98

Die Fußball-Bundesliga zerbricht vor unser aller Augen!

Die Arena in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps

Die Arena in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps

Wie groß die Unterschiede u.a. zwischen den beiden führenden Revierclubs FC Schalke 04 und Borussia Dortmund zum Ligaprimus FC Bayern München in der Fußball-Bundesliga aktuell auf fast allen Ebenen sind, das konnte man in dieser Woche auch schon anhand der jüngsten Jahreshauptversammlung in München mal wieder hautnah miterleben.
Die Bayern legten dort am vergangenen Freitag nämlich neue, sehr beeindruckende Rekordzahlen vor: Der Klub steigerte seinen Umsatz dabei erstmals auf über eine halbe Milliarde Euro und ist mit nun über 251.000 Mitgliedern zudem die neue Nummer 1 in der Welt.
Die nationale Konkurrenz aus dem Revier ist für die Münchner somit längst kein wirklicher Maßstab mehr. Der FC Bayern hat 2013/2014 damit mehr umgesetzt als Borussia Dortmund (ca. 260 Millionen Euro) und Schalke 04 (ca. 207 Mio.) zusammen.
Nimmt man den aktuellen sportlichen Abstand noch dazu, dann erahnt man langsam, warum es für alle Clubs auf Dauer kaum möglich sein dürfte diesen eklatanten Abstand wieder etwas zu verringern, geschweige denn die Bayern irgendwann in der Zukunft mal zu überholen.
Dass die Bayern aktuell keine wirklichen Probleme haben, das verdeutlichte auch die Tatsache, dass der größte Jubel in der Münchener Halle am Freitagabend aufbrandete, als der nicht anwesende und aktuell noch in Haft sitzende Ex-Präsident Uli Hoeneß von den anwesenden Mitgliedern lautstark gefeiert wurde.
Vergleichbaren Jubel erreichte nicht einmal die Rede seines anwesenden Nachfolgers Hopfner , ein Video mit den jüngsten Erfolgen der Profimannschaft (inkl. Basketball), oder die dort aufgereihte Ansammlung der Trophäen und Pokale.
Die Sehnsucht nach dem einstigen Präsidenten ist, trotz seiner groben Verfehlungen in der Vergangenheit, offenbar weiterhin sehr groß im Verein. Für Beobachter außerhalb der Bayern-Szene erscheint das so doch ziemlich ‚ungewöhnlich‘.
Merkwürdig auch, dass erst als Präsident Hopfner ausführte, dass man hoffe, Hoeneß könne im neuen Jahr als sogenannter ‚Freigänger‘ in der Jugendabteilung des Vereins arbeiten die Stimmung im Saal so richtig hochkochte, die anwesenden Mitglieder dafür sogar ‚Standing-Ovations‘ spendeten.

 
Dabei wären doch eigentlich vor allem auch die vorgelegten Geschäftszahlen des Ligaprimus ein Grund zur Zufriedenheit und Jubel gewesen: Für das Geschäftsjahr 2013/14 betrug der Umsatz nämlich erstmals mehr als 528 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr gab es somit nochmals eine Steigerung um stolze 96 Millionen Euro.
“Wir sind mit 405 Millionen Euro Eigenkapital Weltspitze. Und dazu noch die Nachricht, dass die Allianz Arena abbezahlt ist und damit endgültig dem FC Bayern gehört. Keine Frage, unser FC Bayern steht heute sowohl sportlich als auch wirtschaftlich auf einem Fundament, wie wir es noch nie hatten.”, wird der Finanzvorstand zitiert.
Gegenüber dem Vorjahr konnte der FC Bayern zudem einen Mitgliederzuwachs von 18.000 auf nun über 251.000 verzeichnen, ist damit der mitgliederstärkste Verein der Welt.
Beim Umsatz sind Real Madrid (ca. 603 Millionen Euro), Manchester United (ca. 540) und der FC Barcelona (ca. 530) den Bayern allerdings noch ein Stück voraus.
Auffällig aber auch, dass die Profimannschaften und Trainer des Clubs, was hier im Revier total unüblich wäre, nicht auf der anberaumten Versammlung waren. Das handhabt man in Dortmund beispielsweise völlig anders, wo sich selbst in Zeiten sportlicher Krisen, so wie aktuell, die Profis samt Coach wie selbstverständlich unter den Anwesenden der Mitgliederversammlung befinden, sich dort zugehörig und schlicht ‚volksnah‘ geben.
Auch dies zeigt aktuell ganz deutlich, dass sich der Profifußball hierzulande, der Entwicklung in der Gesellschaft vielleicht gar nicht so ganz unähnlich, in einer deutlich auseinanderlaufenden Entwicklung befindet.

 
Da ist auf der einen Seite der große FC Bayern München, der nicht nur scheinbar leicht die Liga beherrscht, der die Ambition hat auf Weltniveau mitzuspielen, der dafür die Grenzen des Machbaren auf vielen unterschiedlichen Bereichen auszureizen scheint, was ihn für Außenstehende, die nicht mit ihm emotional verwurzelt sind, nicht unbedingt immer sympathisch erscheinen lässt.
Und da sind auf der anderen Seite die ambitionierten Wettbewerbsteilnehmer, wie eben auch gerade Dortmund und Schalke, die zwar offenkundig trotz aller Bemühungen nicht näher an den Ligaprimus heranrücken können, jedoch für ihre vergleichsweise volksnahe Art und Weise die Sympathien vieler Leute erhalten.

 
Die Entwicklung mag so kurzfristig vielleicht auch ihren ganz eigenen Charme haben, sowohl für den ‚Dominator‘ der Liga, welcher sich ob der eigenen Überlegenheit im Erfolg sonnt, als auch für die verbliebenen ambitionierten Underdogs, welche sich selber (noch immer) auf der Seite der vermeintlich ‘Guten’, der (relativ) Kleinen, wähnen. Langfristig tut diese Entwicklung der Liga jedoch vermutlich allerdings alles andere als gut.  Aber was will man machen? Erfolgversprechende Versuche dieses sich aktuell stark verstärkende Ungleichgewicht der Kräfte dauerhaft zu beenden, die Entwicklung irgendwann vielleicht sogar einmal umzukehren, kann man, trotz aller Debatten der letzten Monate, aktuell noch nicht wirklich erkennen…

RuhrBarone-Logo

98 Kommentare zu “Die Fußball-Bundesliga zerbricht vor unser aller Augen!

  • #1
    Klaus Lohmann

    Ich finde die Leistung des BvB, dem Insolvenztod so eben noch von der Schippe gesprungen zu sein, trotz aller Schulden sportlichen Erfolg und Anerkennung erarbeitet zu haben und nun ebenso schuldenfrei zu sein, immer noch wesentlich beachtenswerter als den kontinuierlichen, kalt-kalkulierten Bayern-Weg. Und solange wir “da ganz oben” in der Tabelle weiter einen Verein ohne echte Emotionen und mit einer Art “Luden-Ehre” bei Mitgliedern und Vereinsführung haben, sind doch die marketingfördernden Feindbilder prima gefestigt.

    Falls der BvB diese besch.ssene sportliche Krise meistert, bin ich ziemlich sicher, dass unsere Finanzsituation sich der der Bauern zumindest stark annähert.

  • #2
    Martin Kaysh

    Wenn dem so ist: In der richtigen Wirtschaft, die nicht so ein romantisches Geschwätz um ihre Geschäfte hüllt, würden die Kleinen sich einfach zusammenschließen, um zum Großen aufzuschließen. Wen hindert es?

  • #3
    Thomas Weigle

    Wieso stand denn der BVB vor der Insolvenz? Ist die vom Himmel gefallen? Steckte gar der geheimnisvolle Dämon ßENEOH dahinter? Bayern finanziell zu erreichen, wird ein Wunschtraum bleiben. Egal was der derzeitige Landsberger Insasse privat verbockt hat, der Verein und seine Finanzen sind sauber. Das tut der BL nicht gut, aber eine Änderung tritt wohl nur dann ein, wenn der Freistaat seine nationale Souveränität erklärt.
    Die Bayernanhänger sind in der Regel genauso Fans wie ihr oder ich. Und dass es auch in Dortmund “Eventfans” gibt, wurde hier doch auch schon festgestellt. Nicht von mir, sondern von euch. Sucht der BVB seine Fans und seine Interessen nur rund um den Borsigplatz, meinethalben auch im Bergischen oder im Sauerland? Der ist doch genauso aushäusig unterwegs wie die Bayern, nur nicht so erfolgreich.Zzum wiederholten Mal: der BVB verhält sich nicht anders als die Bayern, früher war es Werder, dass immer gejammert hat, dabei haben die sich genau wie die Bayern verhalten, und wie der BVB heute, “Raubzüge” bei nicht so finanzkräftigen Vereinen gemacht.
    Im Rhein-Main-Gebiet, das betrifft nicht nur die SGE, kann man in Bezug auf Werder jedenfalls ein böses Lied davon singen.
    Mich hat diese Doppelmoral von Werder, speziell die von Lemke, immer geärgert, heute ärgert mich das beim BVB, auch wenn die Eintracht aktuell nicht davon betroffen ist, obwohl ja Jung oder Rode oder beide auch beim BVB im Gespräch waren.

  • #4
    TuxDerPinguin

    ist doch ziemlich egal, was die Bayern machen.
    Die gefühlte Meisterschaft spielen halt die anderen 17 unter sich aus. Ich bin Anhänger einer Mannschaft, die sich in den letzten Jahren durch einen sehr sehr guten Sportdirektor auch nach oben gearbeitet hat. Innerhalb der 17 Mannschaften ist es durchaus möglich, von oben nach unten zu fallen oder von unten nach oben zu kommen.
    International konkurrenzfähig zu anderen Ligen ist man auch noch. Von daher sehe ich nicht, wo ein Problem ist. Wären die anderen 17 zu schwach im Vergleich, dann ja. Aber die sind in den europäischen Wettbewerben absolut konkurrenzfähig. Bayern als wohl das stärkste Fußballteam der letzten Jahre dominiert auch auf europäischer Ebene (man schaue sich an, wie oft sie im CL-Finale standen) ..

    nicht alle 17 anderen Team der Buli müssen mit dem stärksten Team der Welt auf Augenhöhe stehen. Es reicht doch, einen spannenden Wettkampf um Platz 2-18 zu haben.

  • #5
    Peter

    “… ist damit der mitgliederstärkste Verein der Welt.”
    Auch wenn alle ‘großen’ Medien, inklusive tagesschau.de und vermutlich auch die Pressestelle des FC Bayern das verbreiten, ist es trotzdem nicht richtig. Selbst innerhalb Deutschlands gibt es größere Vereine (z.B. ADAC). Was wohl gemeint ist, sind Sport- oder Fußballvereine. Fußballverein wäre sicherlich korrekt, bei Sportvereinen bin ich mir nicht sicher, da z.B. die beiden größten Alpenvereine Deutschlands (DAV) und Österreichs (ÖAV) mit einer Millionen, bzw. 450000 Mitgliedern jeweils deutlich größer sind. Fraglich nur ob diese als ein Verein oder doch eher als Dachverband für ihre “Sektionen” gelten.

  • #6
    Klaus Lohmann

    @Thomas Weigle: Ich habe wenig Ahnung von der finanziellen Entwicklung der Eintracht in den letzten 10 Jahren und deshalb würde ich mich in eine solche Diskussion über finanzielle Macht von Vereinen auch nicht einmischen, wenn es konkret um Frankfurt ginge. Wenn Du so gar nichts von der finanziellen Entwicklung des BvB weißt, solltest Du evt. genauso verbleiben.

  • #7
    WALTER Stach

    Robin,
    in der sog. “freien Marktwirtschaft” würden Überlegungen angestellt werden, ob das betr. Unternehmen, hier die Fc Bayern, in Deutschland eine marktbeherrschenden Stellung hat und ob es diese gelegentlich mißbraucht bzw. ob die Gefahr des Mißbrauches gegeben ist.Für solche Überlegungen und ggfls. für die sich daraus ergebendne Konsequenzen existiert sogar ein spezielle Behörden -die Kartellämter-.

    Läßt sich darauf aufbauend “weiter denken”?
    Vermutlich nicht.
    Und das könnte daran liegen, daß wir einerseits den Profi-fußball in der Bundesliga -und darüberfhinaus- nach wie vor als “Ausübung von Sport” betrachten, der sich primär nach den Grundregeln des Spprtes zu richten hat wie beispielsweise nach der Idee der Fairnis – auf dem Platz und zwischen den Vereinen- anderseits die Vereine Unternehmen sind. Da Letzteres aber wider die Realität nach wie vor zweitrangig zu sein scheint, wird dem Wettbewerb als Wirtschaftsidee nicht die Bedeutung zugemessen, die irh ansonsten im Wirtschaftsleben zukommt. Letzteres könnte deshalb ganz wesentlichen Einfluß darauf haben, daß konkret mit dem Blick auf den FC Bayern als dominierendem, marktbeherrschenden Wirtschftgsunternhem niemand auf die Idee zu kommen scheint, dieses Wirtschaftgsunternehmen z.B. aus der Sicht des “Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb” oder aus kartellrechtlicher Sicht zu betrachten. “Wir Fußballer” denken, wenn überhaupt, kritisch über den großen FCB nach, weil wir uns um den Fußball als Sport, als Spitzensport in der Fußballbundesliga Gedanken machen und aus sporltichen Erwägungen wegen der unzureichenden sporltichne Qualität der Wettbewerber Gedanken machen. Foglich denken wir Fußballer, falls wir hier ein Problem sehen, darüber nach, wie nach den für den Fußball geltenden Regeln bzw. über eine Reform derselben, der sportlichen Übermacht des FCB begegnetr werden könnte; nicht darüber, wie mit dem marktberrschendne Unternehmen nach den Normen des Wirtschaftsrechtes umgegangen werden könnte.

  • #8
    Thorsten Stumm

    Also der BVB ist deshalb fast in die Pleite gesegelt weil Niebaum und Meier einen auf dicke Hose gemacht haben um mit Börsengeld den BVB auf Augenhöhe mit den Bayern zu führen…wir wissen alle wo das geendet ist….sehr scheinheilige Diskussion…..

  • #9
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ich beobachte ja seit Jahren auch sehr intensiv den US-Sport. Und auch wenn da natürlich längst nicht alles positiv ist, ein interessanter Aspekt bleibt dort aber doch: Durch die Draft-.Systeme (im Bereich der Nachwuchsspieler) und ‘Salary-Caps’ (jedes Team der Liga muss bei seinen Jahresbudgets der Spielergehälter innerhalb einer gewissen Bandbreite bleiben) gelingt es dort recht gut eine Liga mit ca. 30 Teams spannend und abwechslungsreich zu halten. Ist hier so aus verschiedenen Gründen aktuell so nicht möglich, aber ein interessanter Grundgedanke bleibt es doch. Zumindest wenn es einem um Spannung und gute Unterhaltung im Profisport geht, und eben nicht nur um möglichst viele Erfolge des eigenen Clubs. In der NHL z.B. kommen Titelverteidugungen aktuell so gut wie gar nicht mehr vor. Und das macht es auch für Teams welche aktuell in der Tabelle unten stehen möglich innerhalb weniger Jahre wieder um den Titel mitzuspielen.

  • #10
    Klaus Lohmann

    @Thorsten Stumm: Mir geht es nicht um die Ursachen der Fast-Pleite, sondern um die mühevolle Arbeit, die Rauball und Watzke *ohne* Niebaum und Meier zur Gesundung danach aufwenden mussten. Kann mich nicht erinnern, dass die Bauern jemals einen vergleichbaren Kraftakt gestemmt haben.

    PS: Ich kenne auch keinen Verein, der in seiner Heimatstadt so wenig echte, eigene Fans vorweisen kann (Hertha kommt da aber nahe dran, gebe ich zu).

  • #11
    Thomas Weigle

    Klaus Lohmann Woran lag denn nun die Fastinsolvenz? Lag sie am BVB? Oder an übernatürlichen Mächten? Die Fragen harren einer Antwort. M. W hat sich der BVB selbst in die Sch… geritten, soweit ich das erinnere. Jetzt mal ehrlich: Hätte der BVB die Erfolge der Bayern, würde sich in diesem Blog kaum wer Gedanken um die Attraktivität der BL machen, außer ein paar frustrierten S.04-Fans möglicherweise.

  • #12
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas Weigle: Das stimmt so definitiv nicht! Ich habe hier im Blog z.B. auch kritische Gedanken geäussert als der BVB die jüngsten Kapitalerhöhungen bekanntgab, oder aber auch als sog. Werksclubs mit dem Geld ihrer Investoren rasant nach oben drängten. Ich bin grundsätzlich für eine möglichst ausgeglichene Liga.
    Mir würde es daher auf Dauer natürlich auch keinen großen Spaß machen, wenn der BVB 10 mal in Folge Meister würde. Denn davon hätte man auch als BVB-Fan am Ende eher wenig. Sieht man ja übrigens auch aktuell in München, wenn kaum noch jemand auf die Straße strömt, wenn mal wieder ein Titel errungen wurde. Das tut dem Sport bzw. der Liga auf Dauer nicht gut. Ganz ehrlich, ist es nicht viel schöner, wenn man vor Saisonbeginn noch nicht sagen kann welches Team am Ende ganz oben stehen wird? Und sind die schönsten sportlichen Titel nicht die, welche man überraschend und erst nach einem spannenden Kampf gewonnen hat? Ich finde schon!

  • #13
    Klaus Lohmann

    @Thomas Weigle: Ich sehe nicht, dass die Bauern diese Rolle des ewigen Klassenprimus mit Ekel und Abscheu ausüben. Irgendeiner muss ja die Streber-Ar…karte haben;-)
    Und PS: Ich hab die Diskussion nicht angestoßen, da bin ich der falsche Ansprechpartner und hab ja auch schon mehrfach in anderen Artikeln hier kundgetan, dass ich diese angeblich übermachtige Diskrepanz- und “Spaltungs”-These, die Robin hier aufwirft, nicht teile.

  • #14
    WALTER Stach

    Thomas Weigle,
    es liegt ja nahe, daß Du die Überlegungen von Robin zurückführst auf seinen Status als BVB-Fan und auf die augenblicke Situation des BVB…..”Neid auf den dominierenden Klasenprimus”.

    Es liegt aber ebenso nahe, unabhängig vom BVB, darüber nachzudenken, ob die dominierende Position des FCB in der Bundesliga bzw., wie ich es formuliert habe, die marktbeherrschende Position des FCB als Unternehmen auf Dauer “gut für den Profi-sport in Deutschland” und “gut für einen farien Wettbewerb der Unternehmen” sein kannt, die ihr Produkt in der Bundesliga anbieten. Und ich denke, insofern sind die Überlegungen von Robin, es sind ja nicht die ersten ihrer Art, immer gut für eine Diskussion!

    Und soweit ich das in der Vergangenheit mitbekomme habe, denken selbst Funktionäre des FCB gelegentlich darüber nach, ob man und ggfls. wie man eine völlig Wettbewerbsverzerrung bzw. wie man den Eindruck einer marktbeherrschenden Unternehmensposition des FCB in Deutschland zumindest relativeren sollte.

  • #15
    Thomas Weigle

    Liebe Leute, mich stört die marktbeherrschende Dominanz der Bayern auch, aber die haben sie sich hart erarbeitet. Von 63-65 als der BVB gegen den HSV, Schalke, Köln antrat, fuhren die Bayern über Kleinstädte, die mancher im Pott überhaupt nicht kennt. Amicitia Viernheim, FC Emmendingen, TSG Neu-Isenburg.
    Zusätzlich spielte der BVB sich bis ins europäische Meisterhalbfinale, während die Bayern 64 in der Aufstiegsrunde an Tasmania und Borussia Neunkirchen scheiterte. Diesen Rückstand gegenüber nicht nur dem BVB haben sie schnell aufgeholt. Während der BVB damals seine glänzende Ausgangsposition ab 66 jämmerlich verspielte. dennoch war es spielerisch und finanziell ein Kraftakt für die Bayern diesen Vorsprung innerhalb kürzester Zeit aufzuholen. Die hatten halt schon einen Manager, den man bis dato als begriff nur in der (Groß) Industrie kannte.
    Robin, ich weiß nicht, ob du in deiner Beurteilung der Bayernfans recht hast. Die Bilder, die ich im Kopf von Meisterfeiern unterscheiden sich nun nicht so sehr von solchen, die ich 76 nach dem Wiederaufstieg in Dortmund als auch in FFM nach Pokalsiegen erlebt habe. Die bilder aus München kenne ich nur aus den Live-Übertragungen des BR…
    Wenn in München vielleicht nicht ganz so viele Leute auf der Straße sind, dann hat das möglicherweise auch damit zu tun, dass dort unten einfach ein höheres Freizeit-und Unterhaltungsangebot vorhanden ist.
    Dieser Gedanke mit dem Drafting, der hat was. Aber wie wirkt sich dass dann auf die internationalen Wettbewerbe aus?

  • #16
    Klaus Lohmann

    @Thomas Weigle, meinst Du die paar tausend armselig Versprengten, die (fast) jedes Jahr aus dem Münchener Umland angekarrt werden, um im 60er-Sektor auf dicke Hose zu machen? Lächerlich. Wenn man wie ich häufiger mit echten Münchnern zu tun hat, findet man unter denen fast ausschließlich 60er Fans.

    Und was die angeblichen – in irgendeiner Form mit denen des BvB vor 10 Jahren vergleichbaren – “finanziellen Kraftakte” des FCB gewesen sein sollen, erschließt sich mir auch nicht.

  • #17
    Thomas Weigle

    Ja, Klaus Lohmann, da kann ich nur antworten mit einer UrDortmunder Weisheit: Entscheidend ist auffem Platz, und zwar nicht auf Borsig- oder Marienplatz.

  • #18
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Aber zum Glück ist Fußball am Ende für Millionen dann aber eben doch viel mehr als immer nur 2 mal 45 Minuten. Das zeigt ja u.a. auch schon die aktuelle Diskussion um Vereine wie RB Leipzig usw..

  • #19
    Frank

    @Thomas Weigle: Wäre im Fall Uli Hoeneß weiter ermittelt worden, wäre der Verein aufgeflogen. Deshalb hat man rechtzeitig aufgehört. So hatte ich jedenfalls Hans Leyendecker verstanden.

  • #20
    Andreas

    – off topic –

    halluziniere ich?

    hat Dortmund WIRKLICH verloren?

    (steigt Dortmund ab? aber vorher noch die Champions League gewinnen!)

  • #21
    Thomas Weigle

    Frank Naja…
    Robin, aber alles hängt letztlich vom auffem Platz ab, da beißt die Maus keinen Faden ab.
    P.S. Beim FSV am Bornheimer Hang freut man sich bestimmt schon auf den BVB und seine zahlreichen Fans.

  • #22
    leoluca

    Solange so ein wichtiges Thema wie die Zukunft der Kommerz-Liga so gut wie ausschließlich zum Anlass genommen wird, um über schwarz-gelbe Depressionen zu reflektieren, wird das nix mit der Solidarität der Underdogs.

    Oder schärfer formuliert: Würde der BvB da oben stehen wo die Bayern sind, dann gnade Gott der Konkurrenz. Erinnere mich noch gut an ein Riesenplakat auf der Süd vor einigen Jahren, als die Blauen nach einer längeren Derbysiegserie zu Gast waren.

    Das Plakat brüllte: “Das Imperium schlägt zurück”.

  • #23
  • #24
    Klaus Lohmann

    @#23 Thomas Weigle: Gibt es einen Grund, warum es bei den Ruhrbaronen die gleichen langweiligen Trollereien wie in einem Schalke- oder Eintracht-Forum geben sollte? Oder sind da Jemandem einfach nur die heutigen Albernheiten zwischen Veh und Bruchhagen bei Sky90 zu Kopf gestiegen?

  • #25
    red power

    “Gefühlte Meisterschaft”…ist ja süß. Der Bundesliga geht es super. In anderen Ligen gibt es auch ein oder zwei Übermannschaften. Juve, Barca/Real, Chelsea/City/United ansonsten ist die Liga doch recht ausgeglichen, Heulen tut da niemand, außer den Pöhlern natürlich.

    Aber ist halt auch kein Wunder, wenn das Hyänenpressing nicht mehr greift. Für alle Fans des gepflegten Ballbesitzfußballs gibt es zum Glück Hoffnung auf baldige Erlösung:

    http://bvb-countdown.de/

    Und wer Angst hat, dass den Bayern die Konkurrenz ausgeht, keine Sorge, bald kommt ja Leipzig. 🙂

  • #26
    David Schraven

    Umsatz ist die falsche Kennzahl. Es geht um Gewinne nach Steuern. Das ist die entscheidende Zahl.

    Du kannst 100 Euro für 90 Euro verkaufen. Du wirst einen Bombenumsatz haben – und trotzdem schnell Pleite gehen.

  • #27
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @David: Stimmt schon. Allerdings ist das mit den Gewinnen nach Steuern ja bei Fußballvereinen so eine Sache, da ja Gewinne in diesem Sinne gar nicht beabsichtigt sind, sondern die verfügbaren Gelder bzw. Gewinne häufig direkt wieder in die Mannschaft investiert werden o.ä., und dann eben gar nicht als Gewinn (nach Steuern) in der Bilanz auftauchen, da sie zuvor wieder abgeflossen sind. Aber ich verstehe was Du meinst. 🙂

  • #28
    Thomas Weigle

    @ Klaus “Die Albernheiten” auf SKY erspare ich mir im doppelten Sinne: finanziell und zeitlich. Zeitlich gilt das auch für die von dir genannten Blogs, für mich jedenfalls. Ich sehe nur, dass Klopp nicht der einzige beim BVB ist, dem zur Zeit die nötige Gelassenheit fehlt, überhaupt Klopp: Wie viel Monate ist er denn Trainer beim BVB, den nächsten schon nicht mehr mitgerechnet, denn: Am 13. Spieltag 3 Punkte vom 13 Platz entfernt, ist nichts, was man nicht mit einen neuen Trainer nicht heilen könnte.

  • #29
    WALTER Stach

    Es gibt wohl kein anderes “gesellschaftliches Feld”, wo die Einseitigkeit emotional gesteuerte Meinungen so ausgeprägt ist wie im Sport, in Deutschland speziell im Fußballsport; Fans, mich eingeschlossen, können ja auch nicht anders, zumindest fällt ihnen Anderes, falls sie sich überhaupt um Objektiviät und Rationalität bemühen, extrem schwer.

    Das wird folglich, wie könnte es anders sein, auch in der hier laufendne Diskussionen, speziell wenn es um den BVB (und den FCB) geht, “über-“deutlich. Das ist nicht zu ändern, nur sollte sich jeder, der hier diskutiert, stets dessen bewußt sein und nciht so tun als ob………..

    Die permanente Diskussion über das Warum der wirschaftlich- finanziell marktbeherrschendne Position des Unternehmens FCB auf dem deutschen Fußballmarkt und die damit einhergehende Diskussion über das Warum der fußballerischen Dominanz des FCB liegt nahe. Es würde dieser naheliegenden Diskussion aber m.E. gut tun, wenn sie nicht auf dem Hintergrund BVB-FCB geführt würde.

    Als BVB-Fan steht mir heute ganz und gar nicht der Sinn danach, diese durchaus naheliegende Diskussion fortzusetzen.

    “Wir ” sind Letzter -bis vor einigen Monaten undenkbar!

    Ich habe vor einigen Wochen zu Beginn der Krise gesagt:

    Ich bin ratlos, ich bin sprachlos, aber ich bin nicht hoffnungslos.

    Letzteres relativer ich nunmehr ein wenig, wenn ich sage: “Die Hoffnung stirbt zuletzt”.

    Daß der BVB, daß die Fans Häme ausgesetzt sind, gehört nun ‘mal dazu und das beruht ja auch auf Gegenseitigkeit; also gilt es jetzt, diese “Häme” zu ertragen.

    Ebenso gilt es jetzt, mit Gelassenheit die “Weisen”-Sprüche zu ertragen, die die “fußballerischen Oberlehrer in Sachen Fußball” landauf, landab in den Medien, died Ruhrbarone eingeschlossen, ablassen, zumal damit garantiert ist, daß sie so zumindest in dieser Woche Zeitungsseiten, Sportsendungen -unangestrengt-füllen können.

    Wer schon einmal, wo auch immer, Verantwortung getragen hat, wird sich derzeit nicht wünschen, Spieler, Trainer, Vorstand beim BVB zu sein. Sich seiner Verantwortung in einer extrem schwierigen Situation bewußt zu sein, sich dieser Verantwortung stellen zu müssen , um dieser Verantwortung entsprechend zu entscheiden und zu handeln, stellt höchste Anforderungen an die Persönlichkeit der Akteure, und das kann sich auch auf die agierenden Menschen, z.B. gesundheitlich, nachhaltig sehr negativ auswirken.
    Ich meine, das sollten wir als Fans mitdenken, wenn wir als BVBer unserer Enttäuschung Luft machen und “Besserung” verlangen.

  • #30
    Thomas Weigle

    Ganz ohne Häme, auch in der 2.Liga wird guter Fußball gespielt. Wer wüsste das besser als ein SGE-Fan? In FFM sind die Fans auch in der 2.Liga ins Waldstadion geströmt, dass wird in DO nicht anders sein. Dieser Fall wird aber zumindest in der Saison 2015/16 nicht eintreten.

  • #31
    Manfred Breitenberger

    “Da ist auf der einen Seite der große FC Bayern München, der nicht nur scheinbar leicht die Liga beherrscht, der die Ambition hat auf Weltniveau mitzuspielen, der dafür die Grenzen des Machbaren auf vielen unterschiedlichen Bereichen auszureizen scheint, was ihn für Außenstehende, die nicht mit ihm emotional verwurzelt sind, nicht unbedingt immer sympathisch erscheinen lässt.
    Und da sind auf der anderen Seite die ambitionierten Wettbewerbsteilnehmer, wie eben auch gerade Dortmund und Schalke, die zwar offenkundig trotz aller Bemühungen nicht näher an den Ligaprimus heranrücken können, jedoch für ihre vergleichsweise volksnahe Art und Weise die Sympathien vieler Leute erhalten.”

    Das mit den Sympathien für die Bayern und der “volksnahen Art und Weise” ist das so ne Sache. Da kaufen die Dortmunder den Gladbachern einfach den Reus weg. Schlimm sowas. Bei den einen sind es die “Grenzen des Machbaren”, bei den anderen heißt es “trotz aller Bemühungen”. Für mich waren schon immer die Schalker und die Dortmunder die unsympathischsten Vereine der Bundesliga. Das mag mit der Geschichte von Bayern, Schalke und Dortmund ( nicht nur die Trikotfarben) zu tun haben.

    Mir gefällt die Tabelle zur Zeit sehr gut, auch weil Augsburg mit ihrem Etat derzeit auf einem Champions League-Platz steht. Welchen Etat hat eigentlich Dortmund und Schalke und welchen hat Augsburg im Vergleich? Und wann merken die Dortmunder dass sie trotz ihres Etats gegen den Abstieg spielen?

    http://thinktankboy.wordpress.com/2013/04/02/kurt-landauer-und-der-fc-bayern-munchen/

  • #32
    John Matrix

    Ganz ehrlich: Es gab in den letzten 40 Jahren immer Zeiten, in denen die Bayern 2 oder 3mal hintereinander dominierend Meister geworden sind, dann kam temporär wieder ein Gegentrend. Also erst mal abwarten.

    Meiner Meinung nach ist das Problem der, ich nenne sie trotz allem mal “Bayern-Verfolger”, dass sie temporäre Erfolge nie zu einer dauerhaften Konkurrenz zum FCB werden lassen konnten, Versäumnisse in Marketing und Investionen.

    Ich erinnere mal an 95 – 97: Der BVB wird 2mal hintereinander Meister und CL Sieger. Was passiert danach? Sie haben vor der Saison 97 / 98 keinen einzigen Hammer-Transfer getätigt, obwohl sie es hätten können. Stars wären gekommen, Sponsoren ebenso. Aber es fanden kaum nennenswerte bwz. richtige Investitionen statt. Die jetzige Situation dort erinnert mich stark an diese Jahre, auch wenn natürlich nach den letzten Erfolge gekauft wurde. Ein Aubamayang und selbt ein Mchitarjan stehen aber meiner Meinung nach nicht in einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Für das Geld hätten man sonst wen holen können.

    Im Marketing ebenso: Mit Kagawa bekam der BVB hohe Aufmerksamkeit in einem interessanten Markt wie Japan, durch die Erfolge gründeten sich Fanclubs in New York und sonst wo. Warum wird da nicht richtig angesetzt und so versucht endlich wirtschaftlich gegen den FCB anzustinken?

    Und allen, die jetzt mit “wirtschaftlichem Umfeld” kommen: Schaut euch das wirtschaftl. Umfeld der Ruhrgebietsvereine mal genau an, bevor man zu negativen Urteilen kommt. Außerdem kommt das Umfeld dahin, wo der Erfolg ist. Manchester United als Beispiel mal dahingestellt.

    Auf Schalke erkenne ich langsam, das man dort ein evtl. aussichtsreiches Marketing international betreibt. Die Japaner kaufen zumindest die Fanshops leer….

  • #33
    leoluca

    Die Bundesliga hat nicht mal mehr zwei Mannschaften, die um den Titel mitspielen. Die beiden Dortmunder Meisterschaften haben den FC Bayern lediglich dazu veranlasst, mal wieder klarzustellen, wer Herr im Hause ist. . Für den FC Bayern sitzen die tatsächlichen Widersacher nur noch in Madrid, Barcelona, Manchester, Paris und London.

    Die reichsten europäischen Fußballvereine – in England und Spanien sind es ein paar mehr als in Deutschland – setzen inzwischen den Wettbewerb um die Ligatitel außer Kraft und machen die Sache mehr oder weniger unter sich aus. Der Kommerzfußball ist damit an einen Punkt gekommen, an dem er die breite Konkurrenz aushebelt.

    Die Reichsten spielen wie in allen Gesellschaften und Kulturen in ihrer eigenen Liga. Soll man das jetzt ernsthaft sportlich analysieren, wo es eigentlich um Gesellschaftspolitik und Ökonomie geht?

    Vielleicht sollte man die Antwort im Anarchischen suchen:

    In der Bundesliga wäre es an der Zeit, dass alle Clubs nur noch ihre 2. Mannschaften nach München zur Volksbelustigung in die Arroganz-Arena schicken.

  • #34
    Thomas Weigle

    Die aktuelle Zuschauerzahle ( auch die der letzten Jahre) geben für die obige Schlagzeile erst mal nix her, außer in S (Rückgang um die 3000), überall Steigerung bzw. Stagnation auf ziemlich hohem Niveau. Ich habe das hier schon mal gesagt, bei den hiesigen Zuschauerzahlen in Leverkusen, Mainz oder Freiburg, würde so manch Kassierer in Italien Dankwallfahrten veranstalten. Es wäre auch mal interessant zu wissen, ob dieses Klagen auch woanders in der BL zu Hause ist.

  • #35
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Klar gibt es solche Gedanken auch anderswo im Lande! ‘Dein’ eigener Funktionär Heribert Bruchhagen hatte auch schon ganz ähnliche Gedanken geäussert:

    http://www.transfermarkt.de/nach-bayerns-titel-solo-sorge-vor-spanischen-verhaeltnissen-/view/news/118737

  • #36
    WALTER Stach

    Breitenerger- 31-

    Ich denke derzeit darüber nach, was es bedeuten könnte, wenn “jemand” feststellt: “…der dafür die Grenzen des Machbaren auf vielen unterschiedlichen Bereiche auszureizen versucht…”,
    Wenn diese Versuche von Hoeness -sh………- und von Rummenige-sh……verantwortet werden, dann kommt man zwangsläufig ins grübeln.
    -Sorry, aber auf “arrogante Bayern- Klötze” gehört ein solch “grobes Beil!”-.

    Zu Hoeness u.Co. und “zu ihrem Ausreizen” kann es dann gut passen, wenn jetzt ,nach ca.60 Jahren, mit Kurt Landauer, den bis dahin vom FCB offiziell Totgeschwiegene, Markteting betrieben wird. Angesichts der Persönlichkeit Landauers und angesichts seines Schicksales finde ich das erbärmlich.

  • #37
    WALTER Stach

    Breitenberger -nicht Breitenerger-; bitte um Entschuldigung für diesen Schreibfehler.

  • #38
    Thomas Weigle

    Walter Mit Kampf gegen AS lässt sich wohl eher kein Marketing betreiben. Gelbe Karte. Der Fußballhistoriker Schulze-Marmeling sieht das übrigens etwas anders.
    Robin, danke für den Link. Aber Bruchhagen hat den BVB mit einbezogen.

  • #39
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Der Artikel über die Aussagen Bruchhagen war ja auch noch vom Frühjahr 2013. Hat er häufiger und bei verschiedenen Sendern/Zeitungen gesagt. War nur der erste Artikel den ich gerade dau passend gefunden habe. Und Bruchhagen ist damit auch nicht alleine. Es gab noch andere Funktionäre in der Buli, die das Auseinanderdriften der Etats kritisch sehen. Bruchhagen ist mir gerade deshalb noch so gut in Erinnerung, weil er beim Sport1-Doppelpass mal gesagt hat, die Bayern hätten bei seiner Amtsübernahme einen ca. doppelt so hohen Etat wie die Frankfurter Eintracht gehabt, inzwischen sei er ca. 10 mal so groß. Das habe ich mir sinngemäß gemerkt. Nagel mich jetzt aber bitte nicht auf den genauen Wortlaut fest, aber so habe ich das von ihm noch immer in Erinnerung.

  • #40
    Thomas Weigle

    Robin, ich glaub dir das, ich habe auch den Zeitpunkt gesehen. Im letzten Jahr sah B beide auf so gut wie einer Ebene. Wenn sich das in so dramatisch kurzer Zeit ändert, dann liegt das nicht nur an den Bayern.
    Nochmal: auch mich stört die Dominanz der Bayern, solange aber die wirtschaftliche Situation der Vereine und die Zuschauerzahlen so sind wie sie sind, wird sich nichts ändern. Warum auch? Alle verdienen gut. Hin und wieder wird auch mal ein anderer Meister, alle sind zufrieden.
    Problematisch wird es, wenn die Entwicklung so sein wird, wie in Italien, wo es immer wieder Zuschauerzahlen im vierstelligen Bereich gibt.
    Das Drafting ist ne interessante Variante, aber die Auswirkungen auf die internationale Ebene dürften, neben anderen ein solches System eher verhindern, vor allem ist es mit EU-Recht nicht zu vereinbaren hinsichtlich der freien Wahl des Arbeitsplatzes. Bosman lässt grüßen.

  • #41
    WALTER Stach

    Thomas,
    für mich (!!) schien der Fernsehfilm über Landauer eben nicht primär dem Leben und dem Wirken des Juden Brandauer als Präs.des FCB geschuldet, sondern er schien mir in der Tat ehe der Versuch zu sein, die Sympathien, die viele Menschen so wie ich für Landauer empfinden, im Interesse des FCB (aus-)zu nutzen, zu vermarkten.
    Zufall, dass das gerade jetzt geschieht , um verlorgen gegangenes Vertrauen in das Führungspersonal des FCB in Folge der Causa Hoeness wieder zu gewinnen?
    Thomas,
    lassen wir es bei diesen zugegeben sehr subjektiven Empfindungen meinerseits im Zusammenhang mit dem sehr späten, zufällig (?)jetzt erfolgtem “Wiederentdecken” einer großer Persönlichkeit in der Geschichte des FCB.
    Zuweit hergeholt? Mag sein.
    Ich kann jedenfalls für mich nicht leugnen, daß über die Persönlichkeit Landauer und über seine in dem betr.Fernsehfilm geschilderte Geschichte als FCB Präsident meine Meinung über den FCB positiv beeinfluß worden ist.

  • #42
    Manfred Breitenberger

    @Walter Stach #36

    Ins „grübeln kommen“ ist ja grundsätzlich nicht schlecht, aber erbärmlich ist aus meiner Sicht dein Kommentar und die vielfach hier geäußerte Larmoyanz.

    In den 1920er Jahren, als Vereine wie Schalke oder Dortmund Turnvater Jahn und dem Deutschtum huldigten, organisierte Landauer Spiele gegen internationale Mannschaften und verpflichtete ausländische Trainer. Landauer wollte Profifußballer die gutes Geld verdienen und die Kommentare hier erinnern an die Argumente seiner damaligen Gegner. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann sofort der sportliche Abstieg des FC Bayern. Der DFB unter Präsident Felix Linnemann, dem großen Gegenspieler von Kurt Landauer, nutzte die “Zeitenwende” und zementierte unter anderem den verlogenen Amateurstatus.

    Landauer begründete die liberale und weltoffene Fußballkultur des F Bayern und Uli Hoeneß führte diese liberale Fußballkultur fort. Im Gegensatz zu Dortmund oder Schalke ist Bayern seit über 30 Jahren ein weltoffener liberaler Verein. Dank Hoeneß, der im Übrigen niemanden ermordete. Für wie viele Jahre werden wohl die Mörder von Tugce A. ins Gefängnis gehen?

    Zugegeben, dass die Bayern Landauer lange totgeschwiegen haben ist zu kritisieren. Die Verantwortlichen hatten vermutlich Angst vor vermehrten antisemitischen Gesängen auf den Tribünen dieser Republik gegen den „Judenklub“ Bayern München, wie das vom „Arbeiterclub“ 1860 bereits für einige Zeit praktiziert wurde.

    Vor einigen Tagen sah ich im TV eine 90-minütige Diskussion über die sportliche Situation von Werder Bremen u.a. mit Marko Bode. Die Kompetenz und die klare Analyse haben mich beeindruckt. Für Dortmund sehe ich dagegen schwarz, wenn ich mir die hiesigen Ansichten ansehe.

  • #43
    Klaus Lohmann

    @#42 Manfred Breitenberger: Gottseidank bringt mich Ihre peinliche Verknüpfung von geschichtlichen Anekdoten und der Analyse der heutigen sportlichen Situation von Werder und dem BvB nicht “zum Grübeln”, sondern höchstens zum Schenkelklopfen. Ist denn das Einsitzen vom kriminellen Wurst-Uli eine derartige Psycho-Belastung für den gemeinen Bayern-Fan, dass man wirre Hasstiraden mit süffisanter Genugtuung über den aktuellen Tabellenstand verknüpfen muss?

  • #44
    WALTER Stach

    Manfred Breitenberger -42-

    Hoeness und die liberale Fußball-Kultur.
    Na ja! Da haben wir wohl unterschiedliche Vorstellungen von liberal.

    “Dank Hoeness, der im übrigen niemanden ermordete”.
    Was soll das denn?

    -Hoenes ist ein zu drei Jahren Haft verurteilter Straftäter! Dass das niemanden beim FCB zu denken gibt, stimmt mich bezüglich des Rechts- und des Rechtsstaatsverständnisse nachdenklich; verwundern tut es mich nicht.-

    “Für Dortmund sehe ich schwarz.”

    Ja und?

  • #45
    Manfred Breitenberger

    #43
    Klaus Lohmann bestätigt (unfreiwillig) genau meine Kritik. Wer aus der Geschichte nichts lernt kann auch die Zukunft nicht meistern. Deshalb ist die Biene-Maya-Millionentruppe am 13. Spieltag auf Platz 18 (an letzter Stelle) der Bundesliga. Da kann der Klaus noch so oft auf seine Schenkel klopfen, Geld schießt nicht immer Tore. Die Augsburger machen es ohne die Dortmunder Millionen besser. Die sind aber auch Bayern.

    Der Film über Landauer war übrigens eher schlecht, er behandelte nur die Zeit nach dem Krieg. Erkenntnisreich wäre aber die Zeit nach dem 1. Weltkrieg gewesen. Ich empfehle die Bücher über den FC Bayern von Dietrich Schulze-Marmeling (kommt aus dem Pott). Ich hab sie vor langer Zeit gelesen und ein paar Blogs darüber geschrieben (einen oben verlinkt). Die Haftstrafe von“ Wurst-Uli“ belastet mich keineswegs, ich war froh dass er in Gefängnis musste, denn bei einem Freispruch hätte es hierzulande Unruhen wie einst auf dem Maidan gegeben und auf „Ukrainisches Roulette“ wäre ich nicht scharf gewesen.

    http://thinktankboy.wordpress.com/2014/02/28/ukrainisches-roulette/

  • #46
    John Matrix

    @Manfred Breitenberger: Der letzte Kommentar ist aber sehr durch eine blau-rot-weiße Brille gesehen, oder? Auf jeden Fall verquer. “Im Gegensatz zu Dortmund oder Schalke ist Bayern seit über 30 Jahren ein weltoffener liberaler Verein.” Bitte?

    Nie ist großartig das Wort “Judenklub” in Verbindung mit dem FC Bayern erwähnt worden, ebenso wie man erst seit einem Jahr etwas über Kurt Landauer aus München erfährt. Der schien sonst dort allen relativ egal zu sein, aber eignet sich natürlich im Zuge eines Skandals wie Hoeneß für eine Imagekampagne.

    Und Schalke war in den 20er bis 40er Jahren übrigens geprägt von polnisch-masurischen Spielern und als Proleten- und Polackenverein im deutschen Fußball verschrien, trotz späterer Instrumentalisierung durch die Nazis.

  • #47
    Thomas Weigle

    Walter, ich habe eher das Buch Der FC Bayern und seine Juden vor Augen, dass naturgemäß sehr viel vielschichtiger als der Film ist, aus dem ich auch nur noch zwei Szenen in Erinnerung habe. Es ist nicht nur Landauer, sondern es ist die Liberalität für die der FC Bayern stand, als der DFB längst im nationalistischem Fahrwasser segelte. Das ist beeindruckend. Zuvor hatten die schon drei Jahre nach der Gründung, an der auch ein Dortmunder(!!!!) beteiligt war, einen niederländischen Präsidenten, der zuvor Vitesse Arnheim mitgegründet hatte.
    Die Bayern waren ja damals auch in Schwabing oder nahe dran beheimatet, was wohl auch eine Rolle gespielt hat. die Entdeckung Landauers war nicht zufällig, sondern wurde, wie ich schon erwähnte, von der Fan-Gruppierung “Schickeria” mit Transparenten in einem BL-Spiel gegen den “Judenklub” Eintracht Frankfurt angestossen. Ich kann obiges Buch nur empfehlen. Der Autor ist übrigens auch intimer Kenner des BVB, so weit ich weiß.
    Auch die Eintracht musste sich noch in diesem Jahrtausend entsprechende Gesänge in Hannover anhören, in Offenbach und anderswo im Süden eh schon immer.
    Ach Klaus….

  • #48
    Thomas Weigle

    @ Manfred Breitenberger Hoeneß und liberal? Der hat viel von seinem Vorgänger Neudecker, der zwar lange SPD-Mitglied war, aber liberal war der Herr Bauunternehmer sicher nicht.

  • #49
    Klaus Lohmann

    @#45 Manfred Breitenberger: Wenn Sie der Welt jetzt noch erläutern, was Ihr anscheinend tiefverwurzelter Neid und Hass auf den BvB mit Landauer und den Juden zu tun haben soll, kann ich vom auf die Dauer wirklich schmerzhaften Schenkelklopfen aufs entspannte Kichern wechseln.

    Kindergarten….

  • #50
    Arnold Voss

    Die Bundesliga ist dazu da, um mit Fussball möglichst viel Geld zu verdienen. Auseinander bricht da gar nichts. Im Gegenteil, es wächst zusammen was zusammengehört: Sport und Geld. Dazu gehört sogar die Dramatisierung der Vereinsgeschichte. Seid Guido Knopp lieben das selbst Fussbalfans. Also hört auf zu jammern und seht zu, dass ihr vom Batzen was abbekommt.

  • #51
  • #52
    Manfred Breitenberger

    @John Matrix #46

    Beschimpfungen gegen den „Judenclub“ FC Bayern kamen nicht nur vom Lokalrivalen 1860, dessen Fans das Lied der Bayern vom “Stern des Südens” in das Lied vom “Stern im Ausweis” umwandelten.

    „Das Lied vom „Stern im Ausweis“, das vor ein paar Jahren aufkam, ist nur eines der vielen Beispiele der antisemitischen Anfeindung. Wesentlich gefährlicher als das, weil nicht so offensichtlich, sind die weit verbreiteten Formen der verkürzten Kapitalismuskritik, auf deren Schwingen alte Geister unbemerkt in die Stadien getragen werden. Die schöne Tradition, linke Arbeitsportverbände zu gründen, um damit dem kapitalistischen Sportmarkt als Ganzes zu trotzen, ist im Nachkriegsdeutschland leider kaum mehr zu finden. Stattdessen beschränken sich die Kritiker des kapitalistischen Sportmarktes auf die Suche nach Sündenböcken, denen sie die „Kommerzialisierung der Liga“ zur Last legen können. Der FC Bayern ist ein beliebtes Ziel dieser Angriffe. Auf der einen Seite sind diese Kritiker häufig selbst Teil eines kapitalistischen Fußballvereins oder halten diesem die Treue, aber zeigen gleichzeitig mit dem Finger auf den FC Bayern, den „besonders kapitalistischen Verein“, der nichts weiter tut als sich erfolgreicher an den Spielregeln des kapitalistischen Sportmarktes zu orientieren. Diese Denkweise, welche in so genannten „traditionsbewussten“ Fußballvereinen häufig vorherrscht, erinnert stark an die verkürzte Kapitalismuskritik, wie sie vor allem die Nationalsozialisten geprägt haben, und welche heute unter dem Stichwort „moderner Antisemitismus” subsumiert werden könnte“ (Hinterland-Magazin http://www.hinterland-magazin.de/pdf/05-54.pdf)

    Dietrich Schulze-Marmeling schreibt in “Der FC Bayern und seine Juden:
    Obwohl die Nazi-Periode zunächst einmal die weitgehende Zerstörung seiner liberalen Fußballkultur bedeutete, lässt sich beim FC Bayern doch deutlicher als bei vielen anderen Klubs ein roter Faden der Geschichte ausmachen. Je intensiver man sich mit der Zeit vor 1933 beschäftigt, desto augenscheinlicher werden die Übereinstimmungen des FC Bayern der Ära Kurt Landauer mit dem heutigen Klub. Der FC Bayern der Jahre 1900 bis 1933, zumal der Jahre 1919 bis 1933, war von seinem Denken her nicht so viel anders als der moderne FC Bayern. Die Identität des heutigen FC Bayern wurde zu Teilen bereits von Kurt Landauer geprägt. Unter dem »bayerischen Urgestein« Landauer wurde der FC Bayern ein »Volksverein«, blieb aber vornehm und bewahrte sich einen Rest an »Anderssein«. Der FC Bayern avancierte zu einer modernen und treibenden Kraft im deutschen Fußball. Eine Tradition, die spätestens mit dem Manager Uli Hoeneß wieder aufgenommen wurde.

    1860 München wurde wie andere sogenannten „Arbeitervereine“ von der NSDAP gefördert. Im Juni 1933 wird Schalke 04 von Vereinsführer Unkel, und seinem Stellvertreter Heinrich Tschenscher, NSDAP-Mitglied seit dem 1. Mai 1933 geführt. Die Schalke Spieler Ernst Kuzorra und Fritz Szepan ließen sich für direkte Unterstützungsaktionen der NSDAP einspannen. Durch die Übernahme eines jüdischen Textilhauses am Schalker Markt im Zuge der “Arisierung” wird Szepan zudem zum Profiteur des NS-Regimes. Die enteigneten Eigentümer Sally Meyer und Julie Lichtmann werden deportiert und in Riga ermordet. Es ist kein Zufall, dass Schalke 04 in der Zeit von 1933 bis 1945 sechs Mal Deutscher Meister wurde. (http://thinktankboy.wordpress.com/f-rubriken/f-rubrik-bayern-munchen/)

  • #53
    leoluca

    Der FC Bayern-Anhänger Manfred Breitenberger schreibt über die Historie seines Clubs:
    “Landauer begründete die liberale und weltoffene Fußballkultur des FC Bayern und Uli Hoeneß führte diese liberale Fußballkultur fort. Im Gegensatz zu Dortmund oder Schalke ist Bayern seit über 30 Jahren ein weltoffener liberaler Verein.”

    Das ist nachweislich falsch – was die Geschichte des FC Bayern nach Landauers Sturz als Bayern-Präsident Anfang der 50er Jahre betrifft.

    Eines der berührendsten Bilder des Landauer-Films, der im Herbst in der ARD lief, kommt ganz am Ende und es gehört der Münchner Ultragruppe “Schickeria”, die zu Ehren ihres frühen Vereinschefs den ganzen Unterrang mit einem Banner zudecken. Ein überdimensionales Bild von Kurt Landauer, dazu die Zeilen: “Der FC Bayern und ich gehören nun einmal zusammen und sind untrennbar miteinander verbunden.” – Das ist keine Inszenierung, sondern Realität.

    Eine solche Fan-Choreografie gab den Anstoß, die Geschichte dieses Bayern-Präsidenten zu erzählen, die lange irgendwo in den Archiven versteckt war. Erst zu Kurt Landauers 125. Geburtstag hatte die Schickeria im Oktober 2009 im Stadion ein Riesen-Banner entrollt, dazu Spruchbänder: “Der FC Bayern war sein Leben – nichts und niemand konnte das ändern!”.

    Damals wurde der Bayerische Rundfunk auf den verdrängten Frühfunktionär aufmerksam und begann zu recherchieren – und der Film ist das Ergebnis dieser langen Arbeit.

    Der “Spiegel” berichtet, dass Karl-Heinz Rummenigge beim Besuch der Dreharbeiten erzählt hat, dass in seiner Zeit als Spieler und Funktionär im Verein nie von Landauer gesprochen worden sei.

    So ist mindestens so interessant wie Landauer selbst der Aspekt, dass es einer zahlenmäßig kleinen linken Fan-Gruppierung bedurfte, dass der FCB diesen Teil seiner Geschichte überhaupt wieder anerkannt hat und sich zu seinen jüdischen Wurzeln bekennt. Landauer, der 1961 verstarb, ist inzwischen einer von drei Ehrenpräsidenten des FC Bayern – auch dafür hatte sich die “Schickeria” eingesetzt

    Die Münchner Ultra-Gruppierung “Schickeria” ist deshalb in diesem Jahr mit dem renommierten Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) würdigte damit zum zehnten Mal seit 2005 das Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball.

    Die “Schickeria” veranstaltet seit vielen Jahren – und bis heute – ein antirassistisches Kurt-Landauer-Turnier, bei dem das Rahmenprogramm mindestens so wichtig ist wie das Kicken selbst.

  • #54
  • #55
    Manfred Breitenberger

    @Thomas Weigle #48
    Was Neudecker angeht, stimmt der war nicht liberal, eher reaktionär.

    @ Klaus Lohmann #49
    Ich soll neidisch auf den BVB sein? Worauf? Auf den letzten Tabellenplatz des BVB?

    Die hiesige Diskussion und der Artikel beinhalten verkürzte Kapitalismuskritik und die hiesigen Kritiker des kapitalistischen Sportmarktes suchen mit Bayern München einen Sündenbock der für die „Kommerzialisierung der Liga“ verantwortlich sein soll. Bayern München ist nicht verantwortlich für die Regeln des Kapitalismus. Die Bayern haben sich ihren Erfolg erspielt und erarbeitet. Weder ein Chemie- oder Ölkonzern sehen hinter den Bayern. 1932 war Bayern das erste Mal Meister, mit der Machtübernahme der Nazis wurde der FCB zerschlagen, obwohl Bayern sich sportlich für die Bundesliga qualifiziert hat mussten sie 1963 in der Regionalliga starten. Die folgende Erfolgsgeschichte hat mit Fußball zu tun.

    Kann es sein dass einige Kommentatoren hier neidisch auf die Bayern sind?

    @leoluca #53
    Ich habe Dietrich Schulze-Marmeling aus seinem Buch “Der FC Bayern und seine Juden mit dem richtigen Satz zitiert: “Landauer begründete die liberale und weltoffene Fußballkultur des FC Bayern und Uli Hoeneß führte diese liberale Fußballkultur fort“

    Dieser Satz bedeutet: Nach Landauers Sturz war Bayern noch kein weltoffener liberaler Club, das wurde er erst wieder als U.H. Manager wurde.

    Ich schrieb es bereits an anderer Stelle. Den Landauer Film kann man vergessen. Sein einziger Verdienst ist, dass nun ein paar Leute mehr ansatzweise den Namen Landauer kennen. Der Antiamerikanismus Bierbichlers (spielt Landauer) in dem Film ist unerträglich. Die entscheidende Zeit Landauers von 1900 -1945 wurde in dem Film nicht thematisiert.

    Soweit ich weiß war es der Dortmund-Fan Dietrich Schulze-Marmeling der sich als erster um die Geschichte Landauers intensiv gekümmert hat. Erst dann kam die Schickeria. Wieso die Verantwortlichen des FC Bayern ihre ruhmreiche Landauer-Geschichte so lange nicht öffentlich machten schrieb ich hier an anderer Stelle und ich kritisierte auch dies.

    @ red power #54
    Das weiß ich. Bestimmte Leute mal zum Nachdenken bringen, auch wenn sie es nicht zugeben. Mehr ist nicht drin.

  • #56
    Thomas Weigle

    Es ist schon erstaunlich, wie lange sich diese letztlich judenfeindlichen Narrative im Fußball in D.erhalten haben, schließlich ist es seit 33 mit der “Verjudung des Sports”( Der Stürmer) vorbei. Andere Länder haben aber auch Einiges zu bieten, ein besonders widerwärtiges Beispiel hat Rotterdam , dort wird bei Gastspielen des “Judenklubs” Ajax Amsterdam gerne mal das Zischen ausströmenden Gas intoniert. Dies, obwohl laut Vereinshistorie der österreichisch-ungarische Jude Richard Dombi zum größten Trainer des Vereins erklärt wird, so jedenfalls Schulze-Marmeling( Davidstern und Lederball) Dombi zeichnete im Übrigen für die Meistermannschaft des FC Bayern 32 verantwortlich (leider).

  • #57
    leoluca

    @ Manfred Breitenberger

    Pardon, meine Formulierung, Ihre Darstellung der Bayern-Historie sei “nachweislich falsch”, nehme ich zurück. Ihre Darstellung ist nicht falsch, allerdings ist sie verkürzt, was die Besinnung des FC Bayern auf seine jüdischen Wurzeln und seinen frühen Präsidenten Kurt Landauer angeht. Ich habe das oben ausgeführt.

    In allen weiteren Punkten stimme ich Ihnen absolut zu: Die üblen Sprüche und auch Transparente gegen den “Judenclub” kenne ich – als Schalker – teils aus eigener Erfahrung im Stadion (ist zum Glück schon 20 Jahre her und wäre heute dank einer einflussreichen antirassistischen Fanini und einer klaren Stadionordnung nicht mehr möglich) , teils erzählt mir meine schwarz-gelb orientierte Verwandtschaft, dass die braune Szene auf der Südtribüne in Dortmund diesen Antisemitismus seit einigen Jahren immer wieder zelebriert, wenn Bayern München zu Gast ist.

    Eine schöne Geschichte habe ich im Dortmunder Stadion vor ein, zwei Jahren erlebt, als Bayern gegen den BvB klar und deutlich gewann – und die “Schickeria” kurz vor dem Schlusspfiff ein Riesentrasparent entrollte, auf dem stand: “Niederlage gegen den Judenclub. Wenn das der Führer wüsste.”

  • #58
    Klaus Lohmann

    @Manfred Breitenberger: Neid kommt meistens *vor* der Schadenfreude, das liest man fast in jedem Absatz bei Ihnen raus. Vielleicht sind Sie ja auch neidisch auf eine integre Vereinsführung beim BvB, bei dem man nicht erst die Satzung ändern muss, um vorbestrafte Großkopferte wieder als Mitglieder und Figuren zum Gottesanbeten begrüßen zu können. Das ist dann wohl die Spitze des Liberalismus bayrischer Prägung.

  • #59
    Thomas Weigle

    Die Bayern haben die besseren Fußballer und Geschäftsleute, der BVB die besseren Fans und integre Führungsfiguren, die dann aber auch schon mal rhetorisch übel danebengreifen: “Blut, Schweiß und Tränen.”

  • #60
    Klaus Lohmann

    @#59 Thomas Weigle: Jaja, Watzke ist weder Garibaldi noch Roosevelt oder Churchill, aber “Schweiß” wird eigentlich immer, “Tränen” werden schon seit mehreren Spieltagen immer häufiger und “Blut” von einigen unserer Verletzten eben auch vergossen. Was ist daran nun “übel daneben”, wenn z.B. ein Hoeneß die eigenen Fans beschimpfen darf?

  • #61
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Der Name Hoeneß wird für mich auch immer hiermit verbunden sein: http://www.youtube.com/watch?v=Udk9oMJRuKY

  • #62
    Stefan Laurin

    @Robin Patzwaldt: Grandiose Rede. Und natürlich hat er Recht: Wer unkomerziellen, ursprünglichen Fußball will und von einer Rückkehr zu den ach so tollen Wurzeln träumt hat dazu jede Woche tausendfache Gelegenheit: In der Kreisliga.

  • #63
  • #64
    WALTER Stach

    -50-Arnold,
    so ist es!

    Der Profi-fußball ist ein Geschäft und da geht es wie in jedem anderem Geschäft prinmär um das Geldverdienen. Gelegentlich hilft eine Erinnerung an diese Realität, die Fan-Gefühle herunterzufahren.

    Aber der Fußball-Fan kann ein solcher nur dehalb sein, weil er primär nicht von der Ratio, sondern von Emotionen gesteuert wird. Da das so ist, läßt sich der Fan folglich relativ leicht lenken und leiten, indem seine Emotionen angesprochen werden, nicht seine Vernunft. Ansonsten wäre so Manches gar nciht möglich -auch in der hier laufenden Diskussion. Wäre z.B. Honess nur Wurstfabrikant und nicht Präsident des FC Bayern gewesen, hätte niemand seine Veurteilung zur 3 Jahren Haft bedauert, geschweige denn, diese Verurteilung als Straftäter kritisch hinterfragt noch alles getan, um seine Haft zu erleichern, sie zu verkürzen und bereits jetzt alles zu tun, damit er nach seiner Haftentlassung nicht mehr als Straftäter wahrgenommen wird. Auch dem emotional gesteuerten Marketing wegen , so scheint mir, haben die Verantworltichen des FCB den offiziell lange totgeschwiegen Brandauer wieder in Erinnerung gerufen -sh. die diesbezüglichen Bemühungen von Manfred Breitenberger. Dazu paßt auch das Marketing-Ereignis der Papst-Audienz, dass viele Katholiken unter den Bayern-Fans emotional besonders ansprechen sollte und vermutlich auch angesprochen hat. Ich stelle das fest. Es ist so und vor allem: Es ist nicht zu ändern.

    Manfred Breitenberger-55-
    “Die Bayern haben sich ihren Erfolg erspielt und erarbeitet” -nicht zu bestreiten.
    “Weder ein Chemie – noch ein Ölkonzern……….” -richtig.Nur damit durfte der Satz, wenn die Objektivität nicht gänzlich ausgeblendet werden soll,nicht enden. Er hätte fortgesetzt werden müssen mit “:…..sondern hinter dem Erfolg des FCB stehen Addias, AUDI, ALLianz..

    “Halbe Wahrheiten sind…….???”

  • #65
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Stefan: Kein Widerspruch von mir! Auch ich bin kein Freund einer totalen Kommerz-Verweigerung im Fußball, so wie es einige Fans fordern. Wer konkurrenzfähig sein will muss das eben auch mitmachen. Aber maßhalten ist angesagt. Und das ist der Punkt wo es spannend und diskutabel wird. Als ich zuletzt die Gelegenheit hatte mir die Logen und das Buffet im Dortmunder Stadion anzusehen, da war ich als alter Südtribünenbesucher auch beeindruckt, was sich da in den letzten Jahren entwickelt hat. Klar, dass da 1000 Besucher ähnlich viel Geld in die Kasse spülen wie die komplette Südtribüne in Dortmund. Da hat mich meine Dauerkarte früher noch unter 200 DM gekostet. Damit kannst Du natürlich heutzutage kein CL-Team mehr finanzieren. Das ist klar….

  • #66
    Manfred Breitenberger

    @ Thomas Weigle #56
    Stimmt, das Buch von Dietrich Schulze-Marmeling – Davidstern und Lederball ist sehr zu empfehlen, auch der dortige Artikel von ihm: Fahrräder, Juden, Fußball: Ajax Amsterdam
    Wen es interessiert, über Cruyff, Ajax und den dortigen Antisemitismus hab ich hier was geschrieben:

    http://thinktankboy.wordpress.com/2014/02/07/johan-cruyff-und-voetbaltotaal/

    @ leoluca #57
    Dann sind wir nicht so weit auseinander. Ja stimmt, wenn das alles der” Führer hätte erleben dürfen”

    @Klaus Lohmann #58
    Sorry Klaus, aber Neid auf den BVB ist sehr, sehr schwierig, eigentlich unmöglich für mich. Schadenfreude geb ich gerne zu.

    Hoeneß hat viel Blödsinn in Talkshows geredet und bei seiner Steuerhinterziehung hatte er wohl den falschen Berater. Er sitzt dafür im Gefängnis. Was wollen die unfehlbaren Wutbürger mehr? 20 Jahre oder die Todesstrafe? Die Stimmung während des Prozesses hatte schon was Gespenstiges. Ich möchte nicht wissen was losgewesen wäre wenn einen Freispruch gegeben hätte. Eins ist klar, wenn die Selbstanzeige zwei weitere kurze Sätze beinhaltet hätte, dann wäre ein Freispruch die logische Folge gewesen und ob Klaus Lohmann sich dann nicht in Richtung Maidan bewegt hätte kann nur spekuliert werden.

    Ob ich ein echter Bayern-Fan bin weiß ich übrigens nicht. Mir sind einige Vereine in der BL sympathisch (Freiburg, Augsburg, Gladbach) und andere nicht. Vermutlich bin ich Bayernfan weil die Bayern ohne Argumente so gehasst werden, das macht sie mir neben ihrer ruhmreichen Geschichte vor der Nazibarbarei sympathisch.

    Als ehemaliger Fußballer (Offensive) schaue ich natürlich auch auf die Taktik und die Spielidee. Das Spiel der Bayern war letztes Jahr eher langweilig, das Spiel in die Spitze fehlte. Das hat sich geändert und das ist gut so.

    @all
    Eine Bitte hätte ich abschließend: Könnt ihr nicht den Sammer wieder zurückholen?

  • #67
    Klaus Lohmann

    @#66 Manfred Breitenberger: Da bei Hoeneß die Faktenlage schon vor dem Prozess und dann im weiteren Verlauf keinen anderen Ausgang als eine Verurteilung und allein wg. der Höhe der Hinterziehung auch keine Bewährung in Frage kam, war Maidan überhaupt keine Option. Das mit den “zwei weiteren kurze Sätzen” in der Selbstanzeige ist unsinnige Legendenbildung für den heulenden Bayern-Bazi und die bibbernden Steuerhinterziehungs-“Befürworter”, denn Wurst-Uli hätte auch beim Erstellen der Selbstanzeige nicht den vollumfänglichen Betrag angeben können, der für eine Strafbefreiung notwendig gewesen wäre.

    Nun gilt ein zuvor ständig moralisierender, sich selbst mit Heiligenscheinen umgebender Hoeneß halt als vorbestrafter Krimineller, that’s life.

  • #68
    Klaus Lohmann

    @#63 Thomas Weigle: Außer Dir sieht Niemand eine “fatale Gleichsetzung”. Von was eigentlich??

  • #69
    Thomas Weigle

    Robin, das “Maßhalten” hat schon bei dem Dicken mit der Zigarre nicht recht funktioniert. Der Aufstieg der Bayern begann während seiner Kanzlerzeit.
    Die Bayern haben ihre EC-Siege genutzt,der BVB (66, 97), die Eintracht (80) und der HSV (83) sind nach ihren Siegen mehr oder weniger lang in Mittelmäßigkeit versunken, oder gar abgestiegen( BVB, Eintracht). Von den finanziellen Eskapaden an allen drei Standorten, die das Verschwinden dieser Vereine hätten bewirken können, nicht zu reden.

  • #70
    Thomas Weigle

    @ Klaus Lohmann Mit der Geschichte ist das so eine Sache. Ich denke, wir sollten Churchills Ausspruch für ernste Gelegenheiten aufheben, dem Kampf gegen eine Diktatur bspw, und ihn nicht im Fußball inflationieren. Selbst wenn ich der Einzige bin, woher willst das eigentlich wissen, ich finde es fatal und unangemessen. Selbst im Ruhrgebiet und sogar für den BVB.

  • #71
    Klaus Lohmann

    @#70 Thomas Weigle: Solange sich ein Gerhard Schröder das Churchill-Zitat ausleihen darf, um seine dümmliche Agenda2010 zu verkünden, solange darf auch ein Watzke damit den Verein, dessen Anhänger und die Aktionäre auf entbehrungsreiche Zeiten vorbereiten, gelle?

  • #72
  • #73
    red power

    @Klaus Lohmann

    Der Name Florian Homm ist ihnen ein Begriff? Ich werfe das nur mal ein, falls sie den Drang verspüren weiter gegen Uli Hoeneß zu hetzen.

  • #74
    John Matrix

    @#52 M.B.: Das kann ich leider nicht als Gegenargument für meine Behauptung, dass das Thema FCB und “seine jüdische Vergangenheit” (also eigentlich nur die Personen K. Landauer und Trainer Dombi) erst seit kurzer Zeit zur Imagepflege vom Verein thematisiert und aufgebauscht wird. Der Spruch der 1860er stammt ja anscheinend auch erst aus jüngerer Vergangenheit.

    Ferner würde ich empfehlen, sich nicht nur Zitate aus Sekundärliteratur rauszusuchen und die dann als Beweise für die eigene Sichtweise durch die Vereinsbrille anzusehen. Der FCB wurde 1933 nicht “zerschlagen”, 1943 regierte dort übrigens auch ein NSDAP-Mitglied. So wie in der ganzen dt. Gesellschaft damals.

    Dementsprechend ist auch das Thema Schalke und der Nationalsozialismus, trotz aller auf den ersten Blick auszumachenden Verbindungen und so leicht es manche sich damit machen mögen, leider differenzierter zu betrachten. Schon gar nicht wurde Schalke so oft Meister, “weil die Nazis es wollten”.

    Dann behaupte ich, der heutige, achso (neo-wirtschafts-)liberale FCB, hat sich die Meisterschaft 2001 gekauft. Schauen Sie sich die Wiederholung noch mal genau an! 😉

    Aber Sie sind Bayern-Fan, ergo haben Sie sicherlich bei allem Recht.

  • #75
    Klaus Lohmann

    @#73 red power: Oh, ein Schlaumeir aus Bayern. Homm war also lt. Ihnen irgendwie Geschäftsführer, Präsi, Aufsichtsrat-Mitglied oder sowas? Und dass Watzke als Präsidialauschuss-Mitglied die Erpressungsversuche von Homm erfolgreich geblockt hat, ignorieren Sie geflissentlich?

    Im Gegensatz zum FCB mit seinem als “wanking template” bekannten Sonnengott Hoeneß gibt es beim BvB Niemanden, der Homm durch peinliche Satzungsänderungen als “Mitglied” begrüßen würde.

  • #76
    Thomas Weigle

    @John Matrix Die Bezeichnung “Judenklub” kommt nicht daher, dass zwei führende Mitglieder Juden waren, sondern dass Vereine wie Bayern, die Eintracht u.a. von einem breiten Netzwerk der jeweiligen jüdischen Community unterstützt wurden. In diesem Umfeld wurden auch gerne internationale Verbindungen gepflegt, für die vor allem auch der Gründer des KICKER, Walther Bensemann stand. Diese Internationalität wurde m.W. im Ruhrgebiet und im Bereich des Westdeutschen Verbandes damals so nicht gepflegt. Im Westdeutschen Verband herrschte zumindest ab Mitter der 20er die gleichen nationalistischen-aggressiven Töne wie im DFB vor. Dafür stehen u.a. die Namen Klein und der des unsägliche v.Mengden, die über die Zeitschrift FuL einen ständigen Kleinkrieg mit Bensemann und dem KICKER führten.
    Was die Nazis bei Bayern angeht, so wechselten die Chefs dort ab 33 wie die Schalker heute ihre Trainer, erst 43 kam tatsächlich ein heißer Nazi ins Amt. Die vorher ins Amt gehievten konnten sich innerhalb des Vereins nicht durchsetzen.
    Ein Schmankerl:Der Begriff “Dolchstoß” soll übrigens laut Schulze-Marmeling von einem späteren Funktionär des TSV 1860 erstmals benutzt worden sein.

  • #77
    Manfred Breitenberger

    @ John Matrix

    In Ergänzung zur Antwort von Thomas Weigle auf deinen widersprüchlichen Kommentar # 74

    Nach der Zerschlagung der Münchner Räterepublik (Eisner. Landauer, Toller usw. waren Juden) nahm der Antisemitismus vor allem in München an Fahrt auf, was jedoch die Politik der Münchner Bayern kaum beeinflusste. Während Agitatoren wie Eugen Dühring, Paul Lagarde und Wilhelm Marr den Juden ihr “Undeutschsein” vorwarfen, sie als von Natur aus fremde Elemente bezeichneten, leistete sich Bayern München in den Weimarer Jahren nicht nur einen jüdischen Präsidenten, sondern auch gleich vier jüdische Trainer.

    Während der Reichspogromnacht 1938 wurden in München ungefähr 1.000 männliche Juden verhaftet, darunter Kurt Landauer. Nach seiner Freilassung floh er in die Schweiz. Kurt Landauers Geschwister Dr. Paul, Franz und Leo wurden von den Nazis ermordet. Otto Albert Beer war bei Bayern der Koordinator für die Jugendarbeit. Beer wurde 1941 nach Litauen deportiert und dort, wie seine Frau und seine beiden Söhne ermordet. Viele jüdische Mitglieder des FC Bayern München wurden von den Nazis in Auschwitz ermordet.

    Anders als im DFB oder anderen Vereinen gab es beim FC Bayern Menschen die versuchten den Klub auf größtmögliche Distanz zum Nazi-Regime zu halten. So wurde der überzeugte Nationalsozialist Josef Sauter erst 1943 Präsident bei den Bayern. Im Gegensatz dazu: Im Juni 1933 wurde Schalke 04 von Vereinsführer Unkel, und seinem Stellvertreter Heinrich Tschenscher, NSDAP-Mitglied seit dem 1. Mai 1933, geführt.

    Der bayerische Judenverein war den Nazis ein Dorn im Auge und wurde von den Nazis in die Bedeutungslosigkeit zerschlagen. Wer dies leugnet hat ein Wahrnehmungsproblem.

    Die Behauptung die Bayern hätten sich Titel gekauft oder die Bayern kaufen den anderen Vereinen die Spieler weg nur um sie zu schwächen oder die Bayern gewinnen ihre Spiele nur mit Dusel (“Bayerndusel” -Verbindungen mit geheimen Mächten) oder “Bayerngeld regiert die Welt” können getrost in die Rubrik “struktureller Antisemitismus” eingeordnet werden. Wenn Anhänger von Schalke 04 ohne jeden Beleg den Bayern gekaufte Spiele vorwerfen dann hat das natürlich auch etwas Komisches – Stichwort: Bundesliga-Skandal.

    Antisemitische Entgleisungen von Löwenfans gibt es nicht erst seit jüngerer Vergangenheit. Im Gegenteil, die Gruppe “Löwen gegen rechts” bekämpft seit einiger Zeit erfolgreich diese Tendenzen. Aber es ist nicht dieser offenkundige Antisemitismus der Angst machen muss, es ist die verkürzte Kapitalismuskritik die in vielen hiesigen Kommentaren und auch im Artikel mitschwingt. Schalke 04 hängt am Geldtropf von Gazprom, Dortmund ist ein börsennotierter “Arbeiterverein”, Dortmund kauf den Gladbachern den Reus weg und die Anhänger dieser Vereine regen sich über den Reichtum der Bayern auf, machen die Bayern für die Regeln des Kapitalismus verantwortlich und in ihren Beschuldigungen jagt eine Verschwörungstheorie die andere. Wehret den Anfängen ist leider schon zu spät. Die Bayern wurden wie beispielsweise Tennis Borussia Berlin von den Nazis zerschlagen, starteten bei null, wurden beim Bundesligastart nicht berücksichtigt, hatten dann das Glück und das Geschick mit Beckenbauer, Müller und Maier Ausnahmespieler zu verpflichten und mit Hoeneß ging es dann erst richtig los. Die Bayern haben sich alles erarbeitet, waren in keinen Bundesligaskandal verstrickt, kauften nie Spieler über ihre Verhältnisse, blieben immer Schuldenfrei und irgendwann zahlt sich das eben aus. Dann kommt halt Adidas und will einen Werbevertrag und Allianz war scharf darauf seinen Namen fürs Stadion zu geben.

    Das schöne im Fußball sind Mannschaften wie Freiburg und Augsburg, die beweisen das es auch mit wenigen Mitteln funktionieren kann. Die Jammern nicht, die handeln einfach.

  • #78
    leoluca

    Wenn schon über die Schalker Historie geredet wird, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Schalke 04 als erster Fußball-Bundesligaklub seine Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus hat wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Dabei hat man die Verwicklung ins NS-System offengelegt.

    Zwei Tipps zum Thema.

    FAZ-Artikel zur Studie:
    http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/fussball-opportunisten-und-mitlaeufer-studie-zu-schalke-in-der-nazi-zeit-1232573.html

    Text der Schalker Fanitiative “Gegen Rassismus”, die seit über 20 Jahren existiert und das berühmte Fanzine “Schalke Unser” herausgibt:

    http://www.fan-ini.de/su/mythos/schalke_nazizeit.shtml

  • #79
    John Matrix

    Also wirklich, Sprüche wie “Bayern-Dusel” oder “die Bayern und ihr Geld” mit “strukturellem Antisemitismus” einzuordnen ist manisch!

    Ok, aber halten wir fest:

    – Bayern München war 33 bis 45 eine der wenigen Institutionen des deutschen Widerstandes und ist in einem Atemzug mit der KPD, christlichen Nazi-Widersachern und dem 20. Juli zu nennen
    – In dieser ehrbaren Tradition hat sich der FCB stets gesehen und kommuniziert dies nicht erst seit wenigen Jahren
    – Der FCB hatte deshalb traditionell ein schweres Standing im deutschen Fußball und hat sich alles selbst erarbeitet
    – Der FCB ist und war immer ein weltoffener und liberaler Verein und überhaupt nicht von konservativen Cliquen-Filz typisch bayrischer Prägung betroffen, während andere Vereine wie S04 und BVB bis tief in die 90er Jahre hinein von Fremdenfeindlichkeit geprägt waren
    – Der FCB hatte stets nur ehrbare Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer in seinen Reihen, die sich im Prinzip nie etwas zu Schulden haben kommen lassen. Auch der Verein hat und hatte nie Leichen im Keller, andere Vereine haben durch die Taten einzelner, ehemaliger Mitglieder oder Spieler alledings viel auf dem Kerbholz und dürfen daher nichts gegen den FCB sagen.

    Viele deiner Argumente sind ja nicht falsch und du legst sie gut dar, doch der Eindruck entsteht, dass das alles aufgrund der offentsichtlichen Vorliebe für diesen gewissen Verein in ein glänzenderes Licht gerückt wird, als es ist.

  • #80
    Klaus Lohmann

    @#77 Manfred Breitenberger: Ihre erfolglosen Bemühungen, hier Jeden, der Kritik an Bayerns Einkaufspolitik äußert, in direkten Bezug zu Antisemitismus zu setzen, sind erstens rührend lächerlich und zweitens zum Fremdschämen doof. Aber evt. ist das ja eine – da vom Thema her erst seit kurzer Zeit auch einem größeren Publikum bekannt – neue “Markeringstrategie” des FCB, um jedwede Kritik sofort im Keim zu ersticken.

  • #81
    John Matrix

    Achso, und überhaupt: Was tut die vermeintlich jüdische Vergangenheit des FCBs eigentlich zur Sache? Ich weiß nicht, ob man es hier und dort schon gehört hat, aber dieses Jahrhundertverbrechen betraf nicht nur Juden beim FCB. Und mit dem Thema des Artikels hat das auch herzlich wenig zu tun und ist schon gar keine Absolution dafür, dass der FCB seit den 70er und heute ist wie er ist und handelt wie er handelt. Letzteres ganz bestimmt nicht 100% sauber. Ich warte ja noch auf den großen Knall, vllt. war Hoeneß nur der Anfang.

  • #82
    leoluca

    Ich habe nix gegen die Ansicht, dass der FC Bayern die beste Fußballmannschaft Deutschlands hat und dazu einen Weltklassetrainer, dem keiner das Wasser reichen kann. Das wird neidlos anerkannt. Ich bin Anhänger des feinen Guardiola-Kicks, der ja eigentlich und ursprünglich eine niederländisch-spanische Co-Produktion ist.

    Aber die These, die hier vertreten wird, der FC Bayern habe sich seine große (finanzielle) Dominanz in der Liga ausschließlich sportlich und selbst erarbeitet, diese These darf durchaus angezweifelt werden.

    Warum nur war der Prozess gegen Uli Hoeness plötzlich mit 4 Tagen so kurz – während im Prozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff monatelang verhandelt wurde wegen 700 Euro?

    Sollte da etwas unter den Teppich gekehrt werden? Wollte die Justiz gar nicht alles wissen? Hat man einen wichtigen Informanten (den vom “Stern”) deshalb nicht mehr hören wollen, weil Hoeneß lieber in den Knast gehen wollte als dass der Prozess Neues über den FC Bayern enthüllte? Die Staatsanwaltschaft wollte ganz plötzlich gar nicht mehr alles so genau wissen.

    Der wichtigste Verdacht lautet nach wie vor und er ist bis heute nicht aus der Welt: Auf dem Geheimkonto von Hoeneß bei der Schweizer Vontobel-Bank sei viel mehr Geld hin und her geschoben worden als bekannt und bei diesem Hoeneß-Konto habe es sich um eine schwarze Kasse des FC Bayern gehandelt. So berichtet das der ungenannte Informant im Stern, den die Staatsanwaltschaft nicht mehr befragen wollte. .

    Ein Teil des Geldes auf diesem Geheimkonto kam von Hoeneß selbst, ein großer Teil aber von dem Adidas-Chef Louis-Dreyfus und von einer Bürgschaft.

  • #83
  • #84
    John Matrix

    “Selbst erarbeitet” müsste eh mal neu definiert werden. Ich bezweifel mal einfach, dass der FCB nie einen Sponsoren hatte oder einen Kredit aufnahm. “Selbst erarbeitet” klingt wie: “Wir brauchten nie Fremdkapital und haben alles aus Geldern finanziert, die wir allein wegen unserer sportlichen Erfolge bekamen…”

  • #85
    WALTER Stach

    Zur Lektüre zu empfehlen:
    1.
    “Der Markenbeauftragte”…..Guaridiola………..
    -DER SPIEGEL CHRONIK 2o14 -S.83-

    2.
    “Unser Uli in Landsberg” -verspielt,verzockt…..
    -DR SPIEGEL CHRONIK 2014 -S.117-

  • #86
    Thomas Weigle

    Ich glaube mehr denn je nach dem gestrigen Spieltag, dass die BL sicher nicht zerbricht, nicht in absehbarer Zeit jedenfalls. Hinter den Bayern entwickelt sich doch eine atemberaubende Hetzjagd nach Europa. Eben schaute man in FFM nach dem 0:4 gegen die Bayern noch schwer nach unten, drei Spieltage später ist man noch zwei Punkte von der Tour d`Europe entfernt. Diese Wechselbäder werden auch weiterhin die Zuschauer in Scharen in die Stadien strömen und uns sich aufregen lassen. Wir sind alle gut beraten uns eine Klinikpackung Blutdrucksenker zu besorgen.

  • #87
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Aber der Kampf um den Titel droht gleichzeitig so langweilig zu werden, dass man sich die Schlaftabletten sparen kann, um im Bild zu bleiben 😉 So gesehen ist der Riss schon da. Allerdings ist es eben nicht gerade eine Teilung der Liga in der Mitte 😀

  • #88
    Thomas Weigle

    Robin, der Titelkampf findet nicht statt, dass ist richtig. Aber ob nun ein Klub den Titel unter sich ausmacht oder mit einem zweiten Verein, bspw. dem BVB ist für die Anhänger der anderen Vereine eher nebensächlich. So lange jedenfalls der Kampf um Europa so stattfindet wie er zur Zeit stattfindet.
    In FFM war jedenfalls die Begeisterung riesig als man sich 2013 für die Europatour qualifiziert hatte, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und was wäre wohl in Augsburg oder Mainz los….

  • #89
    WALTER Stach

    Robin,Thomas
    ich hatte u.a. den Artikel “Markenbeauftragter” aus DER SPIEGEL – Chronik 2o14, 83 zur Lektüre empfohlen. Dieser Beitrag zeigt, in welcher Kategorie sich der FCB bereits jetzt bewegt und wo er sein strategisches Ziel sieht. Solltet Ihr deshalb unbedingt lesen!

    Den Artikel über “Uli in Landsberg” mag man ” so nebenbei” mitnehmen; muß nicht gelesen werden.

  • #90
    Manfred Breitenberger

    Marco Reus hat einen Strafbefehl über 540.000 Euro erhalten. Obwohl er nie den Führerschein machte fuhr er seit ca. sieben Jahren mit seinem Rennwagen durch die Gegend. Nicht mit Normalgeschwindigkeit, sondern oft mit überhöhter Geschwindigkeit. Fünfmal wurde “Rolls Reus” geblitzt. Laut dem Strafbefehl für Reus soll dieser bei einer Polizeikontrolle im März einen gefälschten holländischen Führerschein gezeigt haben. Weder seine Eltern, seine Bekannten seine Trainer oder Mitspieler haben offenbar mitbekommen dass Reus nie die Führerscheinprüfung abgelegt und bestanden hatte. Ohne Führerschein machte Reus Werbung für Opel und kassierte Millionen dafür.

    Hans-Joachim Watzke sicherte seinem Fußball-Profi “komplette Solidarität” des Bundesligisten zugesichert. “Er hat versprochen, dass so etwas nicht wieder vorkommt”, sagte Fligge, Direktor Kommunikation beim BVB. “Er war maximal einsichtig. Marco Reus in seinem Leben wohl mal falsch abgebogen. Es geht jetzt ganz normal weiter. Er ist ein ganz toller Kerl, der einen Fehler gemacht hat”, sagt BVB-Coach Klopp.

    Marco Reus hat über sieben Jahre mit seiner Fahrweise in seinem Rennwagen ohne Führerschein Menschen gefährdet. Offenbar lebte er in einer Parallelwelt. Er meinte wohl er kann ja Fußball, was brauche ich da einen Führerschein, ich bin doch nicht wie die anderen. Und was sagen die Fans vom börsennotierten Arbeiterclub? Komisch man hört so wenig.

    Die dreieinhalb Jahre Gefängnisstrafe für Uli Hoeneß waren den moralisierenden Wutbürgern zu wenig. Uli Hoeneß hat mit versteuertem Geld an der Börse gezockt, dabei Millionen gewonnen und in den nächsten Jahren wieder verloren. Letztendlich hat er bei seinem Gezocke Miese gemacht, aber eben in den Anfangsjahren seine Gewinne nicht versteuert. Er hat sich selbst angezeigt, aber seine Selbstanzeige war mangelhaft formuliert und darum sitzt er nun.

    Uli Hoeneß hat kein Menschenleben gefährdet, hat seine Schuld beglichen., doch den Wutbürgern war die Strafe zu niedrig. Nicht dass ich mich wegen der Verurteilung seines Großverdieners gräme, Uli Hoeneß langweilte mich mit seinen politischen Ansichten und mit seinen Appellen an die Moral blamierte er sich wie man sich nur blamieren kann. Aber das ist nicht strafbar.

    Ich bin jetzt mächtig gespannt wie die BVB-Fans und die Hoeneß-Gegner auf die lächerliche 540.000 Euro-Strafe reagieren werden, die Reus aus seiner Portokasse bezahlen wird.

    Werden die BVB Fans und die Bayern-Gegner nun eine fünfjährige Gefängnisstrafe für Reus ohne Bewährung und ohne vorzeitigem Freigang fordern? Ich bin gespannt, vermute aber die Doppelmoral wird sich wieder einmal durchsetzen.

  • #91
    Klaus Lohmann

    @#90 Manfred Breitenberger
    “Die dreieinhalb Jahre Gefängnisstrafe für Uli Hoeneß waren den moralisierenden Wutbürgern zu wenig.”

    Sorry, aber so einen Unsinn denkt sich doch nur der vernebelte Hoeneß-Fanclub aus, oder? Man hat in ganz Deutschland vor dem Prozess die Befürchtung geäußert, Hoeneß käme wg. der “Stückelung” der Hinterziehungssumme mit billiger Bewährung davon, was dann ja eben nicht so passierte.

    Für Reus gibt es nun auch ein rechtskräftiges Urteil, allerdings in einem Strafprozess, wenn auch ohne Vorbestrafung. Wer jetzt die beiden Taten gegeneinander aufrechnen will, hat keine Ahnung von Rechtssprechung. Oder ist halt Bayern-Fan mit unendlichen Rachegelüsten für die letztens vergeigten Meisterschaften und Pokalfinale. So langsam merkt man erst richtig, wie tief dieser Stachel immer noch sitzt, hehe;-)

  • #92
    WALTER Stach

    Manfred Breitenberger

    Ich habe ja schon so manchen Unsiin gehört und so manche hanebüchene Entschuldigung, Rechtfertigung, Relativierung der Straftaten des U. Hoeness -Steuerhinterziehung zum Schaden des Staates, zum Schaden seiner Bürger, als “Verar…all derjenigen, die ihrer Steuerpflicht nachkommen-.

    Sie übertreffen das Alles noch, indem sie , offenkundig nicht als Scherz, sondern “ernsthaft- das wiederholte Fahren ohne Führerschein d.M.Reuss irgend wie zu nutzen versuchen, um den Straftäter Hoeness zu eskulpieren oder die -m.E.problematisch niedrige-Gefängnisstrater kritisch zu hinterfragen.

    “Ist’s schon bayrischer Wahnsinn, hat es doch Methode”.

    Habe mich lange nicht mehr über enen Beitrag bei den Ruhrbaronen so amüsiert wie über Ihren!
    Wozu doch “fanatische Verehrung des FCB und seines Ex-Präsidenten und derzeitigen Gefängnisinsassen Hoeness” führen kann; bisher für mich undenkbar.

  • #93
    Thomas Weigle

    Ich finde es schon erstaunlich, dass ein verantwortungsloser und rasender Wiederholungstäter, der, ob er das will oder nicht, eine Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche hat, ohne Vorstrafe davon kommt. Als ehemaliger Sonderschullehrer kann ich dieses “Urteil” nur als verheerend empfinden.Da interessiert mich die Causa Hoeneß überhaupt nicht, auch wenn ich der Meinung bin, dass der auch zu gut weggekommen ist.

  • #94
    Frank

    @Manfred Breitenberger:

    Reus passt doch besser zum FC Bayern, als ich dachte: Er glaubte, über dem Gesetz zu stehen.

  • #95
    Klaus Lohmann

    #93 Thomas Weigle:
    Jemandem wie Hoeneß, dessen berufliche Profession es seit 35 Jahren ist, mit viel Geld umzugehen, muss man bei Steuerstraftaten automatisch eine komplett andere, viel schwerwiegendere Strafmündikeit zubilligen als einem “Jungstar”, den man seitens der Vereine und Spielerberater rundherum derartig zupampert und von allem Weltlichen absperrt, dass solche nie richtig erwachsen gewordenen Spätpubertierer nur noch auf den Gedanken kommen können, sie wären unverwundbar und gottgleich.

    Aus diesem Grund werde ich auch jederzeit jedem Kind gegenüber die Meinung vertreten, dass solche “Stars” außer vielleicht im rein fußball-technischen Bereich überhaupt kein Vorbild sein *können*.

  • #96
  • #97
    Thomas Weigle

    @ Klaus Lohmann Gegen die Vorbildfunktion eines Fußball-oder anderen Stars anzukommen, ist schwierig, oft unmöglich. so jedenfalls die Erfahrung aus meinem langen und bewegten Sonderschulleherleben.

  • #98
    Manfred Breitenberger

    Mir ist natürlich klar dass ich ein anderes Rechtsempfinden als die Masse habe. Ich bin aus humanitären Gründen gegen die Todesstrafe und aus denselben Gründen der Meinung, dass der Staat seine härteste Strafe, die Gefängnisstrafe nur einsetzen sollte wenn es nicht anders möglich ist. Die Gesellschaft muss vor Mördern und Sexualstraftätern geschützt werden. Falls diese therapierbar sind sollten auch Mörder und andere Gewaltverbrecher resozialisiert werden, auch wenn der Mob den Kopf oder “Lebenslang wegsperren” fordert.

    Im Fall “Uli Hoeneß”, der komplizierter ist als die Mehrheit zu wissen glaubt, wäre aus meiner Sicht eine sehr hohe Geldstrafe sinnvoller und gerechter gewesen. Ich frage mich, was hat die Allgemeinheit davon wenn Hoeneß im Gefängnis sitzt, man denke nur an die Kosten für das Personal, die Unterkunft usw., abgesehen von der Befriedigung des Spießers und der Masse. Natürlich wusste der Richter um die Befindlichkeiten der Straße und soziale Unruhen wollte der Richter nicht riskieren. Nur von daher war das Urteil vernünftig, was allerdings einiges über den Zustand der Republik aussagt.

    Der Hauptschüler Marco Reus musste nachmittags trainieren als andere Schüler für die Schulaufgaben der höheren Schule lernten. Reus stieg in kürzester Zeit vom Durchschnittsjugendlichen zum Großverdiener und vermeintlich zum Vorbild auf. Zu Selbstreflexion war er nicht in der Lage und für die Rolle eines Vorbildes war er überfordert, wie so gut wie alle Fußballer aus ähnlichen Gründen dafür überfordert sind. Welche Werte sollen Ribery oder Matthäus Jugendlichen vermitteln? Ihre Lese- und Rechtschreibschwächen, ihre Lebensweise? Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wie z.B. Karl Allgöwer, wenn den noch einer kennt, oder Paul Breitner oder Mehmet Scholl, von Dortmund fällt mir Zorc ein. Übrigens: Als Breitner und Hoeneß als junge Spieler zu den Bayern kamen, da unterhielten sie sich auf dem Trainingsgelände lateinisch, um damit Beckenbauer zu ärgern.

    Schnelle und teure Autos fahren und fuhren auch andere Fußballer, allerdings mit Führerschein. Von einer “Ich-Erweiterung” spricht der Psychologe. Wie es aussieht hat das Umfeld von Reus versagt. Vielleicht erfahren wir noch ab jemand gewusst hat, dass Reus sein 573- PS-Auto über Jahre mit überhöhter Geschwindigkeit ohne Führerschein gefahren hat.

    Hoeneß und Reus lebten in Parallelwelten. Im Gegensatz zu Hoeneß hat Reus mit seinem verantwortungslosen Handeln Leben gefährdet. Ob die Strafe für Reus zu niedrig ist, ist für mich sekundär. Mich interessieren die Aussagen der Gutmenschen, der Wutbürger, ihre Doppelmoral, ihr zweierlei Maß, die in der sich anbahnenden Krise auf der Suche Sündenböcken ihrem Frust freien Lauf lassen. Von der Occupy-Bewegung über die Montagswachen bis zum Fall Hoeneß. Und damit wären wir wieder bei Kurt Landauer und seinen Erlebnissen in der Weimarer Republik.

    PS: @ Klaus Lohmann Mich tangiert es eher peripher wer vor Jahren Pokalsieger oder Meister geworden ist. Die aktuelle Bundesligatabelle gefällt mir sehr gut. Bei einem Wunschkonzert würde ich mir wünschen, dass die „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ ein paar Plätze nach hinten rutschen und dafür Augsburg und Gladbach entsprechen nach vorne rücken würden und wenn Bremen am Samstag zuhause gewänne, dann würde ich sagen: Ja is den heid scho Weihnachten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.