Gute Gründe gegen den Steag-Kauf durch die Städte

Heute hat RWI-Präsident Christoph R. Schmidt gute Gründe gegen den Kauf des Kraftwerksbetreibers Steag durch die Ruhrgebietsstädte genannt. Es gibt aber noch ein paar mehr.

Der Kohleabbau im Ruhrgebiet wird uns noch lange teuer zu stehen kommen. Lange nachdem der letzte Knappenchor sein letztes „Glückauf der Steiger“ geschallert haben wird, kostet er noch Geld: Mehr als ein Drittel des Ruhrgebiets liegt unterhalb des Grundwasserspiegels. Damit Städte wir Bottrop, Gelsenkirchen oder Gladbeck nicht absaufen muss das Wasser abgepumpt werden – für alle Ewigkeiten. Der Begriff der  Ewigkeitskosten des Bergbaus ist also nicht symbolisch gemeint. Und um die bewältigen zu können braucht die Kohle-Stiftung Geld. Geld, dass sie aus dem Verkauf des Konzerns  Evonik erhalten soll. Irgendwo zwischen sieben und zehn Milliarden Euro müssen zusammen kommen. Das wird dannwahrscheinlich immer noch nicht reichen, um die Ewigkeitskosten zu decken, aber die Bealstung der öffentlichen Haushalten mildern. Und Evonik soll in Einzelteilen verkauft werden: Die Chemie, früher mal Degussa, die Immobilien, (THS und Evonik-Immobilien und schließlich der Kohlekraftwerksbetreiber Steag. Um den geht es hier.

Denn den wollen die Städte kaufen – ein Konsortium von Revier-Stadtwerken will so zu einem der größten Kraftwerksbetreiber Deutschlands aufsteigen. Und nicht nur das: Die Steag betreibt auch Kraftwerke im Ausland. In der Türkei zum Beispiel. Und in Indonesien.

Das ist mit wirtschaftlichen Risiken verbunden. Das Geschäft wird über Kredite finanziert. Die Kommunalpolitiker wollen diese Risiken gerne eingehen. Ihre Lässigkeit hat einen Grund: Sie handeln nicht mit dem eigenen Geld, sondern mit dem der Bürger. Und mit Fremderleute Geld geht man bekanntlich immer etwas großzügiger um.

In der WAZ hat sich heute Christop M. Schmidt, der Präsident des RWI, gegen den Kauf der Steag durch die Städte geäussert:

„Das ist letztendlich eine Zockerei, die die Essener Bürger teuer zu stehen kommen kann, wenn sie schief geht.“

Schmidt bezweifelt auch, dass die Ratsmitglieder die Kompetenz zu einer solchen Entscheidung haben:

„Sie muten sich sehr viel zu. Das ist ein Bissen, der sich als zu groß entpuppen kann.“ Wolle man wirklich im Rat über knifflige Fragen entscheiden, wo man stärker investiert oder wie man heikle Projekte retten kann?“

Hohes Risiko für den Steuerzahler und mangelnde Kompetenz – das sind zwei Gründe, die gegen den Steag-Deal sprechen.

Aber es gibt noch weitere gute Gründe: Die im Ruhrgebiet schon ohnehin viel zu engen Verflechtungen zwischen Städten und Energiewirtschaft würden weiter zu nehmen. Wessen Interessen werden dann in den Räten vertreten? Die der Verbraucher oder die der Unternehmen, die, ob städtisch oder nicht, ihr Geld ja auf Kosten der Verbraucher verdienen wollen?

Und schließlich ist jeder Volkseigene Betrieb eine gute Gelegenheit für die Parteien, ihre Mitglieder zu versorgen. Ob kompetent oder nicht – für viele wird sich ein nettes, gut bezahltes Pöstchen finden. Und die so versorgten wisse, wem sie ihre Karriere zu verdanken haben und werden loyal bleiben. Schon heute arbeiten nicht wenige Kommunalpolitiker für die großen Energieunternehmen.

Ein Filz, für den wir alle teuer bezahlen.

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6 Kommentare

  1. #1 | Mimi Müller › Katastrophe im Anmarsch! sagt am 26. November 2010 um 15:12 Uhr

    […] Kurzer Zwischenruf:  Es droht mehr als nur Ärger. Infos Hier. Und hier. […]

  2. #2 | Leser sagt am 26. November 2010 um 15:24 Uhr

    Gerade der Energiemarkt wird sich mittelfrisitg so dermaßen verändern, dass es tatsächlich als Glücksspiel anmutet in Steinkohlekraftwerke zu investieren…

    Ist mir auch sauer aufgestoßen, dass die Kosten nun sehr viel höher liegen als die knapp 640 Mill. veranschlagten. Ich kann nur für das Ruhrgebiet hoffen, dass der Deal nicht zustandekommt (bzw. die Stadtwerke davon zurücktreten). Ich denke es übersteigt die Kragenweite des Reviers. Nachhaltigkeit ist für mich auch etwas anderes; vielleicht lieber das Geld nehmen und in regenerative Energie stecken!

  3. #3 | Arnold Voß sagt am 26. November 2010 um 15:51 Uhr

    Der Initiativkreis Ruhr fördert alternative Energien im Projekt Innovation City um das postcarbone Zeitalter der Region einzuläuten und die Städte des Ruhrgebietes steigen parallel dazu noch mal so richtig ins carbone Zeitalter ein. Ooooh mannnn! Was für eine Synergie! Welch genialer Masterplan!

  4. #5 | Links anne Ruhr (27.11.2010) » Pottblog sagt am 27. November 2010 um 11:44 Uhr

    […] Gute Gründe gegen den Steag-Kauf der Städte (Ruhrbarone) – Der geplante Steag-Kauf durch diverse Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet wird kritisiert. […]

  5. #6 | Alle für den Steag-Aktienkauf: Stadt für Stadt, Partei für Partei | Ruhrbarone sagt am 4. Dezember 2010 um 04:08 Uhr

    […] an „an eine Reihe von Forderungen“ zu knüpfen. Bereits vor einer Woche hatte Stefan Laurin an dieser Stelle gute Gründe gegen dieses Kaufvorhaben angeführt. Auch Befürworter einer Rekommunalisierung von […]

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