Im Iran zum Tode verurteilt: Hamid Ghareh-Hassanlou Foto: Dominik Metzger
Im Jahr 2019 war unser Gastautor Dominik Metzger zu Besuch bei Hamid Ghareh-Hassanlou und seiner Frau in Teheran. Gestern erfuhr er, dass der iranische Arzt aufgrund seiner Teilnahme an den Protesten zum Tode verurteilt wurde.
Wenige Tage ist es her, dass im Iran mit dem 23 Jahre alten Mohsen Shekari die erste Person wegen der Beteiligung an den gerade stattfindenden Protesten offiziell hingerichtet wurde. Damit hat die Grausamkeit, mit der das Regime verzweifelt versucht die Proteste zu bekämpfen wieder mal ein neues Level erreicht. Mohsen Shekari war für schuldig befunden worden, ein Mitglied der iranischen Basij-Miliz verletzt und „Krieg gegen Gott“ geführt zu haben. Es kursieren Listen mit Namen von mindestens 38 weiteren Personen, darunter drei Minderjährigen, denen wegen ihrer Teilnahme an den Protesten dasselbe Schicksal droht. Dazu kommt noch eine deutlich höhere Dunkelziffer an Menschen, die vom iranischen Regime unter falschen Behauptungen wie Drogenschmuggel oder Terrorismus mit der Todesstrafe belegt wurden.
Iran’s Attorney General says the Islamic Republic has disbanded the “morality police” adding that it had nothing to do with the judiciary since its creation.
Mohammad Jafar Montazeri made the comments in a meeting Saturday, stressing that; however, the judiciary continues to monitor behavioral conduct among the people, a hint that hijab rules are not scrapped and only special patrols in streets are disbanded.
Earlier in the week Montazeri had mentioned that the Parliament and the Supreme Council of the Cultural Revolution would announce their opinion on the issue of forced hijab within two weeks, signaling that the mandatory hijab rule might be modified or revoked.
Das kommt einem Eingeständnis von Niederlage sehr nahe, schließlich fußt das ganze System auf zwei Säulen: Ungleichbehandlung von Frauen, öffentlich symbolisiert durch das Kopftuch und dem Versprechen Israel zu vernichten. Fällt eine dieser Säulen, dürfte das ganze System in Straucheln kommen. Diese Schritte sind als Zugeständnis gedacht, um die Lage zu beruhigen. Nur werden sie diesen Effekt eher nicht haben, sondern die Protestierenden eher motivieren, weiter zu machen. Denn ihnen geht es längst nicht mehr um Zugeständnisse oder Reformen, sondern um das Ende des Regimes und des Systems Islamische Republik.
Wohl niemand im Iran glaubt zudem, solche Schritte seien mehr, als der Versuch die Wogen zu glätten und die Protestierenden zu appeasen.
Zugeständnisse hätten vielleicht noch 2017 oder 2019 etwas gebracht, nun dürfte es dafür zu spät sein.
“Both parliament and the judiciary are working [on the issue],” of whether the law needs any changes, Iran’s attorney general Mohammad Jafar Montazeri said on Saturday.
Quoted by an Iranian news agency, he did not specify what could be modified in the law by the two bodies, which are both largely in the hands of conservatives.
The review team met on Wednesday with parliament’s cultural commission “and will see the results in a week or two”, the attorney general said.
Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Jungle World
Studenten der Amir-Kabir-Universität protestieren gegen Hijab und die Islamische Republik Foto: Darafsh Lizenz: CC BY-SA 4.0
Unser Gastautor Thomas von der Osten-Sacken dokumentiert anonymisierte Berichte aus der Islamischen Republik, die ihm iranische Bekannte haben zukommen lassen.
Durch meine Arbeit im Nahen Osten entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten auch viele Kontakte in den Iran. Für sie alle ist es immer gefährlich, wenn bekannt wird, dass sie mit Ausländern kommunizieren, ganz besonders wenn es um Politik geht und diese Ausländer auch noch in engem Kontakt mit der iranischen Exilopposition stehen.
Peter Finkelgrün Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0
Am 9. März 2022 wurde der jüdische Schriftsteller und Journalist Peter Finkelgruen 80 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums geht Roland Kaufhold mit einzelnen Lebens-Studien auf die Familiengeschichte Finkelgruens ein, die aufs Engste mit der jüngeren deutschen Geschichte verwoben ist. Peter Finkelgruen, geboren in Shanghai, überlebte die Nazi-Verfolgung, wuchs in Prag und Haifa auf. Dann wurde er zum „Rückkehrer„: 1959, mit 17 Jahren, kam er mit seiner Großmutter Anna nach Deutschland.
Vorwort von Peter Finkelgruen
Ein Vorwort zu einem Buch zu schreiben, das sich größtenteils mit sicherlich entscheidenden Phasen der eigenen Biografie beschäftigt, ist keine leichte Sache. Für mich jedenfalls bedeutet das, in Lebensphasen zurückzukehren die bestimmt waren von äußeren Ereignissen, gegen die ich meinte, mich auflehnen zu wollen. Nein: zu müssen. Denn dem Mord an meinem Großvater nicht nachzugehen und mich nicht für die rechtsstaatliche Verfolgung dieses Verbrechens einzusetzen, hätte mir jede Legitimation der Existenz in diesem Land, in dieser Gesellschaft entzogen. Dass die Zeit, in der ich in diesem Land lebte, diesem Ziel nicht entsprach, wird rückblickend aber genauso deutlich.
Nur wenn kurzzeitig Strom und Gas zur Verfügung stehen kann gekocht werden Foto: Christian Gruber
Unser Gastautor Christian Gruber ist Freiwilliger und Chief correspondence eastern Europe bei Freedom Today. Er ist seit Kriegsbeginn in der Ukraine. Seine Arbeit könnt ihr via Paypal unterstützen.
In den vergangenen vier Wochen nimmt Russland verstärkt ukrainische zivile Infrastruktur ins Visier. Darunter Heizkraftwerke und die Wasserversorgung. Das Ergebnis ist, dass weite Teile des Landes immer wieder von Strom und Wasser abgeschnitten werden. In der ukrainischen Hauptstadt Kyiv ist die Versorgung mit Strom und Wasser mittlerweile rationiert. In weiten Teilen des Landes sieht es ähnlich aus. Beides ist nur zeitweise verfügbar und die Angst der Bevölkerung vor dem Winter ist merklich spürbar. Wie wird es weiter gehen? Ein vorstellbares Szenario ist die Evakuierung der Metropole, aber einen Masterplan scheint es noch nicht zu geben. Dies ist auch dem Kriegsverlauf und der Willkür der russischen Angriffe verschuldet.
Helmut Junge – eine Ausstellung in der Bottroper Galerie 7. Von unserem Gastautor Georg Overkamp.
Ich freue mich etwas über meinen (nicht-nur) Künstlerfreund Helmut Junge, seine Kunst und die Ausstellung in Bottrop schreiben zu dürfen. Helmut und ich, wir kennen uns schon einige Jahre, achten einander nicht nur als Künstler-Kollegen und haben öfters gemeinsam ausgestellt.
Zivilsten bereiten sich in Kiew auf den Kampf gegen den russische Armee vor Foto: Yan Boechat/VOA Lizenz: Gemeinfrei
Der Krieg in der Ukraine hat einen weiteren kritischen Punkt erreicht. Russlands Raketen- und Drohnenangriffe auf die zivile Infrastruktur des Landes lassen nicht nach. Von unserem Gastautor Jacob Reynolds
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky wurden bereits bis zum 18. Oktober, innerhalb von nur acht Tagen, 30 Prozent der ukrainischen Kraftwerke zerstört. Die düstere Absicht dieses Angriffs auf das ukrainische Energieversorgungsnetz ist klar. Angesichts des nahenden Winters versucht Putin, Soldaten und Zivilisten gleichermaßen in die Knie zu zwingen. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass die barbarischen Angriffe auf die ukrainischen Energiesysteme potenziell zu den katastrophalsten Angriffen gehören, die es in diesem Krieg bisher gegeben hat.
Im Norden von Oberhausen an der Grenze zu Bottrop liegt die Halde Haniel. Mit 185 Meter über Normalnull eine der höchsten Halden im Ruhrgebiet. Wohlbemerkt: Sie liegt auf Bottroper Stadtgebiet, aber ich als Oberhausener spreche, glaube ich für viele, wenn ich sage, irgendwie gehört sie auch zu uns. Von unserem Gastautor Jens Herre.
Die Halde begleitet mich schon mein ganzes Leben. So manches Silvester habe ich dort oben verbracht. So manchen Sturz mit dem Mountainbike habe ich überlebt und mit so manchem Mädel im Arm habe ich Nachthimmel und den Blick über mein Revier bestaunt. Immer wenn ich Abstand vom Alltag brauche, gehe ich auf diese Halde. Auch beruflich kreuzten sich meine Wege. Als Technischer Leiter der Kulturhauptstadt RUHR.2010 hatte ich dort so einige Events. Kurzgesagt: Es ist «meine» Halde.
80.000 gegen die Mullahs Foto: Thomas von der Osten-Sacken
Am Ende waren es laut Angaben der Polizei 80.000, die sich im Tiergarten in Berlin versammelten, um gegen das Regime in Teheran zu demonstrieren. Mit so vielen hatten selbst die Veranstalter nicht gerechnet. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken.
Es ist mir in den letzten Dekaden eigentlich nie passiert, dass Demonstrationen mit über 1000 Menschen mir besonders sympathisch waren. Die, deren Anliegen ich voll teilte waren meist wesentlich kleiner: Man stand etwa mit ein paar Dutzend Syrern oder Iranern, bestenfalls Hunderten vor der russischen oder iranischen Botschaft herum und niemand nahm groß Notiz.
Unser Gastautor Thomas Siepmann ist Geschäftsführer der Essener Agentur TAS Emotional Marketing GmbH. Während der vergangenen Fußballweltmeisterschaften organisierte TAS erfolgreiche Public Viewing Veranstaltungen. Die Fußballweltmeisterschaft in Katar wird das Unternehmen jedoch boykottieren.
Am 2. Dezember 2010 brach sich im FIFA-Hauptquartier in Zürich wohl das perfideste aller Schurkenstücke der Sport-Moderne bahn. Der damalige FIFA-Präsident und die Seinen im FIFA Exekutivkomitee hatten sich in wochenlanger Detailarbeit genau die Mehrheit an Stimmen zusammengekauft, die es brauchte, um den beiden Fußballgroßmächten Russland und Katar die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zuzuschanzen. Was spielt es da für eine Rolle, dass hernach acht von den 22 Mitgliedern der Korruption überführt wurden und auch der Chef, der Blatter Sepp himself, des Amtes verwiesen wurde?