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Wie die scheinbar heile Welt der Schalker in nur fünf Monaten völlig zerbrach

Viel Schatten aktuell auf Schalke. Archiv-Foto: Michael Kamps

Es erscheint inzwischen Ewigkeiten her zu sein. Doch noch im Januar dieses Jahres hegten sie auf Schalke ernsthafte Champions League-Träume.  Nach einem 2:0-Erfolg zum Rückrundenauftakt in der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach war die Welt in Gelsenkirchen und Umgebung noch mehr als in Ordnung.

Ein sympathischer neuer Trainer, ein junger und erfolgreicher Kader, eine neu strukturierte Führungsriege. Ja sogar der sonst ewig in der Diskussion stehende Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies war ungewohnt ruhig und friedlich. Mit 33 Punkten aus 18 Spielen lag Schalke punktgleich mit dem BVB, grüßte von Rang fünf in der Tabelle.

Die Welt der Königsblauen hätte zu Beginn des Jahres kaum schöner sein können. Und das nach einer Saison der totalen Enttäuschung, die nach der Vizemeisterschaft im Jahr zuvor zum Entsetzen aller Beteiligten im Abstiegskampf mündete. Wer hätte einen solchen Erfolg noch im Sommer 2019 ernsthaft für möglich gehalten?

Jetzt, kurz vor Saisonende 2019/20, liegt die Welt der Schalker abermals in Trümmern. Und zwar so richtig, wie es scheint. Alles was bis zum Januar noch gut und richtig erschien, steht nach 15 sieglosen Spielen in der Bundesliga einmal mehr komplett in Frage. Wie kann das sein?

Klar, dass die Schalker in der Hinrunde der Saison mehr als einmal extrem mit dem Glück im Bunde waren ließ sich aus neutraler Sicht selbst in dieser erfolgreichen Phase nicht übersehen. Auch hier im Blog haben wir das angesprochen.

Die Leistungen der Kicker waren auch unter Trainer David Wagner nicht durchweg spitze. Wagners Verdienst war es, dass er den Glauben an den Erfolg zurück nach Gelsenkirchen brachte, der unter Domenico Tedesco am Ende komplett abhandenkam und den auch Jahrhunderttrainer Huub Stevens nicht wieder entfachen konnte.

Dass die Gelsenkirchener jedoch auch in den glücklichsten Tagen der Hinrunde noch nicht wieder die Klasse für höhere Aufgaben hatten, das war selbst Neu-Trainer Wagner klar, der sich stets weigerte einen bestimmten Tabellenplatz als Ziel zu nennen.

Die teils überschwänglichen Träume der Anhängerschaft konnte er nicht bremsen. Einige phantasierten da gleich schon wieder von einem Angriff auf den FC Bayern München, wünschten sich die Rückkehr in die Königsklasse und sahen den Nachbarn aus Dortmund in Kürze distanziert.

Nun, es kam völlig anders, wie wir jetzt wissen. Hätten die Schalker nicht diese unerwarteten 30 Zähler aus der Hinrunde geholt, sie stünden nach bisher nur neun Punkten in der Rückrunde ganz am Tabellenende.

Längst wieder vergangen ist auch der Optimismus im Umfeld. Und das nicht nur, weil die Mannschaft seit Januar nicht mehr gesiegt hat, sondern weil zugleich alles im Umfeld, was man sich neu aufgebaut zu haben glaubte, inzwischen abermals in Trümmern liegt.

Der noch zum Jahreswechsel gefeierte Kader gilt inzwischen in den Augen vieler nur als unterdurchschnittlich, der zunächst gefeierte neue Trainer gibt seit Wochen fast ausschließlich Durchhalteparolen von sich, der Finanzvorstand hat hingeschmissen bzw. wurde gegangen, die einst blendend besetzte Torhüterposition ist für die Zukunft komplett vakant und auch die Rolle von Boss Clemens Tönnies ist in diesen Tagen umstrittener denn je.

Baustellen ohne Ende also auf Schalke. Zudem hat die Corona-Krise die desaströse Finanzlage des Vereins noch einmal verschärft und den Klub an seine Grenzen geführt. Man brauch schon viel Fantasie, um sich hier rasche Besserung auf allen Ebenen zu erhoffen.

Nichts ist geblieben vom Glanz des Jahresanfangs. Vieles deutet darauf hin, dass dem FC Schalke 04 eine extrem schwierige Zukunft ins Haus steht. Und so richtig kann das alles aktuell niemand erklären.

Fußball kann wirklich extrem verrückt sein. Besonders eben auf Schalke!

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3 Kommentare zu “Wie die scheinbar heile Welt der Schalker in nur fünf Monaten völlig zerbrach

  • #1
    Michael Voregger

    Leider ist die Welt der Knappen seit Tönnies, dem Einstieg vom Gazprom und dem Rausschmiss von Rudi Assauer schon lange nicht mehr heile. Der spärliche sportliche Erfolg hat das zumindest für die breite Öffentlichkeit zeitweise verdeckt. Viele Fans in der Nordkurve ertragen das Schauspiel nicht gelebter Solidarität und uneingeschränkter Kommerzialisierung nur noch, wenn sie diese Aspekte beim Stadionbesuch ausblenden. Das gilt auch für mich persönlich. Unsere Gruppe von etwa 20 Fans trifft sich seit vielen Jahren an derselben Stelle in der Kurve und es kommen immer weniger. Wir sind alle Besitzer von einst sehr begehrten Dauerkarten und es wird immer schwieriger jemanden zu finden, der den Platz einnimmt, wenn mensch nicht kann, keine Lust auf die Bolzerei hat oder die Sonne scheint. Selbst ein Rücktritt von Clemens Tönnies wird nicht helfen und der Profi-Fußball scheint nach der ersten Corona-Welle wieder zu der alten Überheblichkeit zurückzukehren.

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