Wissen

  0

Griff in die Geschichte: Fateful Days, 11.12.1941 – Hitlers Tabula Rasa

Reste einer deutschen Einheit kapitulieren, Dezember 1941 Foto: RIA Novosti archive, image #375 /Foto: Victor Kinelovskiy Lizenz: CC-BY-SA 3.0


Fateful Months nannte Christopher Browning in einem grundlegenden Werk zur Genesis der Shoa die zweite Jahreshälfte 1941. Als Fateful Days könnte man jene Tage von Mitte November bis zum 11. Dezember vor 77 Jahren bezeichnen, denn sie entschieden ein halbes Jahrhundert bis zur nächsten Zeitenwende im Jahre 1989, auf für die Heutigen nicht mehr nachvollziehbare Weise menschenverschlingend.  Von unserem Gastautor Waldemar Alexander Pabst.

Roosevelt war im Krieg, indes noch immer nicht in jenem, den er angestrebt hatte. Japan hatte die USA angegriffen, der Marine schwere Verluste zugefügt, Yamamoto tat, was er angekündigt hatte, er schlug um sich. Der Überraschungsangriff auf Pearl Harbor hatte die Menschen in den USA gerade für die Politik des Präsidenten eingenommen, in der schweren Bedrängnis des Pazifikkriegs ausgerechnet ohne Not den Deutschen den Krieg zu erklären, wäre vermutlich nicht gut angekommen. Er hätte sich schon etwas Kreatives ausdenken müssen. Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  2

Wissenschaftlerinnen, Nobelpreise, das Königshaus und die Mode

Frances Arnold nahm heute den Nobelpreis entgegen. (Foto: Bengt Nyman/ Wikipedia/ cc by 2.0)

Mit Frances Arnold gewinnt heute erstmals eine weiße US-Amerikanerin einen Nobelpreis, in ihrem Fall denjenigen für Chemie. Auch eine andere Wissenschaftlerin, Donna Strickland, gewann heute einen Nobelpreis.  Eine weitere Wissenschaftlerin, Friederike Seyfried, würdigt mit einem sehr persönlichen Gastbeitrag dieses Ereignis.

Irgendwann in den späten 90gern spielte ich mit meiner damaligen besten Freundin und jede Menge anderer Mädchen ein Gesellschaftsspiel, dessen Namen ich vergessen habe. Die Grundidee war jedoch die „Kennt dich deine beste Freundin wirklich?“ und das wurde so getestet, indem die eine Freundin geheim eine Frage beantworten musste und die andere Freundinnen raten mussten, wie Erstere die Frage beantwortet hatte. Eine Frage war „Was will Rike lieber gewinnen? Einen Nobelpreis, einen Oscar oder eine olympische Goldmedaille?“ Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  4

Jens Spahn sendet „genau das falsche Signal an psychisch kranke Menschen“

Kann nicht nachvollziehen, wieso der Gesundheitsminister psychisch Kranken den Therapiezugang weiter erschweren will: Dipl.-Psych. Esther Bockwyt (33) (Foto: privat)

Wer eine psychische Störung oder Krankheit hat, der kann meist nichts dafür, braucht aber Hilfe. Zeitnah, so die Erfahrung aus der Praxis, geht da nix. Wartezeiten von einem halben Jahr für einen Psychotherapieplatz sind da keine Seltenheit. Das ist falsch. Wer eine psychische Störung hat, leidet nicht weniger als jemand mit einem eingewachsenen Zehnagel. Ein dummer Vergleich? Selbstredend. Aber mit dem Zehnagel wird man binnen Stunden einen behandelnden Arzt finden, bei einer Depression eben nicht. Es ist Irr-Sinn.

Das Bundesministerium für Gesundheit und sein Minister, der CDU-Freshboy Jens Spahn, sehen das nicht so. Spahn (38) erklärte in einer Rede vor dem Bundestag:

(…) Ja, wir haben das Problem in bestimmten Regionen, auch im Zusammenspiel von ambulant und stationär, dass diejenigen mit psychotherapeutischem Versorgungsbedarf, die dringend behandlungsbedürftig sind, nicht in eine ambulante Therapie kommen und dann möglicherweise in verschlimmertem Zustand stationär aufgenommen werden müssen. Die Wahrheit ist aber: Wenn wir einfach nur 10 000, 20 000 oder 30 000 Psychotherapeuten zusätzlich zulassen, wird das das Problem nicht lösen. Das ist meine feste Überzeugung; das ist die Erfahrung der Vergangenheit. Wir haben so viele Psychotherapeuten wie noch nie in der Zulassung. Wir haben fast so viele Psychotherapeuten in der Versorgung wie Hausärzte. Und trotzdem steigt mit dem Angebot der Bedarf, weil die Versorgungssteuerung nicht funktioniert. Deswegen ist der erste Schritt, dass wir zu einer besseren Versorgungssteuerung kommen, dass nämlich im Zweifel diejenigen, die man vielleicht nicht ganz so gern als Patienten im Wartezimmer sitzen hat, die auch etwas mehr Versorgungsbedarf haben, eher einen Termin bekommen als möglicherweise diejenigen, bei denen es etwas angenehmer ist, die Therapie zu machen. Ich formuliere das alles sehr zurückhaltend, weil ich weiß, dass das mit großen Emotionen verbunden ist und wahrscheinlich gleich der nächste Shitstorm startet. Aber wenn wir das Versorgungsproblem lösen wollen, werden wir über dieses Thema reden müssen.

Nun wird klar, was Spahn damit wohl meinte.
Ein Gesetzesentwurf aus seinem Haus legt auf Seite 25 nahe, dass kontrolliert werden soll, wer da diagnostiziert, bevor dann behandelt wird.

Mit der Dipl.-Psychologen und Buchautorin Esther Bockwyt (33), die sich einschlägig mit Psychotherapie-Richtlinien beschäftigt hat ordnet dies als „absurd“ ein.

Frau Bockwyt, Minister Spahn führt aus, dass es immer mehr Therapeuten gibt, der Bedarf gleichwohl weiter steigt. Wie stehen Sie dazu?

Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  3

Griff in die Geschichte: Fateful Days, 07.12.1941 – Tora, Tora, Tora

Angriff auf Pearl Harbor: Die USS Nevada ist schwer getroffen Foto: National Museum of the U.S. Navy – 80-G-19940 Lizenz: Gemeinfrei


Fateful Months nannte Christopher Browning in einem grundlegenden Werk zur Genesis der Shoa die zweite Jahreshälfte 1941. Als Fateful Days könnte man jene Tage von Mitte November bis zum 11. Dezember vor 77 Jahren bezeichnen, denn sie entschieden ein halbes Jahrhundert bis zur nächsten Zeitenwende im Jahre 1989, auf für die Heutigen nicht mehr nachvollziehbare Weise menschenverschlingend.  Von unserem Gastautor Waldemar Alexander Pabst.

Korvettenkapitän Mitsuo Fuchida griff zum Fernglas und suchte den Himmel ab. Als Geschwaderkommandeur auf dem Flugzeugträger Akagi, der nun als Flaggschiff der Kidō Butai gegen Pearl Harbor diente, war ihm nichts weniger als die Führung des Luftangriffs anvertraut worden. Er saß auf dem Mittelplatz einer Nakajima B5N, eines Torpedobombers, vor ihm lag Oahu und kein Flugzeug war über der Insel zu sehen. Es ging auf 08:00 Uhr an diesem Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  1

Ralf Grabuschnig: Ein Historiker, der über Fake News und Verschwörungstheorien bloggt und podcastet

Der Historiker und Autor Ralf Grabuschnig betreibt den Blog und Podcast „Déjà-vu Geschichte“. Am 5. Dezember 2018 erschien sein neues Hörbuch Fake News von Gestern: Irre Verschwörungstheorien aus der Geschichte. Foto: RG.

Ralf Grabuschnig, 30, ist Historiker und schreibt und spricht über Geschichten aus der Geschichte, die man im Unterricht eher nicht hört. Er studierte Geschichte an der Uni Wien und Nationalism Studies an der Central European University in Budapest. Sein Brot verdient er an einem Münchner Forschungsinstitut als Redakteur und in seiner Freizeit haut er in die Tasten und spricht ins Mikro. Nach dem Studium begann er, an seinem Blog Déjà-vu Geschichte zu schreiben. Bald kam auch ein Podcast gleichen Namens hinzu, der alle zwei Wochen mit einer neuen Episode aufwartet. Wiederkehrende Themengebiete in seinen Produktionen sind Fake News und Verschwörungstheorien.

Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  1

Griff in die Geschichte: Fateful Days, 05.12.1941 – Der Gegenschlag

Eine sowjetische Aufklärungseinheit auf dem Weg an die Front, Dezember 1941 Foto: RIA Novosti archive Lizenz: CC BY-SA 3.0


Fateful Months nannte Christopher Browning in einem grundlegenden Werk zur Genesis der Shoa die zweite Jahreshälfte 1941. Als Fateful Days könnte man jene Tage von Mitte November bis zum 11. Dezember vor 77 Jahren bezeichnen, denn sie entschieden ein halbes Jahrhundert bis zur nächsten Zeitenwende im Jahre 1989, auf für die Heutigen nicht mehr nachvollziehbare Weise menschenverschlingend.  Von unserem Gastautor Waldemar Alexander Pabst.

Am Abend wurde den Deutschen klar, dass es sich um eine organisierte Großoffensive handelte, die sich vor ihren liegengebliebenen Angriffsspitzen entfaltete. Sie hatten es nicht glauben wollen. Das Oberkommando der Heeresgruppe Mitte wie das OKH mit der Abteilung Fremde Heere Ost hielten die Gefechtskraft der Roten Armee nach dem Zusammenbruch des deutschen Angriffs für zu gering, um „mit den zur Zeit vor der Front bei Moskau stehenden Kräften zu einer Gegenoffensive anzusetzen“, wie vermerkt wurde. Von Bock und seinen Oberbefehlshabern, den Aufklärern der Luftwaffe und den angeblich so befähigten Auswertern war der Antransport von Stalins Fernostarmee vollständig entgangen. Sie hatten sich offenbar nicht einmal Gedanken darüber gemacht, wie es möglich war, dass sie die sowjetischen Verteidiger der Hauptstadt bei Wjasma und Brjansk weitgehend vernichtet hatten und doch der Widerstand immer stärker wurde, bis die eigene Offensivkraft erloschen war. Man konnte es auf Erschöpfung schieben, auf die Temperaturen, die langsam unter -40° sanken, auf das Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  7

Aber wir sprechen von Blutwurst

Stillleben mit Wurst (Italien, 17. Jh.) Lizenz: Gemeinfrei

Deutschland ist ein Land, in dem man leben kann. Einige meinen, man kann hier sogar recht gut leben. Andere finden, dass man eigentlich nur in dem Deutschland leben kann, das sie sich erträumen. Das Ausmaß dieser Träume geht von Auflösungs- bis Großmachtsphantasien. Ich lebe gerne in der Realität. Und eigentlich auch ganz gerne in Deutschland. Doch sollten wir reden.  Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  1

Griff in die Geschichte: Fateful Days 02.12.1941 – Chimki und der Berg Niitaka

Angriff auf Peral Harbor Foto: Imperial Japanese Navy – Official U.S. Navy photograph NH 50930. Lizenz: Gemeinfrei

Fateful Months nannte Christopher Browning in einem grundlegenden Werk zur Genesis der Shoa die zweite Jahreshälfte 1941. Als Fateful Days könnte man jene Tage von Mitte November bis zum 11. Dezember vor 77 Jahren bezeichnen, denn sie entschieden ein halbes Jahrhundert bis zur nächsten Zeitenwende im Jahre 1989, auf für die Heutigen nicht mehr nachvollziehbare Weise menschenverschlingend.  Von unserem Gastautor Waldemar Alexander Pabst.

Nördlicher Pazifik

Es stürmte, die Datumsgrenze war überschritten worden. Yamamotos Trägerverband, unter dem Befehl des Admiral Nagumo, fing einen Funkspruch auf. “Niitaka yama Nobore”, was so viel heißt, wie ersteigt den Berg Niitaka. Es war die verschlüsselte Botschaft, die nichts weniger bedeutete, als der Angriff auf den Stützpunkt der amerikanischen Pazifikflotte, Pearl Harbor, hätte am 7. Dezember um 8:00 Uhr Ortszeit zu beginnen. Jetzt hieß es nur noch unentdeckt dorthin zu kommen. Yamamoto hatte unmissverständliche Befehle für den Fall der Entdeckung gegeben. Umkehren, sobald sie gesichtet würden bis zwei Tage vor dem Tag X, danach aus eigenem Ermessen handeln, am letzten Tag trotzdem zuschlagen. Entdeckt wurde die Kidō Butai niemals. Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  3

Fateful Days 29.11.1941 – Einladung zur Wannseekonferenz


Haus der Wannseekonferenz, Am Großen Wannsee 56/58 Foto: A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) Lizenz: CC BY-SA 3.0


Reinhard Heydrich war auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Er kontrollierte den gesamten deutschen Sicherheitsapparat, einzig die Herrschaft über das Geschehen in den Konzentrationslagern hatte Himmler ihm verwehrt. Von unserem Gastautor Waldemar Alexander Pabst.

Einweisen aber konnte er, wen er wollte. Sein Ehrgeiz war ungebremst, selbst die Parteigenossen fürchteten ihn. Um für die weitere Karriere nicht nur mit dem Terrorapparat identifiziert zu werden, hatte er sich zum stv. Reichprotektor in Böhmen und Mähren machen lassen, nach dem der ursprüngliche Reichprotektor und ehemalige Außenminister in einen ewigen Urlaub geschickt worden war. De facto war Heydrich nun unumschränkter Herrscher über die Tschechen, hatte sich für Hitler und Himmler erfolgreich eingeführt, mit einer Mischung aus Terror gegen alles Oppositionelle, Hunderten von Hinrichtungen und Erhöhung des Lebensstandards für die Rüstungsarbeiter, um die einfachen Menschen auf seine Seite zu ziehen, solange er sie zum Arbeiten brauchte. Weiterlesen

RuhrBarone-Logo
  15

And „Das Goldene Brett“ goes to …


2011: P.A. Straubinger für seinen Pseudodokumentarfilm Am Anfang war das Licht, in dem Werbung für den esoterischen Blödsinn „Lichtnahrung“ gemacht wird. 2012: Prof. Harald Walach für sein akademisches Engagement für den Kozyrev-Spiegel, einer Aluröhre, in der man der Telepathie mächtig wird. 2013: Die Homöopathen ohne Grenzen für den Einsatz von esoterischen Zuckerkügelchen als Medikament in Krisengebieten. 2014: Xavier Naidoo für sein verschrobenes Weltbild mit rechtsextremen Verschwörungstheorien. 2015: Stefan Lanka für sein Engagement zur Leugnung der Existenz des Masernvirus. 2016: Ryke Geerd Hamer für seine antisemitische und wissenschaftsfeindliche Germanische Neue Medizin. 2017: Peter Fitzek, dem König eines, seines, Deutschen Reiches.

Und das Goldene Brett für den erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug des Jahres 2018 im deutschsprachigen Raum geht an …

Weiterlesen

RuhrBarone-Logo