#Rio2016: Brasilien überfordert, IOC im Doping-Desaster – Kann man sich so auf Olympia freuen?

Olympische Ringe. Quelle: Wikipedia; Lizenz: gemeinfrei
Olympische Ringe. Quelle: Wikipedia; Lizenz: gemeinfrei

Nur noch wenige Tage bis zu den Olympischen Spielen von Rio. Eigentlich wartet  dann ein echtes Highlight für alle Sportinteressierten. Doch die Ereignisse der letzten Zeit rund um die Veranstaltung, die können einem die Vorfreude schon gründlich verderben.

Erst der Ärger um die Auswahl des Veranstaltungsortes und die dort herrschenden, teilweise chaotisch anmutenden  Verhältnisse, dann auch noch die aktuell laufenden, und sich sogar ausweitenden Debatten rund um die Doping-Problematik. Da bleibt derzeit wahrlich nicht mehr viel Raum für Vorfreude übrig, wenn man ehrlich ist. Und das wenige Tage vor Beginn der Spiele. Da droht statt eines großen Sportfestes aktuell ein wahres Desaster. Und mitten drin in der laufenden Debatte der deutsche IOC-Präsident Dr. Thomas Bach.

Dass die Spiele 2016 ausgerechnet in Rio stattfinden sollen, das ist bereits seit der Vergabe der Veranstaltung ein Grund für Bedenken und massive Kritik. Scheinbar völlig ungeeignete Wettkampfstätten, massive Umweltsünden vor Ort, soziale Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit den hierfür erforderlichen Geldströmen. Das alleine wäre schon jeweils ein Grund für viel Unzufriedenheit.

In diesen Tagen hört man dann auch von teilweise offenbar chaotischen Zuständen vor Ort. So weigerten sich Sportler das Olympische Dorf zu beziehen, da dort teilweise unzumutbare Zustände zu herrschen scheinen. Die Bauarbeiten sind offenbar nicht rechtzeitig fertiggestellt, ausgeführte Tätigkeiten häufig nur mangelhaft erledigt worden. Das ganze Ausmaß dieser Beschwerden wird wohl erst in den nächsten Tagen klar werden, wenn mehr und mehr Aktive vor Ort eintreffen werden.

Überstrahlt wird dieser Ärger aktuell aber bereits von dem Nominierungschaos rund um die Russische Mannschaft. Sollen sie nun an den Wettkämpfen teilnehmen dürfen, oder nicht?

Nach der von ‚Whistleblowerin‘ Julia Stepanowa ausgelösten ‚Staatsdoping-Affäre‘, wurden die russischen Leichtathleten kürzlich bekanntlich komplett ausgeschlossen. Doch wer nun erwartet hatte, dass Russlands Sportler in Gänze würden an den Spielen nicht teilnehmen dürfen, der sieht sich offenbar nun kräftig getäuscht.

Das IOC, mit Dr. Thomas Bach an der Spitze, konnte sich zum Totalausschluss aller Russen nämlich nicht durchringen. Trotz erwiesenem ‚Staatsdoping‘. Russland wird so, trotz massiver Bedenken aus der Anti-Doping-Szene, eine recht große Delegation nach Brasilien zur begehrten Medaillenjagd schicken dürfen.

Aktuell entwickelt sich eine Debatte hierzu, deren Ausmaß sich derzeit noch nicht so recht absehen lässt. Da liefert sich aktuell z.B. Diskus-Werfer Robert Harting ein vielbeachtetes Verbalduell mit IOC-Boss Dr. Bach. Harting gab nämlich zu Protokoll, dass er sich für Bach ‚schäme‘, rückte diesen gar in die Nähe der Dopingszene. Bach reagierte getroffen, verbat sich solche Beleidigungen, verwies auf eine klare Mehrheitsentscheidung innerhalb der IOC-Spitze hierzu.

Wie die Diskussionen weitergehen, das wird man sehen. Fest steht jedoch wohl schon jetzt, dass der durch solche Entscheidungen und die damit verbundenen Debatten eingetretene Imageschaden für das IOC und die Olympischen Spiele insgesamt kaum größer hätte sein können.

Julia Stepanowa, die ja als Kronzeugin gegen das ‚System‘ agierte, wird das Alles jedoch nicht mehr helfen. Sie wurde, trotz ihrer Mithilfe, von den Spielen ausgeschlossen. Ausgerechnet sie. Wie das auf zukünftige Informanten aus der Dopingszene wirkt, das kann man sich leicht ausmalen.

Klar, der Traum von ‚sauberen‘ Spielen war für die meisten Beobachter eh schon seit Jahren eine reine Illusion. Das ist klar. Doch was da aktuell abläuft, das hat jetzt schon ein Ausmaß erreicht, dass einem als Sportfan das große Gruseln packen muss.

Ein offensichtlich überforderter Gastgeber, eine inkonsequent und äußerst fragwürdig agierendes IOC. Da bleibt nicht mehr viel Raum um an das ‚Gute‘ in der Olympia-Bewegung zu glauben. An die ebenfalls möglichen, und vielleicht sogar notwendigen Sicherheitsdebatten, für die in diesen Tagen kaum noch Platz zu bleiben scheint, mag man da gar nicht erst denken.

Ein wahres Desaster für alle, die sich eigentlich auf dieses Sporthighlight gefreut hatten…. Ganz bitter, das aktuell so deutlich sichtbar miterleben zu müssen!

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7 Kommentare

  1. #1 | kassandro sagt am 27. Juli 2016 um 13:15 Uhr

    Es gibt olympische Diszipline, z,B. Kunstturnen, Segeln, Fußball, Handball usw., wo Doping nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ich sehe da keinen Grund die Sportler in diesen Disziplinen in Sippenhaft zu nehmen. Neben der Leichtathletik sollte aber auch keine russische Sportler im Schwimmen, Gewichtheben und einigen anderen Doping-sensitiven Disziplinen teilnehmen. Durch den Ausschluß von Julia Stepanowa will man offenbar künftige Doping-"Whistleblower" verhindern. Das ist inakzeptabel.

  2. #2 | Klaus Lohmann sagt am 27. Juli 2016 um 18:20 Uhr

    Grade bei Kunstturnen spielte Doping per Wachstumshormon-Zugabe unter staatlicher "Regie" eine sehr große, medaillienentscheidende Rolle im ehem. Ostblock. Und auch heutzutage, noch im letzten April, wurde der russische Kunstturner Nikolai Kuksenkow positiv auf Meldonium (soll den Herzmuskel auch unter Suerstoffmangel, z.B. in anaeroben Zuständen bei Belastung, noch wirksam arbeiten lassen) getestet (http://www.sport1.de/mehr-sport/2016/04/kunstturnen-positiver-dopingtest-bei-nikolai-kuksenkow).

    Und grade Fußball und Handball sind wohl längst keine "Doping-Oasen" mehr, so wie es immer öfter z.B. aus dem Profifußball berichtet wird (der eben auch bei Olympia antritt).

    Im Segeln könnte mancher Sportler "Gewicht" mit Muskeldoping machen, um das Idealgewicht in seiner Bootsklasse zu erreichen, aber das ist marginal. Trotzdem erfordern immer mehr Bootsklassen auch massiven Körpereinsatz an Winden und Gabelbäumen, ein "Nutzen" fürs Doping wäre also vorhanden.

    Ich könnte mich evt. auf Olympia freuen, wenn ich wüsste, dass das brasilianische Volk irgendwie Spaß daraus zieht und für einen Moment die massiven Krisen in seinem Land vergessen kann – um danach vielleicht mit neuem Zusammenhalt die Korruptions-Regierenden von ihren Thronen zu werfen.

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 27. Juli 2016 um 19:17 Uhr

    Früher habe ich mir für Olympische Spiele gerne mal extra Urlaub genommen, Klaus. Das ist lange schon vorbei…. Ich überlege aktuell noch, ob ich mich diesmal überhaupt noch ernsthafter damit befassen soll….

  4. #4 | Klaus Lohmann sagt am 28. Juli 2016 um 01:22 Uhr

    Robin, nachdem wir heute auf 3sat die Dokus "Ausgetrocknet – Brasilien in Not" und
    "Absteiger Brasilien" sehen konnten, sollte eigentlich Jedem klar sein, mit welchen machtgeilen und realitätsverdrängenden Mechanismen sich Abziehbild-"Männchen" wie Ex-Fechter Bach Ruhm und Geld verschaffen wollen und wie kritisch solche "Segnungen" des IOC für einen "grünen" Kapitalismus-Eleven wie Brasilien wirklich sind.

    Mein Fazit: Nicht gucken, die Brasilianer hätten *nichts* davon.

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 28. Juli 2016 um 22:59 Uhr

    Selbst die 'Franzi' van Almsick gibt sich als TV-Expertin recht skeptisch im Interview heute. Das stimmt weiter nachdenklich, denn als 'Spaßbremse' ist die ja eigentlich so nicht bekannt….

  6. #6 | Klaus Lohmann sagt am 29. Juli 2016 um 20:50 Uhr

    Hilfe naht: Liga 3 spielt wieder! 🙂

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 29. Juli 2016 um 22:42 Uhr

    Ich warte lieber noch auf Liga 2, Klaus! 😉

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