Update: Antisemitischer Zwischenfall am Tag der Arbeit in Duisburg

Am

Am Tag der Arbeit 2019 lief die nationalsozialistische Splitterpartei Die Rechte durch Duisburg – die Ruhrbarone haben im Liveticker berichtet.

Am Rande der Gegendemonstration kam es zu einem antisemitischen Zwischenfall. Zu den – anfangs – spärlichen Informationen, konnten die Ruhrbarone nun mit Betroffenen und Zeugen des Vorfalls sprechen. Wir haben die bisherigen Informationen mit den aktuellen in diesem neuen Artikel verarbeitet.

Bei der Abschlusskundgebung des antifaschistischen Jugendbündnisses RiseUp, an der Pauluskirche in Duisburg-Hochfeld, versuchte eine Gruppe arabischstämmiger Jugendlicher, eine Israelflagge runterzureißen und zu bespucken.

Das Rheinische antifaschistische Bündnis gegen Antisemitismus (RABA) war auf dem Kundgebungsplatz vor der Pauluskirche in Duisburg-Hochfeld von einer antisemitischen Attacke betroffen.

Was die Ruhrbarone wissen wollen: Was ist genau vorgefallen an der Pauluskirche?

Ein Junge, ungefähr acht Jahre alt, hat immer wieder an unserem Transparent gezogen. Hat uns anfangs nicht beschimpft, sondern auf unsere Ermahnung, er solle es lassen, einen auf cool und Chef gemacht. Der Angriff – spucken auf die von uns mitgeführte Israelflagge – erfolgte erst, nachdem die Demo losgelaufen war. Danach wurden Selfies vor der bespuckten Fahne gemacht. Diese Aktion wurde von einem Erwachsenen gestreamt. Im Hintergrund. Wir könnten die Sprache nicht identifizieren weil sie sich auf der anderen Straßenseite untereinander unterhalten haben und wir nur Fetzen mitbekommen haben. Mischung aus Deutsch und arabisch oder türkisch.

Die bespuckte Israelflagge; Foto: Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus
Die bespuckte Israelflagge; Foto: Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus

Es gab, im Rahmen der Gegenproteste zum Nazimarsch in Duisburg, auch einen zweiten Vorfeld dieser Art in Hochfeld.

Die Antideutsche Aktion Koblenz war hierbei betroffen:

Die Ruhrbarone haben zum Flaggengate in Hochfeld gefragt: Können wir weitere Informationen zu diesem Vorfall mit der Israelflagge in Duisburg haben?

Thomas (Antideutsche Aktion Koblenz):

Ja klar, es gab bei uns mindestens drei Zwischenfälle. Zuerst an der Strecke der Nazis, da wurden wir von eine Gruppe Antiras angepöbelt. Dann kurz nach dem die Demo startete, war ein kleiner Junge, der schon die ganze Zeit in der Nähe der Demo rum lief, der mir die Fahne von der Stange reißen wollte, dann würden wir vor der Islamischen Gemeinde abfotografiert von Leuten, die uns anpöbelten als wir uns versucht haben gegen dieses fotografieren zur Wehr zu setzen und die Polizei einschalteten. Die nichts tat. Als die Demo weiter ging, gingen wir an den Personen wieder vorbei und sie mindestens einer von ihnen zeigte uns den Mittelfinger. Und dann versammelte sich hinter der Polizei größere Gruppen von Menschen, die während der Demo scheinbar hinter der Polizei herliefen, die uns offensichtlich nicht wohl gesonnen gegenüber standen. Wir wollten nicht riskieren länger zu warten und am Ende noch schwer verletzt werden, also sind wir in den Bahnhof gegangen und sind dann gelaufen, weil der nächste Zug schon innerhalb zwei Minuten fahren sollte.

Die Übergriffe, die stattfanden außer die Pöbelei auf der Kundgebung an der Strecke der Nazis gingen von Ortsansässigen aus. Die wir, genau wie RABA, als Türkisch oder Arabisch stämmig bezeichnen würden. Als wir von der Kundgebung zur Demo gehen wollten, sollte ich laut eines Polizisten die Fahne einrollen, um durch die Fressmeile zu gehen. Er dachte dabei offensichtlich an meinen Selbstschutz. Trotz eingerollter Fahne konnte ich sehen, wie Passanten wahrscheinlich Anwohner an denen wir vorbei gingen auf die Blauweiße Fahne reagierten und sie anstarrten.

Antideutsche Aktion Koblenz: Screenshot vom Posting zum Flaggengate auf der Facebook-Seite.
Antideutsche Aktion Koblenz: Screenshot vom Posting zum Flaggengate auf der Facebook-Seite.

Das Jugendbündnis RiseUp hat sich, nach Bekanntwerden der Vorfälle, am zweiten Mai zu diesen geäußert. Hier die Erklärung im Wortlaut:

Wir haben erst nach unserer Demo über Twitter erfahren, dass es offenbar zu antisemitisch motivierten Attacken auf israelsolidarische Menschen gekommen sein soll. Wir klären gerade ab, was, wo, wie genau passiert ist. Inhaltlich können wir nur wiederholen, was wir schon im Aufruf zur Demo und in den Redebeiträgen gesagt haben: Wir stellen uns gegen jeden Antisemitismus. Soziale Kämpfe müssen wir nicht nur beim Kampf gegen Ausbeutung führen, sondern auch gegen den Antisemitismus.

Bei der nächsten Demo gegen üble Nazis: Vielleicht auch ein Auge auf die anderen üblen Feinde der Freiheit haben.

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Gerd
Gerd
5 Jahre zuvor

Die Worte lese ich, allein der Glaube an ihre Umsetzung fehlt. Ich rechne damit, dass Judenhass, der nicht von biodeutschen Rechtsradikalen kommt, weiterhin ignoriert wird so gut es geht.

Paul Möllers
Paul Möllers
5 Jahre zuvor

@ Gerd – Das glaube ich auch. Leider ist auch ein Teil des vermeintlichen "Rechtsrucks" sicher so zu erklären. Man hat viel zu viele Leute verprellt, die in den letzten Jahren gewarnt haben – so z.B. Lehrer. Auch ich habe meine Erfahrungen gemacht als Lehrer und wurde im Kollegen- oder Freundeskreis schnell zum "Nazi" gestempelt. Dabei habe ich auch feststellen müssen, wie weit in meinem Milieu, dem sogenannten linksliberalen nämlich, doch die antisemitischen Denkmuster verbreitet sind. Stichwort "Apartheidsstaat Israel" u.ä.m.. "Bei der nächsten Demo gegen üble Nazis: Vielleicht auch ein Auge auf die anderen üblen Feinde der Freiheit haben." Späte Einsicht – besser als gar keine?

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