende in diesen Wochen meine Doktorarbeit über die Opferwerdung durch rechtsextreme Gewalt (am Bsp. Dortmund). Darauf richte ich mich meine ganze Kraft. Die Dissertation wird nach Abschluss veröffentlicht. Meine wissenschaftliche Arbeit werde ich in bewährter Form fortsetzen.

Beste Grüße

Claudia Luzar

Update: Wir haben uns ein wenig umgehört. Claudia Luzar und der Dortmunder FH-Professor Dierk Borstel, der bei dem  BackUp Update BackUp-Comeback dabei war, standen für einen nicht nur konfrontativen Kurs im Umgang mit Nazis. Ein Zitat von Borstels Facebooks-Seite belegt diese Linie:

Offensiver Umgang mit Rechtsextremismus bedeutet auch, sich ihnen argumentativ und gewaltfrei und unmittelbar zu stellen. Ein Kontaktverbot hilft da nicht.

Eine Ähnliche Linie deutet sich auch im offenen Brief von BackUp Ende 2012 an, der eine Aufforderung an die Nazis beinhaltete:

„Nutzen Sie bitte die demokratischen Möglichkeiten, um Ihren politischen Protest auszudrücken, und verzichten Sie auf Gewalt gegen Menschen, die Ihnen nicht in den ideologischen Kram passen. Denn durch Gewalt und Menschenfeindlichkeit werden Sie hier in NRW niemanden davon überzeugen, dass Ihr politischer Weg der richtige ist.“

Zwar soll die Stadt Dortmund viel Wert auf eine Ausstiegshilfe gelegt haben,  aber einen offenen Dialog mit Nazis wollte sie, verständlicherweise, nicht unterstützen. Die ist nach unseren Informationen einer der wesentlichen Hintergründe für die Trennung von Luzar. Und sie passt auch zum Kurs Dortmunds: Pläne, einen Kreativworkshop mit Neonazis abzuhalten, erteilte die Stadt eine deutliche Absage – wenn auch erst nach Protesten. Wen Luzar also schreibt, sie könne der politischen Linie der Stadt nicht folgen, scheint sich das eher auf diesen Punkt zu beziehen. Frau Luzar stand für ein Gespräch mit diesem Blog nicht zur Verfügung.

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28 Kommentare

  1. #1 | Benno sagt am 6. Mai 2014 um 20:39 Uhr

    Ich finde den Artikel ehrlich gesagt ziemlich unkritisch, gerade von den Ruhrbaronen hätte ich diesbezüglich etwas mehr Tiefgang erwartet. In ihrer Abschiedsnachricht spielt sich Frau Luzar als DIE Vertreterin der Opfer dar. Wir müssen uns doch aber nur an den Offenen Brief erinnern (https://akduell.de/2013/01/naziberatung-der-streit-um-back-up/ und https://alerta.noblogs.org/2013/01/08/alerta-bundnis-zum-offenen-brief-gegen-rechte-gewalt-der-beratungsstelle-backup/) oder ihre ausbleibende Solidarität mit dem Antifa-Camp in Dortmund. Die Frage ist, ob man ihr vor diesem Hintergrund noch die eigene Darstellung als Opfer abkaufen kann. Zumal sie ja nicht eigenständig gegangen ist, sondern ganz offiziell gegangen wurde. Logisch, dass sie da Interesse hat, ihre ganz eigene Sicht darzustellen. Man sollte hier doch eher getreu dem Motto verfahren: Don’t believe the hype of the „Rechtsextremismusexpertin“.

  2. #2 | Ricardo sagt am 6. Mai 2014 um 20:58 Uhr

    Neben ihren eher weinerlichen Presseauftritten hat Frau Luzar schon immer grenzwertig agiert und professionelle Distanz vermissen lassen. Ausgerechnet für die drei Naziaussteiger hofft Sie am Ende „vor allem“?

    Ergänzend erinnert sei an ihre Neujahrsansprache zum Jahre 2013, mit der sie eine der potentiellen Opfergruppen verprellt hat, die zu vertretenen ihre Aufgabe war:

    https://alerta.noblogs.org/2013/01/08/alerta-bundnis-zum-offenen-brief-gegen-rechte-gewalt-der-beratungsstelle-backup/
    https://linksunten.indymedia.org/node/79560
    https://akduell.de/2013/01/naziberatung-der-streit-um-back-up/

    Bleibt zu hoffen, dass Opferberatung und die Beratung von aussteigewilligen Nazis wieder getrennt werden und und sich Backup an eine parteiliche Unterstützung von Opfern von rechter Gewalt orientiert.

    Auf ihre Doktorarbeit zu den Dortmunder Verhältnissen bin ich schon gespannt. Vielleicht wird dann ja einiges von ihrem Agieren nachvollziehbarer.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 6. Mai 2014 um 20:59 Uhr

    @Benno: Wir warten auf einen Gastbeitrag, der a. die Arbeit von Frau Luzar beurteilt und b. eine Erwartungshaltung für die Zukunft von BackUp formuliert Der Text ist erst einmal nachrichtlich.

  4. #4 | Sebastian sagt am 7. Mai 2014 um 10:07 Uhr

    In einem Punkt stimme ich @Benno zu. Der Artikel ist sehr eindimensional. Gerade für einen Blog der sich mit den Entwicklungen in Dortmund beschäftigt. Hier wird mal alles zusammengeworfen und aller Müll ausgeschüttet. Damit wird das Blog den Maßstäben von Bild etc. weitestgehend gerecht. Nur mal als Einwurf. Es waren Luzar und Borstel, die eine getrennte Konzeption für eine lokale Opfer- und Aussteigerberatung entwickelt haben. EXIT war damit beauftragt die Aussteigerberatung zu leisten. Ob man die nun gut findet oder nicht, sei dahin gestellt. Die Stadt trennte sich dann von EXIT. Eine nicht staatliche Ausstiegsbegleitung gab es damit in Dortmund – so wie es mal gedacht war – nicht mehr. Das Problem ist meiner Wahrnehmung nach ein hausgemachtes. Jetzt sucht man sich ein Opfer und hat es auch gefunden. Und eins noch, meiner Meinung nach war es unteranderem Herr Borstel, der seine Kritik an dem Projekt „Dortmund den Dortmundern“ klar formuliert hat! Nicht die Stadt.

  5. #5 | Sebastian sagt am 7. Mai 2014 um 10:09 Uhr

    Sorry für den Bild-Vergleich – da ich euch sonst sehr schätze. Aber konnte jetzt mal nicht anders. Grüße

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 7. Mai 2014 um 10:12 Uhr

    @Sebastian: Ich persönlich finde den Vergleich mit Bild immer wieder schmeichelhaft 🙂

  7. #7 | Gerd sagt am 7. Mai 2014 um 10:47 Uhr

    Mich würd mal interessieren, wie die 300.000 Euro Fördergelder konkret eingesetzt wurden ? Gibt es dazu Infos ? Sollte ja eigentlich transparent nachvollziehbar sein…

  8. #8 | Michi sagt am 7. Mai 2014 um 10:47 Uhr

    Worum geht es hier eigentlich? Die Frau hat offenkundig vielen Menschen geholfen, denen früher nicht geholfen wurde. Und: Sie hat Nazis aus der Szene geholt. Was bitte schön ist daran schlecht? Vor Back Up gab es nichts. Dann kam Luzar und hat die Beratungsstelle aufgebaut. Das spricht doch für sich oder besser für sie. @sebastian im Grunde stimme ich dir zu, aber der Vergleich mit der Bild ist doch etwas daneben.

  9. #9 | Bianca Schmolze sagt am 7. Mai 2014 um 11:29 Uhr

    Als ehemaliges Vorstandsmitglied von Back UP möchte ich darauf aufmerksam machen dass Claudia Luzar mit ihrem psychosozialen und menschenrechtlichen Ansatz immer den Menschen in den Vordergrund ihrer Arbeit gestellt hat. Sie hat sich für die Opfer von rechter Gewalt eingesetzt, aber auch gesehen, dass man Menschen die aus der rechten Szene aussteigen wollen ebenfalls unterstützen muss um so eine nachhaltige Schwächung der rechtsextremen Szene zu erreichen. Es ist wichtig bei dieser Arbeit psychosozial vorzugehen und nicht ideologisch. Dies hat Frau Luzar mit hohem Engagement und Einsatz geleistet und es ist mehr als schade dass sie den Ansatz ihrer Arbeit dem Verein Back Up nicht nahe bringen konnte. Nun bleibt offen inwiefern nun ausstiegswilligen Personen aus der rechten Szene geholfen werden kann. Auch die Unterstützung von Opfern rechter Gewalt wird nun wohl nicht mehr auf der Basis des psychosozialen Ansatzes von Frau Luzar laufen. Als Angestellte eines psychosozialen Zentrums unterstütze ich Frau Luzar vollkommen und wünsche mir dass sie auch hier in der Region weiter ihre Arbeit verfolgen kann.

  10. #10 | Ricardo sagt am 7. Mai 2014 um 11:41 Uhr

    Dem hier ist zu entnehmen, dass es auch um konzeptionelle Probleme geht: Opfer- und Aussteigerberatung sind in einer Hand schlecht möglich:

    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit/lokalzeit-aus-dortmund/videoaergerbeibackup100_size-L.html?autostart=true#banner

  11. #11 | Ayse sagt am 7. Mai 2014 um 12:35 Uhr

    Ich finde es schade, dass Frau Luzar nicht mehr bei Back Up bleibt. Es wird immer so viel darüber geredet, was in der Auseinandersetzung mit dem Neonazis alles passieren muss, und wenn dann wirklich mal jemand wie Frau Luzar viel dafür riskiert (Leben, Arbeit, Gesundheit), dann wird das kaum gesehen und positiv gewürdigt. Ich finde es persönlich total traurig, dass Back Up nicht in der Lage war, eine streitbare und eben auch sehr kämpferische Mitarbeiterin wie Frau Luzar zu halten. Jetzt wäre es zumindest an der Zeit, dass der Verein mal inhaltlich dazu Stellung bezieht, was überhaupt vorgefallen ist, und damit auch den unsäglichen Spekulationen und Verleumdungen, die kursieren, Einhalt gebietet.

  12. #12 | Bernd Körner sagt am 7. Mai 2014 um 13:24 Uhr

    Das ist doch ein Bauernopfer, dass der Verein die Luzar über die Klinge springen lässt! Erst gibt man ihr den Auftrag sich um Aussteiger UND Opfer zu kümmern und dann macht man ihr genau das zum Vorwurf! Ich finde das total ungerecht. Mich würde wirklich mal interessieren, was die Stadt überhaupt für ein Konzept für die sogenannte „Aussteigerberatung“ hat und wer das jetzt machen soll. Is doch kein Wunder, wenn sich kein geeignetes Personal findet, wenn man so mit den eigenen Mitarbeitern umgeht, wie man mit der Luzar umgegangen ist.

  13. #13 | Hanif Hidarnejad sagt am 7. Mai 2014 um 13:51 Uhr

    Kampf gegen Neonazi-Szene und Gewaltbereite Ideologien fordert Mut und gesellschaftliche Verantwortung.
    Vor einige Jahren als Dortmund wegen rechtsextremen Schlagzeilen machte, hat Claudia Luzar Verantwortungsvoll Risiko im Kauf genommen und sich im Kampf gegen Nazis im Vordergrund steht und durch ihrer Öffentlichkeitsarbeit zur Zielscheibe der Nazis gemacht. Sie hat sich Professionell gegen rechts-Ideologie eingesetzt und hat die Potenzielle Ausgestiegene Neonazis, also die ahnungslose jugendliche unsere Gesellschaft der selbst quasi Opfer ein faschistische Ideologie sind, die Möglichkeit geschafft sich von Neonazi-Szene zu trennen. Dortmund braucht so mutigen Menschen wie Claudia Luzar der Menschlichkeit und Professionalität über das Politische Interesse stellen.

  14. #14 | Lemmi Lehmann sagt am 7. Mai 2014 um 22:09 Uhr

    Das mit dem Bauernopfer sehe ich genau so. Wirklich mutige Menschen wie Frau Luzar (die ich auch persönlich im Gespräch kennengelernt habe und für ihre Arbeit auch sehr schätze) haben etwas mehr Anerkennung verdient!!!

    Das man es mit seiner Arbeit auch nicht immer jedem recht machen kann (da treffen ja bekanntlich viele Menschen und Ansichten aufeinander), führt mir wieder vor Augen, dass der Mut und das Engargement von Frau Luzar doch mehr von einem fordert und daher möchte ich noch einmal mein Bedauern zum Ausdruck bringen, dass Frau Luzar dieser, in meinen Augen, sehr wichtigen Arbeit, nicht mehr nachgehen darf. Was Dortmund den Aussteigern aus der rechten Szene nun zu bieten hat bleibt leider offen.
    Fähnchen im Winde haben wir genug und von Menschen mit nicht genug. Meine Solidarität gehört den Opfern rechter Gewalt. Es ist natürlich eine Gratwanderung mit Aussteigern aus der rechten Szene zu verfahren, aber die Dinge die dort Frau Luzar angedichtet werden, verletzen jeglich Grenzen einer ehrlichen Diskussion.

    Ein einfacher Arbeiter ausm Pott

  15. #15 | werner müller sagt am 8. Mai 2014 um 10:40 Uhr

    ich finde es schon irritierend, wenn jetzt alle möglichen leute alles genau wissen, wer wann was genau getan hat. vor allem zelebrieren hier wieder alle die romantische geschichte der einen person, die alles zum besseren wenden kann. ich will hier gar nicht abstreiten, dass frau luzar sich sehr für die opferberatung engagiert hat. aber das ist wohl kaum die ganze geschichte. bei der stadt/in der politik haben ebenso einige menschen viel in bewegung gesetzt, dass es eine stelle geben konnte. ohne die lange vorarbeit von opferberatungsstellen bundesweit und antifaschistischen einzelpersonen / gruppen vor ort wäre eine opferberatung aber auch nie entstanden. ernstnehmen sollte man auch deren kritik an frau luzar, die sich sehr unsolidarisch verhalten hatte.

    eine beratung für opfer von nazis und nazis, die vllt aussteigen wollen, muss natürlich klar getrennt sein. genau das scheint ja nicht klar genug getrennt worden zu sein.

    im einzelfall ist eine betreuung von nazis beim ausstieg durchaus sinnvoll. aber nicht vergessen sollte man, dass es vor allem darum gehen muss nazis grenzen zu setzen statt ihren menschenverachtenden theorien und verhaltensweisen verständnis entgegenzubringen.

  16. #16 | Gerd sagt am 8. Mai 2014 um 10:56 Uhr

    @#15 | werner müller:

    „aber nicht vergessen sollte man, dass es vor allem darum gehen muss nazis grenzen zu setzen “

    Das ist aber nicht die Aufgabe einer Opferberatungsstelle…

  17. #17 | Stefan Laurin sagt am 8. Mai 2014 um 11:02 Uhr

    @Gerd: Stimmt, das ist nicht die Aufgabe einer Opferberatungsstelle. Aber es wäre schön viel gewonnen gewesen, wenn Luzar und Borstel sich nicht hätten gegen Nazi-Gegner instrumentalisieren lassen.

  18. #18 | Marco sagt am 8. Mai 2014 um 12:19 Uhr

    Wenn man als Wissenschaftler auf diese Debatte hier trifft, kann man schon ganz schön irritiert sein. Klar, die Forderung, dass Aussteiger- und Opferberatung getrennt sein müssen, ist fachlich gut zu begründen und als zentrales Arbeitsprinzip erstmal sehr hilfreich. Aber wenn man dann mal direkt in der Beratung drin steckt, ist das alles manchmal nicht mehr in so einfachen Schablonen zu denken: Denn (und das ist ja auch bekannt): auch Aussteiger können Opfer rechtsextremer Gewalt werden und wer kümmert sich dann um die? Oder ein zweites Beispiel: auch Rechtsextreme können in Familien leben, in denen Menschen Opfer rechtsextremer Gewalt werden (und was passiert dann?). Oder noch ein Beispiel: auch politisch engagierte Menschen, die Opfer rechtsextremer Gewalt wurden, können eine Ausstiegshilfe brauchen, speziell wenn sie in irgendwelchen militanten Sekten eingebunden waren… Und soll man dann nur die Polizei holen oder lamentieren? So einfach ist es mit der „Trennung“ also nicht. Man braucht manchmal auch Lösungen für den Einzelfall.

  19. #19 | Nina sagt am 8. Mai 2014 um 17:40 Uhr

    Das Traurige ist, das bei dem ganzen Ideologie-Gewusel Menschen auf der Strecke bleiben. Das sind zum Einen Opfer rechter Gewalt, zum anderen auch potenzielle Aussteiger aus der rechten Szene.
    Gute Beratungsarbeit funktioniert nur über Vertrauen – somit also auch über Menschen. Da Frau Luzar so viel wichtige(!) Öffentlichkeitsarbeit betrieben hat, haben sich natürlich viele Personen direkt an sie gewandt. Wer würde sich als Betroffener eher an eine anonyme Organisation wenden, als an Jemandem, der öffentlich in den Medien zu seiner Meinung steht und sympathisch wirkt? Dass das nicht immer nur Opfer von rechtsextremer Gewalt sind, hat mein Vorposter ja gerade schon passend erläutert.
    Es hat auch nichts mit romantischen Vorstellungen zu tun, wenn ich behaupte, dass Frau Luzar die Einzige bzw. eine von sehr wenigen Personen ist, die es schaffen, sowohl Opfern als auch Aussteigern mit menschenrechtlichem Ansatz zu begegnen. Daher finde ich es mehr als schade, dass sie die Beratungsstelle verlassen musste, die sie eigens gegründet hat.
    Von wem eine Stellungnahme zu erwarten ist, ist der Verein und nicht Frau Luzar selbst.

  20. #20 | maike brenner sagt am 9. Mai 2014 um 07:59 Uhr

    süß, wie frau luzar hier ihre ganzen freunde mobilisiert hat, positive kommentare abzugeben. diese white-washing-strategie, die sie als opfer dazustellen versucht, ist ganz einfach als peinlich zu entlarven. wie ein vorredner schon richtig feststellte, ist die vorstellung, frau luzar hätte das alles ehrenamtlich aufgebaut und wäre mit viel engagement bei der sache gewesen doch absolut romantisch verklärend und ein hohn. sie hat dafür schlicht geld bekommen und das offenbar nicht zu knapp. lange zeit hat die stadt dortmund offenbar auf sie und dierk brostel gesetzt, nunmehr ist der bruch offfensichtlich. und das liegt bestimmt nicht daran, dass beide sich so stark für opfer und aussteiger engagiert haben und sich schonungslos auch gegen das agieren der stadt gestellt haben. offenbar konnten sich beide mit ihrer idee des „kompetenzzentrums“ nicht durchsetzen und stehen deshalb jetzt auf kriegsfuß mit der stadt. bekommen sie keine gelder für ihre projekte, machen sie halt öffentlich stunk. simple sache. aber die vielen kommentarschreiber wird es ja ohnehin nicht interessieren was tatsächlich vorgefallen ist. ihre engsten freunde werden hier weiter fleißig positiven müll schreiben. peinlich für frau luzar!!!

  21. #21 | Gerd sagt am 9. Mai 2014 um 08:53 Uhr

    @#20 | maike brenner:

    „sie hat dafür schlicht geld bekommen und das offenbar nicht zu knapp.“

    Dann bitte Fakten auf den Tisch. Wieviel Geld hat Frau Luzar konkret bekommen ?

  22. #22 | Nansy sagt am 9. Mai 2014 um 09:15 Uhr

    Bei „Außenstehenden“ erweckt diese Diskussion den Eindruck, dass man sich hier in ideologischen Grabenkämpfen aufreibt, anstatt gemeinsam die Sache voranzubringen.
    Offenbar geht es um die grundsätzliche Position, ob man einen Dialog mit Nazis führen darf oder nicht. Wenn allein schon ein offener Brief „an Neonazis, deren Gegner, Politiker, Polizei, Justiz und Medien“ zu dem Vorwurf führt, Politikberatung für die neofaschistischen Täter zu leisten, dann zeigt das die Verbortheit der „antifaschistischen Gruppen“, die offenbar nicht an Lösungen interessiert sind, sondern nur ihr Alleinstellungsmerkmal verteidigen wollen.

    Peinlich ist dies weniger für Frau Luzar, als für die Kämpfer gegen den Rechtsextremismus, die sich mal wieder auseinanderdividieren lassen – die Rechtsextremen wird es freuen…

  23. #23 | werner müller sagt am 9. Mai 2014 um 12:43 Uhr

    ich verstehe ja beim besten willen nicht, was sich alles zusammenkonstruiert wird. @nina: bundesweit gibt es so und so viele opferberatungen, die nicht über bekannte gesichter funktionieren und trotzdem gute arbeit leisten. öffentlichkeits- und aufklärungsarbeit machen diverse gruppen und eben nicht nur eine person, auch in dortmund, meist ohne geld. das ist toll und verdient unseren dank.

    ich verstehe auch gar nicht, was eine offene diskussion mit der alltäglichen opferberatungsarbeit zu tun haben soll. das eine muss geschehen. offene kontroverse diskussionen müssen auch möglich sein. denk oder diskussionsverbote darf es dabei grade nicht geben.

    @nansy: das ist ja schon orwellsche verdrehung der tatsachen. die bösen antifaschistinnen würden nur um ihr alleinstellungsmerkmal kämpfen und so eine spaltung vorantreiben. die spaltung hat frau luzar vorangetrieben mit ihrem brief. auf die kritik gab es keine reaktion mehr von back up. mensch kann gerne praxen des umgang mit nazis wegen mir neu in frage stellen. dann aber nicht als eben nicht mehr zu diskutierendes statement.

  24. #24 | Nansy sagt am 9. Mai 2014 um 13:06 Uhr

    @Werner Müller:

    Wie habe ich noch meinen Kommentar begonnen?:
    „Bei “Außenstehenden” erweckt diese Diskussion den Eindruck, dass man sich hier in ideologischen Grabenkämpfen aufreibt, anstatt gemeinsam die Sache voranzubringen.“

    Was im Klartext bedeutet, dass ich keine Insiderkenntnisse habe und deshalb auch nur auf den Eindruck, den diese Diskussion auf Außenstehende macht, eingehen kann – und dieser Eindruck ist eben katastrophal!
    Zu Ihrer Bemerkung „orwellsche verdrehung der tatsachen“ – geht es auch eine Nummer kleiner?
    Und bitte was soll ein „nicht mehr zu diskutierendes Statement“ sein? Setzen Sie jetzt fest, was diskutabel ist? Mit „Alleinstellungsmerkmal“ scheine ich wohl richtig gelegen zu haben… 😉

  25. #25 | Marco sagt am 9. Mai 2014 um 13:55 Uhr

    #20 und #21. Was verlangt Ihr denn? Dass so eine Arbeit ehrenamtlich gemacht werden soll, wie in den 1990er Jahren im Osten? Mir scheint das alles auch ein bisschen eine Neiddebatte zu sein. Und wenn Leute, die Opferberatung machen regulär nach TVÖD13 oder TVÖD12 bezahlt werden (was eine ganz übliche Einstufung für Fachkräfte mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss ist), finde ich das übrigens nicht zu viel, sondern eher noch eine Unterbewertung der anstrengenden und riskanten Arbeit.

  26. #26 | werner müller sagt am 10. Mai 2014 um 10:43 Uhr

    @nansy: ok, das ist mir ein „nicht“ zuviel reingerutscht. heissen sollte es „dann aber als eben nicht mehr zu diskutierendes statement.“

  27. #27 | BackUp: “Es kam zu keiner Zeit zu einer Einflussnahme auf die Arbeit der Beratungsstelle” | Ruhrbarone sagt am 12. Mai 2014 um 14:17 Uhr

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