„Der demographische Wandel beginnt jetzt…“
Der demographische Wandel wird für die Städte zur finanziellen Herausforderung. Experten sind sich einig: Die Städte, die sich jetzt nicht auf den Wandel einstellen, werden die Verlierer von morgen sein.
Gelsenkirchen Ückendorf ist ein Problemstadtteil: Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die meisten Häuser haben schon lange keinen neuen Anstrich gesehen, und in den Ladenlokalen an der einstigen Einkaufsstraße liegt Döner-Bude neben Ramschladen neben Döner-Bude. Geht es nach dem Bochumer Immobilienwissenschaftler Prof. Dr. Volker Eichener, lohnt es sich nicht mehr, öffentliches Geld in Stadtteile wie Ückendorf zu investieren: „Wir müssen einsehen, dass durch den demographischen Wandel viele Stadtteile keine Zukunft haben. Geld, das wir in ihren Erhalt reinstecken, ist rausgeworfenes Geld. Wir müssen die Mittel, die wir haben, in die Quartiere mit Perspektive stecken. Den Menschen, die noch in diesen Quartieren leben, müssen wir an anderer Stelle eine bessere Lebensqualität bieten.“
Um die Immobilienbesitzer davon zu überzeugen, ihre Häuser in Stadtteilen ohne Perspektive aufzugeben, fordert Eichener große Teile der Wohnungsbauförderung in eine Abrissprämie umzuwandeln. Auch in Wachstumsregionen wie Düsseldorf soll künftig auf eine Wohnbauförderung verzichtet werden: „Es ist doch Unfug, dass in Düsseldorf mit öffentlichen Mitteln neuer Wohnraum entsteht“, sagt Eichener, „während ein paar Kilometer weiter in Duisburg immer mehr Wohnungen keinen Mieter mehr finden.“
Das ist auch längst in den guten Lagen Duisburgs der Fall. Zum Beispiel in Alt-Rahm. Der Stadtteil im Duisburger Süden liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Düsseldorf entfernt. Ein kleiner Bach mäandert hier neben der Straße. Die Einfamilienhäuser stehen auf großen Grundstücken mit altem Baumbestand. Alt-Rahm gehört zu den besten Wohnlagen des gesamten Ruhrgebiets. Probleme gibt es trotzdem: „Es fällt auch in Alt-Rahm immer schwerer, Käufer für Häuser zu finden“, sagt Jürgen Dressler. Dressler ist Stadtentwicklungsdezernent in Duisburg und ein streitbarer Stadtplaner, der das klare Wort schätzt und dadurch immer wieder aneckt: „Wenn wir selbst im idyllischen Alt-Rahm Probleme haben, wird klar, dass wir in Duisburg und im Ruhrgebiet endlich damit beginnen müssen, uns mit dem Schrumpfen der Städte auseinander zu setzen.“ In Duisburg hat man schon damit angefangen: In Duisburg Bruckhausen werden über 170 Häuser abgerissen. Sie liegen in der Nähe eines Stahlwerks. Die Leerstandsquote ist hoch, und Investitionen lohnen sich nicht mehr. Die Bewohner bekommen neue Wohnungen in anderen Quartieren. Die Auswahl ist groß genug. In den vergangenen 25 Jahren hat Duisburg fast 100.000 Einwohner verloren. Nur noch 492.870 Menschen wohnten Ende 2008 in der Stadt.
Dressler weiß, dass die Menschen vom Abriss ihrer Wohnquartiere nicht begeistert sind. Dass es Widerstand gibt. Und dass man überzeugen muss: „Der Abriss von Quartieren ohne Zukunft ist ohne Alternative. Das betrifft längst nicht nur das Ruhrgebiet. Neben der Emscher-Zone muss auch im Sauerland und im Siegerland längst über solche Maßnahmen diskutiert werden. Die Kommunen müssen die Menschen überzeugen. Das geht nicht ohne Streit, aber wir haben wirtschaftlich keine Alternative. Schrumpfende Städte müssen zurückgebaut werden.“
Das sieht auch Günter Tebbe, bei der Bertelsmann Stiftung für Kommunales Finanzmanagement zuständig, genau so: „Die Städte, die jetzt in den Dialog mit ihren Bürgern treten und nach gemeinsamen Lösungen beim Rückbau der Städte suchen, werden in wenigen Jahren zu den Gewinnern gehören.“
Denn nur, wenn die Städte ganze Quartiere aufgegeben haben, eröffnet sich sie die Chance, sich finanzielle Spielräume zu erhalten. Die werden sie brauchen: „Die Städte müssen mehr in Bildung investieren. Ein Land mit einer schrumpfenden Bevölkerung kann es sich nicht erlauben, dass fast jeder zehnte Schüler die Schule ohne Abschluss verlässt und jeder vierte nicht über den Hauptschulabschluss hinaus kommt.“
Für die Städte wird sich der demographische Wandel verheerend auswirken. Als Tebbe im Mai die Konsequenzen für Dortmund und Unna vor der IHK östliches Ruhrgebiet vortrug, war nach Meinung eines Teilnehmers das Entsetzen in der Runde groß: „Es sieht wirklich düster aus.“
Für das Ruhrgebiet erwartet die Bertelsmann-Stiftung bis 2025 einen Verlust von 400.000 Menschen. Das entspricht der Größe der Stadt Bochum. Doch der Rückgang ist nur ein Teil des demographischen Wandels: Der Anteil der über 80jährigen wird um über 40 Prozent steigen. „Der Zunahme der Älteren und sehr Alten“, sagt Tebbe, „sorgt nicht nur für höhere Kosten bei der Betreuung und Versorgung.“ Eine älter werdende Bevölkerung hat auch weniger Kaufkraft.
Da mutet es verwunderlich an, wenn im Ruhrgebiet nach einer Studie der IHK Niederrhein die Einzelhandelsfläche seit 2001 um 15,9 Prozent gestiegen ist. Ein Trend, der sich fortsetzen wird: In Dortmund steht ein neues Einkaufszentrum kurz vor der Eröffnung, in Bochum und Recklinghausen wird eifrig an neuen Zentren geplant.
Das Gegenteil wäre richtig: „Es geht künftig um Qualität statt Quantität“, sagt Tebbe. Die Städte müssen Quartiere aufgeben um Infrastrukturkosten zu sparen: Schon weniger Abwasserkanäle, weniger Straßen und mehr Kooperation bei der Verwaltung und im Kultur- und Freizeitbereich helfen beispielsweise, Millionen einzusparen. „Aber es geht nicht nur ums Sparen. Die Quartiere, die erhalten bleiben, müssen attraktiver werden.“ Für Jürgen Dressler eine spannende Aufgabe: „Planung für eine Boomstadt kann jeder. So zu planen, dass eine kleiner werdende Stadt am Ende des Prozesses eine bessere Stadt für die Bürger geworden ist, ist eine Herausforderung.“
Der Artikel erschien in ähnlicher Form bereits in der Welt am Sonntag






#51 | Patrizia sagt am 11. Juli 2010 um 16:40
@Arnold Voss
… *räusper* … *räusper* … *räusper* … Sie sollten hübsch auf dem Teppich
bleiben und keine “globalen Luftblasen” ablassen. Der Artikel thematisiert den
demografischen Wandel in Deutschland und dessen Folgen für bestimmte Regionen
in der Bundesrepublik, – ganz ähnlich liegen die Probleme in vielen anderen Ländern
Europas -, und nicht die weltweite Bevölkerungsentwicklung.
Es geht auch nicht um noch zu erwerbendes oder noch zu erarbeitendes Kapital,
welches dann in irgendeinem Immobilienfond angelegt wird, sondern um Vermögen
in Form von Immobilien, welches zumeist über Generationen hinweg, – zumindest trifft dies so auf den ländlichen Raum zu -, erworben wurde und jetzt durch diese
demografische Entwicklung, aufgrund fehlender Nachfrage, einen nie dagewesenen
Vermögensverlust erfährt.
Die “typischen Habenichtse”, welche ständig ihre mangelnde Chancengleichheit
bejammern und ihr Leben lang nach dem “ökonomischen,vermögenstechnischen (?)
Resetknopf” suchen, mögen das begrüssen; für die Volkswirtschaft eines Landes
ist so eine Entwicklung fatal.
Noch etwas zur restriktiven deutschen Einwanderungspolitik … ich meine, ohne es
wirklich zu wissen, dass diese nicht restriktiver ist, als in unserer Schweiz. Das
Problem liegt doch in einer falschen Steuer- und Abgabenpolitik.
Wieso sollte denn “eine potentielle EinwandererIn”, z.B. Pharmakologin oder Chemikerin, mit einem Jahresverdienst bei BASF, Bayer von etwa 70.000 €, single,
25-jährig … am Anfang ihres Berufsleben auf 50% !!! ihres Einkommens verzichten,
heisst mit kümmerlichen 30.000 € bis 35.000 € ihr Leben bestreiten, nur weil der
deutsche Sozialstaat, was immer das auch ist, dies so für erforderlich hält ?
In der Schweiz würde sie bei vergleichbarem Salär bei Novartis oder Nestle, ab-
züglich Bundessteuer, Kantonssteuer, Pensions- und Rentenkasse, Arbeitslosen-
versicherung … bei ungefähr 55.000 € (ohne Krankenversicherung) liegen …,
in Indien bei 40% Spitzensteuersatz und inkl. privater Vorsorge bei rund 40.000 €,
in Australien, ohne Sozialbeiträge, weil steuerfinanziert, wären es ca. 46.000 €,
in den USA, je nach Bundesstaat zwischen 44.000 € und 51.000 € … usw., usw …
Jetzt müsste mir nur noch ein deutscher Politiker erklären, wieso junge Neubürger-
Innen in eine “gesellschaftliche Solidarität” gezwungen werden, – wobei sie keines-
wegs sicher sein können, umgekehrt, in einer späteren Lebensphase diese Solidari-
tät in einer individuellen Notlage in Anspruch nehmen zu können -, welche ihnen
die Hälfte ihres Einkommens kostet. Ich glaube er könnte es nicht begründen …
deshalb wird es auch keine qualifizierten EinwanderInnen geben. Das System ist
unter diesen Umständen auf das Konservieren des Vorhandenen angewiesen.
#52 | dissenter sagt am 11. Juli 2010 um 17:36
@Patrizia
Wie kommen Sie bloß auf “kümmerliche 30.000 Euro”? Lt. Abgabenrechner des BMF zahlt Ihre Migrantin (Steuerklasse I, keine Kinder, keine Kirche, gesetzliche Rentenversicherung, private Krankenversicherung mit Arbeitgeberzuschuss) ziemlich genau 20.000 Euro an Lohnsteuer und Soli-Zuschlag. Rechnen Sie es selbst nach!
Dazu kommen großzügige 2.400 Euro PKV-Beiträge jährlich und bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 66.000 Euro Beiträge zur Renten- (Arbeitnehmeranteil ca. 10%) und Arbeitslosenversicherung (derzeit 1,4%), also rund 7.500 Euro jährlich. Unterm Strich zahlt unsere Einwanderin rund 30.000 Euro an Steuern und Abgaben inkl. privater Krankenversicherung. Ihr bleiben 40.000 Euro – nach Ihren Angaben etwa soviel wie in dem bekanntermaßen großzügig ausgebauten indischen Sozialstaat.
#53 | Patrizia sagt am 13. Juli 2010 um 15:08
@Dissenter
Danke für den Hinweis. Bei den zu zahlenden Steuern liegen Sie jedoch definitiv,
- zumindest nach der deutschen Steuertabelle von 2010 -, falsch.
Einkommen: 69.944 € —> Eink.Steuer 21.204 € + Soli.Steuer 1.166 €
Einkommen: 70.088 € —> Eink.Steuer 21.264 € + Soli.Steuer 1.170 €
Beachtenswert: Ein Mehreinkommen von brutto 144 € führt ohne Berücksichtigung
.
der ominösen Lohnnebenkosten, zu einem mehr an Nettoeinkommen von sagen-
haften 80 €
Bei aller Liebe der Migrantin zu ihrer neuen Heimat … *räusper* … kalkuliert sie
nüchtern und berücksichtigt ihre Möglichkeiten in den wenigen Jahrzehnten in
denen sie beruflich etwas bewegen kann, wird sie um das “Sozi-Schlaraffenland”
des Dissenters einen weiten Bogen schlagen. Übrigens ist es genau diese staatlich
legitimierte Abzockerei, welche speziell gut ausgebildete deutsche Fachkräfte aus-
wandern lässt. Wieso sollte also umgekehrt eine Migrantin, die zu diesem Staat noch keinerlei Bezug hat, ca. 50 % ihres Einkommens in den Wind schreiben ?
Wenn sie es trotzdem tut, muss das Liebe sein
#54 | C. Karpus sagt am 14. Juli 2010 um 12:09
Stell Dir vor es ist Schulkrieg und keiner sieht hin.
In Bochum sollen 11 Grundschulen eine Förderschule und demnächst auch noch weiterführende Schulen geschlossen werden. Obwohl die SPD vor der Kommunalwahl 2009 in Kenntnis der Haushaltssperre versprochen hat:
“Schulschließungen von Grundschulen wird es mit Zustimmung der Sozialdemokraten nicht geben.”
http://schulzeichen.de/2010/06/28/spd-kommunalwahlprogramm-2009/
Die Inklusion der Förderschulen steht vor der Tür und keinen interessiert es.
Die Klassen werden immer größer, obwohl die Politiker ständig von kleineren Klassen schwafeln.
Die rot-grün regierte Bochumer Schulverwaltung plant u.a. eine 5-zügige Grundschule (450 bis 600 Schüler) auf der Feldsieper Straße mit einem Migrationsanteil von ca. 70 Prozent.
Da es unsere Journalisten aus den besseren Wohngegenden wohl nicht trifft, wird der Protest der Eltern verschwiegen. Vuvuzuelas, Kleingartenvereinssitzungen und andere seichte Themen laufen ganz groß aber über unsere Demonstration gegen die Schulschließungen an der ca. 200 Bochumer teilgenommen haben, berichtet niemand, weder WAZ noch Ruhrnachrichten, geschweige denn die “Ruhrbarone”.
http://schulzeichen.de/2010/07/05/aufruf-zur-demonstration-am-12-juli-2010-um-1630-uhr/
Die Aufregung wird erst kommen, wenn unsere Kinder die verbleibenden Schulen füllen werden, wenn dort die Klassenhöchstwerte von 30 Kindern ausgereizt werden, wenn dort die Ganztagsbetreuungsplätzte neu verteilt werden und man selbst betroffen ist.
Dann ist es aber schon zu spät.
Macht also weiter so und diskutiert über Lohnnebenkosten und Steuersätze!
Der demografische oder besser gesagt demagogische Wandel findet in der wirklichen Welt statt.
http://schulzeichen.de/2010/07/05/demografischer-demagogischer-faktor/
#55 | Arnold Voss sagt am 14. Juli 2010 um 18:05
Patrizia, der Teppich auf dem eine vernünftige Diskussion über Demographie in Europa zu bleiben hat ist, in Anbetracht der vielen Menschen die gerne nach Europa kommen würden, nicht nur Europa, sondern die ganze Welt.
Die fehlende Immobiliennachfrage in Europa ist eine veränderbare Größe und keine feststehende Bedingung, die sie als Ceteris Paribus Klausel anführen können, damit ihr Argumentationsmodell stimmig bleibt.
Da gibts dann auch gar nichts zu räuspern, geschweige denn hat das was mit irgendwelchen Habenichtsen mit oder ohne Apostroph zu tun.
Was ich mich allerdings schon länger frage ist, wo bei ihnen diese seltsame mit vielen kleinen bis großen Gehässigkeiten garnierte Borniertheit gegenüber Allem herkommt, das sie nicht verstehen oder was nicht in ihren Wertekanon passt. Und wieso sie das auch noch auf eine recht aufdringlich-redundante Art witzig finden.
Haben sie heimliche Absturzängste oder ist ihre kaum zu kaschierende Wut auf jede Art von Verlierern angeboren?
#56 | dissenter sagt am 14. Juli 2010 um 22:45
@Patrizia
Der Abgabenrechner ist flexibler und realitätsnäher, denn er berücksichtigt im Gegensatz zur Grund- bzw. Splittingtabelle die (in diesem Fall von mir willkürlich gesetzten) Beiträge der indischen Migrantin zur Krankenversicherung, die sich steuermindernd auswirken. Dies dürfte die Differenz erklären.
#57 | Patrizia sagt am 17. Juli 2010 um 09:33
@Arnold Voss
Was sollen die persönlichen Angriffe ? … Meinen Sie ihr oberlehrerhaftes Getue
garniert mit psychologischen Oberflächenanalysen macht Ihre Argumentation
glaubwürdiger ? Das ist doch albern. Damit bewegen Sie sich auf einem Niveau
von Schreiberlingen in bestimmten blogs die ständig mit Schaum vor dem Mund
ihre tatsächlichen oder scheinbaren ideologischen GegnerInnen bekämpfen
… aber wenn es Ihnen hilft und Sie glücklich macht; das ist jetzt nicht witzig
gemeint!
Ich habe die fehlende Immobiliennachfrage nie als feststehende Ceterius-
paribus-Annahme ins Feld geführt, sondern sie als eine der Hauptursachen für
die Verarmung einer Gesellschaft bezeichnet. Es gibt genügend Beispiele in der
Vergangenheit, welche genau die Immobiliennachfrage als sensiblen Seismo-
graph für ökonomische Veränderungen ausweisen …
— der “Gastarbeiterboom” in Deutschland, – genau kann ich den jetzt nicht datieren, das war lange vor meiner Zeit -, der auch eine steigende Nachfrage
auf dem Immobiliensektor auslöste …
— die von mir bereits erwähnten Bevölkerungswanderungen von Ost Richtung
West nach Ende des “Kalten Krieges” …
— oder die bei uns in der Schweiz zur Zeit herrschende Wohnungsknappheit, die dadurch stark steigenden Immobilienpreise,- kombiniert mit einem Bauboom, der keineswegs zu begrüssen ist -, verursacht durch den hohen Zuzug von
zumeist besser qualifizierten EU-BürgerInnen.
Es gibt also ein auslösendes Moment für eine stabile oder steigende Immobilien-
nachfrage. Dieses auslösende Moment, eben die Zuwanderung von Menschen
ist aber in Deutschland nicht gegeben … oder nicht in dem Masse gegeben, wie
es notwendig wäre, weil a.) die Arbeitsplätze (noch) fehlen und b.) die vorhan-
denen Arbeitsplätze, wegen der zu hohen Abgaben, für ZuwanderInnen nicht
genügend attraktiv sind.
Bliebe noch die Zuwanderung ins “Sozialsystem”. Der Albtraum schlechthin …
aber NICHT, weil vielleicht ein erdbebengeschädigter “Habenichts” aus Haiti
plötzlich ein Dach über dem Kopf hat, sondern weil die ganzen “sozialistischen
Geier” zerfressen von ihrem Neid auf all jene die etwas mehr ihr eigen nennen
als sie selber, genau dieses “Sozialsystem” und die darin gefangenen Menschen
missbrauchen, um ihre Umverteilungskämpfe zu organisieren.
Soweit ich weiss, lass mich da aber gerne korrigieren, hat die deutsche Gouver-
nante Wagenknecht oder der Herr Lafontaine oder die Frau Nahles usw., usw ..
noch nie ausserhalb der Politik gearbeitet. Deren einzige Tätigkeit besteht darin
durch Polittalks zu tingeln, im Parlament zu sitzen und auf Wahlkampfveran-
staltungen Reden zu schwingen. Als Feindbild dient jede und jeder der etwas
mehr als der Durchschnitt verdient. Die Manövriermasse dieser Politkaste sind
die Sozialhilfeempfänger, die Geringverdiener und die im Leben Gestrauchelten.
Sie verachten diese Menschen, für die sie scheinbar Partei ergreifen, zutiefst
- dies lässt sich auch anhand der historischen Handlungen dieser Neidideologen
und ihrer Helfershelfer sehr einfach belegen -, aber sie sind natürlich für die
Umsetzung ihrer paranoiden Ideologie notwendig.
Ich habe weder gegen “Habenichtse” etwas, noch gegen “Superreiche”. Wenn
ich als Melonenverkäuferin auf dem Wochenmarkt in Locarno oder Lugano
stehen würde, wäre ich über einen Einkauf des Bankdirektors genauso glücklich
wie über jenen einer armen Rentnerin. Das Einkommen meiner MitbrürgerInnen
ist sekundär. Primär ist, dass alle ein ausreichendes Einkommen haben und dass
jede und jeder über die Verwendung seines Einkommens weitesgehend individuell
entscheiden kann. Wer natürlich im wilhelminischen Wertekanon steckt, sei es
mit oder ohne dieses hässliche sozialistische Mäntelchen, und meint Steuern
und Abgaben wahllos erhöhen zu können, – Hauptsache es trifft sein persön-liches Feindbild und therapiert seine Neidkomplexe -, ohne damit rechnen zu
müssen per Volksentscheid zurückgepfiffen zu werden, begreift dies natürlich
nicht.
#58 | Dirk Haas sagt am 17. Juli 2010 um 12:41
Die prinzipielle Unvereinbarkeit von „Wohlfahrtsstaat“ und „Einwanderungsland“ zählt zu den beliebten rechtslibertären Glaubenssätzen:
http://ef-magazin.de/2010/07/01/2287-wohlfahrtsstaat-oder-einwanderungsland–der-kampf-um-die-torte
Oder Heinsohn, vor einigen Wochen in der FAZ:
„Wer jährlich 160.000 qualifizierte Einwanderer gewinnen will, darf sie nicht mit 80.000 Hartz-IV-Familien und 40 Milliarden Euro Schulden verschrecken. Jede andere hochentwickelte Nation ohne solche Lasten wird sonst vorgezogen. Solange also potentielle Einwanderungstalente sehen, dass mehr als die Hälfte ihres Einkommens weggesteuert und -sozialversichert wird, werden sie nicht in Dortmund siedeln, sondern nach Melbourne, Seattle oder Toronto streben, wo man sie ebenfalls dringend benötigt, ihnen aber nur 20 bis 25 Prozent abnimmt.“
http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E9F1ABBF98E934840B59647644EC14C0A~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Nun sollte man von Heinsohn besser keine Vorschläge erwarten, wie man 80.000 Hartz-IV-Familien wieder los wird. Aber auch die implizite Vorstellung, hochqualifizierte „Einwanderungstalente“ würden ihre Lebensplanungen in erster Linie von Steuer- und Abgabenquoten abhängig machen, wird von der seriösen Migrationsforschung natürlich nicht gedeckt (alle sog. Hochqualifizierten, die nach D, FIN, NOR, FRA, SWE, ITA, BEL usw. einwandern, wären nach diesem Verständnis ohnehin nichts anderes als ökonomische Analphabeten).
Die Frage „Geh ich nach Dortmund, oder muss ich nach Toronto?“ ist viel zu interessant, um sie den liberalen Abgabenrechnern zu überlassen.
#59 | Stefan Laurin sagt am 17. Juli 2010 um 13:08
@Dirk: Der Wohlfahrtsstaat setzt Anreize zur Einwanderung einer Klientel, die schon in ihren Ursprungsländern wirtschaftliche Probleme hatte. Ein Land das gute Aufstiegschancen bietet, Abschlüsse anerkennt, tolerant ist und den Menschen auch noch was von ihrem Geld übrig lässt zieht Hochqualifiztierte an. Alternde Gesellschaften wie Deutschland stehen in einem Wettbewerb um hochqualifizierte Zuwanderer. Wir tun gut daran, für diese Klientel attraktiv zu sein. Dazu gehören auch maßvolle Abgaben und Steuern. Diese Gruppe muss im Gegensatz zu denen, die den Wohlfahrtsstaat brauchen, nicht in Länder wie Deutschland einwandern sondern können sich aussuchen wohin sie gehen.
#60 | Dirk Haas sagt am 17. Juli 2010 um 14:28
Stefan, die soziale Mobilität (in etwa das, was Sie Aufstieg nennen) ist in den europäischen „Wohlfahrtsstaaten“ nachweislich sehr viel höher als in dem immer wieder angeführten klassischen „Einwanderungsland“ USA.
„Wirtschaftliche Probleme in den Ursprungsländern“ haben ohnehin nicht nur Geringqualifizierte: Lehrer, Ingenieure, Universitätsprofessoren, die neben ihrem ersten Job zwei weitere benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sind so selten nicht.
Weil dieses Schreckgespenst von der Migration in die Sozialsysteme ja nicht totzukriegen ist, braucht es regelmäßig Berichte, die das Ganze ein wenig distanzierter betrachten:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/06/12.mondeText1.artikel,a0048.idx,14
„Der hiesigen Öffentlichkeit scheint nicht bekannt zu sein, dass die legale Einreise nach Europa ein Mythos ist, ein Trugbild, das zerrinnt, wenn etwa ein junger Afrikaner oder ein junger Araber danach greift. In weiten Teilen dieser Welt ist es nahezu unmöglich geworden, sich für ein Visum nach Europa zu qualifizieren.“
#61 | Stefan Laurin sagt am 17. Juli 2010 um 15:51
@Dirk Haas: Wir müssen bessere Möglichkeiten schaffen das Qualifizierte legal einwandern können. Keine Frage. So um die 20 Prozent eines Jahrgangs ohne Schulabschluss zeigt aber auch, dass die soziale Mobilität in Deutschland nicht allzu hoch ist. Der Druck alles zu geben, um einen Schulabschluss zu bekommen, aber anscheinend auch nicht.
#62 | Die Metropolen-Show ist vorbei | Ruhrbarone sagt am 29. Juli 2010 um 09:48
[...] hat im Wettbewerb der Regionen und Städte eine Chance zu haben. Die Städte haben allein sie nicht. Dabei geht es nicht darum, sich zu Weltstadt hochzureden. Es geht darum, das Leben in dieser [...]
#63 | lebowski sagt am 3. August 2010 um 21:07
Komisch, dass immer alle Leute den alten Zeiten hinterhertrauern.
Das müssen früher schöne Zeiten gewesen sein, als man in lausigen Mietskasernen lebte und die Luft, die man atmete, noch sehen konnte.
Eigentlich kann doch eine schrumpfende Stadt ein feine Sache sein.
Man kann die häßlichsten Gebäude endlich abreißen, mal die eine oder andere Brachfläche begrünen.
Schrumpfende Städte bieten jede Menge Möglichkeiten, die aber offensichtlich nur die wenigsten sehen wollen, weil Kapitalismus ist ja Wachstum, das Frau Merkel auch noch beschleunigen will.
#64 | Abriss: Bagger nach Duisburg Bruckhausen? | Ruhrbarone sagt am 25. August 2010 um 10:29
[...] ist aktuell, denn die Frage nach Abriss ganzer Quartiere wird sich künftig im Ruhrgebiet immer häufiger stellen. Sehr geehrte Damen und [...]
#65 | Abriss: Bagger nach Duisburg Bruckhausen? | Ruhrbarone sagt am 25. August 2010 um 10:29
[...] ist aktuell, denn die Frage nach Abriss ganzer Quartiere wird sich künftig im Ruhrgebiet immer häufiger stellen. Sehr geehrte Damen und [...]
#66 | Dezernent Dressler: “Schrumpfende Städte müssen zurückgebaut werden“ | xtranews Nachrichten sagt am 1. September 2010 um 13:31
[...] in der „Welt am Sonntag“ (WamS). Heute erschien der Artikel in ähnlicher Form bei den Ruhrbaronen mit dem Titel „Der demographische Wandel beginnt jetzt“. [...]
#67 | Die Ruhrbarone bloggen das Revier | Studimensa sagt am 15. September 2010 um 12:16
[...] der die zu erwartende Verödung ganzer Stadtteile nachdrücklich aufgreift. Titel: “Der demographische Wandel beginnt jetzt!” Hier ein [...]
#68 | Arnold Voss sagt am 16. September 2010 um 03:19
@ Patrizia # 57
“Damit bewegen Sie sich auf einem Niveau von Schreiberlingen in bestimmten blogs die ständig mit Schaum vor dem Mund ihre tatsächlichen oder scheinbaren ideologischen GegnerInnen bekämpfen.”
Könnten sie sich unter dieser Maxime nochmal ihren eigenen Kommentar durchlesen. Und fragen sie mal einen guten Freund, d.h. einen Menschen der den Mut hat ihnen gegenüber ehrlich zu sein, ob sie manchmal etwas oberlehrerhaft rüberkommen.
Ansonsten mag ich ihre Kommentare sehr.
#69 | Aus der Tristesse des Ruhrgebiets: Vortex Rikers und Vomit Heat : ByteFM Magazin sagt am 27. September 2010 um 12:05
[...] Das Ruhrgebiet ist ein Mysterium. Bis zum Jahr 2025 erwartet die Bertelsmann Stiftung einen Einwohnerrückgang von 400.000 Menschen, bei derzeit etwa 5,1 Millionen Einwohnern. Ein düsteres Szenario. Verlassene Innenstädte, geschlossene Ladenlokale und unrenovierte Wohnungen sind schon heute Kennzeichen eines demographischen Wandels (vgl. auch “Der demographische Wandel beginnt jetzt…” – Ruhrbarone). [...]
#70 | Patrizia sagt am 17. Oktober 2010 um 09:32
@Armin Voss
; das waren offenbar
… die nachweislich leichteste
Die Begründung für mein “oberlehrerhaftes Daherkommen” ist ganz einfach … ich
habe ca. 1/5 meines Lebens in Deutschland verbracht
fünf Jahre zuviel. Wenn Sie das so betrachten, findet frau/mann immer eine nette
Erklärung für ihre persönlichen Ungereimtheiten
Übung bei einem disharmonischen Zusammenspiel von “Selbst”, “Selbstkonzept”
und “Selbstwirksamkeitserwartung” ist es “mit dem Finger auf andere zeigen”.
Aber das ist nicht Gegenstand der Diskussion. Heute gibt es einen lesenswerten
Artikel in unserer NZZ über Überalterung, Schuldenexplosion und den drohenden
Staatsbankrotten in einigen europäischen Ländern.
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/schuldenexplosion_wegen_ueberalterung_1.8028401.html
… aber erklären Sie das einmal den jetzigen RentnerInnen in Schwaben. “Dess isch
denen wurscht” … ich meine das heisst so im Schwäbischen … Hauptsache die
altersschwachen Bäume im Schlossgarten bleiben stehen und der überhaupt nicht
putzige Juchtenkäfer hat dort auch in den kommenden hundert Jahren sein
sicheres auskommen. Wer weiss, wer weiss … vielleicht beteiligt sich das kleine
Krabbeltier ja an den zukünftigen Stuttgarter Sozialausgaben.