BVB, Köln, Bayern: Es lebe der schnelle Stimmungsumschwung!

Die Dortmunder Verantwortlichen bei der Vorstellung von Peter Bosz. Foto: Robin Patzwaldt

Dass die Fußball-Bundesliga Tagesgeschäft ist, das ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Nichts ist von Dauer, ein paar Erfolge oder Misserfolge in Serie können für eine völlig veränderte Stimmung rund um ein Team, auch in der öffentlichen Berichterstattung bedeuten.

Bis vor rund zwei Wochen galt Borussia Dortmund noch als Paradebeispiel für einen gelungenen Saisonstart. Nach sieben Spielen war man nicht nur Tabellenführer, man hatte auch bereits fünf Zähler Vorsprung auf die Konkurrenz. Der Himmel schien im östlichen Revier voller Geigen zu hängen. Trainer Peter Bosz war ein gefeierter Mann. Kaum jemand hätte ihm einen so reibungslosen und schnellen Übergang von Coach Thomas Tuchel zugetraut, der mit dem BVB ja noch Ende Mai DFB-Pokalsieger in Berlin wurde.

Doch Bosch gelang der Start, er ließ seinen Vorgänger schnell aus den Köpfen vieler Beobachter verschwinden. Nun, zwei Wochen später sieht die Situation plötzlich völlig anders aus. Nach zuletzt drei sieglosen Spielen ist der BVB zwar noch Tabellenführer in der Liga, in der Champions League droht hingegen das Vorrundenaus. Kein Drama, doch die Stimmung ist gekippt.

Plötzlich kursieren öffentlich viele Zweifel an dem Niederländer. Sein Spielsystem sei zu simpel, er zu unflexibel und stur. Selbst Fragen über die Zukunft des Trainers musste sich Sportdirektor Michael Zorc vor dem Bundesligaspiel am vergangenen Spieltag in Frankfurt schon gefallen lassen. Und das als Tabellenführer. Schon irgendwie irrwitzig, wie schnell das aktuell geht.

Ähnlich spektakulär der Stimmungsumschwung in Köln. Im Mai wurden die Macher dort noch gefeiert, konnte man doch erstmals seit einem Vierteljahrhundert wieder eine Europapokalqualifikation klar machen. Jetzt, im Herbst dessselben Jahres, ist der FC am Tabellenende der Liga angekommen, die ursprünglich herbeigesehnte UEFA Europa League-Teilnahme zu einem sportlichen Albtraum geworden.

Kein einziger Sieg aus den bisherigen neun Ligaspielen. Und auch auf internationalem Parkett gelang den Rheinländern in drei Spielen bisher noch kein Erfolg. Gestern dann die Trennung von Sportdirektor Jörg Schmadtke. Auch Coach Peter Stöger musste sich schon mit Fragen nach seiner Zukunft befassen.

Schmadtke und Stöger, die beiden Hauptverantwortlichen für den Kölner Aufschwung in den letzten Jahren, welche vor wenigen Wochen noch auf den Schultern der Fans durch die Stadt am Rhein getragen wurden sind nun teilweise feindsehligen Sprechchören ausgesetzt gewesen.

Interner Streit scheint im Club zu schwelen. Anders ist die Trennung vom Sportdirektor am Montagabend ja nicht zu erklären. Auch hier staunt man als Beobachter, wie schnelllebig diese Zeiten offenbar geworden sind.

Andersherum die jüngsten Veränderungen beim FC Bayern München. Aber nicht weniger unerklärlich. Schwach in die Liga gestartet. Zumindest für die eigenen Ansprüche, trennte man sich hier von Trainer Carlo Ancelotti  noch bevor der Herbst erreicht war.

So etwas hatte es in München schon Jahre lang nicht mehr gegeben. Mangels überzeugender Alternativen und scheinbar ohne zukunftsfähiges Konzept reaktivierten die Bayern den Rentnertrainer Jupp Heynckes, der sich die letzten vier Jahre hauptsächlich mit Familie und Hund beschäftigt hatte, als Übergangslösung bis zum kommenden Sommer.

Und siehe da, nach drei wenig herausfordernden Erfolgen über den Bundesligazwerg Freiburg, Champions League Außenseiter Celtic Glasgow und den gefühlt permanent kriselnden Hamburger SV ist in München nun scheinbar plötzlich alles wieder super.  ‚Wundertrainer‘ Jupp Heynckes sei Dank!

Dass man auch diesen damals mal selbst und völlig gewollt aus bestimmten Gründen vom Hof gejagt  hatte, das  ist scheinbar völlig vergessen in der Landeshauptstadt der Bayern. Plötzlich ist wieder alles super beim Rekordmeister.

Muss man so alles längst nicht mehr nachvollziehen können. Aber zumindest erhöht diese Schnelllebigkeit den Unterhaltungswert. Und darum scheint es inzwischen immer mehr zu gehen. Doch wirklich nachvollziehbar ist das Alles längst nicht mehr!

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14 Kommentare

  1. #1 | Klaus Lohmann sagt am 24. Oktober 2017 um 12:07 Uhr

    Stöger schwimmt mit den Fans auf der Europa League-Welle und will mehr (vor allem mehr Spieler), Schmadtke guckt auf die Tabelle und will lieber für die zweite Liga sparen – so lebt man sich halt auseinander in Kölle;-)

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 24. Oktober 2017 um 12:24 Uhr

    @Klaus: Wobei die Neuverpflichtungen im diesjährigen Sommer in Köln ja tatsächlich bisher nicht ansatzweise die Erwartungen erfüllen konnten. Doch wenn das alleine schon für eine Trennung reichen würde, dann wäre Zorc beim BVB damals nicht alt geworden 😉 Und die Erfolgsbilanz der vergangenen Jahre hätte Schmadtke da eigentlich ein höheres Standing sichern sollen. Aber ok, man kennt die genauen Hintergründe ja bisher noch nicht. Der radikale Stimmungsumschwung ist trotzdem erschreckend….

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 24. Oktober 2017 um 12:45 Uhr

    Gestern bei Sky90 hieß es noch zum Schluß von irgendeinem FC-Vereinsheim-Reporter, dass man seitens des Vorstands Schmadtke halt Dissonanzen mit Stöger vorgeworfen hatte, Schmadtke dies aber energisch abstritt und als er merkte, dass man ihm nicht glaubt, kurz und knapp in den Sack gehauen hat – typischer Schmadtke halt. Und nun steht ja Onkel Allofs schon dicht vor der Tür;-)

    Schätze mal, dass die Europa League einfach 3 bis 4 Jahre zu früh kam und der durchgeknallte Karneval beim FC wieder die Oberhand gewonnen hat.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 24. Oktober 2017 um 12:50 Uhr

    @Klaus: Sky90 schaffe ich am neuen Sendeplatz leider nur noch sehr selten. Bin nach dem Eröffnungsstatement von Lienen direkt eingeschlafen.

    Grundsätzlich habe ich auch von einem 'Streit' zwischen Schmadtke und Stöger gehört. Stöger hatte zuletzt ja auch schon mehrfach öffentlich betont, dass er nicht freiwillig hinwerfen werde. Da könnte man im Nachhinein so etwas reininterpretieren. Im Netz befürchten heute ja viele Fans und Beobachter, dass es mit der Ordnung und Ruhe in Köln jetzt erst einmal wieder vorbei ist, der alte Karnevalsverein zurückkehrt. Wäre natürlich schade um die gute Arbeit der letzten Jahre. Und auch die Zukunft von Stöger sehe ich nun, selbst wenn er Schmadtke nun 'überlebt' hat, noch nicht gesichert. Sportlicher Erfolg kehrt durch die Trennung von Schmadtke ja längst noch nicht automatisch zurück. Sein Einfluss war bis zur Winterpause wohl eh arg begrenzt. Bin gespannt wie es da weitergeht.

  5. #5 | Walter Stach sagt am 24. Oktober 2017 um 17:04 Uhr

    Robin,
    ich meine, daß es keinen Fußball-Fan überrascht haben dürfte, daß einer "der Zuständigen/der Verantwortlichen" für die derzeitige Leistungsstärke/Leistungsschwäche der Mannschaft des FC Köln Konsequenzen gezogen hat -oder "sich dazu genötigt sah".

    Ich meine allerdings auch, daß es für viele Fans eine Überraschung war, daß es Schmadtke und nicht Stöger war, der…………..

    Ich kann nicht einmal erahnen, welche Gründe für das Ausscheiden von Schmadtke und gegen das von Stöger sprechen könnten und ich kann schon gar nicht mit reden, wenn darüber spekuliert wird, ob dieses Ausscheiden von Schmadtke sich alsbald "leistungsfördernd" auf die Mannschaft auswirken dürfte -oder eben nicht-.

    Überrascht bin ich, wie die Mehrheit der Fußball-Fans, letztendlich darüber, daß der FC Köln so mies in die Saison gestartet ist mit entsprechenden Konsequenzen -und nicht……??-. Gründe dafür? Allein der "Verkauf " von …..nach China?

    Robin,
    "heute Hosianna und morgen kreuzigt ihn"…….
    Ja, so ist das in einer vorgeblichen Leistungsgesellschaft, in der nicht so sehr zählt, die der Erfolg.
    Und da es im Profi-Fußball mehr und mehr um den kurzzeitige Erfolg geht, reagiert die Branche eben auch besonders schnell mit " Hosianna heute und mit kreuzigt ihn morgen" und das nicht wider den Willen der Fans, sondern durch diese oftmals initiiert und befeuert.

    Der BVB und wir BVB-Fans sind m.E. insofern grundsätzlich nicht anders als der FC Köln und seine Fans.

    Unterstellt:
    "Wir" fliegen aus dem DFB-Pokal, wir werden nur 4. in der Vorrunde der Champ.lig, wir verlieren die nächsten 4 Spiele in der Liga……….
    Ich denke, daß dann auch beim BVB einer den Hut nehmen müßte. Fraglich erscheint mir nur, wer das denn sein würde.

    Damit ich nicht mißverstanden werde:
    Für mich ist ein BVB-Szenario, wie vorstehend skizziert, derzeit undenkbar.
    Ich bin als BVBer weiterhin optimistisch mit Blick auf meine Erwartungen an die Spielzeit 2o17/2o18 (Platz 2, 3 oder 4 in der Liga !!)
    Mein Wunsch auf ein Weiterkommen in der Cham.lig scheint sich nicht zu erfüllen. Jetzt bleibt mir insofern nur noch die Hoffnung, daß der BVB zumindest in der Euro-Lig dabei sein wird.

    Ob sich mein Wunsch auf das Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal erfüllen wird? Ich schließe nicht aus, daß ich diesen Wunsch nach dem Spiel heute Magdeburg "begraben" kann. Die Mannschaft wirkt auf mich derzeit so stark verunsichert, daß eine Niederlage in Magdeburg für mich keine Überraschung wäre. Für diese Verunsicherung ließen sich mehre Gründe anführen. Über diese können wir uns ja ggfls. ab morgen unterhalten. Oder -was ich sehr hoffe-das Thema hat sich mit einem Sieg in Magdeburg erledigt -jedenfalls vorläufig.

  6. #6 | Robin Patzwaldt sagt am 24. Oktober 2017 um 19:31 Uhr

    @Walter: Wenn ich gerade so höre, wen der BVB heute offenbar alles schont, dann bin ich mal wieder gar nicht so optimistisch in Sachen Erfolg….

  7. #7 | Walter Stach sagt am 24. Oktober 2017 um 20:11 Uhr

    Robin, mir geht es ähnlich, nachdem ich mir die aktuelle Aufstellung angesehen habe.

  8. #8 | Walter Stach sagt am 24. Oktober 2017 um 22:12 Uhr

    Robin,
    nach dem 2:0……….
    Aber, aber….."ein Spiel dauert 9o Minuten" oder so ähnlich!

    -Sch…., daß die Ultras des BVB wieder einmal mit sog. Pyrotechnik nicht nur das Spiel beeinträchtigen, sondern dem BVB erneut schwer schaden. Dass es solche Idioten unter uns BVB-Fans gibt, läßt sich nicht ändern, wohl aber sollte es dem BVB-Vorstand gelingen, ihre unsäglichen Auftritte ein- für allemal zu verhindern -Null Toleranz!!!!!!-. Und darüber kann und darf m. E. nicht mehr mit diesen Typen und mit ihren Sympathisanten diskutiert werden , also auch nicht über ihre immer wiederkehrenden Rechtfertigungs- , Entschuldigungs- und Relativierungsversuche.

  9. #9 | Walter Stach sagt am 24. Oktober 2017 um 22:40 Uhr

    Robin,
    5: 0 !!
    Ist dieser Sieg zugleich das Ende einer -vermeintlichen oder tatsächlichen- Krise des BVB?

  10. #10 | RobinS sagt am 25. Oktober 2017 um 00:53 Uhr

    Beim BVB und Bosz fehlt es an Bestätigung der Leistungen zu Beginn der Saison. Bosz hat den zweitteuersten Kader der Liga übernommen, von Tuchel gut "vor-"trainiert. Da konnte man angesichts des relativ leichten Startprogrammes durchaus erfolgreiches Abschneiden erwarten, wobei manche Vorstellung des BVB zugegebenermaßen durchaus spektakulär geriet.

    Gegen Tottenham allerdings spielte der BVB wie eine Schülermannschaft, die am Tag zuvor auch noch zu tief ins Glas geschaut hatte.

    Bosz, durchaus sympathisch und eloquent, muss zunächst beweisen, dass er den BVB dauerhaft zumindest in dieser Saison in der Spitze der Top 3 etablieren kann- was aber allerdings in einer Bundesliga, die weit hinter anderen europäischen Topligen hinterherhinkt, angesichts des millionenschweren Kaders, der dem BVB zur Verfügung steht, keine allzu große Meisterleistung wäre.

    Bei den Bayern sieht es anders aus. Diese haben sich damals von Heynckes in der Tat aus meiner Sicht unwp2rdig getrennt, weil sie Guardiola wollten und bekamen – allerdings trennte dieser sich bekanntermaßen von den Bayern drei Jahre später, um seine englischen Dprachkrnntnisse tu verbessern.obwohl sie ihn unbedingt halten wollten.

    Ancelottis erste Saison war schon- gemessen an den dortigen Ansprüchen- eher bescheiden, in seiner zweiten Saison drohte dem FC B allerdings der Anschlussverlust an die europäische Spitze und der Verlust der sportlichen Autorität auf deutschen Fussballplätzen und somit zur Lachnummer zu verkommen – die Bayern nationaler Durchschnitt und international unter " ferner liefen"?

    Unvorstellbar für die erfolgsverwöhnten und weiterhin ambitionierten Bayern-Bosse .

    Heynckes übernahm, bevor es zu spät war- er hat alle Chancen, die Bayern auf die Erfolgsspur zurückzubringen- noch drei Monate mit Ancelotti.und die Bayern wären auf Platz sieben bis zehn in der Buli abgerutscht und ausgeschieden im DFB-Pokal und in der CL.

    Insofern war der Zeitpunkt richtig-es ist ( noch) alles in dieser Saison möglich (CL-Sieg aber eohl eher auch in dieser Saison nicht) und in der nächsten Saison kam der FC B mit einem neuen Traner- der im Erfolgs-
    oder auch Notfall auch weiter Heynckes heißen könnte- neu durchstarten. Ob dieser neue Trainer dann Nagelsmann heißen wird, darf angesichts der derzeit auch nicht wirklich überragend spielenden TSG bezweifelt werden .

  11. #11 | Walter Stach sagt am 25. Oktober 2017 um 12:46 Uhr

    Robin,
    ich bin gespannt, wie das Pokal-Spiel der Bayern heute in Leipzig ausgehen wird. Ich erwarte ein sog. Spitzenspiel zweier Spitzenmannschaften der Bundesliga. Und – leider- rechne ich als BVBer damit, daß beide Mannschaften am Ende der Spielzeit 2o17/2o18 in der Tabelle "vor uns" stehen werden. Das hießt nicht, daß ich dieserhalb jegliche Hoffnung aufgebe.

    Zudem bin ich gespannt darauf, ob und wie der BVB am Samstag in Hannover zeigen wird, daß der Erfolg in Magdeburg ihn so "beflügeln" konnte, daß es auch dort für einen Sieg reichen wird. Es gibt mehrere Gründe -nicht nur der Sieg mit 5:0-, die mich wieder optimistisch stimmen.

    Zu den Bayern:
    "Irgendwo" habe ich heute lesen können, daß jetzt auch Hasenhüttel von RB Leipzig als Trainer des FCB ab der Spielzeit 2o18/2o19 im Gespräch ist. Wenn ich FCB Fan wäre, stünde ich dieser Idee sehr positiv gegenüber.

  12. #12 | Lukas N. sagt am 25. Oktober 2017 um 17:36 Uhr

    @Walter Stach
    Deine Kommentare hier zum BVB kann man eigentlich stellvertretend für die Stimmungslage unter den Fans nehmen. Viele Fans fragen sich, wie stark ist der BVB diese Saison und inwieweit steht die Spielidee des neuen Trainers Bosz für sportlichen Erfolg. Nach einem furiosen Start in die Ligasaison kamen bei einem Teil der Fans schon verfrühte Meisterschaftsphantasien auf. Dann gab es zuletzt den einen oder anderen Rückschlag, eine Delle, und akutell scheint die Tendenz wieder eher ins positive zu drehen.

    Ich denke, man darf den Saisonstart nicht zu positiv sehen, denn da war auch Glück dabei, einige schlagbare Gegner und Gegner, deren Offensivreihen Großchancen zur Führung nicht nutzen konnten. Dementsprechend sollte man auch die Delle zuletzt nicht zu negativ einschätzen. In einer Krise war der BVB bisher jedenfalls nicht.

    Der Kader des BVB ist auf keinen Fall schlechter als letzte Saison. Was gleichwertige oder fast gleichwertige Alternativen angeht, ist der Kader sogar auf der einen oder anderen Position besser aufgestellt als letzte Saison.
    Man kann da sogar @RobinS zustimmen, der oben schreibt, der BVB müsse mit der Qualität seines Kaders auf jeden Fall unter die Top 3 der Liga kommen. Das stimmt auch. Alles andere wäre sportlich eine Enttäuschung.

    Was bisher u. a. fehlt, ist ein Erfolgserlebnis gegen Topgegner. Denn die Spiele gegen Tottenham, Real Madrid und RB Leipzig gingen allesamt verloren.
    Des Weiteren hätten die Spiele in Nikosia und in Frankfurt gewonnen werden müssen. Nikosia war sicherlich ein Tiefpunkt, nicht erklärbar, ein grottenschlechtes Spiel gegen einen Gegner auf gehobenem Zweitliganiveau. In Frankfurt musste Bosz experimentieren, weil viele Abwehrspieler verletzt oder gesperrt fehlten. Aber dann führt der BVB mit einer Notabwehr 2 : 0 und dann wirbelt Bosz diese Notabwehr nochmals durcheinander, tauscht drei Positionen der Viererlkette. Des Weiteren setzte er durch die Auswechslung von Castro und die Hereinnhame von Kagawa auf noch mehr Offensive in diesem wilden Spiel. Nach diesen Umstellungen erzielte Frankfurt innerhalb von wenigen Minuten den 2 : 2-Ausgleich. Ich denke, das muss Bosz aufgrund dieser unverständlichen Entscheidungen auf seine Kappe nehmen.

    Es war von Anfang an klar, dass Bosz seine Spielidee der Offensivverteidigung, des sehr hoch stehens der Mannschaft auf dem Platz, des offensiven Gegenpressing usw. ohne Wenn und Aber und ohne Kompromisse durchzieht.
    Die Frage ist, ob es richtig ist, dass auch jetzt bereits zu tun, wo die Mannschaft das noch nicht komplett umsetzen kann, soweit noch nicht ist, vor allem wenn es gegen Top-Teams geht oder das eigene Team personell geschwächt ist.
    Müsste Bosz dann die Mannschaft nicht etwas tiefer stehen lassen oder auch mit zwei defensiven Mittelfeldspielrn spielen?
    Bosz stellte zuletzt nochmals klar, dass er an seiner Spielidee und an der Ausrichtung nichts ändern werde.

    Er hat auf jeden Fall eine klare Vorstellung von dem Fußball, der unter seiner Regie gespielt werden soll. Ob das auch auf hohem Niveau erfolgreich sein kann, muss sich noch zeigen. Für endgültige Beurteilungen ist es noch zu früh. Und so werden Zweifel bis zum Beweis des Gegenteiles zunächst weiterbestehen. Sollte das System irgendwann bestens funktionieren und auch gegen Topteams erfolgreich sein, wird man Bosz uneingeschränkt loben können. Gelingt das aber nicht, wird es heißen, klar, das ist ein sturer Trainer, der seinen Stiefel auch dann noch durchzieht, wenn es nicht funktioniert.
    Also warten wir mal noch etwas ab, denn derzeit ist es noch nicht möglich, Bosz und den BVB unter Bosz genau genug einzuschätzen.

    Drei Saisonziele wurden ausgegeben, CL-Platz in der Liga, im Pokal wieder sehr weit kommen und in der CL überwintern, also die Gruppenphase überstehen.
    Das letztgenannte Ziel ist leider kaum noch erreichbar, denn nach dem Grottenkick in Nikosia und dem Unentschieden Tottenhams in Madrid bräuchte der BVB schon ein Wunder, um noch auf Platz 2 der Gruppe kommen zu können. Ein Saisonziel kann man also wohl bereits abschreiben und das ist eine Enttäuschung.
    Im Pokal in Magdeburg war das für den BVB eine Pflichtaufgabe, egal in welcher Besetzung er da spielt und es stand ja eine starke BVB-Mannschaft auf dem Platz.
    Die einzig echte Überraschung war, dass Bosz Isak als Mittelstürmer aufgeboten hat, aber vermutlich konnte der im Training überzeugen. Dass er ein großes Talent ist und viel Potenzial hat, war ja bekannt. Er überzeugte und ich bin sehr gespannt, wie es mit seiner Entwicklung weitergeht.
    Guerreiro und Schürrle kehrten auf den Platz zurück und vor allem Guerreiro ist ja ein Spieler, der das Spiel des BVB beflügeln kann, der Impulse setzt, für noch mehr Qualität sorgt.

    Diese Pflichtaufgabe im Pokal mit Blamierpotenzial, weil man Magdeburg nicht unterschätzen darf, hat der BVB souverän gelöst. Aber damit ist natürlich noch nicht alles wieder gut. In der Liga wartet jetzt das Auswärtsspiel in Hannover und das sollte unbedingt gewonnen werden, um die Stimmung allgemein wieder ins positive drehen zu können.
    Der Trainer kann jetzt auch personell auch so ziemlich aus dem vollen schöpfen, nur die Langzeitverletzten Reus, Durm und Piszczek fehlen noch.

    Was mich zuletzt sehr geärgert hat, sind die völlig überzogenen Reaktionen der BVB-Bosse nach einigen kritischen Berichten und Diskussionen in den Medien, wobei sie die Punkte, die man kritisch sehen muss, einfach mal ausgeblendet haben. Im Übrigen erleben wir ja auch in unseren BVB-Fankreisen kritische und kontroverse Diskussionen.
    Ich gehöre bekanntlich zu denjenigen, die den BVB für den mit bestgeführten Klub in Deutschland und auch in Europa halten und habe ja auch schon mehrfach detailliert dargestellt, dass die Bosse den BVB seit der Fastinsolvenz in beeindruckender Weise sportlich und finanziell nach oben geführt haben.
    In der Außendarstellung schwächeln die Bosse aber seit einigen Monaten und sie reagieren erstaunlich gereizt und heftig auf Kritik. Das zeigt, dass doch aus bekannten Gründen etwas Erfolgsdruck und eine etwas angespannte Lage da ist. Im Übrigen wurde ja ein Saisonziel bereits so gut wie verfehlt, nämlich das überwintern in der CL. Ich wünsche mir einen wieder besseren und ernsthafteren Umgang der Bosse mit Kritik und angemessene Reaktionen auf Kritik.

  13. #13 | Walter Stach sagt am 25. Oktober 2017 um 19:43 Uhr

    Lukas N.,
    ich frage mich, wo die Gründe liegen könnten für den auch auf mich "wenig souverän" wirkenden Umgang" der BVB-Bosse mit den Fans, die nach enttäuschenden Spiele sich nachdenklich und besorgt über "Ihre Mannschaft" geäußert und dabei -jeder für sich- seine Mutmaßungen über die Gründe für die "Schlechtleistung" der Mannschaft formuliert haben. Das ist doch normales Fan-Verhalten. Wenn das nicht so wäre, würde irgend etwas mit "uns Fans" nicht stimmen.

    (Waren die "BVB-Bosse" sich sicher -zu sicher?-, auf jeden Fall in der Champ.lig weiter zu kommen und reagiert evtl. deshalb so gereizt auf kritische Erwägungen der Fans, weil dieses Saisonziel wohl nicht erreicht werden dürfte? Oder hat die Verletzungsmisere daran ihren Anteil? Oder…? Ich weiß es nicht.)

    Insofern sollte, so hoffe ich es jedenfalls, das Weiterkommen im Pokal und die über weite Strecken guten Leistungen in allen Mannschaftsteilen gestern in Magdeburg, zudem die sehr gute Leistung von Isak (!!), aber auch die Rückkehr von….-insbesondere von , Guereiro(!!) das Selbstbewußtsein der Mannschaft stärken und hoffentlich auch das der BVB-Bosse, so daß diese zukünftig auf Fan-Kritik gelassener reagieren als in jüngster Zeit.

    PS
    1.
    Für mich waren rückblickend die "Darbietungen" unseres BVB in der II.Halbzeit in Augsburg der bis heute für mich unbegreifliche, ja erschreckende Leistungstiefpunkt, den ich als solchen auch nicht aufgrund des 2: 1 Erfolges wegstecken konnte und nicht wegstecken wollte.)
    2.
    Zum Trainer Bosz:
    Lukas N.,
    da kann ich nur das von Dir dazu Gesagte wiederholen:
    "Also warten wir mal noch etwas ab, denn derzeit ist es noch nicht möglich, Bosz und den BVB unter Bosz genau genug einzuschätzen".

    (Ich werde jedenfalls nicht den Unsinn betreiben und die "Tuchel-Keule" herausholen, um…….;, auch deshalb nicht, weil ich mich seinerzeit -u.a. hier bei den Ruhrbaronen- vehement gegen den Rausschmiß von Tuchel durch Watzke/Zorc zu Wort gemeldet habe.)

  14. #14 | Alle schauen auf Bosz, doch wer nimmt eigentlich Watzke und Zorc beim BVB in die Verantwortung? | Ruhrbarone sagt am 10. Dezember 2017 um 11:34 Uhr

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