Deutsches Fußballmuseum: Ein teures Eigentor für Dortmund

Das Fußball-Museum in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Es ist ein Eigentor mit Ansage. Schon als sich Dortmund vor Jahren um den Zuschlag für das Deutsche Fußballmuseum bewarb, gab es zahlreiche kritische Stimmen, die vor den finanziellen Risiken des Prestigeprojekts warnten. Heute, mehr als zehn Jahre nach der Eröffnung, zeigt sich immer deutlicher, wie berechtigt diese Warnungen waren. Während die Stadt an allen Ecken und Enden sparen muss, verschlingt das Museum weiterhin Millionen. Ein Ende dieser traurigen Geschichte ist nicht in Sicht.

Ein Millionengrab mit Ansage

Die aktuellen Zahlen sind ernüchternd: Allein 2026 beträgt das Defizit des Deutschen Fußballmuseums laut  eines aktuellen WDR-Berichts 2,77 Millionen Euro. Davon muss Dortmund demnach 2,52 Millionen übernehmen. Rund 800.000 Euro mehr als ursprünglich kalkuliert. Der Deutsche Fußball-Bund, immerhin maßgeblich für das Projekt verantwortlich, beteiligt sich dagegen mit maximal 250.000 Euro jährlich. Eine bemerkenswert komfortable Vereinbarung für den Verband – und ein ausgesprochen schlechtes Geschäft für die Stadt.

Hinzu kommt eine weitere Verpflichtung: Dortmund soll jährlich 350.000 Euro an Sponsorengeldern einwerben. Tatsächlich kamen zuletzt gerade einmal 111.000 Euro zusammen. Dass darunter auch Geld von Unternehmen wie Sparkasse und DEW21 ist, die zumindest teilweise kommunal geprägt sind, macht die Sache nicht unbedingt überzeugender.

Sparen bei den Bürgern, zahlen für den DFB

Besonders bitter ist diese Entwicklung angesichts der aktuellen Haushaltslage. Kulturelle Veranstaltungen wie die Museumsnacht, das Hafenfest oder Dortbunt stehen auf dem Prüfstand. Die Silvesterfeier auf dem Friedensplatz ist bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen. Gleichzeitig fließen Millionen in ein Museum, dessen wirtschaftliche Versprechen sich bis heute nicht erfüllt haben.

Rechnerisch könnte Dortmund für die jährlichen Verluste zwölf eigene Museumsnächte finanzieren. Zwölf! Da darf man durchaus fragen, welche Prioritäten hier eigentlich gesetzt werden. Während lokale Kulturangebote um ihre Zukunft bangen, wird ein Prestigeprojekt am Leben gehalten, dessen Nutzen für die Stadt längst nicht mehr im Verhältnis zu seinen Kosten steht.

Der DFB bleibt fein raus

Dass die Politik nun erneut Nachverhandlungen fordert, klingt zunächst vernünftig. Doch warum ist eigentlich über Jahre so wenig passiert? Die Verträge wurden schließlich nicht vom Himmel geschickt, sondern seinerzeit politisch abgesegnet. Jetzt beklagen SPD und Grüne eine ungerechte Lastenverteilung und wünschen sich eine Beteiligung des DFB von 50 Prozent. Die CDU verteidigt derweil das Museum mit Besucherzahlen und angeblichen positiven Effekten für Dortmund.

Nur: Wenn das alles so überzeugend ist, warum muss die Stadt dann ständig Millionen nachschießen? Und weshalb sollte ausgerechnet der DFB freiwillig seine komfortable Position aufgeben?

Ein Prestigeprojekt ohne überzeugende Bilanz

Schon zum zehnjährigen Jubiläum im vergangenen Jahr fiel meine Bilanz des Museums kritisch aus. Inhaltlich blieb es hinter seinen Möglichkeiten zurück, wirtschaftlich wurde es zum Dauerproblem. Statt eines lebendigen Ortes kritischer Fußballgeschichte entstand vielfach eine aufwendig inszenierte Heldenwelt.

Nun kommt die finanzielle Dauerbelastung hinzu. Dortmund hat sich mit diesem Projekt offenbar einen ziemlich teuren Klotz ans Bein gebunden. Natürlich lässt sich ein einmal geschlossener Vertrag nicht einfach ignorieren. Doch dass die Stadt sehenden Auges immer weiterzahlen muss, kann auf Dauer keine überzeugende Antwort sein.

Der eigentliche Skandal ist deshalb nicht nur das jährliche Millionenminus. Es ist auch, dass sich an dieser offensichtlich ungleichen Konstruktion seit Jahren kaum etwas ändert. Der DFB kann sich zurücklehnen, Dortmund darf bezahlen. Ein Eigentor eben – und die Rechnung dafür bekommen ausgerechnet die Bürger präsentiert.

Viele glückliche Gesichter bei der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund 2015. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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