Fateful Months

Reste einer deutschen Einheit kapitulieren, Dezember 1941 Foto: RIA Novosti archive, image #375 / Victor Kinelovskiy Lizenz: CC-BY-SA 3.0


Fateful Months nannte Christopher Browning in einem grundlegenden Werk zur Genesis der Shoa die zweite Jahreshälfte 1941. Als Fateful Days könnte man jene Tage von Mitte November bis zum 11. Dezember vor 77 Jahren bezeichnen, denn sie entschieden ein halbes Jahrhundert bis zur nächsten Zeitenwende im Jahre 1989, auf für die Heutigen nicht mehr nachvollziehbare Weise menschenverschlingend.  Von unserem Gastautor Manfred Barnekow.

Europa

Einen Monat zuvor glaubte sich die Wehrmacht vor dem deutschen Sieg. Die Fantasien der Vernichtungskrieger tobten, ein besetztes Russland in zwei Teilen strebten sie an, einen wirtschaftlich ausbeutbaren und einen, in dem die Menschen zu Grunde gehen sollten, sie nannten das Generalplan Ost und sahen 30 Millionen Verhungerte vor. Der Massenmord an den Juden Russlands hatte mit dem zweiten Tag des Überfalls auf die Sowjetunion

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Cinderella wird auf dem Markt gehandelt

Zum Duell Philadelphia Eagles gegen Houston Texans wird es in dieser Saison wieder kommen. Foto: Keith Johnston Pixabay.com CC0 1.0

Von Mario Thurnes

Das Quarterback-Karussell dreht sich wieder. Und wie immer fällt in der NFL dabei auch der Name des Backups der Philadelphia Eagles: Nick Foles. Die Chancen des Titelverteidigers auf eine Teilnahme an den Playoffs im amerikanischen Football sinken derweil.

Die Geschichte von Nick Foles ist eine Cinderella-Story, wie sie die Amerikaner lieben: Der 29-Jährige startete bei den Eagles, schaffte es zwischenzeitlich zum Starting-Quarterback, wurde aber durch Verletzungen zurückgeworfen. Gastspiele bei den St. Louis Rams und den Kansas City Chiefs verliefen wenig glücklich. Dann kehrte er 2017 zu den Eagles zurück.

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#100JahreFrauenwahlrecht und dennoch ist die Freiheit von Frauen in Deutschland erneut in Gefahr.

Photo by Darv Robinson on Unsplash

Längst sind Gleichberechtigung und die Freiheit von Frauen, über ihr Leben selbst zu entscheiden, für uns selbstverständlich geworden. So selbstverständlich, dass beim Stichwort Feminismus hauptsächlich an Nebenschauplätze wie Frauenquoten gedacht und lächerliche undemokratische Vorschläge wie eine feste Frauenquote für Abgeordnete im Bundestag gefordert wird. Dabei haben wir drängende Probleme. Von unserer Gastautorin Rebecca Schönenbach.

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Dortmund: Ein Blick von Außen

Wohnen am  Phoenixsee in Dortmund-Hörde


Unser Gastautor Klaus R. Kunzmann, emeritierter Professor der TU Dortmund und seit seiner Gründung bis  1993 Leiter des dortigen Instituts für Raumplanung , verfasste einen Beitrag für das kürzlich erschienene Buch „Dortmund bauen: Masterplan für eine Stadt“. Sein Text wurde ohne Begründung nicht veröffentlicht. Das holen wir gerne nach.

Strategien und Perspektiven der Dortmunder Stadtentwicklungspolitik im 21.Jahrhundert

Jeden Montagmorgen berichtet die von der Regierung in Beijing herausgegebene und kontrollierte englischsprachige Tageszeitung China Daily regelmäßig über die Ergebnisse der deutschen Fußball Bundesliga. Die Redakteure der Zeitung wissen, dass der Präsident des mächtigen Landes ein begeisterter Fußballfan ist. Die Erfolge von Borussia Dortmund werden immer aufmerksam verfolgt. Doch außer den Berichten über Fußballergebnisse ist Dortmund keine Stadt, die in China besondere Bedeutung erlangt hat. Während die Stadt, von innen

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11-11 oder: Wie ich meinem Opa begegnete

11-11, Bandai Namco, youtube screenshot

Meinen Großvater väterlicherseits kenne ich nur aus Erzählungen. Er starb 1946, 15 Jahre vor meiner Geburt, an einer postoperativen Blutvergiftung. Es gibt eine Geschichte über ihn, die mein Vater mir einmal erzählt hat, und ich weiß nicht, ob sie wahr ist. Aber ich wünsche es, und für mich ist sie deshalb wahr, denn es ist eine der besten Geschichten, die ich je gehört habe, und sie handelt vom Krieg. Von unserem Gastautor Wolgang Walk.

Mein Vater stand im Januar 1945 auf einem Kasernenhof in Dänemark, 17-jährig, und hatte gerade seine Ausbildung zum Reserveoffiziersanwärter absolviert. Die gesamte Kompanie, wurde ihr verkündet, sollte am nächsten Tag ins eingeschlossene Breslau geflogen werden. Mein Vater stand da im Winterwind und wusste: Sein Leben war vorbei. 17 Jahre – und dann das sinnlose Ende. Und dann wurde er ins Büro des Kompaniechefs gerufen.

Ob er der Sohn von Wilhelm Walk sei. Aus dem Hünfeldischen. Ja, antwortete mein Vater. „Dann bleibst du hier als Ausbilder“, verkündete der Hauptmann. „Dein Vater hat mir vor Verdun das Leben gerettet. Ich werde seinen Sohn nicht in den Tod schicken.“

Keinen seiner Mitrekruten sah mein Vater je wieder.

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Kollegah: Der „Imperator“ in Auschwitz

Kollegah Foto: Pistenwolf Lizenz: CC BY-SA 3.0

 Von unserer Schweizer Gastautorin Anastasia Iosseliani.

Der deutsche Rapper, welcher mit bürgerlichem Namen Felix Blume heisst und meiner Ansicht nach Aussieht, wie Sven Lau nach jahrelangem Anabolika-Missbrauch, hat am 9. November den Holocaust relativiert, in dem er die Situation der Araber im Gaza-Streifen, mit der Situation der Juden in Europa zwischen 1933-1945 verglichen hat. Zuallererst: Die Situation im Gaza-Streifen ist zwar tragisch, aber weder ist der Gaza-Streifen ein KZ noch das grösste Freiluftgefängnis der Welt. Das grösste Freiluftgefängnis der Welt, ist schlicht und ergreifend Nordkorea.

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Letzte Schicht: Bottrop, damals …

Zeche und Kokerei, von der Halde Schurenbach aus gesehen Foto: Arnold Paul Lizenz: CC BY-SA 3.0


Die letzte Zeche schließt, nach Jahrhunderten geht die Ära des Bergbaus zu Ende. Ruhrbarone-Autoren erzählen in den kommenden Wochen in loser Folge darüber, was sie mit der Welt der Zechen verbindet.  Heute schreibt unser Gastautor Werner Streletz über seine Kindheit in Bottrop.

Eine Erinnerung

Das Bottrop der 1950er/1960er Jahre, Stadt am grünen Strand der Emscher (die damals pechschwarz war): die Zechen Prosper I, II, III, ZK gleich Zentralkokerei, ZW gleich Zentralwerkstatt; Kirmes (rund um die Karnevalstage und im Herbst): Es gehörte zur festen Tradition, sie abends mit der Familie zu besuchen. Dort trafen sich alle, die Nachbarn, die Verwandten. Damals legten es Väter und Onkel hartnäckig darauf an, an der Losbude für die Kinder die „Freie Auswahl“ zu ergattern. Als wäre es eine hehre Verpflichtung. Die Männer gaben manches Scheinchen aus, öffneten Dutzende von Papierlosen, um ihr Ziel zu erreichen. Und stolz trugen die Kleinen den Riesen-Teddybären nach Hause, der dort einen Ehrenplatz in der Sofaecke bekam. Ich habe als Kind (also in den 1950er Jahren) nie so ein Riesenplüschtier besessen, aus welchem Grund auch immer. Rock ‘n‘ Roll an der Raupe, Halbstarke, von mir aus der Ferne bewundert.

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Die Saints sind der neue Favorit

Kein anderer Quarterback hat so viele Yards erworfen wie die Nummer 9 der New Orleans Saints, Drew Brees – hier beim Handout. Foto: Skeeze/Pixabay.com CC0 1.0

 

Von Mario Thurnes

Die Hälfte der regulären NFL-Saison ist vorbei. Die Kandidaten für die Playoffs zeichnen sich ab. Der amerikanische Sportsender ESPN sieht einen neuen Favoriten für den weltweit wichtigsten Football-Titel.

Der neunte Spieltag hat eines der bisher besten Aufeinandertreffen dieser Saison erlebt: Die New Orleans Saints besiegten zuhause die Los Angeles Rams mit 45:35. Gut möglich, dass die zwei Teams sich in den Playoffs wieder treffen. Im „Conference Game“, also dem Endspiel um den Titel in der NFC.

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Jan Böhmermann, die Nicht-Juden und ich

Jan Böhmermann am red carpet der Romyverleihung 2018 in der Hofburg in Wien, Österreich Foto: Manfred Werner (Tsui) Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von unserer Schweizer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Liebe Nicht-Juden

Ihr mögt es ja nicht Goyim genannt zu werden, oder?

Wisst ihr, was mir auf den Geist geht? Wenn Nicht-Juden mich nach Feierabend vor der Buchhandlung, in dem ich arbeite abpassen und mit mir eine Diskussion darüber haben wollen, ob Jan Böhmermann ein Antisemit ist, oder nicht. Wobei: Eine richtige Diskussion war das nicht, eher versuchte mich der Herr davon zu überzeugen, dass Jan Böhmermann, den wir übrigens

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Heute vor 75 Jahren begann die „Aktion Erntefest”

Massengrab der Aktion Erntefest bei Majdanek.
Massengrab der Aktion Erntefest bei Majdanek.


Heute vor 75 Jahren wurden mit der Aktion Erntefest 43.000 Menschen innerhalb eines Tages ermordet. Ein Gastbeitrag von Manfred Barnekow.

Dröhnende Musik erfüllte den Morgen des 3. November 1943 in Lublin. Surreal, Entsetzen hervorrufend, jedem längst bewusst, dass es eine bekannte Methode der Deutschen ist, Furchtbares zu übertönen, eine eigentlich sinnlose Tarnung, sie selbst offenbart schon alles. Es ist eher dazu geeignet, das Grauen für die Zuschauer zu verstärken. In und um Lublin gab es verschiedene Arbeitslager. Vielleicht 100.000 Juden existierten noch im

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