Trump-Rede: Das sind die beiden gefährlichsten Punkte


Trumps Rede zur Amtseinführung war schlimmer, als viele Kritiker erwartet haben. Sie war ein Abgesang auf die Republik.

Trump will Autobahnen bauen, Geld in das Schulsystem stecken und dafür sorgen, dass die Städte sicherer werden? Niemand kann etwas dagegen haben und wenn er es finanziell gestemmt bekommt, wird man ihm in vier Jahren dazu herzlich gratulieren. Außenpolitisch will er sich künftig weniger stark engagieren, niemandem die amerikanische Lebensart aufdrängen. Damit begibt sich Trump wie angekündigt auf den Pfad des Isolationismus und kehrt nicht nur der westlichen Wertegemeinschaft den Rücken zu, sondern allen unterdrückten Menschen in vielen Staaten der Welt, die auf die Unterstützung des Westens hoffen. Aber all dies macht die Rede, die Donald Trump zu seiner Amtseinführung hielt, nicht zu einer faschistischen Rede. Dies wird an zwei anderen Punkten deutlich:

„Today’s ceremony, however, has very special meaning because today, we are not merely transferring power from one administration to another or from one party to another, but we are transferring power from Washington, D.C. and giving it back to you, the people.“

Trump setzt sich mit dem Volk gleich. Er ist das Volk, verkörpert es. Kein anderer Politiker ist das Volk. Für ihn steht seine Amtseinführung nicht in einer langen, historischen Reihe aus Machtwechseln, sie ist ein Bruch:

„For too long, a small group in our nation’s capital has reaped the rewards of government while the people have borne the cost. Washington flourished, but the people did not share in its wealth. Politicians prospered, but the jobs left and the factories closed. The establishment protected itself, but not the citizens of our country. Their victories have not been your victories. Their triumphs have not been your triumphs. And while they celebrated in our nation’s capital, there was little to celebrate for struggling families all across our land.“

Es gibt für ihn keine Parteien und Abgeordneten mehr. Sie sind das Establishment und stehen im Gegensatz zum Volk. Dass dieses „Establishment“ im Kern aus Menschen besteht, die demokratisch gewählt wurden, ist für ihn ohne jede Bedeutung. Alles, was die Politiker getan haben, hätten sie für sich getan – nicht für die Menschen. Er ist der Führer einer Bewegung – einer Bewegung, die jenseits des politischen Systems steht, das er verachtet. Trump setzt sich mit dem Volk gleich, stellt sich als Verkörperung des Volkswillens dar und zeigt deutlich seine Verachtung für die jahrhundertealten Traditionen der Republik. Faschistisch ist ein Begriff, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Man darf ihn nicht inflationär verwenden. Aber für Trumps heutige Rede gibt es kein anderes Wort.

Quelle Trump-Rede: Washington-Post

Der Artikel erschien in ähnlocher Form bereits auf den Salonkolumnisten

Dir gefällt vielleicht auch:

77 Kommentare

  1. #1 | kE sagt am 21. Januar 2017 um 08:30 Uhr

    Trumps Rede zeigt, dass es für uns immer wichtiger wird zu klären, wo unsere strategischen Ziele liegen.
    Mit uns meine ich. Dorf, Stadt, Bundesland, Land, Europa.
    Hier fehlt mir in D und insbesondere im Ruhrgebiet ein Konzept/eine Strategie. Trump hat zumindest eine Vision. Ich vermisse die Rede mit den "blühenden Landschaften" jenseits der Küstenregionen.
    Wir kritisieren die USA gerne, nur wenn der "Imperialismus" aufhört, die USA bei Konflikten zuschauen, eine Annäherung zu Russland möglich ist oder die in D stationierten Soldaten das "Ami go home" realisieren, ist es auch nicht gut.
    Trump hat viele Worte, er handelt, unsere Politik muss reagieren und selber handeln. Frankreich hatte sich nicht auf den militärischen Schutz der NATO verlassen, England hat auch A-Bomben. Deutschland und anderen Länder haben den Schutz verallgemeinert, zusammengespart und kein Konzept wenn internationale Sicherheitskonzepte belastet werden (Rückzug der USA aus der NATO, Schengen).

    Die Politik in D muss handeln, dass dabei auch an die Wähler gedacht werden muss, ist klar. Als Dortmunder habe ich keine Idee, was die Abgeordneten meiner Stadt so machen. Insbesondere für ihre Wähler. OK, es gibt ein paar Bücher, aber die helfen mir und meinem Vorort nicht. Ein schnelles Internet, eine Schule mit Einrichtungen, die nicht aus der Nachkriegszeit stammen und Strassen ohne Schlaglöcher hätten Vorteile. Jobs jenseits der Lagerhallen auch.

    Wenn ich an Trump denke, erinnert dies doch sehr stark an die Regierungen aus dem sehr linken Bereich. Dort muss man sich vor den Imperialisten schützen, die Grenzen dicht machen und der Führer als Repräsentant zeigt dem verarmten Volk, wie persönlicher Reichtum aussehen könnte.

    Insgesamt bleibt abzuwarten, ob es gelingt, die Amerika mit seinen Strategien auch in den vernachlässigten Zonen wieder erblühen zu lassen.

    Wir werden sehen, welche Bilanz er nach der Regierungszeit hat. Eine Messgröße ist für mich, zu sehen, ob die großen internationalen Konzerne wieder angemessene Steuern zahlen und ihr Geld eben nicht im Briefkasten verschieben und bunkern.

    Wir müssen uns aber auf Deutschland und Europa konzentrieren und sehen, wie wir uns für die Zukunft mit unseren Nachbarn positionieren. Das bietet genügend Gefahren und Potenziale.

  2. #2 | Arnold Voss sagt am 21. Januar 2017 um 09:09 Uhr

    Das amerikanische Volk und sein Führer Donald Trump. Das ist wirklich gruselig.

  3. #3 | Axel Schmitt sagt am 21. Januar 2017 um 09:25 Uhr

    Allerortens kann man jetzt lesen, daß der "liberale Westen" bedroht sei. Soll das ein Witz sein? Die Politik der letzten vier Jahrzehnte ist eine einzige Kriegserklärung an die Liberalität. Wenn Trump und seinesgleichen etwas bedrohen können, dann sind es die Reste an Liberalität, die diese Politik übrig gelassen hat. Er bringt sozusagen die letzte Kegel zu Fall. Wer jetzt erst die Liberalität im Westen bedroht sieht, muß der Entliberalisierung des Westens in den letzten Jahrzehnten fleißig applaudiert haben.

  4. #4 | Achim sagt am 21. Januar 2017 um 10:29 Uhr

    #2

    Das gruselige an Trump ist nicht der Einzeltäter im Weissen Haus, sondern
    seine Fantruppe bei uns.
    In Deutschland sind dies neben der AfD die Putinfans in der Linkspartei.

    Putins russische Staatsmedien mobilisierten in der Flüchtlinhsdebatte gegen
    die demokratischen Institutionen in Deutschland.
    (Putins Strategie ist wohl die "Beschäftigung" der Regierung mit dem rechtsextremen Mob und EU feindlichen Rechtspopulisten mit dem Ziel sie an der Unterstützung
    der Beibehaltung der Unabhängigkeit von 1989 befreiter osteuropäischer Völker zu hindern..)

    In Westeuropa sind dies neben den siegreichen Brexutbefürwortern insbesondere
    die FPÖ und die Front National und Heert Wilders.

    Noch ein "Brexit" und Trump und Pitin können machen was sie wollen.

    Aus dem syrischen Präsidenten Assad wird da vergleichsweise ein "lieber
    netter zupackender Islamktitiker" vom Format des realen historischen
    rumänischen Herzogs der Walachei Vlad Draculea Tepes der Pfähler.
    (Nach seinem Amtsantritt als Wojwode der Walachei machte er sich ernsthafte Sorgen über die geringe Lebenserwartung von Wojwoden der Walachei.
    Er versammelte den kompletten Adel am Hofe und befragte sie alle nach der
    Anzahl seiner Vorgänger unter denen sie gedient hatten.
    Jeder hatte unter mindestens 7 Wojwoden gedient.
    Diese glücklichen bestrafte er mit Zwangsarbet und verschonte ihre Frauen und Kinder.
    Alle aneeren lies er zusammen mit ihren Frauen und Kindern pfählen.
    Trump und Putin werden Assad an der Macht halten.

    Extreme Islamfeindlichkeit wird die geinensame verbindende ideologische
    Basis von Trump und den anderen Rechtspopulisten bilden.

    Trump stützt seine Macjt auch auf durchjenallte evangelikale Christen.

    Die Illegalität des Christentums in reichen Ölstaaten wie Saudiarabien mobilisiert
    diese als Wutchristen.

    Irgendwann kommt die nächste Finamzkrise und Trump wird Geld brauchen.

    Und er wird sich das Geld holen…

    Achim

  5. #5 | Klaus Lohmann sagt am 21. Januar 2017 um 10:38 Uhr

    Das mit den Autobahnen hatte gestern beim Hören schon die Wirkung einer Feuerwehrsirene bei Vollalarm:(

    Die kollektive Homogenität eines faschistischen, völkischen Nationalismus minus ethnische "Rassenkomponente" (wobei – was noch nicht ist,…), das ist es doch, was Trump gestern der ganzen Welt ankündigte.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 21. Januar 2017 um 13:26 Uhr

    -2-
    -5-
    ja, so ist es!

    Ich habe bereits gestern Abend dazu spontan einen Beitrag geschrieben -sh.Kommentar "Scheiß auf die Trumps……" von Arnold Voss.
    Im Moment habe ich mich gedanklich darauf konzentriert, Trump und den Trumpismus zu charakteriesen mit : " Ein Volk -ein Führer ". Abgesehen von "anderen Umständen, anderen Bedingungen, anderen Probleme im Detail" hätten Mussoline und Hitler eine ähnliche Rede halten könnten; denn sie belegt nicht nur faschistoides Denken, sondern hier wird in einer noch freiheitlichen Demokratie faschistischen Idealen das Wort geredet. Trump hätte folgerichtig in seiner Rede einfügen müssen: "Mich interessiert, wer im Kongress das sagen hat. Mich interessiert nicht, daß es eine Verfassung gibt, über deren Einhaltung nicht der Präsident, sondern der Oberste Gerichtshof entscheidet, mich interessieren nicht die Parteien, die Parteiführer, auch nicht die der Republikaner. Mich interessiert nicht, was die Medien über mich verbreiten. Ich, der Präsident, werde mit dem Volk und für das Volk……….". Diese "Einfügung" fehlt im Wortlaut der Trump-Rede, sie war aber der Rede immanent.

    Auffallend, daß bis heute keiner der Repräsentanten der Demokraten und der Republikaner sich kritisch mit der Trump-Rede auseinandergesetzt und bisher die Courage aufgebracht hat, die Antrittsrede Trumps als das zu bezeichnen was sie ist, nämlich die Rede eines Antidemokraten mit einer faschistoiden Gesinnung. Oder habe ich dieserhalb etwas verpaßt?

    Das alles unterstreicht noch einmal die naheliegende Gleichstellung "der" Trumps, "der" Höckes, "der" Amris in dem o.a. ewähnten Kommentar von Arnold Voss" Scheiß auf……"
    Neben den US-Bürgern, die nicht dem Trumpismus verfallen sind, und die in den USA für den Erhalt ihrer Verfassungsgrundsätze kämpfen werden, sind wir in Deutschland, in Frankreich, in………mehr denn gefordert, uns aktiv kämpferisch für die Grundwerte einer freien-pluralistischen Gesellschaft und einer freiheitlich-demokratischen-rechtstaatlichen Verfassungsordnung einzusetzen -gegen "die Höckes", gegen Pegida, gegen die AFD, gegen die Regime in Polen und in Ungarn, gegen Le Pen. Der Faschismus steht in Europa nicht nur vor der Tür, er hat teilweise bereits das "europäische Haus" besetzt.

    PS
    Gewundert habe ich mich, daß gestern nicht, jedenfalls nicht hinreichend nachdrücklich, in der Berichterstattung, in den Kommentaren , als Trump immer wieder seine unmittelbare Legitimation durch das Volk und die Einzigartigkeit seiner Volksverbundenheit betont hat, klargestellt wurde, daß er a.) nicht die Mehrheit der Wähler hinter sich gebracht hat und daß er keinerlei Begründung dafür liefern kann, von einer Zustimmung durch eine überwältigende Mehrheit der gesamten US-Bürgerschaft ausgehen zu können. Das unterstellt er. Das suggeriert er –sich selbst und anderen- und das ist vergleichbar dreist und verlogen wie der Pegida/AFD-Spruch "W i r " sind das Volk.

    Bin ich zu optimistisch, wenn ich darauf hoffe, daß die US-Gesellschaft angeführt von den freiheitlich-gesinnten Demokraten in den beiden großen Parteien, mit tatkräftigen und engagiertem Einsatz der liberalen Medien, notfalls mit Hilfe einschlägiger Verfassungsrechtsprechung durch das Oberste Gericht dem "Trumpismus" zumindest unmißverständlich zeigt, wo er seine Grenzen findet, um dann möglichst bald diesem faschistischen Spuk ein Ende setzt.
    "Hoffnung stirbt bekanntlich………"

    Ganz und gar nicht begreifen kann ich, daß es selbst nach der für mich unerträglichen Antritts-Rede
    Trumps immer noch in Deutschland, in Europa vorgeblich freiheitlich gesinnte Demokraten gibt, die diesen Präsidenten als gleichwertig , als im positivem Sinne vergleichbar einordnen in die Reihe demokratisch-freiheitlich gesinnter Präsidenten in der US-Geschichte und die
    lediglich bereits sind, ihm aufgrund seiner im Detail extrem scheinender politischer Ziele -sh.z.B.
    in der US-Außenwirtschaft- und aufgrund seiner clownesken verbalen und nonverbalen Kommunikation außergewöhnliches, gewohnheitsbedürftiges Denken und Handeln attestieren.
    Und wenn in diesem Sinne Frau Wagenknecht…………..? Dann…….? Ja, dann fällt mir "nix mehr ein".

  7. #7 | KE sagt am 21. Januar 2017 um 15:37 Uhr

    Amerika ist eine Demokratie , und Herr Trump ist der demokratisch gewählte Präsident.
    Er hat sich zuerst gegen andere Kandidaten seiner Partei durchgesetzt , d.h. es gab Gegenkandidaten. Das ist etwas, das wir eher nicht kennen. Bei uns gibt es auch mal demokratische 95 + x Prozent für den empfohlenen Kandidaten. Da oft trotz ca. 30 Prozent Anteil an den Mitgliedern eine Frau die Führung übernehmen muss, ist die Wahl weiter eingeschränkt.
    Dann hat Bremen 3 Stimmen im Bundesrat und das deutlich grössere Nrw 6. Die Wahlbeteiligung liegt in vielen Bereichen unter 20 Prozent.

    Wir sollten über unser eigenes System nachdenken, bevor wir auf eine evtl fehlende Legitimation eines gewählten Volksvertreters sprechen.

    Die dt. Wahlen zeigen auch , von wem der Wähler vertreten werden will. Das ist nicht Aufgabe von Umfragen.

  8. #8 | Arnold Voss sagt am 21. Januar 2017 um 16:47 Uhr

    Es ist doch offensichtlich, dass angesichts Trumps Regierungsteams die Floskel von der Rückgabe der Macht an das Volk durch seine Wahl zum Präsidenten nicht nur faschistoide Züge hat, sondern obendrein schlichte Verarsche ist. Ich bin gespannt, wann das zumindest einem Teil seiner Wähler auch praktisch klar wird und was sie dann tun werden.

  9. #9 | Walter Stach sagt am 21. Januar 2017 um 17:13 Uhr

    KE
    1.
    Das Demokratie-Verständnis der sog. westlichen Welt umfaßt w e s e n t l i c h mehr als die Achtung vor dem sog. Mehrheitsprinzip, z.B. bei Wahlen. Es erwartet gleichwertig mit diesem Mehrheitsprinzip die Beachtung der Gewaltenteilung und vor allem die untrennbare Verbindung von Demokratie und Rechtstaat. Und Letztere fundiert unabdingbar auf der Achtung der Menschenrechte, dh. u.a. auf der Achtung vor der Würde eines jeden Menschen, unabhängig von….
    Ein Menschenrechts-Verständnis Trumps scheint entweder gar nicht zu exsitieren oder er ordnet es seinem politischen Machtanspruch unter.

    Trump, ein US-Präsident, der sein Land als Land der Menschenrechte, der Gewaltenteilung, der Meinungs- und Medienfreiheit, der Meinung- und Medienvielfalt repräsentiert? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Eine faschistoide Gesinnung trägt und prägt ihn und hinter ihm gruppiert sich eine faschistoide Gesinnungsgemeinschaft : "die Trumpisten".

    Im übrigen, auch wenn es den Trump-Fans nicht paßt:
    1.
    Die Mehrheit der US-Bürger, die an der Präs.wahl teilgenommen haben, haben n i c h t Trump gewählt -soviel zum Mehrheitsprinzip.
    2.
    Putin ist von der Mehrheit der Wähler in Russland gewählt worden.
    Erdogan ist von der Mehrheit der Wähler in der Türkei gewählt worden.
    Orban ist von der Mehrheit der Wähler in Ungarn gewählt worden.
    Für Hitler und seine NSDAP hat sich zumindest eine relative Mehrheit der Deutschen entschieden.
    Alles "astreine Demokraten" in "astreinen Demokratien"…..?
    Noch sind die USA weit davon entfernt, eine Gesellschaftsordnung zu etablieren und ein politisches Führungssystem zu haben, das nur noch formal demokratisch-rechtstaatlichen Anforderungen genügt. Trump ist aber, z.B.im Gegensatz zu Obama, kein Garant dafür, daß das so bleibt. Sein Denken und Handeln läßt Gegenteiliges befürchten -durchaus vergleichbar mit dem faschistoidem Denken und Handeln der Putins, Erdogans, Orbans, der……ja, eben auch mit dem Denken und Handeln, das die AFD zunehmend prägt und das sich vor allem in der Person des Herrn Höcke manifestiert.

  10. #10 | Gerd sagt am 21. Januar 2017 um 17:22 Uhr

    „Es gibt für ihn keine Parteien und Abgeordneten mehr. Sie sind das Establishment und stehen im Gegensatz zum Volk. Dass dieses „Establishment“ im Kern aus Menschen besteht, die demokratisch gewählt wurden, ist für ihn ohne jede Bedeutung. Alles, was die Politiker getan haben, hätten sie für sich getan – nicht für die Menschen. Er ist der Führer einer Bewegung – einer Bewegung, die jenseits des politischen Systems steht, das er verachtet. Trump setzt sich mit dem Volk gleich, stellt sich als Verkörperung des Volkswillens dar und zeigt deutlich seine Verachtung für die jahrhundertealten Traditionen der Republik. Faschistisch ist ein Begriff, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Man darf ihn nicht inflationär verwenden. Aber für Trumps heutige Rede gibt es kein anderes Wort.“

    Für diese Meinung –als Analyse kann man das nicht bezeichnen- gibt es auch ein Wort: …

    Deutschland ist eine Parteiendemokratie. Hier sind Parteifunktionäre quasi allmächtig, was den politischen Alltagsbetrieb angeht. Jemand wie Sanders wäre hier verhindert worden, jemand wie Trump wäre nicht mal angetreten, wegen der immensen Macht der Funktionäre.

    Die USA sind eine Personendemokratie, da sind Parteien eher ohnmächtig. Man wählt keine diffuse Liste, sondern eine bestimmte Person und er oder sie sind auch nicht von Funktionären zum Kandidaten ernannt worden, sondern von den Mitgliedern dazu gewählt worden.

    Nun ein paar Worte zu dem, was man in den USA als politisches Establishment bezeichnet. Das war bei den amerikanischen Wählern noch nie sonderlich beliebt, weswegen Außenseiter gute Chancen haben. Man erinnere sich nur an den Gouverneur eines kleinen, armen Südstaats, der ganz überraschend 42. Präsident wurde.

    Und bei dieser Wahl haben sowohl die Parteimitglieder der Republikaner, als auch die der Demokraten ihren jeweiligen Parteiführungen den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt. Erstere haben sich gegen die Funktionäre für Trump entschieden, letztere indem sie zuerst Sanders unterstützten und dann zuhause blieben.

    Die Wähler haben also auf ganz demokratische Art und Weise zum Ausdruck gebracht, dass sie kein „weiter so“ wollen und das gleich mehrfach. Und genau dagegen spricht sich der ebenfalls mehrfach demokratisch gewählte Präsident aus.

    Sowas als ‚faschistisch’ zu bezeichnen zeugt nicht nur von großer Unkenntnis des politischen Systems der USA.

  11. #11 | ke sagt am 21. Januar 2017 um 17:42 Uhr

    @9: Wenn ich die Situation vor und nach dem Amtsantritt von Obama vergleiche, kann ich nicht erkennen dass die Welt durch seine Aktivitäten demokratischer/friedlicher/rechtsstaatlicher geworden ist bzw. geblieben ist.
    Hierbei ist insbesondere an die Situation vieler NATO Mitglieder sowie an den Nahen Osten und Mittelmeerraum zu denken. Im Rahmen der Flüchtlingsströme, die eigentlich eine weltweite Aufgabe unter Führung der UN sind, habe ich die USA als riesiges Einwanderungsland auch nicht besonders aktiv erlebt. Eine Stärkung der UN gab es nicht. Bei den Krisen Afrikas habe ich die USA auch nicht sonderlich aktiv in Erinnerung. "America first" war doch schon immer die "Hidden Agenda". Nur jetzt wird dies offen ausgesprochen.

    Wir werden sehen, wie der Bundesstaat USA in der nächsten Zeit agiert. Bei unseren aktuellen diplomatischen Qualitäten sehe ich hier große Probleme. Die Politik war/ist? offenbar nicht in der Lage, mit der neuen amerikanischen Regierung umzugehen.

    Das amerikanische Wahlsystem ist bekannt und auf dieser Basis muss gewonnen werden. Wenn ich beim Fußball verliere, danach sage, dass ich noch schöne Handtore geworfen hatte, die leider nicht zählen, habe ich immer noch verloren.

  12. #12 | thomasweigle sagt am 21. Januar 2017 um 17:56 Uhr

    Dass Trump von Leuten gewählt wurde, die sich vom Establishment als abgehängt fühlten, obwohl Trump den schlimmsten Teil dieses Establishments repräsentiert, nämlich den, der stolz darauf ist, keine Steuern zu zahlen, der jede Möglichkeit nutzt, sich schamlos zu bereichern, auch mal Gewinn bringende Pleiten zu inszenieren, zeigt zumindest, dass es den Gegnern Trumps nicht gelungen ist, diese Seite des Systems Trump deutlich zu machen. Es muss nun Aufgabe sein, diese Seite Trumps und seiner europ. Befürworter deutlich zu machen, um das System Trump auf dieser Seite des Atlantiks zu stoppen.

  13. #13 | Walter Stach sagt am 21. Januar 2017 um 18:16 Uhr

    Gerd,
    KE
    und Andere:

    Ich werde weiterhin, auch wenn es den Trump-Fans gewaltig gegen den Strich zu gehen scheint, unermüdlich gemeinsam mit mindestens 5o % der US-Bürgerschaft alles tun, um die Bedrohung der freien-pluralistischen US-Gesellschaft und der demokratisch-rechtstaatlichen Verfassungsordnung der USA durch Trump, durch sein faschistoides Denken und Handeln, a.) permanent und in aller Klarheit und Deutlichkeit als solche zu benennen,, sie b.) permanent anzuprangern, eben auch in Deutschland und hier gezielt gegenüber den Trump-Fans, u.a. gegenüber denjenigen bei den Ruhrbaronen , um so c.) zu versuchen, daß dieser Trumpismus nicht zu einem Erfolgsmodell in Europa, in Deutschland werden wird, denn diese Gefahr ist sehr groß.

    Gerd,
    falls Sie mich im letzten Absatz Ihres Beitrages -10- im letzten Absatz gemeint haben sollten:

    Gehen Sie 'mal davon aus, daß ich -auch vor Ort- sehr, sehr viel über das Verfassungssystem der USA, über die Verfassungsgeschichte der USA und über die Verfassungswirklichkeit gelernt und
    gelehrt habe. Ich sage das nur, weil Ihre Feststellung im letzten Satz unter -1o- nicht nur kein Argument wider meine Auffassung ist, sondern eine Behauptung Ihrerseits, die………..
    lassen wir es dabei.

  14. #14 | Arnold Voss sagt am 21. Januar 2017 um 18:18 Uhr

    @ Gerd # 10

    Nein ich halte Trump nachwievor nicht für einen Faschisten, wenn auch seine Rede faschistoide Züge getragen hat. Er weiß wahrscheinlich nicht mal genau was Faschismus ist. Er ist auch kein Antipolitiker, denn er hat einen sehr ausgeprägten politischen Machtinstinkt. Viel mehr setzt er seine antipolitischen Floskeln genau dafür ein, möglichst viel politische Macht zu bekommen.

    Er bescheisst dabei seine Wähler genauso wie er als Geschäftsmann oft seine Kunden und Geschäftspartner über den Tisch gezogen hat. Die Tatache, dass sie ihm glauben, ist deswegen noch lange kein Beweis dafür, dass es das Volk mit ihm endlich dem Establishment gezeigt hat. Ganz im Gegenteil, wie man an seinem Regierungsteam bestens sehen kann. Er verkaufte sich bislang nur gut als Establishmentkiller. Wer das allerdings in Anbetracht seiner Minister und Berater immer noch tut, der will belogen werden.

    Das hat alles überhaupt nichts mit dem politischen System der USA zu tun, sondern mit der gesellschaftlichen Situation in dem sich dieses Land befindet und mit der Rolle der Medien und des großen Geldes, die zusammen in diesem Land weitaus mehr Einflluss haben als in jedem anderen kapitalistischen Land dieser Welt. Warten wir also ab, wie sein Deals am Ende werden. Fair, werden sie, wie seine bisherigen Deals als Geschäftsmann zeigen, auf keinen Fall sein.

  15. #15 | ke sagt am 21. Januar 2017 um 18:27 Uhr

    Die nächsten Wahlen für mich sind die Landtagswahlen in NRW.

    Ich kann hier kein System Trump erkennen. Ganz im Gegenteil, die wesentlichen Personen tun alles, um nicht mit ihren Verantwortungsbereich in Verbindung gebracht zu werden.

    – Der Innenminister muss zurzeit oft mehrfach wöchentlich erklären, wieso er in seinem Verantwortungsbereich keine Verantwortung trägt.
    – Die Regierungschefin ist nicht wahrnehmbar.
    – Die stellv. Regierungschefin kann sich nicht festlegen, ob Kinder 12 oder 13 Jahre bis zum Abi zur Schule gehen sollen.

    D.h. die Regierung ist das Kontrastprogramm zu dem, was hier an Trump so kritisiert wird.

    Woher soll eine Gefahr für Deutschland kommen? SPD und CDU teilen sich den Kuchen auf. Frau Merkel macht die Chefin und übernimmt auch gleichzeitig alle wichtigen Sachen. Selbst bei Kohl gab es immer wieder andere Personen, die noch in den Vordergrund kommen konnten. Bei Merkel sehe ich keine andere Person der Regierung, die mit irgendeinem Erfolg glänzen konnte. Sie ist eine stille Machtpolitikerin, die alle paar Jahre ein Überraschung hat und dann auch bereit ist, das Blatt neu zu mischen (Atomausstieg, Fehlende Grenzkontrollen)

    Macht am politischen Rand?
    Dazu fehlt den Parteien das Personal.
    lch habe vor ein paar Jahren im französischen Fernsehen ein Interview mit Marine Le Pen gesehen. Das ist eine andere Liga.

  16. #16 | thomasweigle sagt am 21. Januar 2017 um 18:28 Uhr

    Wie viele Milliarden ist das Kabinett Trump schwer?

  17. #17 | Gerd sagt am 21. Januar 2017 um 18:37 Uhr

    "Gerd,
    falls Sie mich im letzten Absatz Ihres Beitrages -10- im letzten Absatz gemeint haben sollten:

    Gehen Sie ‚mal davon aus, daß ich -auch vor Ort- sehr, sehr viel über das Verfassungssystem der USA, über die Verfassungsgeschichte der USA und über die Verfassungswirklichkeit gelernt und
    gelehrt habe. "

    Nein, ich bezog mich auf den Artikel von Stefan, nicht auf einen der Kommentare. Aber wenn Sie so viel über die Verfassungsgeschichte der USA wissen, warum schreiben Sie dann sowas??

    "Im übrigen, auch wenn es den Trump-Fans nicht paßt:
    1.
    Die Mehrheit der US-Bürger, die an der Präs.wahl teilgenommen haben, haben n i c h t Trump gewählt -soviel zum Mehrheitsprinzip."

    Mit dem Senat, dem Filibuster und dem Wahlmännerkolleg haben sich die USA ganz bewußt gegen ein reines Mehrheitsprinzip entschieden. Sachen wie 'Tyrannei der Mehrheit' und den 'Sherman Kompromiß' müßten Ihnen dann was sagen.

  18. #18 | Klaus Lohmann sagt am 21. Januar 2017 um 19:53 Uhr

    @#17 Gerd: Warum antworten *Sie* mit einer unverständlichen Frage auf die Richtigstellung von Walter Stach, dass die Mehrheit der US-Wählerstimmen eben *nicht* auf Trump entfiel und damit ein Vergleich mit Wahlen in der uns geläufigen Demokratie, wie ihn Nr. #7 simplifizierend versucht hat, Unsinn ist?

    Was den völkischen Nationalismus angeht, den Trump wider besseren geschichtlichen Wissens anstelle einer deutlichen Ansprache an *republikanische* Zielsetzungen versus *demokratische* Absichten in seiner Rede propagiert hat, ist die starke Nähe zum Faschismus nicht zu verleugnen – auch wenn bislang "rassenbiologische" Aspekte fehlen. Wahrscheinlich aus Rücksicht auf ausstehende erste Amtsgespräche mit den anderen G8-Chefs hat er allerdings bis dato nur das weniger direkte "buy american!" anstatt "Don't buy german cars!!" und ähnliche Imperative verwendet.

  19. #19 | Helmut Junge sagt am 21. Januar 2017 um 20:01 Uhr

    Es ist ein gefährlicher Wunschtraum zu glauben, dass Deutschland einen Weg zwischen USA, Russland und China gehen könnte. Etwa als EU Anführer. So etwas zu glauben ist lebensgefährlicher Leichtsinn.
    Eine, wie auch immer deutsche Regierung wird sich einem starken Partner unterordnen müssen. Ob dessen Herrscher Demokrat ist oder nicht. Und wenn es Dschingiskhan selber wäre. Ich kapiere eure Diskussion unter diesem Blickwinkel nicht. Ob ihr Trump mögt ist absolut unwichtig, weil ihr die anderen Alternativen auch nicht mögt. Deutschland kann nicht alleine!

  20. #20 | Klaus Lohmann sagt am 21. Januar 2017 um 20:22 Uhr

    @ ke:
    "lch habe vor ein paar Jahren im französischen Fernsehen ein Interview mit Marine Le Pen gesehen. Das ist eine andere Liga." Und welche bitte? Gosse oder Sportpalast?

  21. #21 | Arnold Voss sagt am 21. Januar 2017 um 21:13 Uhr

    @ Helmut Junge # 19

    Helmut, wenn es denn ein geeinigtes Europa mit einer eigenen und gemeinsamen Außenpolitik und einer eigenen Streitmacht gäbe, müsste sich dieses Europa Niemanden unterordnen. Aber ganau dieses Chance haben die Europäer unter dem nun schon viele Jahrzehnte andauernden Schutz insgesamt und grundsätzlich europfreundlicher US-amerikanischer Regierungen nicht genutzt.

    Dazu hätte es nicht mal der Vereinigten Staaten von Europa bedurft, sondern nur der Konzentration der nationalen Kooperation auf die zentralen Dinge, die nur Europa, und nicht die einzelnen Nationen leisten können: Gemeinsame Sicherheit, gemeinsamer Schutz der Außengrenzen, gemeinsame Euro-Polizei und eine gemeinsame Einwanderungs- und eine gemeinsame Finanzpolitik. Dazu die gemeinsame Währung, und nicht anstatt.

    Was wir stattdessen haben ist ein Euro-Bürokratie in der die nationalen Interessen vorrang haben und ein Europarlament, das trotz europäischer demokratische Basis von der Kommission domniert wird. Dazu viele Regelungen die ohne Probleme bei den einzelnen Nation hätten verbleiben können und eine hahnebüchende "gemeinsame" Fiskalpolitik, bei der sich die einzelnen Nation gegenseitig Steuereinkommen abluxen und große Konzerne dabei gänzlich verschont lassen.

    Im Ergebnis ist es deswegen genauso wie du schreibst: Deutschland kann nicht allein und die restliche EU wird sich nicht (mehr) durch Deutschland führen lassen. Den Rest besorgen die erstarkten Popuplisten in den EU-Ländern. Genau das wissen Trump und Putin und sie werden sich entsprechend verhalten, bzw. tut es Putin schon. Es wird Zeit sich warm anzuziehen und zu hoffen, das die US-amerikanischer Bevölkerung selbst für die Rückkehr zum alten transatlantischen Kurs ihres Landes sorgt. Die Europäer werden es auf jeden Fall nicht hinkriegen.

  22. #22 | Helmut Junge sagt am 21. Januar 2017 um 21:30 Uhr

    Arnold, wir werden Vieles nicht mögen, was in den USA und der Welt in nächster Zeit geschehen wird.
    Ich denke, dass wir beide das ähnlich einschätzen. Aber meiner Meinung nach müssen wir, damit meine ich Dich, mich und viele Andere darum kämpfen, dass die Politiker ein Europa konstruieren, das geeignet ist, diese unangenehme Entwicklung, diewir erwarten und diewir schon kommen sehen, zu meistern. Die Kuschelwelt unserer Vergangenheit ist möglicherweise vorbei. Es ist wie Erwachsen werden. Das müssen wir sehr schnell.

  23. #23 | Helmut Junge sagt am 21. Januar 2017 um 21:52 Uhr

    Es laufen bisher immer alle Gedanken in die Richtung, dass Merkel das anführt, dies anführt, dass Merkel als Führerin der EU auftreten soll, das Merkel als Specherinder freien Welt, dass Merkel, dass Merkel…., alswenn Merkel Hitler wäre. DAS MUSS AUFHÖREN. Die Europäer müssen sich auf einenSprecher EINIGEN! Wenn es dann Merkel würde, wäre es ok.

  24. #24 | kE sagt am 21. Januar 2017 um 21:58 Uhr

    @20:
    In D gibt es zurzeit am Rand keine Politike/Strukturen, die aus meiner Sicht in der Lage sind, mehr als 15 Prozent der Wahlberechtigten auf Bundesebene zu erreichen. Dies auch nur, wenn durch besondere Ereignisse eine Sondersituation eintritt (z.B. Terrorakt, Krieg, Börsen-Crash, Bankenpleite, Naturkatastrophe).
    Ich gehe aber auch davon aus, dass wir insbesondere am rechten Rand ähnliche Resultate wie in Österreich oder Frankreich hätten, wenn die dortigen Parteien/Politiker hier agieren würden. Analysen zum Wählerverhalten sehen am rechten Rand ein Potenzial von bis zu 30 Prozent in D.

    Eine Innenpolitik wie in NRW und Sicherheitsbehörden, die nicht in der Lage sind, Personen, die kontrolliert werden, einer Nationalität zuzuordnen, schaffen genau die Basis, die für ein Misstrauen bzgl. des Grundbedürfnisses Sicherheit führt.
    Wenn diese Probleme nicht in den Griff bekommen werden bzw. die Regierungschefinnen durch ihre Entscheidungen vermitteln, dass Sicherheit keine Priorität hat, wird der Wähler auf die Parteien zugehen, die das Grundbedürfnis aus seiner Sicht am besten erfüllen. Das können rechte Hardliner-Konzepte sein oder aber linke Präventivkonzepte.

    Für erfolgsversprechende Lösungskonzepte ist natürlich auch ein Potenzial für Grüne und FDP vorhanden.

    @21:
    Die gemeinsame Finanzpolitik ist aus meiner Sicht nicht erfolgsversprechend. Hier gibt es zu versch. wirtschaftliche Ansätze. Deutschland hat Mega-Inflationen und eine harte DM im kollektiven Gedächtnis. Andere Nationen kennen Geldentwertungen und Hochzinsphasen. Das passt nicht. Dass dann noch vertragliche Vereinbarungen nicht mehr beachtet werden, die eigentlich den Erfolg des Euros sicherstellen sollten, nicht befolgt werden ist das nächste Problem.
    Der Euro, die Geldtransfers etc. spalten Europa. Es ist ein Cherry Picking geworden. Jeder fährt nur noch die GB Strategie, d.h. er nimmt die Vorteile mit, und gibt unangenehme Aspekte weiter.
    So funktioniert keine Gemeinschaft.
    Das Problem ist hier, dass vertragliche Regelungen (Schengen, Maastrich etc.) nicht eingehalten werden, und dass dies keine Konsequenzen hat. Das Vertrauen schwindet deshalb wie die Rendite der Spareinlagen.

  25. #25 | Davbub sagt am 22. Januar 2017 um 11:37 Uhr

    In der Aufzählung der Gesinnungsgenossen Trumps fehlen noch Pol Pot und Stalin.
    Die Person Trump ist doch vollkommen nebensächlich. Viele Trumpwähler hätten sogar Walter Stach gewählt; Hauptsache etwas anderes als das bislang Bekannte.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/arlie-russell-hochschild-trump-waehler-in-louisiana-14697981.html
    Statt sich hier in ebenso sinnlosen wie selbst-referentiellen Ergüssen zu ergehen, sollte sich der interessierte Beobachter doch einmal fragen, warum das politische Angebot der sich selbst als "freiheitsliebenden, demokratischen, weltoffen,usw…." Feiernden nicht angenommen wurde. Wie frustriert müssen knapp 50% der Wähler sein, um Trump zu wählen? Was treibt die Menschen in die Arme Trumps? Antworten, wenn man sie denn wirklich sucht, findet man in der Washington Post, die entdeckt hat, daß man auch mit den Menschen, und nicht nur über sie reden kann.
    Genauso wenig, wie jeder Trumpwähler ein Rassist ist, sind alle Wähler der AfD, des FN oder FPÖ Faschisten. Die unvereinigte deutsche Linke muß sich doch fragen lassen, wie es kommt, daß ihre Wähler in Scharen zur AfD überlaufen und nicht dankbar und demütig die Gaben der weisen Politiker annimmt. Wählerbeschimpfung und Herabsetzung sind da natürlich naheliegend, aber dennoch nicht das Mittel der Wahl.
    Ebenso wenig die nutzlosen Blockadeaktionen körperlicher oder juristischer Art mit den begleitenden Straftaten. Nur wenn man sich tatsächlich mit den Menschen auseinandersetzt, findet das statt, was hier so beschworen wird: Demokratie. Nur wenn man die AfD Wähler als Menschen mit einer anderen Meinung akzeptiert, ist der Dialog möglich. Das mag nervig, anstrengend, oft auch sinnlos erscheinen, ist aber der einzige Weg, tatsächliche Sinneswandel herbei zu führen.
    Aber z.Zt. bestätigt sich doch die in weiten Teilen der Bevölkerung herrschende Vorurteil, das der s.g. "tolerante, weltoffene, demokratische, freiheitsliebende, …" Teil der politischen und meinungsmachenden Klasse dies nur so lange ist, wie das Volk sich so verhält, wie es von ihm erwartet wird. Und jetzt haben die "Abgehängten, Zurückgelassenen, Rückständigen,…" auch noch das Stimmrecht als politische Waffe wiederentdeckt. Es ist furchtbar, jetzt soll sich unsere politische Klasse tatsächlich um die tatsächlichen Bedürfnisse der Bevölkerung kümmern. So banale Dinge wie innere und äußere Sicherheit, saubere Schultoiletten, Flughäfen zu Ende bauen, gepflegte Straßen etc.

  26. #26 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 12:39 Uhr

    Ja, Trump ist auch ein Gewächs des bisherigen Politik Versagens. Aber das ändert nichts an seiner Gefährlichkeit. Er führt ab jetzt die mächtigste Nation der Welt und hat keinen Plan ausser America First, wobei nicht einmal America First funktioniert, weil andere Grossmächte auch First sein wollen.

  27. #27 | abraxasrgb sagt am 22. Januar 2017 um 12:58 Uhr

    Davbub … die polarisierende Ablehnung bestimmter Parteien / Personen und ihrer Wähler hat doch genau den beschriebenen Zweck: Sich nicht mit diesen (inahltlichen) Fragen beschäftigen zu müssen. Parteien in Deutschland sind für die meisten eher religiöse Gemeinschaften und basieren mehr auf Glaubensbekenntnissen, als auf Erkenntnis. Das macht die kleine heile Welt in Waltrop / Xanten / Werne a.d. Lippe, Sprockhövel so schön übersichtlich und man fühlt sich global, weil man eine Meinung zu Wahlen auf einem anderen Kontinent hat 😉
    Die Kritik an der Wirklichkeit ist immer etwas "niedlich", aber wenig klug.
    Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren. Ayn Rand
    Wenn der souveräne Wähler in den meisten Ländern z.B. Europas anders denkt, als der deutsche Michel, dann sind natürlich alle anderen Geisterfahrer 😉 und keinesfalls legitim anderer Meinung. E pluribus unum 😉

  28. #28 | Davbub sagt am 22. Januar 2017 um 13:13 Uhr

    @ #26: America First bedeutet, daß die amerikanischen Interessen für amerikanische Politiker an erster Stelle stehen sollen. Da ist doch erst einmal nichts gegen einzuwenden. Wenn dies dann alle anderen dann auch tun, ist für jeden gesorgt; das führt zum internationalen Interessenausgleich, am besten natürlich auf friedlichem Wege. Ich wäre z.B. froh, wenn die deutsche Politik -oder zumindest die Partei, die ich wähle – meine Interessen an erste Stelle stellte und nicht die Griechenlands, des Kosovo oder sonstwem. Nationale Regierungen und Parteien sollen nun einmal Interessen ihrer Bevölkerung und Wähler vertreten, und nicht die der Weltbevölkerung.
    Was die Gefährlichkeit angeht, rate ich zu mehr Gelassenheit. In meinen nunmehr über fünfzig Jahren wurde mir fortwährend der Weltuntergang versprochen. Wahlweise durch das Ende des Ölzeitalters (Club of Rome), das Waldsterben (Die Grünen), den Computercrash zur Jahrtausendwende, Umweltverschmutzung (diesselben), Ronald Reagan und die Nachrüstung (diess. & die Friedensbewegten), Chemtrails, al-Kaida, Hartzreformen, Handigebrauch, die Erderwärmung, die phlegräischen Felder, ISIS, usw. usf… Und was ist geschehen? Nichts. Wenn ich so aus dem Fenster schaue, scheint die Sonne immer noch, sogar für mich.

  29. #29 | Klaus Lohmann sagt am 22. Januar 2017 um 14:09 Uhr

    Solange nicht nur Trump selbst, sondern jetzt auch seine PR-"Fachkräfte" das wütende Rumpelstilzchen der gekränkten Eitelkeiten spielen, wenn es um die verkorkste Amtseinführung mit nur einem Drittel der Menschenmassen wie bei der letzten Obama-Einführung geht (obwohl auch Obama weissgott nicht auf eine große Mehrheit im Volk zählen konnte), besteht Hoffnung, dass sich der "GröPaz" (Größter Popanz aller Zeiten) mindestens mittelfristig, wenn nicht sogar schneller von selbst erledigt:
    http://money.cnn.com/2017/01/21/media/sean-spicer-press-secretary-statement/index.html

  30. #30 | Jochen Hoff sagt am 22. Januar 2017 um 15:35 Uhr

    Das was ich zu diesem Artikel des guten Herrn Laurin zu sagen habe, würde es nie in diese Kommentarspalten schaffen. Deshalb schreibe ich es auf meiner eigenen Parzelle in Klein-Bloggersdorf, dort am Rande des Nichts.

    http://duckhome.net/wenn-herr-laurin-von-den-ruhrbaronen-trump-versteht-13230.html

  31. #31 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 15:38 Uhr

    @ Davbub # 28

    Mensch Davbub, gehen sie einfach auf die nächste Party und hängen sich ein Schild um mit der Aufschrift: ICH IMMER ZUERST. Dann spätestens verstehen sie ganz lebenspraktisch, was ich meine. 🙂

    Sie können nicht auf Dauer in Frieden mit anderen leben, wenn sie nicht auch deren Interessen berücksichtigen. Was wiederum nicht heißt, dass sie selber keine haben sollen oder dürfen. Ganz im Gegenteil.

  32. #32 | John sagt am 22. Januar 2017 um 15:45 Uhr

    Muss schon brutal bedrohlich sein, wenn ein Präsident mal was für sein Volk tut, als es auszusaugen.

    Die Hofschranzen und Speichellecker werden sich einen Job suchen müssen, oh Graus!

    Demokratie wieder als Demokratie (also Volksherrschaft) zurückzudefinieren ist eine Frechheit und eine Sauerei. Da wurde jahrelang sorgfältig an dem Wort herumgefeilt bis es in seiner heutigen Pracht erstrahlt, als Zusammenfassung von Feminismus, Gendering, Multikulti und religiösen Gehorsam gegenüber einer globalen Elite, die sich 200-Meter-Jachten leisten kann, auf dem Volk herumtrampeln und jeden letzten Cent aus ihm herausquetschen kann.

  33. #33 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 16:06 Uhr

    @ John # 31

    Schon mal mit Trumps Privat-Flugzeug mitgeflogen oder auf den Yachten und Anwesen seiner Minister gewesen, John? Wird auch nie passieren, John. 🙂

    Und jetzt im Ernst, John. Nichts geht in den USA in den kommenden vier Jahren an das Volk zurück. Keine Macht, keine Kohle, kein Garnichts. Stattdessen werden die Reichen noch Reicher werden. Und die Hofschranzen und Speichellecker von Trump sind auch schon da.

  34. #34 | ke sagt am 22. Januar 2017 um 16:17 Uhr

    Bilder haben eine gewaltige Wirkung.

    Mir fehlen die Bilder von der "National Mall" bei anderen Amtseinführungen. Warum wird bspw. die erste Einführung Obamas gewählt. Das war die als er mit einem "Yes we can" alle beeindruckte. Das daraus ein "Yes, we couldn't …" wurde, ist eine andere Geschichte.

    Ein "Mann des Volkes" würde zuerst für eine effiziente Krankenversicherung sorgen. Hier gab es genug Zeit, Lösungen zu erarbeiten. Ebenso ist das Thema Sozialstaat wichtig. Bisher kann ich weder an den Ankündigungen noch an den ersten Aktionen erkennen, dass die Gesundheit des kleinen Mannes für den Präsidenten hohe Prio hat.

  35. #35 | Jochen Hoff sagt am 22. Januar 2017 um 16:26 Uhr

    #33 Arnold Voss

    Glauben Sie denn, dass seine Chance auf einen Mitflug größer gewesen wäre bei Killary Clinton? Ich bin zumindest in jügeren Jahren ein paar Mal in solchen Flugzeugen in den USA mitgeflogen. Es wird überschätzt.

    Selbstverständlich gibt es auch nichts an das Volk zurück. Ich meine ein Kraut dass eines das glauben ließe wäre zu stark um es zu rauchen.

    Aber es wird etwas anderes passieren. Er wird mit seiner Politik Arbeit zurück in die USA holen und aufgrund hoher Nachfrage nach Arbeitern sowohl die Investitionen, als auch die Arbeitslöhne für ein paar Jahre steigern. Dazu spart er durch die Aufgabe Europas und der arabischen Welt, wie des Glaubenkampfes mit Russland viel Geld mit dem er das US-amerikanische Großkapital glücklich macht. Sie werden in wiederwählen oder die Obama/Clinton Bande lässt ihn umbringen.

  36. #36 | Stefan Laurin sagt am 22. Januar 2017 um 16:29 Uhr

    lJochen Hoff: Vielen Dank, meine Facebookfreunde haben gerade viel Spaß an Deinem Artikel 🙂

  37. #37 | thomasweigle sagt am 22. Januar 2017 um 16:46 Uhr

    @ John Das Kabinett Trump ist kein Kabinett des Volkes, es ist ein Kabinett der Milliardäre, über 30 Milliarden Dollar schwer. Die nehmen`s vom Volk, die geben nichts.

  38. #38 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 16:49 Uhr

    @ Jochen Hoff # 35

    Nein, Frau Clintons Privatflugzeug ist schlicht zu klein. 🙂

    Aber im Ernst. Trump wird die Steuern für Reiche weiter senken, Obama-Care abschaffen und den Sozialstaat weiter zusammenstreichen. Für seine Arbeitsplatzversprechen gibt es nicht die geringste Garantie, da die Arbeitsplätze die er durch Strafsteuern gewinnt an anderer Stelle wieder verloren gehen. Viele US-Firmen sind viel zu sehr in anderen Ländern engagiert, als dass sie nicht selbst von amerikanischen Strafzöllen getroffen werden könnten.

    Wenn er den Atomvetrag mit dem Iran kündigt, wird er nicht nur mit den Mullahs Probleme bekommen sondern auch mit Putin. Über die beiden bekommt er wiederum weitere Problem im Nahen Osten. Den IS will er aber noch radikaler als alle zuvor bekämpfen, was aber ohne amerikanische Bodentruppen nicht gehen wird. Im übrigen wird Trump sowieso weiter aufrüsten, weil er nur so kurzfristige Erfolge am Arbeitsplatzmarkt erzielen kann.

    Nochmal auch für sie kurz gefasst: Der Mann hat keinen Plan außer America First und selbst der funktioniert nicht.

  39. #39 | Jochen Hoff sagt am 22. Januar 2017 um 17:20 Uhr

    #37
    Arnold Voss

    Genau darin liegt der Irrtum. Er hat einen Plan sogar einen verdammt alten. Er will einen New Deal. Wir reden über einen maximalen Planungshorizont von 10 Jahren. Er will eine Person der Geschichte werden. All die Anerkennung die man ihm Zeit seines Leben "ungerecht" verweigert hat, möchte er sich jetzt auf einen Schlag holen.

    Für zehn Jahre wird er ein Jobwunder vollbringen, dann brechen die Arbeitsplätze natürlich wieder weg. Aber das interessiert ihn nicht. Nach ihm die Sintflut. Den IS kann er schlagen, indem er ihn einfach nicht mehr finanziert und ein Rückzug der USA aus dem Gebiet, wird die Saudis zu Fall bringen. Der Atomvertrag mit dem Iran, wird Putin die Verantwortung auflasten und er kann seinen Pazifik und seinen Hinterhof Lateinamerika für sich alleine haben.

    Wir setzen immer voraus, dass die USA so wie wir denken. Das ist aber falsch. Ein schmales Band von Leuten die wir wir denkt liegt an der Atlantikküste. Für den Rest existieren wir als Märchenschloss in Bayern, diese komischen Türme und das war Europa in 7 Tagen inklusive An- und Abreise. Wenn sie dir Bilder von ihren "Reisen" zeigen sie dir Bilder von diesem schiefen Turm in München und fragen ob der schon umgefallen ist, Disney hat das Schloß für den Märchenprinzen gebaut und sie wissen nicht genau ob die Raben nun um den Eifellturm oder diesen Uhrenturm kreisen.

    Was hatte übrigens Obama für einen Plan?

  40. #40 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 18:13 Uhr

    Jochen Hoff,

    genau das Alter des PLans, den sie ihm unterstellen, ist das Problem. Die Zeiten des New Deal gibt es nicht mehr. Roosevelt, dessen historische Leistungen ich sehr schätze, regierte ein Amerika das wesentlichen weniger vom Weltmarkt abhängig war, als die heutige USA. Die heutige USA sind z.B. erheblich bei den Chinesen verschuldet, mit denen sie eine Wirtschaftskrieg anfangen wollen. Sie sind auf Grund ihres erheblich höheren Engergieverbrauchs mehr denn je auf billiges Öl z.B. aus den Golfstaaten angewiesen, die den IS finanzieren, und die Armen der USA sind mehr denn je auf billige Importprodukte aus den asiatischen Schwellenländern angwiesen deren Bevölkerung endlich das Geld hat, massenhaft I-Phones zu kaufen.

    Außenpolitisch zeichen sich die USA Regierungen vor Obama durch falsche, bzw. mehr oder weniger schlecht durchdachte Angriffspläne aus. Trump durch einen nicht funktionierenden Rückzugsplan. Obama hatte weder einen guten Angriffs- noch einen guten Rückzugsplan. Innenpolitisch hat es dieses Land bzw. seine Regierungen nicht verstanden, die der gewollten kapitalistischen Dynamik geschuldeten und immer größer werdenden Gerechtigkeitslücke zu schließen. Im Gegenteil, sie haben sie alle immer weiter vergrößert.

    Das Ergebnis ist jetzt ein Präsident, der den Amerikaner vorgaukelt, er könnte den außenpolitschen Schlamassel durch Isolation beenden und die Gerechtigkeitslücke durch einen neuen New Deal schließen. Das erste kann nicht funktionieren weil er die globalen Abhängikeiten der USA durch Isolation nicht aufheben kann. Das zweite wird nicht funktionieren, weil er, wie seine bisherigen "Deals" zeigen, zuallerletzt an sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit interessiert ist. Roosevelt hat seinen New Deal bekanntlich durch die Erhöhung der Erbschaftssteuer auf 80 !! % finanziert. Sie glauben doch nicht, dass Trump das auch nur im Traum erwägen würde.

  41. #41 | ke sagt am 22. Januar 2017 um 18:59 Uhr

    @40: Libyen würde ich auch als schlecht durchdachten Angriffsplan aus der Regierungszeit Obamas bezeichnen.

    Einen Zaun um das Land zu bauen und die Löhne erhöhen hat noch nie zu mehr Wohlstand geführt. Im Regelfall wird durch fehlenden Wettbewerb in der Isolation der Anschluss an die Welt verpasst.
    Das dauert aber. Und wie gut bemerkt wurde, ist das nicht mehr die Amtszeit des Präsidenten.

    Schröder hat mit seinen Reformen auch die geringen Arbeitslosigkeitsraten in der Regierung Merkels verursacht.

  42. #42 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 19:33 Uhr

    Herr Hoff. Ich diskutiere nicht (weiter) mit Leuten, die mich als welche Sorte Faschisten auch immer bezeichnen. Deswegen habe ich auch ihren letzten Kommentar nicht freigeschaltet und werde auch weitere nicht freischalten. Das wars hier also mal wieder für sie. 🙂

  43. #43 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 20:17 Uhr

    @ KE # 41

    Auf jeden Fall kann man heute keinen New Deal als Isolationsprojekt veranstalten. Wenn überhaupt geht das nur durch Umverteilung innerhalb der eigenen Nation, die obendrein die Produktivität nicht senken darf. Die phasenweise Erhöhung der Erbschaftssteuer und/oder die Einführung einer Vermögenssteuer zur Finanzierung eines öffentlichen infrastrukturbezogenen Investitionsprogramms wäre dabei auch noch heute das Mittel der Wahl. Und das bei gleichzeitiger Integration in den Weltmarkt. Trump will weder das eine noch das andere. Ganz im Gegenteil.

    Die möglich Vermögensflucht kann heutzutage, wenn man es nur will, finanz- und informationstechnisch verhindert werden.Dazu hilft als Verstärkung die Drohung mit der Aberkennung der amerikanischen Staatsbürgerschaft.Ansonsten kann man diese Art der Umverteilung so gestalten, dass sie den unmittelbar betroffenen Menschen so viel lässt, dass sie sich um ihre persönliche Zukunft und die ihrer Kinder keine Sorgen machen müssen.

    Ganz im Sinne des amerikanischen Milliardärs Warren Buffett, der, als er ein Teil seines Vermögens nicht seinen Kindern sondern einer Stiftung vermacht hat, sinngemäß, und mit einem breiten Lächeln auf die diesbezügliche Frage eines Reporters sagte: Es gibt keinen Grund, dass sich meine Kids beschweren.Für sie bleibt immer noch ein solche Menge übrig, von der andere in diesem Land nur träumen können.

  44. #44 | Helmut Junge sagt am 22. Januar 2017 um 20:43 Uhr

    Langfristige Erfolge sind mit Trumps Ideen vermutlich nicht möglich. Kurzfristige aber schon. Da andere Wirtschaftsmächte aber vermutlich schnell nachziehen werden, kann es zu einem globalen Wirtschaftskollaps kommen. Aber wann? Das Problem ist in solchen Fällen, dass die dämlichste Erklärung u.U. genau die Erklärung sein kann, die von den meisten Menschen geglaubt wird. Darauf zu setzen, dass Trump dann als Sündenbock dasteht, ist gewagt. Die derzeitige Kritik an ihm ist viel zu feulletonistisch und eignet sich nicht als Politische Vorbereitung auf den zu erwartenden Wirtschaftscrash.

  45. #45 | Klaus Lohmann sagt am 22. Januar 2017 um 21:17 Uhr

    Interessant ist immer wieder, dass ausgerechnet Diejenigen, die Anderen völlige Unkenntnis der amrikanischen "Eigenarten" und damit Unverständnis über das establishment-verabscheuende "System Trump" vorwerfen, der USA einen märchenhaften Status der völligen Unabhängigkeit von politischen und wirtschaftlichen Netzen auf diesem Planeten unterstellen und wahre Wunder von der amerikanischen Wirtschaft erwarten, weil die ja so doll hochwertige Produkte herstellt – wenn sie will. Wie wir allein schon aus dem Niedergang der amerikanischen Automobilindustrie gelernt haben, ist genau das Gegenteil der Fall und sollte Trump-Fans ausreichend Warnung vor einer nationalistischen Isolation sein.

  46. #46 | ke sagt am 22. Januar 2017 um 21:23 Uhr

    Wie sieht die Wirtschaft in 10 Jahren aus? Wo entstehen Arbeitsplätze? Wo wird in welchem Umfang produziert?

    Wir haben eine Individualisierung von Produkten.
    Wir kommen in eine Mietkultur.
    Wir haben künstliche Assistenten, d.h. wie lange wird es einfache Beratungsleistungen noch geben (z.B. Bankanlage?).
    Wir haben den 3D Druck.
    Wir entsorgen, statt zu reparieren.

    Das sind viele Punkte, die zeigen, dass das bisherige Erfolgsmodell des Offshore-Produzierens zurückgehen wird. Die USA haben Sonne, Kälte, Öl, d.h. sie haben einige Standortvorteile. Eine klare Strategie, das produzierende Gewerbe wieder in das Land zu holen, könnte die Unternehmen darauf vorbereiten, Wettbewerbsvorteile zu erzielen, wenn eben keine Kostenvorteile in den aktuell produzierenden Ländern mehr erreicht werden kann. China ist bspw. in den Großstädten kein günstiger Standort.

    Ich habe bei der Arbeit mit USA aber immer wieder festgestellt, dass insbesondere die gut ausgebildeten Einwanderer einen Großteil der Arbeit übernehmen. Wird das bei einer Trump-Politik so bleiben?

    Final gibt es viele Entwicklungen, und es ist unmöglich, die Zukunft vorherzusagen. Einmauern hat noch nie geholfen. Ein Wirtschaftscrash ist nicht vorauszusagen.
    Wir werden sehen, was kommt.

  47. #47 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 21:34 Uhr

    @ Helmut Junge # 44

    Helmut, das habe ich am Anfang auch gedacht. Aber man kann nicht einfach mal so ein paar Fabriken in die USA zurückverlagern. Erst recht nicht in der Größenordnung wie es dieses Land bräuchte, um kurzfristig ein Jobwunder zu erzeugen. Hinzu kommt die regionale Konzentration der Arbeitslosigkeit, die dann auch noch eine räumlich Investitionssteuerung erfordern würde.

    Und wo sollen die Steuermilliarden für das Infastrukturprogramm herkommen, wenn mit der Ausgabenkürzung im Sozialbereich zugleich eine Steuereleichterung für Unternehmen und Einkommen verbunden wird. Dazu kommt die geplante Erhöhung des Militärhaushaltes, die zwar Jobs schaffen könnte, aber die Ersparnissse durch den Rückzug aus den Interventionsfelder wieder auffrisst.

    Das läuft alles auf eine weitere Verschuldung hinaus, die wiederum international finanziert werden muss. Dazu kommen dann die von dir schon erwähnten protektionistischen Reaktion der anderen Wirtschaftsmächte, die wiederum die amerikanischen Exportfirmen in Bedrängnis bringen. Nein, das geplante Infastrukturprogramm klappt nicht, ohne das Trump sich trauen würde, auch seinen Milliadärsfreunden ans Geld zu gehen. Und das wird er nicht tun.Oder doch?

    Ich bin echt gespannt, was da auf uns und die Amerikaner zukommt. Wir werden es bald erfahren.

  48. #48 | Arnold Voss sagt am 22. Januar 2017 um 21:47 Uhr

    @ Klaus Lohmann # 45

    Ja, das erstaunt mich auch immer wieder.

  49. #49 | Helmut Junge sagt am 22. Januar 2017 um 22:00 Uhr

    ARNOLD, ich bin auf Leute angewiesen, die mehr von der Sache verstehen als ich und denen ich ein wenig Vertrauen schenke. http://mobil.derstandard.at/2000051191611-3756/Stiglitz-Trumps-Sicht-auf-die-Welt-ist-total-falsch

  50. #50 | Arnold Voss sagt am 23. Januar 2017 um 00:58 Uhr

    Danke für den Link. Er bestätigt allerdings meine/unsere Sorgen.

  51. #51 | Helmut Junge sagt am 23. Januar 2017 um 10:26 Uhr

    Die Wrtschaftswissenschaft vertritt allerdings immer mehrere Positionen gleichzeitig, was sie in meinenAugen zu einer Art Religion macht. Ich suche mir immer aus, wem ich glauben will.
    Denn guck mal den.
    https://www.welt.de/wirtschaft/article161414442/Dieser-Oekonom-erwartet-paradiesische-Zustaende-unter-Trump.html

  52. #52 | Walter Stach sagt am 23. Januar 2017 um 11:48 Uhr

    Kurze "Einwürfe",
    die mir bedenkenswert erscheinen und die, wenn auch wenig wahrscheinlich, auch den Trump-Fans zu denken geben könnten:

    1.
    "Weltweit" wird eine Diskussion darüber geführt, ob der Trumpismus zu einem weltweiten Handelskrieg führen wird.

    -Ergänzung meinerseits: Der Einsatz militärischer Mittel in solchen Handelskriegen liegt nahe und wird durch die Geschichte belegt. Daraus wiederum können sich Kriege entwickeln, in denen des nicht mehr um nationale Wirtschaftsinteressen, sondern um "gesamt-nationale Interessen geht" nach dem Motto "W i r zuerst und w i r gegen die Anderen -ggfls. gegen alle Anderen.

    2.
    Interesssant, daß die Trump-Kritiker, die Trump-Gegner in Deutschland nicht nur im "Linken" bzw. im "Links-Liberalen" Lager zu finden sind, sondern auch im rechtskonservativen.

    Beispiele:
    Heute gibt es auf S.1 der TAZ einen Kommentar von Bettina Gaus unter der Überschrift:
    "Der Lügenbefehlshaber" u.a. mit dem Satz:"……Sondern weil man jetzt an seinem Verstand zweifeln muß"

    Gaus zitiert in ihrem Kommentar Fox News -eine bekanntermaßen "radikal" rechtskonservative Medienanstalt den USA, deren Kolumnist Krauthammer das Verhalten von Trump "surreal "und einfach seltsam" nennt.

    Die FAZ hat in der vergangenen Woche Trump mit Wilhelm II verglichen mit Attributen wie
    Egomanen, Narzissten, kindische Großkotze und aggressive Feiglinge und sich gefragt, ob deshalb auch bei Trump diejenigen "Berater" das Sagen haben werden, die diese Eigenschaften nutzen werden, wenn sie z.B. einen Kriegseinsatz für geboten halten, so wie das den "Beratern" von Wilhelm II seinerzeit gelungen ist.

    3.
    Noch nie in der Geschichte der USA hat es am Tage nach der Amtsübernahme eines Präsidenten derartige De
    Demostrationen gegen den Präsidenten gegeben wie am Tage nach der Amtsübernahme durch Trump.

    4.
    Wenn medial jetzt sogar die Spaltung des Landes (der USA) im Jahre 1861 -mit der Folge "Bürgerkrieg" bemüht wird, um die Dimension der heutige Spaltung des Landes deutlich zu machen, dann erscheint mir auch das be- und nachdenkenswert.

  53. #53 | Arnold Voss sagt am 23. Januar 2017 um 13:18 Uhr

    @ Helmut Junge # 51

    Danke auch für diesen Link, Helmut. Die Lafferkurve ist unter Ökonomen, und das steht sogar im Text selbst, höchst umstritten. Vor allem aber gibt selbst Laffer zu, dass seine Hypothese von mehr Steuern durch weniger Steuern nur langfristig stimmt. Langfristige Wirkungen nützen Trump jedoch nichts, bzw. interessieren sie ihn deswegen nicht.

  54. #54 | Arnold Voss sagt am 23. Januar 2017 um 13:31 Uhr

    @ Walter Stach # 52

    Ich habe immer mehr den Eindruck, dass Trump genau das ist, als was ich in ihn in meiner Philippika absichtlich übertrieben und unpersönlich typisierend bezeichnet habe: Ein Schwachkopf. Offensichtlich gilt auch für angebliche Milliardäre das Peter Prinzip. Irgendwann landen auch sie auf dem Posten, mit dem sie völlig überfordert sind. Nimmt man dann noch Trumps offensichtliche Beratungsresistenz und seine Demokratieverachtung hinzu, dann wird es immer gruseliger.

  55. #55 | kE sagt am 23. Januar 2017 um 13:48 Uhr

    @51:
    Wirtschaftswissenschaften:
    Unsere Wirtschaftsweisen, erstellen Prognosen zum Wachstum über eine relativ kurze Zeit.
    Mir fällt dazu nur folgender Satz ein: "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen."

    Aus meiner Sicht sind viele Prognosen, die nicht sehr High Level sind, einfach bessere Kaffeesatzleserei. Die Weltwirtschaftskrise soll ja auch ausgebrochen sein, weil die Modelle die Sicherheit von Sicherheiten total falsch einschätzten.

  56. #56 | Gerd sagt am 23. Januar 2017 um 15:30 Uhr

    @18 Klaus Lohmann

    "@#17 Gerd: Warum antworten *Sie* mit einer unverständlichen Frage auf die Richtigstellung von Walter Stach, dass die Mehrheit der US-Wählerstimmen eben *nicht* auf Trump entfiel und damit ein Vergleich mit Wahlen in der uns geläufigen Demokratie, wie ihn Nr. #7 simplifizierend versucht hat, Unsinn ist?"

    Walters Hinweis auf das Mehrheitsprinzip ist irrelevant, ja sogar irreführend, wenn man weiß warum sich die USA ausdrücklich gegen ein reines Mehrheitsprinzip der landesweit abgegeben Stimmen bei der Wahl des Präsidenten entschieden haben.

  57. #57 | Walter Stach sagt am 23. Januar 2017 um 16:09 Uhr

    kE
    Es geht nicht um Prognosen -noch nicht-.

    Es geht darum, auch hier in der laufenden Diskussion, ganz sicher aber in allen Regierungszentralen weltweit, sich Gedanken zu machen über die Person Trump, über seine ihn ausmachenden Eigenschaften und darüber, was er im Wahlkampf gesagt hat, was er in seiner Antrittsrede gesagt hat, was er gestern bzw. vorgestern gesagt hat, als er beim "Geheimdienst"……..(?)seine Antrittsrede gehalten hat -mit Lobhudelei den Geheimdiensten gegenüber in krassem Gegensatz zu dessen Beschimpfungen im Wahlkampf und kurz danach-und es geht darum, nachdenken zu müssen über seine erneuten fakentwidrigen und in der Diktion unflätigen Angriffen gegen die Medien -einhergehend mit einer massiven Drohung durch seinen Pressesprecher gegenüber diesen Medien.

    Wer Prognosen erarbeitet, ich gehe davon aus, daß man weltweit dabei ist, das zu tun, und wer dabei ist, für sich, für sein Land aus den Prognosen Schlüsse zu ziehen, der kann das m.E. nur machen, indem er unterschiedliche Szenarien für denkbbar hält und diese zu beschreiben, zu erfassen versucht und folglich daraus dann unterschiedliche Handlungsoptionen für sich/für sein Land auflistet, also für alle denkbaren Fällen "Schubladenpläne" bereit hält. Und da bei Trump alles denkbar ist, muß jeder Staat für all das Denkbare Handllungsoptionen entwickeln. Das hat dann mit "Kaffeesatzleserei" nichts zu tun.

    Eine denkbare Handlungsoption beschreibt heute bei Spiegel-online Jan Fleischauer in einer Kolumne überschrieben mit" Germany First" -Wie man sich auf einen Handelskrieg vorbereitet".
    Er gibt in der Kolumne zu bedenken, daß Deutschland die Kampfansage von Trump gegen die deutsche Exportwirtschaft kontern könnte mit einer Kampfansage gegenüber den größten US-Unternehmen, die Milliarden durch ihr weltweites Geschäft, eben auch durch ihre Geschäfte in Deutschland bzw. mit Deutschen verdienen. Dazu zählen: Apple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook -nicht, wie Trump zu meinen scheint, die US-Automobilindustrie. Und Deutschland hätte einige Möglichkeiten, diesen Unternehmen "das Leben in Deutschland" -sprich das Geldverdienen drastisch zu erschweren.
    Denkbar, daß die Kanzlerin, wenn sie denn 'mal mit Trump reden wird und sie dessen Kampfansagen vernehmen muß, Trump z.B. an diese deutsche Handlungsoption erinnert -mit ihr droht? Letzteres könnte ja gegenüber Trump das Einzige sein, was ihn nachdenklich machen würde.
    Alles das hat nichts mit Prognosen oder mit Kaffeesatzlesereien zu tun.
    Hier im Blog geht es nur um Meinungen, um einen Meinungsaustausch.
    In den Regierungszentralen weltweit -auch in Berlin- geht es um das Erarbeiten unterschiedlichster Szenarien -die laufend fortgeschrieben und durch ständige neue werden ersetzt/ergänzt werden müssen- und darum, für jedes denkbare Szenario Handlungsoptionen "in der Schublade" zu haben.
    Auch das wären dann keine Prognosen, ersrecht wären das keine Kaffeesatzlesereien.

  58. #58 | Helmut Junge sagt am 23. Januar 2017 um 16:31 Uhr

    M.E.wird Trump nicht wegen der Verlängerung einiger Wahlkampfthemen, die ihm schon im Wahlkampf nicht geschadet haben, scheitern. Falls er scheitern sollte, wird das an der möglichen Nichterfüllung seiner wirtschaftspolitischen Versprechungen liegen. Deshalb sind für mich nur noch qualifizierte Infos dazu interessant. Ichneige ganz stark dazu die Auffassung von Stiglitz zu teilen, während ich weiss, dass hier bei den Ruhrbaronen etliche Kommentatoren schreiben, die Anhänger von Hayek sind und daher voll auf die Linie Trumps stzen werden. Unter denen sind einige hochintelligente Leute, deren langjährigen Grundüberzeugungen jetzt an der Praxis getestet werden.
    Vielleicht melden die, die ich kenne, und die genau wissen, dass sie gemeint sind, falls sie diesen Kommentar lesen. Mir geht es nur um den Wirtschaftskurs, nicht um s Feuilleton.

  59. #59 | kE sagt am 23. Januar 2017 um 17:29 Uhr

    @57:
    Wenn ich die Reaktionen höchster deutscher Politiker auf den Sieg Trumps betrachte, habe ich nicht das Gefühl, dass man sich mit versch. Szenarien beschäftigt bzw. einfach nur ständig Fehleinschätzungen produziert.
    Unsere Regierung brauchte Tage, um sich zu sortieren und die ersten Statements waren nicht geeignet, einen guten Start mit einer neuen Regierung vorzubereiten.

    Bei meinen Aussagen bzgl. der wirtschaftlichen Prognosen ging es mir darum zu betonen, dass die Qualität dieser Prognosen im Regelfall nicht besonders gut ist. Ebenso wie bspw. Fonds-Manager im Regelfall nicht in der Lage sind, dauerhaft besser als der Index zu sein.

    Bei wirtschaftlichen Prognose ist also Vorsicht geboten.

  60. #60 | Arnold Voss sagt am 23. Januar 2017 um 18:39 Uhr

    @ Helmut Junge # 58

    Ich bin kein Hajek-Fan. Aber selbst die, die seiner reinen Marktlehre folgen, haben jetzt schon Probleme mit Trump, weil er gegen eines seiner wichtigsten Prinzipien verstossen will: den freien Welthandel. Nach innen weiter deregulieren und gleichzeitig nach außen reregulieren ist nach Hajekschen Maßstäben eine Widerspruch in sich. Es gibt in Trumps Regierungsteam meines Wissens auch nur Unternehmer/Bankleute aber keine ausgewiesenen Volkswirtschaftler.

    Der von dir beklagte Feuilletonimus bei der Einschätzung Trumps liegt wohl auch darin, dass weder seine außenpolitischen noch seine wirtschaftspolitischen Ankündigungen ein geschlossenes strategisches Bild abgeben. Die Journalisten, aber auch Politiker flüchten sich stattdessen in Persönlichkeitsmerkmale oder sie versuchen in mit mit oder weniger klaren politischen Typisierungen zu fassen wie Faschist, Postmoderner Revolutionär, Antipolitiker, usw.

  61. #61 | Helmut Junge sagt am 23. Januar 2017 um 18:58 Uhr

    Volkswirtschaftliche Lehrstühle fehlen in Deutschland auch. Hier regieren Betriebswirtschaftler. Und das ist absolut nicht das Gleiche. Mir scheint dass Trump eine Mischung von Betriebswirtschaft und der Lehre von Hayek plant, unter der Federführung von Bankern. Aber ich muss zugeben, dass ich mich nach Jahrzehnten Abstinenz mal wieder mit diesem Thema beschäftigen muss. Denn darin bin ich sicher, dass das Thema sehr brisant werden wird. Ich werde mal was von Stiglitz lesen. So als Anfang. Von Hayek hatte ich auf Empfehlung von @abraxasrgb bereits was gelesen. Dessen Meinung hätte ich z.B. gerne im Zusammenhang gehört.Aber dasmuss ja nicht sofort sein. Der Trump läuft uns ja leider nicht davon.

  62. #62 | Arnold Voss sagt am 23. Januar 2017 um 19:31 Uhr

    Vielleicht treiben in aber die Amerikaner aus dem Weißen Haus. Ich habe stark den Eindruck, dass viele seiner Wähler jetzt erst so langsam schnallen, wen sie gewählt haben. 37% halten den Mann schon zu Anfang seiner Amtszeit für einen schlechten Präsidenten. Das kann nur stimmen, wenn auch ein Teil seiner Wähler gelinde gesagt stutzig geworden ist. Ich selbst habe nach seiner überraschendes Wahl gedacht, dass Trump zumindest weiß, dass er die Macht inne, aber (noch) nicht die Mehrheit der US-AmerikanerInnen hinter sich hat. Entweder glaubt er wirklich, dass die Mehrheit des Volkes hinter ihm steht, oder es ist ihm egal. Beides ist allerdings in gleicher Weise fatal für die politische Kultur des Landes, sofern man davon überhaupt noch reden kann.

  63. #63 | Klaus Lohmann sagt am 23. Januar 2017 um 20:00 Uhr

    @#62 Arnold Voss: Das würde – neben der unverkennbar narzißtischen Ader – auch Trumps sehr mimosenhafte Reaktion auf die Vergleiche mit den Zuschauerzahlen bei Inaugurationen anderer Präsidenten – insbesondere die seines direkten Vorgängers – erklären. Wer seine bellenden Hunde (also Pressesprecher und diese "Gouvernante") derart kopflos auf die Medien loslässt, hat ein echtes Problem mit dem empfundenen Zuspruch in der Bevölkerung und vor allem in der eigenen Wählerschaft.

  64. #64 | Helmut Junge sagt am 23. Januar 2017 um 21:58 Uhr

    Arnold, das kann sein, denn jetzt steht er allein im Zentrum, und diese schreckliche Frau Clinton führt ihm keine Wähler mehr zu.

  65. #65 | abraxasrgb sagt am 23. Januar 2017 um 23:59 Uhr

    @ Helmut Junge
    Ehrlich gesagt ist Trump (für mich) nicht der Untergang des Abendlandes. Du weisst, ich bin kein Apokalyptiker 😉
    Die kluge Meinung zum Thema eines wesentlich kompetenteren Menschen:
    http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=19798
    Die bipolare Einordnung Keynes versus Hayek ist wirtschaftswissenschaftlich ebenso unsinnig, wie die strukturell ähnliche Dichotomie in "links" und "rechts". Sie dient nicht der Erkenntnis, sondern ist der rhetorisch plumpe Versuch diese zu vermeiden.
    Ich stimme Dir in dem Punkt zu, dass uns der Donaldismus, den ich bislang für ein Epiphänomen des Disney-Imperiums hielt, in der Zukunft noch manche Erkenntnis bereiten wird 😉
    In diesem Sinne werden wir noch eine Menge lernen können und müssen.

  66. #66 | Walter Stach sagt am 24. Januar 2017 um 10:31 Uhr

    -65-
    1.
    Untergang des Abendlandes?
    Was nicht existiert, kann nicht untergehen.

    Unterstellt, in vielen Ländern der sog.westlichen Welt seien noch "Werte" das Fundament der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung, die man "christlich-abendländisch" nennen könnte, sind diese offenkundig der Gedankenwelt Trumps völlig fremd ; er kann folglich auch nicht gegen sie sein.

    2.
    Und ja, der Trumpismus (der "Donaldismus") wird zu neuen Erkenntnisse führen. Zu welchen und mit welchen Konsequenzen -weltweit, in den USA, in Europa? Das weiß derzeit niemand. Deshalb
    ……sh. 57 -" alle denkbaren Szenarien zu erfassen versuchen; für jedes Szenario Handlungsoptionen erabeiten….; das geschieht derzeit weltweit, vor allem in den Themenfeldern Wirtschaft, Verteidigung.

    3.
    "Szenarien" – Handlungsoptionen…….
    In diesem Sinne hat die australische Regierung sehr schnell reagiert, indem sie auf den Trump-Erlass zum Ausstieg der USA aus dem TPP -Abkommen mit der Idee antwortet, auf jeden Fall auch ohne die USA an dem Abkommen festzuhalten und zu versuchen, China anstelle der USA als (führenden)Vertragspartner zu positionieren.
    Ich denke, dieses Beispiel läßt erkennen, daß die "Welt" nicht all das hinnehmen wird, was ihr mittels "Kampfansage" von Trump verkündet wird . "Gut so"!

    2.
    Gibt es so etwas wie eine "trumpistische Wirtschaftspolitik"?
    Ich kann derzeit nicht erkennen, daß Trump sich von irgend einer "wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinung" leiten läßt. Ich kann nicht einmal erkennnen, ob er grundsätzlich in Bereich der Wirtschaft "mehr Staat oder weniger Staat" will . Ich kann auch im konkreten noch nicht klar erkennen, ob und inwieweit er bereit sein wird, wieder wie während der Reagen-Ära riesige Haushaltsdefizite in Kauf zu nehmen -weniger Steuern, mehr Staatsausgaben- und inwieweit er bereit ist, die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung der USA "grenzenlos" weiter zu erhöhen, um u.a. dadurch Arbeitsplätze zu sichern bzw. neue zu schaffen.
    Insofern lernt man derzeit tagtäglich sehr viel darüber, wie man sich in einer Zeit größter Verunsicherung politisch-wirtschaftlich verhalten kann, verhalten sollte, verhalten müßte und man wird dank Trump, sich auf Szenarien vorzubereiten haben, die seit Ende des II.Weltkrieges und seit dem Zusammenbruch des sog.Ostblockes undenkbar erschienen.
    Unbestritten ist das , Trump alles tun wird, um auch in der Wirtschaftspolitik seiner Maxime gerecht werden zu können: "Die USA zuerst".
    3.
    Da offenkundig weltweit niemand über "gesicherte Erkenntnis" darüber verfügt, wie Trump im einzelnen sein grundsätzliches Ziel "zuerst die USA" auch in seiner Wirtschaftspolitik zu erreichen versuchen wird,, ist aktuell weltweit in der Wirtschaft (und in der Politik) eine große Verunsicherung zu registrieren, die z.B. dazu führt, daß weltweit konkret anstehende Großinvestitionen, soweit rechtlich möglich, "auf Eis gelegt werden" -auch durch deutsche Unternehmen.
    Für Wirtschaft und Politik eine extrem schwierige Situation!

    4.
    Zu den vielen lesenswerten Beiträge zum Thema " Trumpismus und Wirtschaft" gehört für mich das SPIEGEL-Interview mit dem Stanford-Ökonomen Nicholas Bloome "Bedrohte Weltwirtschaft" -sh. auch bei Spiegel-Online.

  67. #67 | Gerd sagt am 24. Januar 2017 um 11:39 Uhr

    Nicht alle Zeitungen machen bei der anti Trump Hysterie mit:

    "Ausgerechnet die taz, die dem Trump-Fankult gänzlich unverdächtig ist, fasste gut zusammen, was nun das Gebot der Stunde unter Demokraten sein sollte: An der Seite Donald Trumps zu stehen."

    http://www.taz.de/Kolumne-Macht/!5373481/

  68. #68 | Arnold Voss sagt am 24. Januar 2017 um 12:26 Uhr

    Gerd, Niemand hier will Trump seine Präsidentschaft aberkennen. Selbst wenn er sie erputscht hätte könnte das auch keiner, mit Ausnahme der Amerikaner selbst. Im übrigen geht Trump sowieso ziemlich am Arsch vorbei, was deutsche Medien und deutsche Politiker über ihn sagen.

    Es geht einzig und allein darum sich auf ihn und seine Politik ein oder besser umzustellen. Dazu sind Einschätzungen seiner Person und seiner bisherigen Aussagen unumgänglich. Im übrigen haben andere genauso das Recht Trump für ein Arschloch, Faschisten, Idioten usw. zu halten wie umgekehrt er selbst nicht zimperlich mit der Eisnchätzung seiner Partner/Gegner umgeht.

    Das letzte was dieser Mann braucht ist Beistand, Rücksicht oder Verständnis. Erinnern sie sich noch, wie er einen Aufstand angekündigt hat, wenn er die Wahl verliert? Oder dass er das Ergebnis dann sowieso für falsch bzw. gefälscht erklären würde? Ihnen und vielen anderen hier scheint immer noch nicht klar zu sein, mit wem sie es zu tun haben. Dieser Mann scheißt notfalls auch auf die Demokratie. Und das nicht weil er ein ausgewiesener Faschist ist, sondern weil er einfach nur so ist wie er ist.

  69. #69 | Arnold Voss sagt am 24. Januar 2017 um 13:00 Uhr

    @ abraxasrgb # 65

    Danke für den Link. Vieles richtig, aber eines ist bei allen Marktapologeten schon im Kern falsch. Sie denken den Markt nie mit dem Wettbewerb zusammen. Das eine gibt es aber nicht ohne das andere. Das wiederum führt zu einem im Wechselspiel von Markt und freiem Wettbewerb liegenden Problem das sie einfach ausblenden: Die immer wieder stattfindende systematische Veränderung bzw. Aussetzung des Regeln/Voraussetzungen des freien Marktes durch einzelne Markteilnehmer/Wettbewerber.

    Dieser Art von kollektiven Kontrollverlust ist eben nicht die, die individuelle Freiheit unausweichlich und positiv mit sich bringt. Oligopole und dazu gehörige Oligarchien haben eben nichts mit individueller Freiheit der Marktteilnehmer sondern mit dem Eindringen der Politik in den Markt zu tun und das ganz ohne Politiker. Der Markt wird vom Wettberwerbs- zum Machtfeld, das dann auch häufig mit dem politischen System als solchem verknüpft ist.

    Märkte brauchen staatliche Wettbewerbshüter. Sonst funktionieren sie auf Dauer nicht. Wettbewerb und Markt sind deswegen auf der einen Seite eine sinnvolle Form von kollektivem Kontrollverlust, der aber wiederum nur über die Wettbewerbskontrolle überhaupt zum sinnvollen Kontrollverlust wird. Haben aber Menschen zu Recht den Eindruck, dass es Wettbewerber gibt, die sich nicht an die Spielregeln halten brauchen, dann wünschen sie sich wieder mehr Kontrolle, und das hat weder mit linken noch mit rechtem Populismus zu tun, sondern mit schlichtem Marktversagen.

    Wer übrigens Trumps Immobiliengeschäfte in New York näher kennt, der weiß dass er sich als Wettbewerber fast immer bemüht hat, die Marktspielregeln zu seinem eigenen Nutzen außer Kraft zu setzen, bzw. sie durch schlichten Betrug oder durch Deals mit der Stadtpolitikern zu unterlaufen. Das kann man sehr wohl als unternehmerisches Geschick bezeichen, aber das macht ihn eben nicht zu dem Marktradikalen, als der er jetzt von Marktfans verkauft wird.

  70. #70 | abraxasrgb sagt am 24. Januar 2017 um 16:26 Uhr

    # 69 Arnold, dann nehme ich mal wieder Hartmut Kliemt als Quelle, da er schon oben zitiert wurde:
    Markt, Macht und De-Regulierung
    http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=132
    Ich halte Donald nicht für einen Liberalen, weder politisch noch ökonomisch. Er ist ein (einfacher) Machtmensch. Diese Macht hat er nun, was er daraus macht, werden wir sehen und ggfls. bewerten.
    Aus dem weltpolitischen Beifahrersitz betrachtet ist ja derzeit noch nicht einmal das Fahrtziel bekannt, geschweige denn der Weg dorthin. Ob Donald sich an die StVO hält, oder ob er überhaupt einen Führerschein(sic!) hat, würde ich derzeit auch bezweifeln. Aber er hat sich schon einmal die Pole-Position gesichert.

  71. #71 | Arnold Voss sagt am 24. Januar 2017 um 16:32 Uhr

    Wunderschöne Allegorie mit dem Führerschein, der Pole Position und der STVO. Chapeau.

  72. #72 | Walter Stach sagt am 24. Januar 2017 um 17:18 Uhr

    ""Was unter George W. Busch begann und unter Obama fortschritt, wird auch unter Trump nicht aufhören: der Zerfall einer Gesellschaft, die nicht mehr die Kraft besitzt, sich in großen Fragen der Zeit zu verständigen."

    Das ist der Schlußsatz in einem Artikel von Holger Stark, der in den vergangenen 4 Jahren in den USA gelebt hat -sh. DER SPIEGEL 4/2o17 S. 87 "Größenwahn und Kleingeist".

    Darüber nachzudenken, erscheint mir nicht nur der Zukunft von Gesellschaft und Staat der USA wegen naheliegend, sondern auch mit Blick auf gesellschaftliche/staatliche Zustände in Europa, Deutschland eingeschlossen und auf deren mögliche Entwicklungen.

    Trump, das dürfte unstrittig sein, ist nicht die Ursache, sondern die Folge des von Holger Stark beschriebenen Zustandes. Auf mich frustierend wirkt die Feststellung von Holger Stark, daß der Zerfall der US-Gesellschaft unaufhaltsam weitergehen wird, auch unter Trump. Ich gehe davon aus, daß das mit noch höherem Tempo als bisher geschehen wird.
    Und dann? Auswirkungen weltweit? Auswirkungen auch auf Deutschland?
    Steckt Deutschland -steckt ganz Westeuropa–hausgemacht-bereits in einem vergleichbaren Prozess des Zerfalles der Gesellschaft, die auch "hierzulande" nicht mehr in der Lage zu sein scheint, sich in den großen Fragen unserer Zeit zu verständigen -auf der Grundlage "hergebrachter demokratischer Tugenden" , im Rahmen der in der Verfassung verankerten Prinzipien und unter Achtung "kommunikativer Regeln ",, die bis vor einigen Jahren in der Gesamtgesellschaft akzeptiert wurden -Offener Meinungsaustausch statt Pöbeleien aus der Anonymität? Respekt gegenüber jedermann? Begründungen statt Behauptungen? Und, und, und….

    Könnte nicht die Wahl Trumps dazu führen, daß sich die "aufgeschreckten, aufgeweckten" Gesellschaften der sog. westlichen Welt, namentlich die der USA, jetzt endlich aufraffen, um letztendlich doch noch erfolgreich ihren weiteren Zerfall nicht nur aufzuhalten, sondern so zu ihren Idealen zurückfinden, um auf sie fußend die Kraft zu finden, sich in den großen Fragen der Zeit zu verständigen? Z.B. wenn es um eine spürbare Reduzierung des eklatanten Mißverhältnisses zwischen "arm und reich geht, wenn es um die reale Chancengleichheit für alle Menschen geht? Wenn es darum geht, in der digitalisierten und von Robotern dominierten Arbeitswelt den Menschen anstelle herkömmlicher Beschäftigung " akzeptablen Ersatz" zu ermöglichen? Wenn es darum geht, Regelungen zu finden, die den weltweiten Machtmißbrauch einiger weniger Hedge-Fonds, einiger weniger Großbanken, einiger weniger Multimillaräre eindämmen? Oder wenn es darum geht, in der Gesellschaft (in den Gesellschaften) sich in Sachen Terrorbekämpfung,, Geflüchtete, Klimaschutz zu verständigen?

    Ebenso denkbar ist es, daß zukünftig zerfallene Gesellschaften der sog. westlichen Welt sich allesamt auf das einlassen, was ich "Trumpismus" nenne mit der Folge gravierender Gegensätzlichkeiten/Feindschaften/ permanent bürgerkregsähnlicher Situationen in ihrem Innern und Gewaltaktionen (Kriege) ihrerseit nach Außen und das dann im Wettstreit mit autoritären Systemen, und das heißt vor allem im Wettstreit mit China (Russland…….).
    Spannende Zeiten!
    Gut zu wissen, gut zu spüren, gut in der bzw. für die Wahrnehmung, daß das Alltagsleben trotz allem seinen gewohnten Gang nimmt, das über den BVB, über S04 hier im Revier mehr und heftiger diskutiert wird als über Trump bzw. den von mir sog. Trumpismus, das ich registrieren kann, daß die "Nichtkandidatur von S.Gabriel für das Kanzleramt und das diesbezügliche Drumherum aktuell die Menschen mehr umzutreiben scheint und zu kontroversen Diskussionen animiert als Trump und er "Trumpismus".

  73. #73 | Helmut Junge sagt am 25. Januar 2017 um 14:59 Uhr

    @abraxasrgb (65), Danke für Deine Antwort und den Link.
    Ich bin wieder zurück im Land, nach 12 Tagen Urlaub, dicht am drittgrößten Inselvulkan des Planeten. Aber leider bin ich nach solchen Exkursionen immer zu müde um schwierige Themen zu behandeln. Das hole ich später nach. Gelegenheit dazu wird es sicher noch geben. Darin sind wir uns ja immerhin einig. Aber immerhin ist mir noch eingefallen, daß "bipolar" im Falle von Wirtschaftstheorien die Gegenüberstellung von Planwirtschaft und völlig ungeregelter Marktwirtschaft wären. In dem Spektrum liegen sowohl Keynes als auch Hayek eher unauffällig in der Mitte.

  74. #74 | Helmut Junge sagt am 26. Januar 2017 um 19:17 Uhr

    Nachdem Trump innerhalb eines einzigen Tages dem mexikanischen Präsidenten empfohlen hat, besser nicht zu einem Treffen mit ihm zu kommen, was dieser dann auch vorzieht, sich mit Putin wegen Syrien anzulegen, was er ürsprünglich nicht wollte, und die vier Spitzenbeamten im US-Außenministerium so zu vergraulen, daß die ihren Job hinschmeißen, aber dies alles mit dem Siegerposengesicht eines Wrestlers tut, glaube ich nicht mehr, daß er ein erfolgreicher amerikanischer Präsident werden kann. Bis gestern hatte ich das noch für möglich gehalten. Nur sind das solcherart Fehler, die nur schwer zu kitten sind. Und selbst wenn, er beginnt dann erst einmal mit dem Kitten. Schnell und aktiv ist er, aber Erfolge sehen anders aus. Was die Wirtschaftspolitik betrifft, denke ich jetzt, daß er einen Mix aus allen theoretischen Feldern so zusammenfassen will, wie es ihm gefällt. Aus "Freien Marktwirtschaft" nimmt er dies Element und aus der "Betriebswirtslehre" das. Immer wie es ihm gefällt. Darum ist es auch so widersprüchlich. Er ist einfach nur ein Trump. Meine Güte! Armes Amerika.

  75. #75 | Walter Stach sagt am 26. Januar 2017 um 20:57 Uhr

    Zur "Widersprüchlichkeit":
    U.a.
    1.
    Trump hat im Wahlkampf H.Clinton eine übergroße Nähe (Abkhängigkeit) von Goldmann-Sachs vorgeworfen.
    Jetzt bestellt er zu wichtigen Beratern/Mitarbeitern Persönlichkeiten, die in Führungsfunktionen bei Goldmann – Sachs beschäftigt waren.
    (Zuletzt Garry Cohen, der zum Abschied von seiner Bank mit einem "Gesamtpaket" in Höhe von rd. 285 Millionen Dollar beschenkt wurde, was ihn vermutlich nicht animieren wird, sich im Streitfall gegen die Interessen seiner Bank zu positionieren; Gegenteiliges zu mutmaßen liegt nahe.

    U.a.
    2.
    Heute lese ich, daß Trump sich jetzt gegen Putin positoniert, und zwar konkret in Sachen Flugverbotszone in Syrien.

    Im Wahlkampf, als Clinton dieses gefordert hat -wider die Position von Obama- hat Trump dazu sinngemäß gesagt; "Der Syrien-Konflikt wird sich zu einem weiteren Weltkrieg führen, wenn wir H.Clinton folgen."

    Dass solche Widersprüchlichkeiten im Denken und Handeln eines US-Präsidenten gefährlich sind für das Miteinander der Völker und Staaten dieser Welt, ist das Eine.
    Das Andere und für mich völlig unbegreiflich ist , daß das für die Trump-Anhänger in den USA -und für die Trump:Fans hierzulande-, wenn sie diese Widersprüchlichkeiten überhaupt registrieren, ch unwichtige Nebensächlichkeiten zu sein scheinen .

    Ja, Helmut Junge, in diesem Sinne;
    "Meine Güte" Trump, "meine Güte USA, aber auch "meine Güte" gegenüber allen Trump-Fans in Europa, in Deutschland.

    PS
    Nun hat er nach wenigen Tagen im Amt er dank seines "diplomatischen Geschickes" ein erstes großes außenpolitische Problem produziert, und zwar im im Verhältnis, im Verhalten der USA zu Mexiko. Unabhängig von allem, was dazu aktuell zu lesenden und zu hörend ist in Kommentaren in den USA und im "Rest der Welt" ,frage ich mich, ob und ggfls. wie und wann sich China oder/und Russland sich um das von den USA "erniedrigt fühlende", das sich wirtschaftlich von den USA erpresst fühlende Mexiko kümmern werden mit der Folge, daß……….???
    "Die Kuba-Krise läßt grüßen".

    Ein irrer Präsident oder "nur" ein sich oftmals irrender und häufig sich widersprechender oder was ist er, dieser 45.Präsident?
    In 4 Jahren werden wir es wissen? Ja, vermutlich. Offen bleibt, was wir dann wissen werden.

  76. #76 | Helmut Junge sagt am 27. Januar 2017 um 10:28 Uhr

    @Walter Stach, wir haben unterschiedliche Filter, durch die wir die Welt wahrnehmen. Im Fall Trump interessieren mich seine innenpolitischen Ansichten sehr viel weniger als seine außenpolitischen. Dazu gehören natürlich gerade seine Außen-und Wirtschaftspolitik. Und da läuft sein Starker Mann- Auftritt schlicht und einfach suboptimal.
    Er verhält sich so, als wären die USA auf allen Gebieten so stark, daß sie allen anderen Staaten auf dem Globus diktieren könnten, wie sie sich verhalten sollen.
    Wenn er und seine anhänger aus diesem Traum aufwachen, werden sie viele Scherbenhaufen vorfinden. Das ist es was ich sagen wollte.
    Eine moralische Wertung werde ich nicht abgeben, weil es so etwas m.E. in der Außenpolitik gar nicht gibt, bzw. die Analyse vernebelt.
    Unter diesem Blickwinkel bin ich jederzeit fähig meine Meinung über die Politik Trumps neu zu bewerten, zu formulieren. Es gibt aber einen Aspekt sowohl an Clintons wie auch an Trumps Mimik und Gestik, der mich regelrecht anekelt. Und das ist die extreme Übertreibung. Offenbar sind große Teile der amerikanischen Bevölkerung schon so abgestumpft, daß sie das Lächeln der Mona Lisa nur als solches wahrnehmen, wenn deren Mundwinkel bis an die Ohren gezeichnet werden, und die Wahlkämpfer bzw. der jetzige Präsident sich Mühe geben, diese Leute zu erreichen. So übertrieben läuft das beim Wrestling ab und das findet zunehmende Besucherzahlen.
    Diesen Ekel versuche ich auszublenden, wenn ich über amerikanische Politik nachdenke, weil das zu falschen Bewertungen führen könnte.

  77. #77 | Walter Stach sagt am 27. Januar 2017 um 13:51 Uhr

    Helmut Junge,
    1,
    das mit den Filtern mag so sein.

    2.
    Mich interessiert die Gesamtpolitik von Trump, dh. gleichermaßen und gleichgewichtig seine Innen- und seine Außenpoltik, da für mich beide, wenn es um Substantielles geht, zusammen gehören, meinetwegen auch als die zwei Seiten einer Medaille gesehen werden können.
    Das zeigt sich aktuell am Beispiel seiner Mexiko-Politik, wo er anscheinend aus innenpolitischen Gründen -keine weiteren illegalen Einwanderer aus Mexiko- Entscheidungen trifft, die nicht nur das Verhältnis zu Mexiko erheblich beeinflussen, sondern die darüber hinaus außenpolitische Wirkung haben werden – ua. gegenüber den übrigen mittelamerikanisch Staaten, gegenüber den Staaten Südamerikas, gegenüber Kanda und die außenpolitisch u.a. auch für China und Russland äußerst interessant und bedeutsam sind -sh.-75- unter PS-.

    3.
    Helmut Junge,
    "eine moralische Wertung werde ich…."

    Außenpolitik eines Staates muß immer primär auf die Wahrung der Interessen des jeweiligen Staates ausgerichtet sein -ansonsten wäre sie keine staatliche Außenpolitik.
    Habe ich jemals den Eindruck erweckt, Gegenteiliges zu wollen oder zu wünschen? Ich erinnere z.B. an meine Beiträge zum gesamten sog. Nah-Ostkonflikt, in denen ich immer wieder in Frage gestellt habe, ob das, was z.B. von den Kritikern an der US-Außenpolitik Obamas oder von den Kritikern an der Außenpolitik der Bundesregierung vorgebracht wurde, nicht vornehmlich moralisch-ethischen Erwägungen geschuldet sei und nicht, nicht hinreichend berücksichtigt, daß es in der Außenpolitik primär um Interessen geht, um die der USA, um die der Bundesrepublik.
    Insofern sind wir in Sachen "moralische Wertung/Nichtwertung" staatlicher Außenpolitik einer Meinung. Oder verstehe ich hier etwas falsch?

    4.
    Dass der sog. Wahlkampf in den USA im allgemeinen, dass das Showbusiness von Clinton und Trump bzw. um diesen Beiden Show-Stars auf die meisten Nicht- US-Bürgern fremdartig wirkt, daß viele Menschen in Europa in Deutschland einen solchen Wahlkampf nicht wollen, gilt auch für mich.
    H.Clinton fand ich nicht autentisch; sie war m.E. zur sehr bemüht, etwas darzustellen und nicht zu zeigen, wer sie ist und was sie ist.
    Und Trump……….
    Dass man mit Clounerien, mit dreister alltäglicher Lügerei als Strategie (!!) ( nicht als gelegentlich Fehlleistung), mit einer für mich unvorstellbaren Demonstrationen von Reichtum, dass man als Narzisst und mit demonstriertem Sexismus begeisterter Anhänger hinter sich scharen kann und von beinahe 5o% der abgegebenen Stimmen der US-Bürger gewinnen kann, ekel mich zwar nicht an, aber stimmt mich sehr, sehr nachdenklich -auch mit Blick auf ein mögliches Wähler-Verhalten in Deutschland, wenn hier einer/eine den " Trump machen würde".
    Ich will hier auf keinen Fall die Dispute zwischen den Trump-Fans und den Trump-Gegner aufgreifen und "verlängern". Dazu haben wir uns hier hinlänglich bei den Ruhrbaronen ausgetauscht.

    Angemerkt:
    Ich fand und ich finde weiterhin diesen Typen Trump widerlich. Nur das ändert nichts daran, daß dieser Typ der 45.Präsident der USA ist, auf den und auf dessen Politik "man" sich einlassen muß -in den USA, weltweit, auch in Deutschland, auch bei den Ruhrbaronen. Dass gilt ja bekanntermaßen "in unserer kleinen Welt" gleichermaßen für so manchen "Kotzbrocken" und für das, was dieser sagt und macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung