Mut zur Debatte: Der Battle of Ideas kommt von London nach Berlin 

Wer sich Sorgen über die Qualität der öffentlichen Debatte macht, hat den Battle of Ideas in London noch nicht erlebt. Das politische Festival, mit seinen 100+ Podiumsdebatten, 450 Rednern und über 3500 Teilnehmern findet jedes Jahr an einem Wochenende im Herbst statt. Gegründet wurde es vor 15 Jahren von Claire Fox – und weil es immer beliebter wurde, zog es vor acht Jahren in das Barbican Centre, das größte Kultur- und Konferenzzentrum der Stadt. 

Von unserer Gastautorin Sabine Beppler-Spahl.

Free Speech Allowed (freie Rede erlaubt) ist das Motto des Festivals und es sei bemerkenswert, so Fox, dass sie in den ersten Jahren deswegen belächelt wurde. Die freie Rede sei doch gar nicht bedroht, wurde ihr damals gesagt. Heute – da die Verrohung der Debattenkultur von zahlreichen Politikern beklagt wird und viele überlegen, wo die Grenzen des Sagbaren verlaufen sollten – erscheint es dagegen geradezu radikal. 

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Der Hauptbahnhof – Drehkreuz, Treffpunkt und Zuhause

Bochum Hauptbahnhof – Nordfassade Foto: MichaelXXLF Lizenz: CC BY 2.5

Von unserem Gastautor Lutz Nickel

Viel zu selten nehmen wir uns die Zeit uns umzuschauen. Wir hetzen von A nach B, überlegen ständig wie wir möglichst effizient handeln können. Nicht selten kommt es vor, dass wir die Verbindungen für den öffentlichen Nahverkehr eher zwei- als einmal checken, damit wir auch ja pünktlich ankommen und bloß nicht zu früh losfahren müssen. Dann regen wir uns auf, wenn die Bahn oder der Bus Verspätung hat. Wir prüfen die schnellste Verbindung, wenn wir mit dem Auto eine längere Strecke vor uns haben – natürlich sichern wir uns vorher ab, ob die geplante Strecke, zu bestimmten Zeiten, mehr oder weniger stauanfällig ist. Hauptsache: schnell und ohne unnötige, verzögernde Vorkommnisse.

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Der Unsinn der Entwicklungshilfe für China


„Das Land der untergehenden Sonne.“ „Das Reich der Mitte.“ „Eine Jahrhunderte lange Geschichte zahlloser Dynastien mit prachtvollen Tempeln und Anlagen.“ Noch bis vor einigen Jahren waren es vor allem Assoziationen wie diese, die mit China verknüpft wurden. Mit dieser Romantik muss Schluss sein! Von unserem Gastautor Olaf in der Beek.

Während die Volksrepublik China über den ganzen Globus hinweg ihre neue Seidenstraße baut, sind Europa und allem voran Deutschland auf dem Holzweg unterwegs. Sei es die Digitalisierung, der Ausbau der High-Tech-Industrie oder der Auf- und Ausbau von Infrastruktur in Afrika zur Erschließung der Märkte von morgen: Deutschland und Europa haben bisher keine Antwort auf die chinesische Übermacht gefunden.

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„Am 9. November fiel die Mauer und ich musste nie wieder Angst haben“

Dietmar Herzog arbeitet bis heute als Lokomotivführer von Dampfloks Foto: Privat

Unser Gastautor Dietmar Herzog lebt in Dresden und erinnert sich an den Tag als die Mauer fiel.

1989 kam der Brief; nicht unerwartet. Das „Wehrkreiskommando“ teilte mit, dass ich im November zu den „Bausoldaten“ der NVA einberufen werde. Während meiner Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser Anfang der 80er hatte man mir noch nahegelegt, dass ich mich mit der Weigerung, etwas anderes als den 3-jährigen „Ehrendienst“  in Betracht zu ziehen, von meinem Ziel, Lokomotivführer zu werden, eher entfernen würde. In drastischeren Worten. Ich wurde davon nicht entmutigt, hatte ich doch ohnehin vor, Dampflokführer zu werden, eine Berufung, der in der untergehenden DDR nur noch wenige folgten. Zudem ließen Rohstoffkrisen und die allgemein verfahrene wirtschaftliche Lage den Einsatz von  Dampflokomotiven zumindest mittelfristig als gesichert erscheinen.

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Elsers gescheitertes Attentat auf Hitler

Georg Elser. Foto: Schweizerisches Bundesarchiv Bern Signatur: E. 4320 (B) 1970/25
Georg Elser. Foto: Schweizerisches Bundesarchiv Bern
Signatur: E. 4320 (B) 1970/25


Unser Gastautor Manfred Barnekowüber Georg Elsers gescheitertes Attentat auf Hitler.

Der Krieg hatte sein blutiges Werk schon verrichtet. Das Böse hatte begonnen, die Deutschen setzten ihre völkische Rassenlehre um, ihr Volkskörper sollte die slawischen versklaven und mit den Polen machten sie den Anfang. Einsatzgruppen nannte man die Mörderbanden, die die polnischen Führungsschichten durch blanken Mord und Konzentrationslager ausrotten wollten, um dem Volk der Polen jeden Halt zu rauben und sie zu Leibeigenen

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Jede Rundfunktechnologie besitzt charakteristische Vor- und Nachteile

Kofferradio Foto: AurigaM36 Lizenz: Gemeinfrei

Als der niedersächsische Landtag im Juni diesen Jahres einen Antrag einer Regierungspartei einstimmig zusammen mit der Opposition verabschiedet hat, horchten Politikexperten kurz auf. So eine klare Stimmungslage deutet auf fast schon übermächtig einende Kräfte im Hintergrund hin, denn Anträge der Regierung werden in deutschen Parlamenten von der Gegenseite gerne abgelehnt um grundsätzlich die Unfähigkeit der Exekutive zu dokumentieren. Unser Gastautor Michael Radomski ist geschäftsführender Gesellschafter von Uplink Network.

Es ging dabei um die Frage, welche Technologie zukünftig das UKW-Radio ablösen soll oder eben auch nicht. Der digitale Standard DAB+ soll nun nach der Entscheidung in Niedersachsen nicht mehr gefördert werden, um unnötige Investitionen zu vermeiden. Grund dafür seien bereits in den Startlöchern stehende neue Rundfunktechnologien wie der Mobilfunkstandard

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Ein Brief an Mustafa Yeneroglu

Mustafa Yeneroğlu Foto: Homepage/Presse

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani.

Sehr geehrter Herr Yeneroglu,

heute durfte ich lesen, dass Sie aus der AKP ausgetreten sind, weil Sie keine Hoffnung mehr haben, dass Ihre parteiinterne Kritik von Erdogan und den Seinen gehört wird. Als ich das
gelesen habe, war ich überrascht: Wie naiv muss man sein, um nach den Ergenekon-
Prozessen, den Schauprozessen, bei denen Erdogan und die Seinen schon damals von einem Putsch faselten, den angeblich pensionierte Offiziere gegen die AKP geplant hatten und der sich am Ende in Nichts auflöste, und bei den Protesten rund um den Gezi-Park zu glauben, dass die AKP in irgendeiner Art und Weise reformierbar sei?!?

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Carlo Strenger: „Eine furchtlose, kluge Stimme ist verstummt“

Carlo Strenger Foto: Ofer Chen Lizenz: CC BY-SA 3.0


Carlo Strenger in Interviews zu sehen, seine Texte zu lesen war für mich immer eine ganz außerordentliche Ermutigung. Kahlköpfig, bebrillt verkörperte dieser Psychoanalytiker und unbeugsame Linksliberale die Stimme der Vernunft. Einer Hoffnung auf eine vielleicht doch friedlichere Zukunft. Soeben ist der in Zürich geborene und in Tel Aviv lebende Carlo Strenger im Alter von nur 61 Jahren überraschend verstorben. Der Schock sitzt tief. Man kann es nicht glauben. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

In Israel und teils auch weltweit war der psychoanalytische Freigeist Carlo Strenger seit Jahren das Feindbild rechtspopulistischer und selbsternannter „pro israelischer“ Gruppierungen. Sie hassten ihn, weil er sich jedem Ressentiment verweigerte und – trotz allen Terrors – auf eine

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Hedwig Porschütz, die stille Heldin

Berliner Gedenktafel am Haus, Feurigstraße 43, in Berlin-Schöneberg Foto: OTFW Lizenz: CC BY-SA 3.0


Wenig ist bekannt über die Rolle, die Prostituierte im Deutschen Widerstand spielten. Wie konnte es sein, dass Frauen, selbst diskriminiert und kriminalisiert, bereit waren, unter Einsatz ihres Lebens anderen Menschen zu helfen? Es sind stille Heldinnen. Von unserer Gastautorin Susanne Bleier Wilp.

In diesem Beitrag geht es um eine fast unbekannte Geschichte über die „stillen Heldinnen“, deren Lebensleistung bis heute kaum bekannt und anerkannt ist. Sie heißen Hedwig Porschütz, Dora, Mary und Muttchen, Fräulein Schmidt und Charlotte Erxleben, die eines eint. Sie sind allesamt Prostituierte gewesen. Ich habe mich auf die Suche nach diesen stillen Heldinnen gemacht und stelle euch einige vor. Leider gibt die Quellenlage nicht viel her, denn die meisten Helfer und Helferinnen sind nach 1945 verstummt, die meisten Zeitzeugen inzwischen verstorben.

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Wieso Erdogans Krieg gegen die Kurden am Ende auf ihn selbst zurückfallen wird

Recep Tayyip Erdogan Foto: ArtemAugust Lizenz: CC BY-SA 4.0


Es zeichnet sich langsam, aber immer deutlicher ab, welche langfristigen destabilisierenden Auswirkungen der faktische Verrat des Westens an den Kurden Nordsyriens haben wird: Wer auf eine langfristige Befriedung als Ergebnis der Aggression Erdogans hofft – und sei es nur im Sinne einer Friedhofsruhe -, der täuscht sich gewaltig. Tatsächlich wird das schändliche Fallenlassen der Kurden – vor allem der YPG-Milizen in Nordsyrien (Rojava) – die gesamte Großregion absehbar gefährlicher und blutiger machen. Von unserem Gastautor Tobias Huch

Die im Stich gelassene YPG, einst Speerspitze und maßgebliche militärische Kraft bei der Niederwerfung und Zerschlagung des IS in Syrien, wird sich wohl oder übel – teilweise auch aus Trotz – nun stärker zur PKK hin orientieren, zu der in letzter Zeit ein eher angespanntes

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