
Soll man sich als BVB-Fan eigentlich noch aufregen? Ich glaube inzwischen fast, dass es keinen Sinn mehr macht. Wer nach dem ergebnistechnisch starken, spielerisch allerdings nicht immer überzeugenden Saisonstart auf eine nachhaltige Entwicklung bei Borussia Dortmund gehofft hatte, wurde am Mittwochabend in Norwegen jedenfalls unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Das 0:1 in der UEFA Champions League bei FK Bodö/Glimt war nicht einfach nur eine ärgerliche Niederlage. Es war ein weiterer Beleg dafür, dass dieser BVB noch immer jederzeit für einen peinlichen Ausrutscher gut ist.
55 Minuten zum Vergessen
Besonders ärgerlich war dabei die Art und Weise, wie sich die Dortmunder nördlich des Polarkreises präsentierten. Mehr als eine Halbzeit lang fehlten Konzentration, Tempo und Durchschlagskraft. Während die Norweger mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu Chancen kamen, blieb der BVB offensiv erschreckend harmlos. Erst nach dem Rückstand und einem Vierfachwechsel entwickelte die Mannschaft so etwas wie Leben. Plötzlich waren Chancen da, plötzlich wurde Druck erzeugt. Nur kam diese Reaktion viel zu spät.
Natürlich kann man auf die Rotation von Trainer Niko Kovac verweisen. Doch wer in der Champions League antritt, sollte auch mit einer veränderten Aufstellung in der Lage sein, gegen einen vermeintlichen Außenseiter eine vernünftige Leistung abzuliefern. Zumal das späte 2:2 gegen Werder Bremen am vergangenen Wochenende eigentlich Warnung genug gewesen sein müsste.
Kovac ist kein Zauberer
Die erst kürzlich verkündete Vertragsverlängerung mit Kovac hatte bei mir durchaus für Zuversicht gesorgt. Ich halte den Trainer für eine Persönlichkeit, die dem BVB Stabilität und eine gewisse Souveränität zurückgeben kann. Doch auch er kann offenbar nicht verhindern, dass die Mannschaft immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Gegen vermeintlich kleinere Gegner fehlt bisweilen die letzte Konsequenz, während man sich anschließend über verpasste Chancen und unnötige Punktverluste ärgern darf.
Das ist umso enttäuschender, weil Dortmund zuletzt zumindest ergebnistechnisch einen Schritt nach vorne gemacht hatte. Doch was nützt das, wenn schon der nächste Rückschlag genügt, um grundsätzliche Zweifel wieder aufleben zu lassen? Eine Vertragsverlängerung ist schließlich kein Freifahrtschein für die Mannschaft und erst recht kein Beweis dafür, dass sich die Mentalität im Kader tatsächlich verändert hat.
Wenn der Ärger langsam verschwindet
Vielleicht ist genau das mein eigentliches Problem mit diesem BVB. Früher hätte mich eine solche Niederlage tagelang beschäftigt. Ich hätte mich über die verschenkten Chancen, die fehlende Einstellung und die immer gleichen Fehler aufgeregt. Heute ertappe ich mich dabei, dass ich das Ergebnis zur Kenntnis nehme, kurz den Kopf schüttele und mich anschließend anderen Dingen widme.
Das ist keine besonders schöne Entwicklung. Schließlich begleitet mich dieser Verein seit Jahrzehnten. Ich möchte mich über Siege freuen, bei Niederlagen leiden und mich darauf verlassen können, dass die Mannschaft aus ihren Fehlern lernt. Stattdessen stellt sich zunehmend eine gewisse Gleichgültigkeit ein. Vielleicht ist das sogar schlimmer als jeder einzelne Punktverlust.
Denn wenn selbst eine Blamage in der Champions League kaum noch für echte Empörung sorgt, dann hat nicht nur der BVB ein Problem. Dann droht auch die emotionale Verbindung zwischen Verein und Fan Schaden zu nehmen. Und das wäre am Ende eine Niederlage, die deutlich schwerer wiegt als dieses 0:1 in Norwegen.
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