Wissen

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Lamya Kaddor und die Verkennung der Aufklärung

Lamya Kaddor Foto: © Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0


Lamya Kaddor, Religionswissenschaftlerin und Autorin hat sich in einem Beitrag auf t-online mit der Frage beschäftigt, warum Muslime so wenige Nobelpreise bekommen haben. Und tatschlich ist es so, dass es bislang nur drei muslimische Nobelpreisträger in naturwissenschaftlichen Fächern gab – und die allesamt an Universitäten im Westen arbeiteten
.

Kaddor beginnt ihren Text mit eine Feststellung:

Und wie jedes Jahr werfen am Rande der Prozedur wieder ein paar Neunmalkluge die Frage auf: Warum kriegt eigentlich keiner aus der islamischen Welt einen Nobelpreis? Natürlich nur, um die Antwort gleich hinterherzuschicken: „Weil der Islam bildungsfeindlich ist. Ist doch klar!“

Diese simple „Beweisführung“ eignet sich wunderbar, um eifriges Kopfnicken an Stammtischen zu bewirken und ganz viele Likes in Sozialen Medien zu sammeln.

Es mag sein, dass es diese Argumentation gibt und sie trifft wohl auch auf viele islamisch geprägte Gesellschaften zu. Allerdings springt sie, und daran lässt sich schon schön der Weiterlesen

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Mit Dummheit für Heilpraktiker

Homöopathische Globuli und Dilutionen Foto: Wikidudeman Lizenz: Gemeinfrei


Vor zwei Monaten sprach sich der Münsteraner Kreis, ein Zusammenschluss von Ärzten und Wissenschaftlern, dafür aus, den Heilpraktikerberuf zu reformieren oder abzuschaffen.  Die Ausbildung der Heilpraktiker sei mies, eine wissenschaftliche Grundlage für ihre Arbeit gäbe es im Gegensatz zur Medizin nicht. Nun sammeln die Gegner des Münsteraner Kreises Unterschriften. Und alleine ihre Begründungen für den Heilpraktikerberuf sind gute Argumente, ihn sofort abzuschaffen.

Das Fazit, welches der Münsteraner Kreis in seinem Memorandum zieht, ist eindeutig:

Medizinische Parallelwelten mit radikal divergierenden Qualitätsstandards, wie sie aktuell
im deutschen Gesundheitswesen in Form von Doppelstandards bei Ergebnisbewertung und
Qualitätskontrolle bestehen, sind für eine aufgeklärte Gesellschaft nicht akzeptabel. Bei Heilpraktikern stehen aufgrund ihrer ungenügenden, kaum regulierten Ausbildung die Qualifikationen und Tätigkeitsbefugnisse in einem eklatanten Missverhältnis. Heilpraktiker bieten schwerpunktmäßig alternativ- oder komplementärmedizinische Verfahren an, die in den meisten Fällen wissenschaftlich unhaltbar sind. Dies führt zu einer Gefährdung von Patienten.

Spektakulär ist es indes nicht: Dass Heilpraktiker und sogenannte „Alternative Heilmethoden“ modischer Unsinn sind, der Menschen im besten Fall viel Geld, im schlimmsten Fall das Leben kosten kann, ist bekannt. In Großbritannien wird mit der Homöopathie Schluss gemacht, der Wissenschaftsrat der Europäischen Akademien fordert ein Verbot von Globuli.

Es geht den Quacksalbern also an den Kragen. Aber die wehren sich und sie tun das online. Eine eher mies laufende Unterschriftensammlung macht gegen den Münsteraner Kreis mobil. Zwei der Hauptargumente:

Die Schulmedizin möchte uns glauben lassen, sie wüsste es besser als Mutter Natur. Durch ihre Interventionen geben sie vor, den Menschen verbessern zu können. Was ihnen gelingt, gleicht eher dem Sohn von Frankenstein.

Jeder, der dank eines Herzschrittmachers noch lebt, wird das sicher etwas anders sehen. „Mutter Natur“ hat dieses kleine Wunderwerk der Technik dummerweise nicht auf Blumenwiesen wachsen lassen.

Besonders blöd ist das Argument, mit dem sich die Quacksalberlobby gegen wissenschaftliche Studien wehrt:

Traditionelle Methoden benötigen keine Studien, weil sie zum überlieferten Wissen der Erfahrungsheilkunde gehören, die viel länger als in den längsten Langzeitstudien erprobt worden sind.

Dumm nur, dass diese Erfahrungen über Jahrtausende weder aufgeschrieben noch ausgewertet wurden. Deswegen wurde der Aderlass bei allen möglichen Krankheiten über Jahrhunderte angewendet. Wer sich der Wissenschaft verweigert, sollte Menschen nicht anrühren dürfen.

 

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Die Dnepropetrovsk Maniacs – wieso ermordeten sie 21 Menschen?

Brutal mordeten zwei junge Männer in der Ukraine. (Foto: Jo Naylor/ Flickr/ cc-by 2.0)

Zwei neunzehnjährige Ukrainer machten 2007 durch eine von ihnen begangene, sehr ungewöhnliche Mordserie, auf sich aufmerksam. Sie töteten nicht nur in sehr kurzer Zeit scheinbar wahllos auf grausamste Art, einige ihrer Taten filmten sie auch noch. Die Medien gaben ihnen den Namen „Dnepropetrovsk Maniacs“, was auf deutsch „die Verrückten von Dnepropetrovsk“ bedeutet. Die beiden neunzehnjährigen Viktor Sayenko und Igor Suprunyuck töteten zwischen Juni und Juli 2007 einundzwanzig Menschen und verletzten acht weitere schwer. Ein einundzwanzigjähriger Freund der beiden war scheinbar nicht an den Morden beteiligt, aber an zwei von insgesamt acht Raubüberfällen, die Sayenko und Suprunyuck begingen. Eine Analyse von Lydia Benecke.

Am 25. Juni 2007 töteten die beiden jungen Männer eine dreiunddreißigjährige Frau auf ihrem Heimweg. Die Tat soll völlig spontan begangen worden sein. Sayenko und Suprunyuck waren am späten Abend draußen spazieren, Suprunyuck trug aus ungeklärten Gründen einen Hammer bei sich. Weiterlesen

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60 Jahre Contergan: Danke Grünenthal!


Ohne die Pionierarbeit des kleinen Pharmaunternehmens hätte es die Aktion Sorgenkind vielleicht nie gegeben. Ohne den aufopferungsvollen Forschungsdrang dieser Stolberger Firma wären niemals so ulkige Lebewesen entstanden. Und wir hätten 2017, zum 60jährigen Jubiläum dieses Wundermittels, nix zu Feiern. Von unserem Gastautor Martin Fromme.

Schade ist sicherlich, daß Contergangeschädigte ein Fläschchen Sekt zum Jubelfest aufmachen würden, wenn sie es denn heute noch allein könnten. Aber anstatt sich dabei helfen zu lassen, wird gejammert, man hätte Schmerzen. Hallo??? Da helfen Tabletten. Grünenthal vertreibt doch welche. Warum nicht? Ist Markentreue denn heutzutage altmodisch? Der sympathische Familienbetrieb wirbt doch extra mit dem Spruch „Schmerz ist unsere Kernkompetenz“. Die wissen doch, wovon die sprechen!

Aber immer nur Vorwürfe…Grünenthal hätte doch schon wesentlich eher, also vor 1961, das Medikament vom Markt nehmen können. Hätte, hätte, Fahrradkette.
Aber hätten ein paar Contergangeschädigte in der Öffentlichkeit Wirkung gezeigt? Nein. Je mehr, je besser. Hatte sich sicherlich auch Grünenthal gesagt. Damit sich was ändert, damit Deutschland endlich mal aufwacht. Obwohl Contergan ja eigentlich zum Einschlafen gedacht war. Aber lassen wir das.

Vielleicht hat Grünenthal auch vorher an den werdenden Müttern Tests durchgeführt und da hat sich dann rausgestellt, daß sich beim späteren Kind unter Umständen Krebs an Armen, Beinen und Ohren entwickeln könnte. Und dann wurde halt die Tablette verschrieben. Als Prophylaxe. Angelina Jolie hat sich auch ihre Brüste abnehmen lassen aus Angst vor Krebs. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Viele Wohltäter sprechen ja auch nicht über ihre guten Taten. Nehmen wir doch erstmal nichts Böses an. Wahrscheinlich hat deswegen Grünenthal mit den Contergangeschädigten auch 50 Jahre nicht gesprochen. Wahrscheinlich weil die Familie Wirtz rot wird, wenn man sie so öffentlich loben würde.

Laßt uns Dankesplakate mit dem Mund malen und im Rahmen unserer Möglichkeiten in die Höhe halten. Laßt uns unsere besten Prothesen…die mit den Swarowski-Steinchen…anlegen. Laßt uns nach Stolberg fahren. Laßt uns das 60jährige Jubelfest mit dem Konzern feiern, der das Alles erst möglich gemacht hat.

Mehr zu dem Thema: 

Das „harmlose“ Schlafmittel und der große Skandal

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Star Trek Discovery – was gibt es zu entdecken?

(Bildschirmfoto: Sebastian Bartoschek)

Es ist soweit, „Star Trek: Discovery“ hat seinen Weg in die unendlichen Weiten des Internetstreaminganbieters Netflix gefunden und startete heute pünktlich um 09.00 Uhr auch bei uns im deutschsprachigen Raum. Dabei war der Weg bis hier her ein äußerst steiniger. Mehrere Verschiebungen des Serienstarts, Probleme bei der Besetzung der Hauptfigur und der Freiflug des Showrunners Bryan Fuller machten es dem Projekt Discovery sehr schwer richtig durch zu starten. Doch das ist nun Geschichte und „Star Trek: Discovery“ hat seinen Weg auf den Bildschirm gefunden. Doch wie gut ist Discovery geworden? Zunächst möchte ich nicht allzu sehr etwas über die Handlung verraten, denn ich will Ihnen nicht zu viel offenbaren. Daher möchte ich Ihnen meine Eindrücke näher beleuchten. Eine Rezension von Martin Ackermann

Das Serien Intro und die Musik

Über das Intro wurde schon zuvor ganz wild unter den „Star Trek“- Fans spekuliert. Würde es wieder ein Pop/Rock Song wie bei „Star Trek: Enterprise“ werden? Oder wählt man wieder klassische Musik? Weiterlesen

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Bundesfighter 2 Turbo

Gauland schreit noch „Volksverräter“, aber ich verwandel Lindner in die Heuschrecke und noch bevor der alte Mann vor Pegidisten mit einem Gartenzwerg auf mich eindreschen kann, präsentiere ich stolz den Thermomix.

Klingt wirr? Ist genial. Besser als die Bundestagswahl. Und politisch korrekter als die völlige Vernichtung Nordkoreas. Ganz im Stil von „Streetfighter 2“, nennt sich Bundesfighter 2 Turbo,  ist auf dem Mist von Bohemian Browser Ballett gewachsen. Und kann HIER gespielt.

Und ich muss dann wieder weg – Sahra wartet.

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Twitter sperrt Ruhrbaron – wegen Trumpzitat

Irgendwie in eigener Sache: Seit einigen Stunden ist Ruhrbaron Sebastian Bartoschek bei Twitter mit seinem Account „@Illuminatus23“ gesperrt. Dabei geht es um obigen Tweet. Dieser bezieht sich auf die heutige Rede von US-Präsident Trump bei der UN. Dabei drohte Trump dem Regime in Pjöngjang mit der „völligen Zerstörung“. Dies kann man nun ablehnen, aber im Kern ist natürlich nachvollziehbar, dass die USA eine atomare Bedrohung durch Nordkorea nicht einfach hinnehmen können.

Auszudrücken, dass Trump noch deutlich schlechtere Ideen hatte, fällt in jedem Fall unter eine normale Meinungsäußerung. Nicht jedoch für Twitter in Zeiten Maasvoller Gesetze.

Hintergrund ist wohl ein Aufruf verschiedener Belästiger auf Twitter, den Tweet zu melden. Eben jene Belästiger sind dabei oft ganz vorne dabei, wenn es darum geht, Personen direkt und gezielt zu belästigen – und werden regelmäßig von Twitter trotz Meldung verschont.

Unser Redaktionskollege wies genau darauf in seiner Stellungnahme an Twitter hin.

Fortsetzung folgt.

Nachtrag: Der Account von US-Präsident ist derzeit wohl nicht gesperrt.

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Heute beginnt die letzte IAA. Oder die vorletzte?

IAA 2020

Vorschau auf die IAA 2019 | Photo by Riccardo Fissore on Unsplash

Stellen Sie sich vor, jeder Bürger hätte seine eigene Eisenbahn. Von jedem Gebäude aus führten Schienen zu einem weit verzweigten Gleisnetz, alles wäre voller Weichen. Zu jedem Wohnhaus gehörte ein Lokbahnhof und morgens würden sich 60% der Deutschen in ihren eigenen Zug setzen und zur Arbeit rollen.

So ähnlich wird es den Leuten der Zukunft erscheinen, wenn sie auf unsere heutige Zeit zurückschauen. Nur dass es eben Autos sind, die allein durch ihr Herumstehen schon ca. 10% der Verkehrsfläche in den Städten belegen und 23 Stunden des Tages ungenutzt sind. Wenn heute die IAA beginnt, wird die Abschaffung des Individualverkehrs vermutlich nur ein Randthema sein. Statt dessen werden Elektroautos mehr Raum einnehmen als auf den bisherigen Messen (man muss kein Orakel sein, um das vorherzusehen). Am beliebtesten bei den Zuschauern werden aber wieder die absurd PS-starken Kraftmaschinen sein (auch dafür muss man kein Orakel sein).
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Historikerin Catherine Hall: Israelischen Preis abgelehnt, Bochumer angenommen

Catherine Hall Foto: RUB

Die britische Historikerin Catherine Hall erhält dieses Jahr den Bochumer
Historikerpreises.  Den Dan-David-Preis der Universität Tel Aviv lehnte sie aus politischen Gründen ab.

Die britische Sozial- und Kulturhistorikerin Catherine Hall erhält den 6.
Bochumer Historikerpreis. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis würdigt
das beeindruckende Lebenswerk der britischen Historikerin, die bis zu
ihrer Emeritierung am University College London lehrte.

„Catherine Hall gehört zweifellos zu den weltweit methodisch innovativsten
Forscherinnen und Forscher im Feld der Sozial- und Kulturgeschichte. Ihre
Arbeiten genießen international höchste Anerkennung und werden nicht nur
in der wissenschaftlichen Fachwelt breit rezipiert. Auch in den aktuellen
gesellschaftspolitischen Debatten um den Kapitalismus wird auf Halls Werk
Bezug genommen“, begründete Prof. Stefan Berger, Vorsitzender des
Vorstandes der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets die Entscheidung der
Stifter.

2016 erhielt Hall den mit 225.000 Pfund hoch dotierten Dan-David-Preis der Universität Tel Aviv im Bereich Gesellschaftsgeschichte, den sie aber aus politischen Gründen wegen des israelisch-palästinensischer Konflikts ablehnte. Hall sagte damals, sie habe diese „unabhängige politische Entscheidung“ getroffen, nachdem sie „viele Diskussionen« mit Menschen geführt habe, »die tief in die Israel-Palästina-Politik involviert sind“. Das „British Committee for Universities of Palestine“, das sich im Rahmen der antisemitischen BDS-Kampagne  für den Boykott israelischer Universitäten und Wissenschaftler einsetzt, lobte Hall damals als „wichtige Unterstützung der Kampagne zum Abbruch der Beziehungen mit israelischen Institutionen“.

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Didis bizarrster Sketch

Didi „Palimm-Palimm“ Hallervorden wäre gerne wieder prominent. Seine besten und lustigsten Tage hat der 82jährige hinter sich. Die letzten Jahre waren hart. Wenig Zuspruch, wenig Beachtung. 2014 stand er sogar für Til „The Brain“ Schweiger für „Honig im Kopf“ vor der Kamera, und tourte zwei Jahre später mit für die FDP von Ich-verschenke-die-Krim-Lindner durch Sachsen-Anhalt. Vielleicht sammelte er dort die Inspirationen für seinen vielleicht letzten großen Sketch. Eine Ansprache zum Jahrestag von 9/11 – wohl in der Rolle als antiwestlicher Aluhut, im Duktus von Querfront und Bandbreite.

Wir finden: Die Wanne ist leer, Didi. Die Wanne ist leer.

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