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Uniper Kohle-Kraftwerk ‘Datteln 4’: Protagonisten bringen sich vor Gerichtsentscheid neu in Stellung

Datteln 4 aus der Luft. Archiv-Foto: Wolfgang Porrmann

Erinnert sich hier noch jemand an den jahrelangen Streit rund um das Kohlekraftwerk ‚Datteln 4‘? Nach einigen Monaten in der völligen Versenkung taucht das Thema jetzt urplötzlich wieder auf. Und das aus einem guten Grund, denn am 26. und 27. August wird es vor Gericht wieder spannend.

Entschieden werden soll dann über die noch immer anhängigen Klagen gegen den Bebauungsplan der Stadt Datteln für das seit Jahren umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4.

In einem Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster klagen die Stadt Waltrop, der Umweltverband BUND sowie vier Privatpersonen der für den Protest gegen den Kohlemeiler ins Leben gerufenen IG Meistersiedlung gegen die Stadt Datteln. Und rechtzeitig vor der Entscheidung versuchen beide Parteien aktuell noch einmal kräftig Stimmung für ihre Interessen zu machen.

So bieten zum Beispiel die Westfälischen Nachrichten aus Münster in diesen Tagen dem Energiekonzern Uniper die große Bühne um die Öffentlichkeit von den Vorzügen des eigenen Kohlemeilers zu überzeigen. Da wird dem dortigen Mitarbeiter Reinhard Elfert ohne jedwede kritische Begleitung und Rückfragen die Gelegenheit gebeten, neben schönen Hochglanzbilder rund um das Kraftwerk öffentlich zu verkünden, dass er schwer beeindruckt von dem Kraftwerk sei, in dem er arbeitet. Oh, welch ein Wunder! 😉

Und in der örtlichen Lokalzeitung im Kreis Recklinghausen dürfen sich die beiden langjährigen Kritiker von Datteln 4, Rainer Köster und Frank Thiele, nach Jahren in der medialen Versenkung, plötzlich auch noch einmal ausführlich erklären, dürfen frisch in Erinnerung rufen, wie übel man ihnen in all den Jahren aus ihrer Sicht seitens des Bauherren, Behörden und Politik mitgespielt hat.

Wirklich neu und erhellend sind diese Darstellungen beiderseits nicht. Kein Wunder, denn es gibt nach über 15 Jahren der öffentlichen Diskussionen und des Streits auch nahezu nichts mehr, was nicht schon zig Mal geäußert und debattiert wurde.

Gebracht hat all dies in der Vergangenheit wenig bis nichts. Der Bauherr bzw. Kraftwerksbetreiber, er musste eine jahrelange Verspätung bei der Fertigstellung und Inbetriebnahme in Kauf nehmen, was ihn zusätzlich Millionen von Euros gekostet haben dürfte. Geld, das am Ende wohl, wie so häufig in diesen Fällen, von der Allgemeinheit bzw. den Kunden gestemmt werden muss.

Und die privaten Kläger? Die haben sich im Laufe der Jahre in ihrem Kampf gegen das Kraftwerk wohl nicht nur zu einem guten Stück ihr privates Leben zerstört. Auch finanziell sind sie, wie man hört, dabei längst nicht unbeschadet geblieben.

Als Gewinner fühlen darf sich hier am Ende, außer den engagierten Anwälten vielleicht, niemand. E.On bzw. Nachfolger Uniper wird mit seinem mit aller Macht durchgesetzten Kraftwerksprojekt nicht mehr glücklich. Das steht fest.

Experten sind sich größtenteils einig, dass das Engagement, insbesondere auch vor dem Hintergrund des inzwischen betroffenen Kohleausstiegs (bis 2038), finanziell keine vernünftige Entscheidung gewesen ist. Ähnlich wie auch das nur wenige Kilometer entfernte Trianel Kraftwerk in Lünen, wird Datteln 4 die Investoren nicht glücklich machen. Ob es vor diesem Hintergrund rückblickend wirklich so schlau war das Projekt auf Biegen und Brechen gegen die Widerstände vieler Anwohner durchzusetzen?

Auch seitens der immer kleiner werdenden Gruppe der aktiven Kraftwerkskritiker war der Kampf gegen den Meiler unmittelbar vor der eigenen Haustür keine wirkliche Erfolgsgeschichte. Die Jahre, die mit dem Streit vergangen sind, die unzähligen Stunden beim Kampf für vermeintliche Gerechtigkeit, sie sind unwiederbringlich verloren. Berichtet wurde zudem immer wieder von Beschimpfungen und Drohungen gegen die im Laufe der Zeit wechselnden Wortführer. Ob da der eine oder andere, mit dem Wissen von heute, diese Lebensjahre nicht lieber doch ganz anders verbracht hätte?

Und die Öffentlichkeit, sie hat sich längst ganz anderen Themen zugewandt. Das Kraftwerk an der Stadtgrenze zwischen Waltrop und Datteln, das eh nie die Massen mobilisierte, es taugt lange schon nicht mehr zum großen Aufreger in der Region. Seit Monaten produziert es jetzt bereits Strom, und die Masse der Leute fährt völlig gleichgültig daran vorbei.

Unabhängig vom Ausgang der anstehenden Gerichtsentscheidung in Münster bleiben in dieser Angelegenheit eigentlich nur Verlierer zurück. Das steht schon Wochen vor dem erwarteten Urteil fest.

 

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