
Mitunter scheinen Leute ihre eigenen Veranstaltungen unangenehm zu sein oder sie wissen, dass es Kritik geben wird. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, warum folgende Veranstaltuntg nur in einem Newsletter angekündigt wurde, es Online keine Ankündigung gab und es einer Voranmeldung bedarf, denn sonst könnte ja Leute kommen, die widersprechen oder Kritik äußern, was eine Einschränkung der Meinungsfreiheit oder so wäre. Doch der Reihe nach:
Am 25. Juni findet an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Veranstaltung „Screening & Gespräch mit Michele Aaron zu Filmen aus den britischen Encampments“ statt. Organisiert wird sie im Umfeld des Filmwissenschaftlers Prof. Dr. Marc Siegel und der Gruppe Students for Palestine Mainz. Zu Gast ist die britische Filmwissenschaftlerin Michele Aaron von der University of Warwick, die das Projekt „Cinema and Solidarity“ leitet. Gezeigt werden Kurzfilme aus den britischen Gaza-Encampments, anschließend folgt eine Diskussion. Bereits die offizielle Ankündigung macht deutlich, in welche Richtung die Veranstaltung gehen soll: Die beteiligten Aktivisten werden als Teil eines „Widerstands“ beschrieben, die Filme als „mutige Werke“ gewürdigt und der Gaza-Krieg als „anhaltender Völkermord“ vorausgesetzt. Grund genug also, sich die politischen Hintergründe der Beteiligten etwas genauer anzusehen.
Denn dass es nicht um Differenzierung oder sonstwas geht, sondern wieder Mal das übliche Blabla, dass eben in Milieus, die sich für Intellektuell halten üblich ist, sollte klar sein. Hier sind wirklich Leute am Werk, die sich für Intellektuelle halten und denen man das auch zugestehen muss, doch dazu später mehr.
Schon die Ankündigung ist vielsagend: Gezeigt werden Kurzfilme aus den britischen Gaza-Encampments, anschließend diskutiert man darüber mit der Filmwissenschaftlerin Michele Aaron von der University of Warwick. Wer nun eine kritische Auseinandersetzung mit den Protesten, ihren Forderungen oder den politischen Hintergründen erwartet, wird allerdings bereits in der Ankündigung enttäuscht. Die Filme werden als „mutige Werke“ beworben, die Einblicke in „Aktivismus und interkulturelle Solidarität“ bieten. Die beteiligten Studierenden werden als Teil eines gemeinsamen „Widerstands“ dargestellt und der Gaza-Krieg erscheint nicht als Gegenstand kontroverser Debatten, sondern als „anhaltender Völkermord“, der bereits als feststehende Tatsache vorausgesetzt wird. Diskutiert werden soll also offenbar weniger, ob diese Deutung zutrifft, sondern vielmehr, wie man sie filmisch und politisch am überzeugendsten präsentiert. Gemeinsam mit Students for Palestine Mainz und dem Moderator Marc Siegel entsteht so der Eindruck einer Veranstaltung, deren Ergebnis bereits feststeht, bevor überhaupt die erste Frage aus dem Publikum gestellt wurde.
Schauen wir uns darum mal Herr Prof. Siegel genauer an. Marc Siegel ist keineswegs nur Filmwissenschaftler, sondern bewegt sich seit Jahren in einem internationalen Netzwerk aus Queer-Studies-, postkolonialen und palästinasolidarischen Kulturmilieus. Neben seiner Tätigkeit als Professor in Mainz war er an Projekten und Institutionen wie dem Berlinale-Umfeld, dem Künstlerkollektiv CHEAP und der Akademie der Künste der Welt beteiligt. Politisch auffällig wird dies vor allem durch seine wiederholte Beteiligung an Initiativen, die eine angebliche „Instrumentalisierung des Antisemitismus“ zur Unterdrückung palästinasolidarischer Positionen beklagen. So trat er bei Veranstaltungen von „Queer Cinema for Palestine“ gemeinsam mit Aktivisten und Intellektuellen wie Judith Butler auf, wo über die „Weaponization of Antisemitism by pro-Israel forces“, „Pinkwashing“ und Solidarität mit Palästinensern diskutiert wurde.
Darüber hinaus findet sich Siegels Name wiederholt in Zusammenhängen, die kulturelle Boykotte gegen israelische Institutionen unterstützen oder zumindest verteidigen. Er gehörte zu den Unterzeichnern eines Aufrufs zum Boykott des israelischen LGBT-Filmfestivals TLVFest und taucht seit Jahren in Erklärungen auf, die sich mit BDS, Palästina-Solidarität und Kritik an Israel beschäftigen. Bereits 2014 unterzeichnete er einen offenen Brief zu Gaza und BDS; später engagierte er sich in Initiativen, die behaupten, Palästina-Solidarität werde in Deutschland systematisch zum Schweigen gebracht. Auch seine Verbindung zu etos.media fügt sich in dieses Bild ein. Für Kritiker ergibt sich daraus eine klare politische Stoßrichtung: Siegel erscheint nicht als neutraler Beobachter des Nahostkonflikts, sondern als Teil eines akademisch-kulturellen Milieus, das Israel überwiegend als Macht- und Unterdrückungsakteur betrachtet und regelmäßig den Vorwurf erhebt, der Antisemitismusbegriff werde genutzt, um Kritik an Israel zu delegitimieren.
Auch die Genozid Behauptung findet sich bei ihm, ebenso wie die üblichen Vorwürfe aus der Bubble. Zwar gibt es klare Kriterien für einen Völkermord, die erfüllt sein müssen und selbst der internationale Strafgerichtshof in Den Haag musste verlautbaren, dass es keine Hinweise gibt. Dafür wurde inzwischen einer Klage gegen die Hamas wegen Menschenrechtsverletzungen stattgegeben.
Ebenso bezeichnet er Israels Vorgehen nicht etwa als umstritten oder völkerrechtlich fragwürdig, sondern spricht wiederholt von einem „Genozid“ als feststehender Tatsache. Gleichzeitig wirft er Deutschland vor, diesen angeblichen Völkermord zu unterstützen oder zu ignorieren. Ebenso bezeichnend ist seine Haltung zur Antisemitismusdebatte: Antisemitismusbekämpfer beschreibt er als Teil einer „anti-antisemitism crowd“, der er „Verbitterung, Rassismus und Hass“ vorwirft. Wiederholt behauptet er, Antisemitismus werde instrumentalisiert, um palästinensische Stimmen zu kriminalisieren. Die Muster sind dabei stets dieselben: Israel erscheint als Täter, Palästinenser als Opfer und diejenigen, die auf Antisemitismus hinweisen, werden nicht als Gesprächspartner, sondern als Teil eines politischen Unterdrückungsapparates dargestellt. Wer diese Beiträge liest, gewinnt jedenfalls nicht den Eindruck eines distanzierten Wissenschaftlers, sondern den eines politischen Aktivisten, dessen Positionen lange feststehen, bevor die Diskussion überhaupt beginnt.
Aber sowas interessiert Siegel ganz in der postmodernen Tradition nicht, im Ernstfall werden Definitionen eben der eigenen Projektion angepasst. Stellen sie sich vor ihr Nachbar sagt im Nachbarhaus ist ein Schatz versteckt und sie haben gar keine Nachbarn, dann muss man eben eines bauen und wenn man dann keinen findet war die Suche der Schatz. Ungefähr so die Logik des Milieus, dem er angehört.
Darum spricht er nicht über reale Zustände, sondern über das imaginierte Israel und sogenannte Palästina, nicht über das, was in der Realität faktisch existiert.
In seiner Weltsicht gibt es keinen Rassismus gegenüber Schwarzen in Gaza, denn Nachfahren der Sklaven die arabische Slavenhändler verschleppt haben, keine Vernichtungsabsicht der Hamas, auch keine Zustimmung zum 7.10. in Gaza, die empirisch belegt wurde und wenn dann gibt es wieder eine Umleitung ums Gehirn, warum Israel das Schild ist. So wie so klar so langweilig. Amüsant nur, wenn man einer Denkschule folgt, die angeblich die Komplexität der Welt aufzudecken und zu demonstrieren, während man nur für derart primitive Gut-Böse Erklärungsmuster in der Lage ist, Mehrdeutigkeit oder Uneindeutigkeit und alles was man so am Phrasen verwendet, die erkennt man in der Weltsicht die Herr Siegels Aussagen stecken, nicht. Aber auch das ist typisch für jene, die sich palästinasolidarisch nennen und in Wahrheit Israelhasser sind.
Auch in seinem Facebookprofil wird seine Haltung deutlich, zum Beispiel wenn er voller Lob Fake News des linkspopulistischen Antisemiten Zohan Mamdani, Bürgermeister von New York teilt, die unter anderem hier widerlegt wurden:
😂 This “Nakba Survivor” is literally a “European settler”
In the late 19th century, Muslim Bosnians (including Inea’s grandparents), fled Bosnia to Ottoman Syria, after Austria-Hungary took control of Bosnia.
They feared that now, the Christians will seek revenge after years… https://t.co/16FuHdJgFI pic.twitter.com/4v6UFptwM2
— Josh (@_j0sh_a_) May 16, 2026
Als Gast der Veranstaltung tritt die britische Filmwissenschaftlerin Michele Aaron auf, die das Forschungsprojekt „Cinema and Solidarity“ an der University of Warwick leitet. Das Projekt dokumentiert und begleitet die Gaza-Protestcamps an britischen Universitäten und stellt deren Aktivismus in den Mittelpunkt. Bereits die Veranstaltungsankündigung macht deutlich, dass Aaron hier nicht als neutrale Beobachterin eingeladen wurde: Die gezeigten Filme werden als Ausdruck einer politischen Bewegung gegen einen „anhaltenden Völkermord“ beschrieben und die beteiligten Aktivisten als Träger von „Widerstand“, „Solidarität“ und „mutigen Werken“ gewürdigt. Aaron repräsentiert damit nicht nur eine filmwissenschaftliche Perspektive, sondern auch ein Forschungsprojekt, das sich ausdrücklich mit den palästinasolidarischen Universitätsprotesten identifiziert und deren Anliegen öffentlich sichtbar machen möchte. Gemeinsam mit „Students for Palestine Mainz“ und dem Moderator Marc Siegel entsteht so eine Veranstaltung, deren politischer Rahmen bereits in der Ankündigung klar erkennbar ist. Die üblichen Floskeln von interkultureller Solidarität, jüdischen Kronzeugen usw. dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Und so weiß man dann auch, was auf der Veranstaltung so alles zu erwarten ist, inwieweit auch die Uni Mainz dies für akzeptabel hält in Zeiten Antisemitismus, wäre auch spannend zu erfahren. Doch den Vorwurf des Antisemitismus wird Siegel wie andere von sich weisen, entweder “nur weil man in Israel das was man für böse hält projiziert, ist man kein…” oder bereits auf jüdische Kronzeugen oder was auch immer. Den es sind intellektuelle. So war auch Chomsky ein solcher, was das folgende Zitat von Tom Wolfe beweist: „Das beste Beispiel ist Noam Chomsky. Als Chomsky ein Linguist war und die Sprachwissenschaften neu definierte, galt er nicht als Intellektueller. Erst als er den Krieg in Vietnam analysierte, wurde er zum führenden Intellektuellen Amerikas ernannt. Ein so genannter Intellektueller ist jemand, der sich auf einem Gebiet sehr gut auskennt – und sich zu anderen Gebieten äußert. Chomsky hatte keinen Schimmer von Vietnam.“ Es stammt aus einem Interview, welches Die Zeit, Nr. 29, 22. IX.05, S. 65 erschien.
Inwieweit sich Siegel mit Filmwissenschaft gutauskennt, das vermag man nun nicht beurteilen, da der Autor dieses Artikels nicht als Intellektueller gelten will.
Sollte die Veranstaltung doch noch abgesagt werden, wird Siegel sich bestimmt mit einer unbefristeten Professor in Deutschland für die verfolgte Unschuld halten, so wie es eben allen, die Gegenrede für kränkend halten, dass sie sich nur in wehleidigkeit und phrasen suhlen können. Die genozidale Ansicht des 7.10. leugnen und Täter Opfer Umkehr vertreiben aber Kritik an sich als gewaltvoll empfinden. Früher hat man auch gesagt: Austeilen können aber nicht einstecken können. Aber das klingt natürlich nicht so intellektuell.
Quellen:
- https://film-medien.ftmk.uni-mainz.de/univ-prof-dr-marc-siegel/
- https://www.adkdw.org
- https://queercinemaforpalestine.org
- https://queercinemaforpalestine.org/2021/10/31/berlin-loud-voices-queer-jewish-artists-for-palestine-nov-18/
- https://queercinemaforpalestine.org/signatories/
- https://palestinianjewishacademics.org
- https://krisol-wissenschaft.org/en/facing-the-drift/
- https://www.bundestag.de/resource/blob/1010002/Unaufgeforderte-Stellungnahme-juedischer-AkademikerInnen-und-Studierender.pdf
- https://etosmedia.de/politik/offener-brief-gegen-die-verrohung/
- https://etosmedia.de
- https://www.facebook.com/BDSNationalCommittee/posts/300-filmmakers-have-now-added-their-signatures-to-the-queer-cinema-for-palestine/738096808361346/
- https://en.wikipedia.org/wiki/TLVFest
- https://warwick.ac.uk
- https://archiveofsilence.org
- https://theleftberlin.com/weaponisation-antisemitism-education-germany/
- https://www.bostonreview.net/articles/letter-from-berlin/
- https://mondoweiss.net/2025/01/open-letter-germany-must-stop-supporting-the-annihilation-of-palestinians/
Instagram-Links: