Friedrich Merz: der Elefant im Porzellanladen

Friedrich Merz und das fehlende Gespür für die Wirkung seiner politischer Kommunikation. Foto: Screenshot / twitter X

Deutschland verliert nach einer desolaten Leistung verdient gegen Paraguay. Bundeskanzler Friedrich Merz reagiert dennoch mit einem Lob an die Nationalmannschaft. Auf twitter-X schreibt das Kommunikationsteam von Merz, das DFB-Team habe „das Land begeistert“, und schließt seinen Beitrag mit den Worten: „Wir sind stolz auf euch!“

Die Diskrepanz zwischen Spielverlauf und Botschaft wirkt bemerkenswert bis grotesk. Erneut entsteht der Eindruck, dass Merz mit seiner Kommunikation am öffentlichen Stimmungsbild vorbeigeht. Statt den Moment treffsicher einzuordnen, vermittelt sein Posting den Eindruck mangelnder Abstimmung und fehlenden Gespürs für die Wirkung politischer Kommunikation.

Merz und sein Team versuchen häufig, sehr schnell, pointiert und nah am Puls der Zeit zu kommunizieren. Doch gerade dieser Anspruch führt immer wieder zu Botschaften, die ihr Ziel verfehlen. Die Wirkung ist dann eher gegenteilig: Statt Klarheit und Entschlossenheit auszustrahlen, werfen solche Auftritte Fragen nach der Abstimmung innerhalb der Regierung und der Professionalität ihrer Kommunikation auf. Doch nicht nur bei der bundesdeutschen Königsdisziplin Fußball agiert das Kommunikations-Team von Merz so, dass hier die politische Führung nicht ausreichend koordiniert ist.

Ein weiterer Aspekt ist der politische Werdegang von Friedrich Merz. Zwar verfügt er über langjährige Erfahrung als Politiker und in der Wirtschaft, jedoch hatte er vor seiner Wahl zum Bundeskanzler kein Regierungsamt auf Landes- oder Bundesebene inne. Es ist ein klarer Nachteil im Umgang mit den komplexen Abläufen einer Bundesregierung und den Anforderungen des Regierungshandelns: er und sein Team agieren in kommunikativen Belangen zu oft wie ein Elefant im Porzellanladen.

Hinzu kommt, dass die Erwartungen an die neue Bundesregierung in zentralen Politikfeldern wie Wirtschaft, Migration, Bürokratieabbau und Energiepolitik sehr hoch sind. Da Reformen in diesen Bereichen häufig Zeit benötigen und nicht sofort messbare Erfolge zeigen, interpretieren manche Beobachter ausbleibende Fortschritte als Zeichen mangelnder Führung oder politischer Unsicherheit.

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2 Comments
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Robin Patzwaldt
Administrator
2 Stunden vor

Hehe. Ja, ich habe mich bei dem ‚Tweet‘ tatsächlich auch gefragt, ob er wohl überhaupt ein Spiel der Mannschaft gesehen hat. Vermutlich nicht. 😉 Peinlich sowas.

Till Oliver Becker
Redakteur
1 Stunde vor

Siehe oben. Das ist von seinem relativ autonom arbeitenden Team verfasst und abgeschickt worden. Merz selbst wird in den letzten eineinhalb Jahren wahrscheinlich kein einziges Mal auf eine solche Plattform geschaut haben. In diesem Sinne also kein Grund für Schnappatmung.

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