Ungemach: Ist Kritik am Youtuber „Unge“ Urheberrechtsverletzung?

Von Unge gesperrte Videos mit Kritik
Von Unge gesperrte Videos mit Kritik. Quelle: Youtube

Videos mit Kritik an dem skandalträchtigen Youtuber Simon „Unge“ Wiefels wurden kürzlich auf Youtube von dem Unternehmen ContentView GmbH gesperrt. Wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzung. Wiefels, der sich missverstanden fühlt, spricht von einer Hexenjagd der Kritiker auf ihn. Was ist da los?

Vor zwei Wochen lud Wiefels ein Video namens „Milch ist GIFT!“ auf seinem Youtube-Kanal hoch. In diesem Video spricht er unter anderem von einer Verschwörung der „Milch-Lobby“, die ihre „Milch-Propaganda“ unter die Leute bringe. Und das obwohl Milch bekanntermaßen ein Gesundheitsrisiko sei. Die Reaktionen waren überwiegend negativ, vielfach spöttisch, der Hashtag #milchistgift tauchte auf Twitter auf. Kritik kam unter anderem auch vom bekannten Youtuber „LeFloid“, der Wiefels in einem Video vorwarf einseitig aus Studien zu zitieren, die seine Vorwürfe eigentlich nicht bestätigen und Meinungen als Tatsachen zu verkaufen. „LeFloid“ nannte Wiefels, der sich vegan ernährt und auf seinem Kanal auch Werbung für eine vegane Lebensweise macht, außerdem einen „Veganazi“. In einem inzwischen gelöschten Video auf seinem Kanal empörte sich Wiefels über diese Bezeichnung und verglich Massentierhaltung mit dem Holocaust, Vice berichtete.

Kurz darauf folgten auf Wiefels Kanals die Videos „Öl ist Gift“ und „Nebel ist Gift“. Beide mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, in der Kontroverse um „Milch ist Gift“ und Holocaust-Vergleich mit einem guten alten „Es war doch alles nur Satire!“ zurückzurudern. Andere Youtuber wie „Tanzverbot“, „HerrNewstime“, aber auch der Ruhrbaron, Psychologe und Experte für Verschwörungstheorien Sebastian Bartoschek auf seinem Youtube-Kanal „Der BartoKanal“, hatten Wiefels jedoch zwischenzeitlich in eigenen Videos für seine verschwörungstheoretischen Inhalte kritisiert. Nicht viel später löschte Simon „Unge“ Wiefels seine Videos mit dem Holocaust-Vergleich, „Öl ist Gift“ und „Nebel ist Gift“. Kurz darauf wurden die Videos seiner Kritiker gesperrt. Sie enthielten Ausschnitte aus Wiefels Videos als Zitat und wurden von der mit Wiefels zusammenarbeitenden Firma ContentView GmbH als vermeintliche Urheberrechtsverletzungen beansprucht. Ein Versuch, seine Kritiker mundtot zu machen und die peinlichen Szenen aus dem Netz zu bekommen?

Alles halb so wild – meint Unge

Alles halb so wild erklärt Wiefels auf Twitter. Das Verfahren laufe automatisch ab und beträfe nur Videos, die zu einem großen Teil mit seinen Videos identisch seien. Er versprach unrechtmäßig gesperrte Videos wieder freizuschalten. Dass dies auf die betroffenen Videos der Kritiker nicht zutrifft, lässt er hingegen unkommentiert. Wiefels Partner ContentView GmbH, der die Sperrung für den Youtuber vorgenommen hat, erklärte auf Anfrage, dass eine ungerechtfertigte Sperre, wie sie in diesem Fall vorliegt, kaum vorkomme und solche Fälle die Ausnahme auf der Nachkommastelle seien.

Ein sehr unwahrscheinlicher Zufall im Sinne Wiefels also? Dass Wiefels häufig selbst Videos hochlädt, in denen er nichts anderes tut als Videos anderer Youtuber zu zeigen und diese zu kommentieren, macht die Sache zusätzlich pikant. Obwohl also das Zitat bzw. die kreative Nutzung der Inhalte anderer ein integraler Bestandteil seines eigenen Geschäftsmodells ist, scheint Simon „Unge“ Wiefels vollkommen unkritisch auf dieses dem deutschen Zitatrecht zuwiderlaufende Verfahren zurückzugreifen, wenn es ihm nützlich erscheint.

Zwischenzeitlich wurde ein Teil, nicht jedoch wie versprochen alle der gesperrten Kritiker-Videos wieder freigeschaltet. Wiefels hielt dies jedoch nicht davon ab, ein weiteres Video hochzuladen. In diesem warf er seinen Kritikern und Journalisten vor, Hetze zu betreiben und eine Hexenjagd gegen ihn durchzuführen. Sein Video endet mit den Worten „Dann geht’s jetzt richtig los! Jetzt sind die Spiele eröffnet!“. Eine schriftliche Anfrage an sein Management blieb jedoch bis dato unbeantwortet.

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Gerd
Gerd
6 Jahre zuvor

Gähn! Schon wieder einer der üblichen Versuche Kritiker mit falschen Vorwürfen mundtot zu machen. Mal ist es Hetze wenn man Hetze kritisiert, hier muss das Copyright herhalten.

noch'n Flo
noch'n Flo
6 Jahre zuvor

"Jetzt sind die Spiele eröffnet!"

Nö, die sind lange vorbei, Wiefel schnallt das nur nicht. Aber dafür fehlt es bei ihm ja bereits an Elementarem. Was mich bei Veganern allerdings schon lange nicht mehr wundert.

Zerrt das verpeilte Jüngelchen doch bitte mal vor Gericht, damit er lernt, was Verantwortung ist.

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
6 Jahre zuvor

@#1: Nicht Jeder, der den ganzen Tag lang dummes Zeuch absondert, ist ein "Kritiker".

Gerd
Gerd
6 Jahre zuvor

Textverständnis von null bis nix. PMW muss man nicht kennen, aber Tobias Huch sollte man. Zumal der hier schon mehrfach Thema war. Wegen solcher ungerechtfertigter Sperren seines FB oder YouTube Accounts aufgrund falscher Vorwürfe von den Extremisten, die er zu Recht kritisiert.

Kommt davon dass das Beschwerdewesen automatisiert ist und das Zensurgesetz hat es noch verschlimmert.

Philipp
Philipp
6 Jahre zuvor

Tja, recht haben und recht bekommen sind eben gerade bei einem privaten Unternehmen wie Youtube respektive Google zwei paar Schuhe.

Ich denke dass das so genannte "Kalkofe-Urteil" hier auch Anwendung finden könnte das verkürzt in etwa sagt dass wenn man sich kritisch bzw. satirisch mit einem (dort Fernseh-)Beitrag auseinandersetzt darf man Originalmaterial verwenden. Youtube hat hier aber auch immer noch das "Hausrecht" und wenn denen das nicht passt müssen sie es nicht zulassen. Ich kenne einige Youtuber die deswegen immer wieder Probleme haben.

Grüße aus Dresden

Philipp

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