Seine Durchlaucht, der Opel-Zerschlager?

Habe gerade einen harten, klaren, guten Text von Joachim Lottmann zu Guttenbergs US-Mission gelesen. In der taz. Dass Gutti alles hat, nur kein Interesse an einer Rettung von Opel. klick

Lottmann schreibt in der tageszeitung eine Kolumne mit dem müden Namen Marx 2.0. Das heutige Stück ist aber klasse. Manchmal muss eben ein Schriftsteller kommen, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Gerade passend (klack) verlautete es dazu aus Washington: Der Herr Minister leide brutal am Jet Lag, Erschöpfung mache sich breit. Ist die Luft schon aus dem Rettungstrip, bevor der Edelmann wieder im Flieger sitzt? Das Trauerspiel um den Autobauer ohne Deutschland-Lobby geht weiter.

Foto: BMWI

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10 Kommentare

  1. #1 | Hannes sagt am 17. März 2009 um 21:03 Uhr

    Danke für den Link 🙂

    Es gab heute morgen zwischen 7 und 7.20 auf DR Kultur ein Korrespondenteninterview zum Thema. Der Korrespondent arbeitet sich lobhudelnd an den Guttenbergschen Äußerlichkeiten ab: „von unglaublicher Präsenz“, „bringt positive Stimmung ins Ministerium“,“Glos damals hingegen…“, die Amerikaner hätten ihn für ungeheuer bedeutend gehalten und er hätte ein einstündiges Gespräch, und bla, bla bla … Der vom Studio aus interviewte Journalist hielt sich, soweit ich es richtig erinnere, weitgehend an Äußerlichkeiten auf und schien einer von den eingebetteten(sorry) Schleimern zu sein, die unsere Regierungskader im Flugzeug umschwirren dürfen. Leider klafft beim Sendeschema des „dradio“ justamente zwischen 7.05 und 7.20 eine Lücke und ich kann kein Transkript finden, mit dem ich meine Erinnerung belegen könnte. Vielleicht hat jemand anders die Sendung auch gehört.

  2. #2 | Alex sagt am 18. März 2009 um 12:28 Uhr

    Bei dieser Diskussion bin ich hin und her gerissen.
    Auf der einen Seite wünsche ich den Opelanern viel Erfolg, auf der anderen Seite denke ich dass das sauberste wohl die Insolvenz wäre. Und auch wenn das Wort so hässlich klingt, Insolvenz muss nicht das Ende von Opel darstellen sondern hat auch neue Chancen und die muss man nutzen.
    Viel Erfolg, egal in welche Richtung es geht!

  3. #3 | Jens Kobler sagt am 18. März 2009 um 14:33 Uhr

    Erfrischenderweise hängt sich heute im zweiten Teil eines Print-Artikels der NRZ (ddp/afp…) ebenselbige an ein Interview eines Professors der UGH Essen-Duisburg mit der Leipziger Volkszeitung. In diesem wird ebenfalls (wie von mir) gemutmaßt, dass die Bundesregierung (schon aus Gründen des nationalen Auto-Lobbyismus) kein Interesse hat, Opel zu „retten“ – Genau: die WAZ hatte gestern mit „Opel-Rettung hängt von US-Regierung ab“ die Verantwortung der Großen Koalition präventiv direkt über den Teich geschoben. In diesem Kanon bewegt sich auch der erste Teil des NRZ-Artikels erst noch Hofberichterstattungs mäßig.
    b) wird noch erwähnt, dass die Belegschaft gerne auch außerhalb Europas verkaufen würde, da sie es bislang nicht darf. Auch da mag es Zusammenhänge geben mit der Exportpolitik anderer hiesiger Konzerne.
    c) erscheint der Artikel auf Der Westen gar nicht, sondern die Linie von gestern, weshalb ich d) leider keinen Link setzen kann und aus dem Gedächtnis erzählen muss. Ob in WAZ-Print ähnliches steht wie in NRZ-Print (Wirtschaftsteil) kann ich nicht sagen.
    Nur eine kleine Intervention aus Ruhr und Leipzig plus taz, und die WAZ-Leser (und die von Der Westen) müssen sich doch fragen, was einem da eigentlich erzählt wird. Nicht dass die dpa klug macht, aber ohne dpa darf man doch trotzdem denken, oder? Die NRZ zumindest hat sich das mal getraut heute, in der Öffentlichkeit. Respekt, darf aber auch Standard sein.

  4. #4 | Stefan Laurin sagt am 18. März 2009 um 15:37 Uhr

    Der Lottman Text ist absoluter Unfug: Rüttgers und Koch sind eine starke Lobby für Opel – aber da Opel kaum mehr als eine GM-Marke ist, fallen die Entscheidung natürlich in den USA. Opel ist auch nicht im „Kern gesünder“ als BMW und Mercedes: Opel hat keinen richtigen Kern, hat in den vergangenen Jahren Milliardenverkuste eingefahren, und hat in den letzten 20 Jahren seinen Marktanteil in Deutschland nahezu halbiert. Das die anderen Autobauer sich das Ende Opel wünschen ist normal: Kein Unternehmen mag Wettbewerber. Zu Jens: GM hat den Verkauf von Opel-Fahrzeugen ausserhalb Europas verboten – zum Schutz der eigenen Marken und sicher nicht zum Schutz von VW. Das war nun einmal die Konzernpolitik und sie war vielleicht dumm, aber legitim: GM IST DER BESITZER! Und der darf auch Fehler machen – es ist sein Unternehmen.
    Zu Alex: Eine Insolvenz wäre das Ende. Autos sind langfrsitige Güter. Mit der Insolvenz käme eine große Unsicherheit in den Markt, die Gebrauchtwagenpreise würden fallen etc. Ich glaube nicht, das Opel eine Insolvenz überleben würde. Kann man aber auch anders sehen.

  5. #5 | Jens Kobler sagt am 18. März 2009 um 15:53 Uhr

    @ Stefan: Die taz wollte ich auch erst nicht reinnehmen. Das war ein radikaler Artikel, manchmal braucht es das zur Korrektur der tagesaktuellen Mainstream-Denke. Möge Herr Schurian sich dazu vielleicht inhaltlich äußern.
    Aber ich stelle mir global player (und dazu gehört auch Deutschland als Staat (wohlgemerkt), dazu gehört auch die EU) anders vor, als dass da einfach mal „dumme GM-Politik passiert“. Und was dabei Rüttgers und Koch (und Guttenberg) kurz- oder mittelfristig für sich rausholen, das empfindet ein Großteil der Welt wohl eher als nebensächlich.
    Die Frage ist doch immer wieder, warum immer wieder die einen „gerettet“ und die anderen „verloren gegeben“ werden. Und ob die Bevölkerung diese deutsche und europäische Wirtschaftspolitik gutheißt – auch in einem Jahr der Wahlen. Und da tragen große Teile der Berichterstattung einfach nicht zum Verständnis bei, sondern machen auf „Obama hilf! Oh, kannste nicht? – Die Amis sind schuld!“ und „Guttenberg agiert im Sinne der Beschäftigten“. Ha-ha!

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 18. März 2009 um 16:06 Uhr

    @Jens: „Die Frage ist doch immer wieder, warum immer wieder die einen ?gerettet? und die anderen ?verloren gegeben? werden.“ Genau wegen dieser Fragen sollte die Politik keine Unternehmen retten, wenn sie es nicht uß (Bei den Banken muß sie wohl leider tun, sonst bricht alles zusammen. Schade, denn so wird schlechtes Wirtschaften belohnt.) „Gerettet“ wird im zweifelsfall das große Unternehmen mit den vielen lautstark protestierenden Mitarbeitern – zumindest für einige Zeit, den retten können Opel nur die Autokäufer. Aber die haben seit Jahrzehnten immer weniger Interesse an den Autos mit dem Blitz – würde das Investoren anders sehen, gäbe es welche. Vielleicht passiert ja noch was…

  7. #7 | David Schraven sagt am 18. März 2009 um 18:46 Uhr

    Was hat Lottmann da für einen kenntnisfreien Text abgeliefert?

    Zitat: „“Opel, das Unternehmen, das langfristig wohl gar kein Geld gebraucht hätte und jetzt nur 3 Milliarden, das im Kern gesünder ist als BMW und Mercedes, das die sparsamsten, ökologisch modernsten Fahrzeuge baut, und vor allem: das Sonderschichten fährt, während alle anderen unter Kurzarbeit leiden, wird kaltblütig zerschlagen.“““

    Opel ist am Ende. Lottmann müsste mal in die Bilanzen schauen, um Ahnung zu kriegen, bevor er von Verschwörungen träumt.

    Opel ist im Kern verrottet. Nur mal ein paar Fakten zum Nachdenken.

    1. Adam Opel machte selbst in guten Zeiten einen operativen Verlust
    2. Der Gewinn in 2005 kam nur durch einen Bilanztrick zustande. Eigene Lizenzen wurden in eine Tochter ausgegliedert und konzernintern verkauft. Der Buchgewinn wurde in die Gewinn- und Verlustrechnung als Erlös eingeführt.
    3. Wenn alles weiter bombig gelaufen wäre, hätte Opel im vergangenen Jahr einen V E R L U S T von 300 Mio Euro eingefahren – so steht es in der Bilanz. Es lief schlecht. Der Verlust liegt heute bei geschätzten 3 bis 4 Mrd Euro. Das heißt, die Hilfe würde nur zur Deckung der Überschuldung verwandt. Nix mit Strukturänderung.
    4. Opel ist GM. Der Laden gehört den Amis seit 80 oder so Jahren.
    5. Sonderschichten? Opel waren die ersten, die ihre Arbeiter in Sonderurlaub geschickt haben.

    Mein Tipp an Lottmann. Nicht jeder PR glauben.

  8. #8 | ch_we sagt am 18. März 2009 um 20:03 Uhr

    Liebe Leute,

    das ist ein Text von Joachim Lottmann, dessen Markenzeichen das Beschreiben durch Ironie und die Verkehrung von Binsenweisheiten ist. Und eben kein Stück recherchierter Journalismus. In der taz(zwei) hat Lottmann mal ein Stück veröffentlicht, das auf 300 Zeilen Kuba als Paradies auf Erden lobte, was dann die entsprechenden Reaktionen nach sich zog, die halt dann sehr vorhersehbar ausfielen. Spätestens bei den „ökologisch modernsten Fahrzeugen“ hätte jeder mißtrauisch werden sollen – wo bitte darf man denn in Superlativen schreiben?

  9. #9 | David Schraven sagt am 18. März 2009 um 21:30 Uhr

    Wenn das Ironie war, dann war es ein erneuter Beweis, dass Ironie in Texten nie funktioniert. Ein anderer Beweis dafür ist Thomas Meiser. Der macht auch öfter mal Späße, die er für sich exklusiv hat. 🙂

  10. #10 | schuri sagt am 19. März 2009 um 15:51 Uhr

    @stefan und david: eure seltsam erbost ausgefallene kritik an lottmanns literarischer minderheitsmeinung – seid ihr autobauer? ingenieure? volkswirte? – geht ein wenig an der sache und lottmanns stück vorbei. lottmann sagt vor allem: opel wird es schwer haben, trotz (oder gerade wegen?) koch und rüttgers, denn es handelt sich bei den deutschen autobauern nicht um irgendwelche konkurrenten, sondern um einen komplex, einem der wichtigsten in unserer republik. und deshalb werden politiker wie derer zu guttenberg nur vordergründig den opel-retter geben, tatsächlich aber das Wohl der wichtigeren drei deutschen automobilisten im auge haben. und das ist doch wohl ein allgemeinplatz.
    ob opel nun wirtschaftliche selbstverschuldete schwierigkeiten hat ist dabei nebensache, haben die anderen auch, und müssten nicht so einen eiertanz erleben, wenn es ihnen an die eier geht. wetten

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