Sozialdemokratie selbst definieren

Martin Luckert
Martin Luckert


Reihe zur SPD: Bericht aus dem Maschinenraum Teil 3. Nach der verpatzten Bundestagswahl 2017 haben die Parteiführung der SPD und diverse mehr oder weniger direkt mit der Basis verknüpfte Initiativen innerhalb der Partei zum Erneuerungsprozess aufgerufen. Über ein Jahr ist seitdem vergangen. Spürbar verändert hat sich nichts. Auch unsere Wähler*innen scheinen nicht mehr darauf warten zu wollen oder glauben nicht mehr daran. In jüngsten Umfragen rutscht die SPD noch weiter mittlerweile auf 15 Prozent ab. Es sind der Vergangenheit grundlegende Fehler gemacht wurden. Sie werden zum großen Teil bis heute fortgeführt, inhaltlich wie strategisch. Einige strategische Punkte sollen hier angesprochen sein und sind als Gedanken zur Arbeitsweise der SPD zu verstehen. Ein Gastbeitrag von Martin Luckert.

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Taylor Swift, Donald Trump und die SPD

Marc Bleicher
Marc Bleicher

 

Reihe zur SPD: Bericht aus dem Maschinenraum Teil 1. Ein Gastbeitrag von Marc Bleicher.

 

Respekt. Und die Möglichkeit bedenken, nicht immer Recht zu haben.


Donald Trump mag Taylor Swifts Musik jetzt 25 Prozent weniger. Weil die von einigen als „arische Gottheit“ bezeichnete Countrysängerin unerwarteterweise angekündigt hat, bei den Midterm-Elections demokratisch und nicht republikanisch zu wählen. Sie hat also etwas getan, was ihr nicht zugetraut wurde. Was aber hat das mit ihrer Musik zu tun? Dann gibt es Menschen, die haben bestimmte Ernährungsgewohnheiten, seien sie vegan, vegetarisch, paleo oder vielleicht auch einfach eher das Gegenteil von all dem. Wahrscheinlich täten wir gut daran, wenn wir derartige Ernährungsgewohnheiten oder Musikgeschmäcker nicht gleich zu anderen Verhaltensweisen dazu packen würden wie eben einem bestimmten Wahlverhalten. Eine Grundausstattung an Respekt für ihr oder sein Verhalten ist das, was sich jede und jeder wünscht.

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Wenn das Fernsehen die Wirklichkeit trifft „Wahre Lügen“ – Der Tatort vom 13.01.2019

Bild: Tatortlogo (Quelle: Wikimedia/ Gemeinfrei)

Ein Krimi, besonders die Tatorte, sind oft unheimlich spannend und ziehe einen rasch in die Handlung hinein. Das ist normal und geht zahlreichen Fernsehzuschauern so.

Ganz etwas anderes ist es, wenn sich eine Fernsehsendung mit dem mysteriösen Ableben eines Familienmitgliedes befasst, ja, wenn dieses Familienmitglied die zentrale Figur der Handlung ist. So müssen sich nahe Verwandte von Promis fühlen, wenn sie sie im Fernsehen sehen. Mit dem Unterschied, dass diese Story, die ich gerade gesehen habe, auf wahren Geschehnissen beruht.

Karl Lütgendorf war Verteidigungsminister des Staates Österreich in der Kreiskyregierung. Er starb 1981, bevor ich geboren worden bin. Er war in dubiose Geschäfte verwickelt, unterhielt Beziehungen in den Nahen Osten und starb einen bis heute Fragen aufwerfenden Tod.

Und er war mein Großonkel. Eine persönliche Betrachtung von Max von Lütgendorff.

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Rosa-Luxemburg-Stiftung fördert „Israelkritik“ in Tel Aviv

BDS-Unterstützer Sa'ed Atshan zu Gast in den Räumlichkeiten der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv. Foto: Antideutsche Aktion Amidar
BDS-Unterstützer Sa’ed Atshan zu Gast in den Räumlichkeiten der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv. Foto: Antideutsche Aktion Amidar


Letzten Montag stellte die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv ihre Räumlichkeiten für eine Veranstaltung mit dem „Israelkritiker“ und BDS-Unterstützer Sa’ed Atshan zur Verfügung. Hier veröffentlichen wir den Bericht der Antideutschen Aktion Amidar, die sich die Veranstaltung angeschaut hat:

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Das Drama um die Auslandskorrespondenten

Protest im Iran 2018 Foto: Fars News Agency Lizenz: CC-BY 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani.

Geehrte Leser,

Die Problematik ist mir aufgefallen, als ich mich mit einem Freund auf Facebook über die Berichterstattung der anti-klerikalen Proteste, die in diesem Jahr, im Iran stattgefunden haben, unterhalten habe. Es ging um das fast vollständige Fehlen jeglicher Berichterstattung in den deutschsprachigen Medien über jene Proteste, die 2018 aufgeflammt sind. Dies hat, meiner Ansicht nach, mit einem ganz bestimmten Problem innerhalb der Medienwelt zu tun: Dem Auslandskorrespondenten, beziehungsweise dem Bereich, den ein Auslandskorrespondent heutzutage abdecken muss.

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Cama tov schebata ha‘baita, Hengameh


Vorab keine Entschuldigung: auf Grund der Zuspitzung des allgemeinen Wahns in den sozialen Medien und fehlendem taz-Abo gelangte der Text erst kürzlich in die Hände der Redaktion. Wir werden auch weiter, trotz (oder wegen) des Geschwindigkeitsrausches der oszillierenden Meinungen, erst nach der Reflexion des ersten Impulses etwas schreiben. Wir hoffen sie können diese Ungleichzeitigkeit unseres Vorhabens tolerieren. Von unseren Gastautoren von Lesezirkel Tubi 60.

Kama tov sche’bata ha‘baita, Hengameh.

Wir wissen zwar nicht wirklich was es bedeuten soll, eine Bezeichnung aus der eigenen Jugendzeit zu reclaimen – wie sagte Horkheimer einst: „Dafür ist mein Denken jedoch zu sehr materialistisch verseucht.“1Wir behaupten allerdings sehr wohl zu wissen, was hinter eben jener

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§ 219a: Ein Schlag ins Gesicht

§ 219a
Der § 219a ist immer wieder Anlass für politische Diskussionen.

CDU und SPD rühmen sich, einen Kompromiss im Streit um den § 219a gefunden zu haben. Unser Gastautor, der Jurist Patrick Manfred Mayer, hält ihn für einen Schlag ins Gesicht der Betroffenen.

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Putin, die Stasi und der mündige Bürger

Vladimir Putin Foto: Kreml Lizenz: CC BY 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani.

Kürzlich wurde bekannt, dass der STASI-Ausweis von keinem geringeren als Wladimir Wladimoriwitsch Putin, dem jetzigen russischen Präsidenten, in einem Dresdner Archiv gefunden wurde. Die Boulevard- und einige seriöse Medien haben sich auf diesen «Scoop» gestürzt und auch Teile der Bevölkerung in vielen zivilisierten Staaten waren schockiert. Mich hat dieser Fund des STASI-Ausweises von Putin weder überrascht noch schockiert, denn Putin war Leiter des FSB, der Nachfolgeorganisation des KGB, bevor er zum Präsidenten von Russland gewählt wurde. Ja, meine Damen und Herren, das russische Wahlvolk wählte vor bald zwanzig Jahren den Leiter der Nachfolgeorganisation des KGB zu seinem Präsidenten. Die Folgen dieser

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Genießen verboten: You can’t beat the feeling

Prost! Foto: Nsaa Lizenz: CC BY-SA 4.0


Über den demokratischen Genuss industriell geprägter Ernährungskultur. Von unserem Gastautor Daniel Kofahl

Ich möchte mit einer persönlichen Anekdote beginnen. Sie liegt inzwischen über 20 Jahre zurück, besitzt jedoch einen festen Platz in meiner (Ess-)Biographie. Sie spielt in der Mitte der 1990er-Jahre und im Grunde handelt es sich sogar um eine Beichte, ein Geständnis. Ich muss circa 13 Jahre alt gewesen sein. Ein Alter also, in dem mein juveniles Rabaukentum bei Eltern und Lehrern nicht nur fröhliches Entzücken hervorrief. Meine Mutter, eine Italienerin und Meisterin in der Zubereitung köstlicher Speisen, war trotz all der Sorgen, die ich ihr seinerzeit machte, fürsorglich genug, mir jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe ein Butterbrot als Schulverpflegung zuzubereiten. Dieses Butterbrot würde man heutzutage wohl mit Namen wie „Fitness-Vollwert-Gourmet-Stulle“ bewerben und im Straßenverkauf für mindestens 8,99 Euro an die „Bionade-Bourgeoisie“ verkaufen.

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Wissenschaftlerinnen, Nobelpreise, das Königshaus und die Mode

Frances Arnold nahm heute den Nobelpreis entgegen. (Foto: Bengt Nyman/ Wikipedia/ cc by 2.0)

Mit Frances Arnold gewinnt heute erstmals eine weiße US-Amerikanerin einen Nobelpreis, in ihrem Fall denjenigen für Chemie. Auch eine andere Wissenschaftlerin, Donna Strickland, gewann heute einen Nobelpreis.  Eine weitere Wissenschaftlerin, Friederike Seyfried, würdigt mit einem sehr persönlichen Gastbeitrag dieses Ereignis.

Irgendwann in den späten 90gern spielte ich mit meiner damaligen besten Freundin und jede Menge anderer Mädchen ein Gesellschaftsspiel, dessen Namen ich vergessen habe. Die Grundidee war jedoch die „Kennt dich deine beste Freundin wirklich?“ und das wurde so getestet, indem die eine Freundin geheim eine Frage beantworten musste und die andere Freundinnen raten mussten, wie Erstere die Frage beantwortet hatte. Eine Frage war „Was will Rike lieber gewinnen? Einen Nobelpreis, einen Oscar oder eine olympische Goldmedaille?“

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