Wokeness beim Film: Selbstdarsteller statt Schauspieler

Natalie Wood Foto (Ausschnitt): Unknown publicity photographer Lizenz: Gemeinfrei


Immer häufiger und heftiger wird gefordert, dass Schauspieler nur das spielen dürfen, was sie auch tatsächlich sind – ob es jetzt um ihre Ethnizität oder ihre sexuelle Präferenz geht. Aspekte, die früher mal Privatsache waren. Nicht mehr. Big Brother is casting you. Von unserem Gastautor Karsten Kastelan.

In Shakespeares und Christopher Marlowes Zeiten wurden Frauenrollen ausschließlich von Männern gespielt, was sich letzten Endes als etwas antiquiert und verfehlt herausstellte. Aber auch nachdem dieser elisabethanische Ausrutscher korrigiert wurde, änderte dies nichts an der Profession. Menschen stellten jemanden oder (im Fall von Außerirdischen) etwas dar, was sie im wirklichen Leben nicht waren. Was irgendwie sinnvoll erscheint, schließlich blieben die Superhelden-Filme unserer Zeit sonst unbesetzt, weil man für Thor keinen entsprechenden Gottessohn finden kann und das Casting für Superman immer damit enden würde, dass ein Darsteller vom Wolkenkratzer plumpst.

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„Deutschland benötigt eigene Maskenproduktion“

MdB Erich Irlstorfer (CSU) Foto: Kuppel Lizenz: Copyright


„Eine Maskenpflicht ist das mildere, gleichsam effektivste Mittel, eine vergleichsweise verhältnismäßige Beschränkung von Grundrechten, durch die härtere Einschränkungen vermieden werden können“, schreibt der Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer (CSU) in einem Gastbeitrag für Ruhrbarone.de.

Im Kampf gegen das Coronavirus sind Schutzmasken das niedrigschwelligste und zugleich wirkungsvollste Mittel, das wir haben. Weder gesundheitliche Risiken oder Nebenwirkungen, wie sie etwa bei den Schutz-Impfungen in einigen seltenen Ausnahmefällen auftreten, noch besonders erhebliche Einschränkungen in der individuellen Freiheit, wie etwa bei einem Lockdown, stehen diesem Mittel in der Abwägung gegenüber.

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Dass Mahmud Abbas ein Antisemit ist, ist nun wirklich nichts Neues

Dietrich Schulze-Marmeling. Foto: privat

Mahmud Abbas weigert sich, das Attentat von München 1972 zu verurteilen – begangen von der Terrororganisation „Schwarzer September“ mit logistischer Unterstützung durch deutsche Rechtsextremisten.

Von unserem Gastautor Dietrich Schulze-Marmeling.

 

Dass Mahmud Abbas ein Antisemit ist, ist nun wirklich nichts Neues. 2018 erklärte er dem Palästinensischen Nationalrat, der Holocaust sei nicht ein Ergebnis von Antisemitismus gewesen, sondern der sozialen Aktivitäten der europäischen Juden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Abbas ist nicht dazu in der Lage, die israelische Politik zu kritisieren, ohne gleichzeitig den Holocaust zu relativieren, oder gar zu rechtfertigen. Mit internationaler Kritik konfrontiert, rudert er dann stets zurück – aber in der Tiefe seines Herzens ist dieser Mann ein Antisemit. Dass man Abbas, dessen Organisation die Attentäter von München finanziell unterstützte, so kurz vor dem Jahrestag im Bundeskanzleramt empfing – gelinde gesagt: unsensibel.

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Ganz, ganz normal?

Hamja Ahsan Buchpräsentation, PrintRoom, Rotterdam, 2019, Foto (Ausschnitt): Florian Cramer/PR Documenta Lizenz: Creative Commons AttributionShare Alike 4.0

Zur zeitgeisthörigen Sprache zählt die Wiederholung kleiner Wörter. Das Adverb „sehr“ steht auf Platz 1 der Bestenliste, gefolgt vom Adjektiv „ganz“. In der Regel strömt aus dem Mund kulturbeflissener Damen und Herren die zweimalige Betonung, dass etwas „sehr, sehr wichtig“ oder „ganz, ganz wichtig“ sei. Zumeist irgendein verschrobenes „Narrativ“ oder „Momentum“ oder „die Luft nach oben am Ende des Tages“ in Verbindung mit „einer ganz, ganz wichtigen Position im öffentlichen Raum“. Von unserem Gastautor Olaf Müller

Obacht, denk ich, Obacht! Jetzt auch schon zweimal. Vielleicht war es vorher nur „ganz wichtig“ oder nur „sehr wichtig“. Nun muss der Vorfall wichtiger geworden sein, denn nun ist er ja „ganz, ganz wichtig“.

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Documenta, Israel und Antisemitismus: Stippvisite in deutsche Befindlichkeiten

Die Säulen des Fridericianums bemalt von Dan Perjovschi | C. Suthorn cc-by-sa-4.0


Auch wenn man sie nicht einmal sucht, sie drängen sich einem auf: Artikel zu und über Israel, deren Anlass neu sein mag, deren Inhalte aber nur seit Jahrzehnten allzu bekannte Ressentiments und Dummheiten wiedergeben. Und immer schon kommen sie vor allem von Leuten, die sich alle irgendwie als links, kritisch und progressiv einstufen würden. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken.

Beispiel 1: Die Zeitschrift Emma

Nachdem die Redaktion der Emma dank ihres »offenen Briefs an den Kanzler« schon ganz viel für den Frieden mit Russland getan hat, wendet sie sich nun anderen Konfliktregionen zu, von denen die Redakteurinnen in Köln offenbar genauso viel verstehen:

»Raketen auf #Gaza, Raketen auf #Jerusalem. Wird die vereinbarte Waffenruhe zwischen #Israel und #Palästina halten? Die Frauen Israels und Palästinas ertragen all das schon lange nicht mehr. Sie wollen Frieden, für sich und ihre Kinder und alle Menschen in ihrem zerrissenen Land. Bei den ›#WomenWagePeace‹ verbünden sie sich. Und sie wollen die israelische Regierung zwingen, vor einer Eskalation endlich Alternativen auszuloten.«

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Ukraine: Was ist am Kernkraftwerk Saporischschja los?

Wärmekraftwerk mit Kühltürmen, Kesselhaus und Schornsteinen sowie Kernkraftwerk Saporischschja mit sechs Reaktorblöcken von Westen. (Quelle: Ralf1969/ CC BY-SA 3.0)

Mit Sorge schauen viele auf die Situation beim Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine. Die Situation ist unübersichtlich. Unser Gastautor Holm Gero Hümmler ordnet für uns die Situation ein, und analysiert denkbare Szenarien.

Was ist passiert?

Die Russen versuchen sich ganz offensichtlich auf dem Kraftwerksgelände und im unmittelbaren Umland zu verschanzen. Hier sieht man Drohnenaufnahmen, wie russische Panzerfahrzeuge in die Turbinenhalle von Reaktor 1 fahren. Das verstößt natürlich gegen Sicherheitsvorschriften, internationale Vereinbarungen und den gesunden Menschenverstand, aber wenn man sich das Verhalten der Besatzer an anderen Stellen ansieht, verwundert es auch nicht weiter.
Die Schützengräben auf den Bildern liegen vor allem auf einem Brachstreifen zwischen dem Kraftwerk und dem benachbarten Industriegebiet. Die Wohngebiete sind etwa 5 km weiter.

Mir sind bislang keine konkreten Belege begegnet, dass russische Artillerie aus dem Kraftwerksgelände heraus eingesetzt worden wäre, obwohl man „von Standorten in oder um das Kraftwerk“ in eher allgemein gehaltenen ukrainischen Stellungnahmen immer mal liest. Nikopol, direkt auf der anderen Seite des Dneprstausees, wurde in den vergangenen Tagen mehrfach über den See hinweg beschossen, aber nach ukrainischen Quellen vor Ort „aus Wohngebieten heraus“.

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Der atomare Albtraum im Kino

Japanisches Godzilla Plakat (Ausschnitt) Foto: Toho Company Ltd Lizenz: Gemeinfrei


Angst zu schüren macht Spaß und offensichtlich bringt sie auch Geld – zumindest in Film und Fernsehen. Eine Geschichte der Atomangst in den Medien. Von unserem Gastautor Karsten Kastelan.

Angst vor Technologie, also den neuesten Errungenschaften der Wissenschaft, ist nicht neu – und spätestens seit Mary Shelleys Roman „Frankenstein – oder Der neue Prometheus“ von 1818 im literarischen Mainstream angekommen. Aber es gab sie auch vorher schon, schließlich endete die Idee des Ikarus, der Sonne entgegenzufliegen, auch mit einer Bruchlandung. Und es wird sicherlich den einen oder anderen Höhlenmenschen gegeben haben, der (wahrscheinlich mit Grunzlauten) vor dem Feuer gewarnt hat, weil man sich an ihm ja, leicht belegbar, verbrennen kann.

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Documenta: Und noch ein BDS-Fan in der Reisscheune

ruruHaus, Kassel, 2021, Foto: Nicolas Wefers/Documenta


Heavy Metal rettet Leben, so heißt es heute in der HNA , die die Death-Metal-Band Hazeen und deren Musiker Safdar Ahmed als member des Lumbung der documenta 15 vorstellt. Was qualifiziert einen Death-Metal-Musiker auf der sogenannten Weltkunstausstellung präsentiert zu werden? Von unserem Gastautor Jonas Dörge. 

Safdar Ahmed sei vielseitig talentiert und politisch engagiert also präsentiert er für die documenta 15 im Stadtmuseum ein multimediales Paket. Seine Band sei als „antirassistische muslimische Death-Metal-Band“ gegründet worden. Lesen wir Mal, was der talentierte Mr. Ahmed sonst so zu sagen hat: „To be clear: we support the Palestinian struggle for dignity, autonomy and human rights and condemn Israel’s practices of settler-colonial occupation, home demolition, arbitrary arrest, land expropriation and apartheid over Palestinian lives. […] 50+ year military occupation, the brutalisation and murder of thousands of innocent people, legalised

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Der Ursprung des Jazz war klar schwarz

Buddy Bolden’s Band ca. 1903 Foto: Unbekannt

Nach dem Cultural Appropriation Vorfall in Bern, der Auftritt einer Band wurde wegen des Tragens von Dreadlocks abgebrochen, über den jetzt zumindest die meisten deutschsprachigen Medien sprechen, möchte ich im Nachfolgenden auf einige Beispiele in diesem Kontext eingehen, die durchaus ernsthafter sind als das Tragen von Dreadlocks als «weisse» Person in der Stadt Bern, wo alles etwas langsamer läuft als anderswo. Diese stammen ausschliesslich aus den Vereinigten Staaten und stehen im Zusammenhang mit altem Jazz, mit dem ich – wie die meisten meiner Follower festgestellt haben dürften – vertieft auseinandersetze und Schallplatten sammle, die zwischen 1917 und 1931 aufgenommen wurden. Vielleicht wird man nach diesen Ausführungen die Beweggründe für die Existenz einer solchen Ideologie besser erkennen und einsehen, dass ein Vorwurf der kulturellen Aneignung nicht immer komplett haltlos und lächerlich sein muss. Für mich handelt es sich allerdings um einen Diskurs, der mit der amerikanischen Gesellschaft zusammenhängt und daher praktisch ausschliesslich im Zusammenhang mit der amerikanischen Gesellschaft geführt werden muss. Unser Gastautor Emrah Erken lebt in Zürich.

Die Musik, die wir heute als Jazz bezeichnen, entstand circa im Jahr 1895 in New Orleans. Erfunden wurde sie klarerweise von Farbigen. Der erste Jazzbandleader war der legendäre Buddy Bolden, von dem nur ein Foto aus dem Jahr 1906 existiert, der den Kornettisten gemeinsam mit seiner Band zeigt. Buddy Bolden soll ein fantastischer Spieler gewesen sein und wurde in der Stadt sehr schnell bekannt und verehrt. Für seine Eigenschaft als bester Hornbläser der Stadt bekam er den Beinamen «King», so wie später Freddie Keppard und Joe Oliver. Jedenfalls nahm Buddy Bolden, der erste Bandleader des Jazz, nie auf, obwohl dies rein

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