BVB enttäuscht in Paris: Das vielleicht unwichtigste Scheitern der Klubgeschichte

Das leere Stadion in Paris. Quelle: Wikipedia, Foto: Валерий Дед , Lizenz: CC BY 3.0

Es hat einfach irgendwie nicht sollen sein. Der BVB unterlag am Mittwoch bei Paris SG in der UEFA Champions League im Rückspiel des Achtelfinales mit 0:2 (0:2) und schied aus dem Wettbewerb aus. Das 2:1 aus dem Hinspiel reichte der Elf von Trainer Lucien Favre nicht um am Ende eine Runde weiterzukommen.

Natürlich ist das enttäuschend, aber wohl im Rückblick sportlich betrachtet irgendwann das unwichtigste Scheitern in der langen Klubgeschichte der Dortmunder.

Die Umstände waren mehr als ungewöhnlich. Als ‚Geisterspiel‘ durchgeführt war die Begegnung sportlich kein Leckerbissen. Der BVB blieb blass, die mit vielen Millionen aus Katar künstlich aufgepumpte Star-Truppe aus der französischen Hauptstadt glänzte auch nicht gerade.

Die Niederlage der Dortmunder war dem Spielverlauf entsprechend. Kein Fußballspiel, das einem noch lange in Erinnerung bleiben wird. Streng genommen war die Veranstaltung eines Achtelfinales in der Königsklasse sogar unwürdig.

Und doch wird man sich im Lager der Schwarzgelben wohl nicht allzu lange über diesen Abend ärgern müssen. Wer seinen Blick auch nur ein paar Mal schüchtern nach links und rechts wendet, dem können die Entwicklungen rund um das reine Sportgeschehen ja nicht verborgen bleiben.

Der weitere Weg der Champions League bis hin zur Pokalübergabe erscheint in diesen Stunden unsicher. So stellte zum Beispiel Inter Mailand als Reaktion auf einen Corona-Fall bei Ligakonkurrent Juventus Turin seinen Spielbetrieb in Italien bis auf Weiteres bereits ein. Der Aktive Daniele Rugani war dort zuvor positiv auf das Virus getestet worden. Beide Teams hatten am vergangenen Sonntag gegeneinander gespielt.

Das Team von Juventus „setzt derzeit alle gesetzlich vorgeschriebenen“ Vorgaben zur Quarantäne um, teilte der Rekordmeister daraufhin offiziell mit. Bedeutet im Klartext: Das betrifft auch die Personen, die mit Rugani seither Kontakt hatten. Dadurch gerät die für den kommenden Dienstag angesetzte Begegnung der Turiner gegen Olympique Lyon im Europapokal kräftig ins Wanken.

Eine Entwicklung, die den Profifußball bald auch bei anderen Spielen und in anderen Wettbewerben in aller Härte ereilen dürfte. So wurde am Mittwoch auch schon eine Coronavirus-Erkrankung bei einem Spieler von Hannover 96 in der deutschen 2. Liga bekannt.

Vor diesen Hintergründen erscheint nicht nur das für Samstag angesetzte große Revierderby zwischen den BVB und dem FC Schalke 04 plötzlich völlig unwichtig. Es wird von Tag zu Tag offensichtlicher, dass Geisterspiele nicht die Lösung sein können um den Spielbetrieb im Fußballzirkus aufrechterhalten zu können.

Da ein Ende der Pandemie in Europa derzeit noch gar nicht abzusehen ist, werden vermutlich viele sportliche Entscheidungen in diesem Frühjahr schlicht nicht wie gewohnt und gewünscht getroffen werden können.

Terminverschiebungen einzelner Begegnungen sind keine echte Alternative, würden sie das sich abzeichnende Ansetzungs-Chaos in absehbaren Zeiträumen doch nicht zu lösen helfen. Dafür sind die Terminkalender bis Ende Mail schlicht schon jetzt zu knapp gestrickt und die sich abzeichnende Anzahl der Erfordernisse in Bezug auf Umplanungen schlicht zu groß.

Das Ausscheiden des BVB beim von Ex-Dortmund-Coach Thomas Tuchel betreuten Paris Saint Germain könnte daher ein Muster völlig ohne nachhaltigen Wert gewesen sein.

Trösten tut diese Erkenntnis die Millionen BVB-Fans in diesen Stunden aber nicht wirklich. Eine Ausrede für den schwachen Auftritt in der französischen Hauptstadt darf das nämlich bei einem Profiteam nicht gewesen sein. Zumal alle Beteiligten vor dem Anpfiff die Bedeutung des Spiels noch einmal explizit betont hatten. Einen Wert, den es allerdings wohl nicht wirklich gab. Der Sport, ohnehin ‚nur‘ die schönste Nebensache der Welt, droht aktuell auf breiter Linie schlicht zu einer Marginalie zu werden.

Dir gefällt vielleicht auch:

5 Kommentare

  1. #1 | Thomas Weigle sagt am 12. März 2020 um 08:13 Uhr

    Es wird auf einen Abbruch in allen Ligen hinauslaufen, so wie es DEL und DEB bereits beschlossen haben. Die EM wird wohl auch geknickt werden. Es wird ja sogar schon eine Verlegung der OS in Tokio diskutiert. Die könnte man 22 abhalten, aber für eine ausgefallene EM neue Termine finden, dürfte ungleich schwieriger sein. Vielleicht an Stelle dieses seltsamen Wettbewerbes Nationscup oder wie das Bankert heißt?

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 12. März 2020 um 08:23 Uhr

    Dazu sehe ich leider auch keine Alternative, Thomas. Spätestens wenn die halbe Mannschaft eines Bundesligisten unter Quarantäne steht ist der Zauber sehr schnell vorbei. Dürfte nur noch eine Frage von Tagen sein. Leider.

  3. #3 | thommy sagt am 12. März 2020 um 09:40 Uhr

    Ich denke nicht, dass man grundsätzlich alle Lügen absagen muss. Ab 3.Liga abwärts mit Ausnshme einiger Regionaligaspiele finden die Spiele sowieso ohne nennenswerte Publikumsbeteiligung statt.

    Sollte es allerdings zu einer weiteren Verbreitung des Coronavirus kommen – was zu befürchten steht- wird das Nichtstattfinden von Fußballspielen ohnehin das geringste Problem werden.

  4. #4 | Dieter Bloss sagt am 12. März 2020 um 10:48 Uhr

    Was ich absolut verantwortungslos finde, dass der DFB und der DHB die Amateurligen einfach laufen lassen. In Deutschland gibt es mehr als 6 Millionen Fussballer. Davon dürften Hunderte derzeit unerkannt infiziert sein und am Wochenende ihre Mitspieler Trainer, Gegner und Unterstützer in Gefahr bringen und es werden völlig unnötig hunderte neue Übertragungsketten in Gang gesetzt, die in den nächsten Wochen zu tausende ja zigtausende Folgefälle potenzieren werden.

    Danke schön DFB!

    Die Staatskanzlei in Düsseldorf, die bei uns für den Sport zuständig sind, könnte dem entgegen wirken und die Schliessung aller Hallen uns Sportplätze anordnen. Der öscher Karnevalsprinz Armin Laschet und sein Adjutant Nathanael Liminski scheinen dem aber intellektuell nicht gewachsen zu sein. Sicherlich beten die beiden Herren aber wie Michael Pence gemeinsam gegen den Virus und für unsere Gesundheit. Jeder soll ja gerade nach seiner Fähigkeiten helfen. Zu mehr ist man in der Staatskanzlei offensichtlich nicht fähig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung