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Ruhrtriennale: Carp hält Aufregung um Festival für „ein bisschen übertrieben und unverhältnismäßig“

Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp Foto: Edi Szekely/Ruhrtriennale 2018

Die Süddeutschen Zeitung veröffentlichte heute ein Interview mit Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp, das sich ausschließlich um die Themen BDS und Antisemitismus drehte. Während Carp anderen Medien Antworten zu diesem Themenkomplex verweigerte, fand sie gegenüber der SZ klare Worte. Auf die Frage, ob sie mit so harschen politischen Reaktionen auf das Festival gerechnet haben sagte Carp: „Überhaupt nicht. Ich empfinde es auch nicht als politisch. Eher habe ich den Eindruck, dass populistisch etwas am Zündeln gehalten wird: Die Absage des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, ist Wochen her. Sie erfolgte, nachdem ich die Band Young Fathers wieder eingeladen hatte – und damals hatte sich keiner groß darum gekümmert.“

Auch die Kritik daran, dass sie die  Band Young Fathers, die die antisemitischen BDS-Bewegung unterstützt, einlud, kann sie nicht nachvollziehen:  Die  Kuratoren könnten doch nicht ein internationales Programm machen und jeden Künstler daraufhin überprüfen, ob er zur Zeit möglicherweise mit dem BDS in Kontakt habe, sagte Carp: „Dann kann ich aus der arabischen Welt praktisch niemanden mehr einladen und aus der angelsächsischen nur noch jeden zweiten.“

Sie persönlich würde bei BDS nicht unterschreiben, aber darum ginge es auch nicht „sondern darum, ob man diese Künstler einladen darf oder nicht. Das sind dann eine Menge, auch sehr wesentliche Künstler.“

Auch gegenüber dem Vorwurf, sie mache BDS mit der Teilnahme zweier, dem BDS nahestehender Künstler an der Diskussion zum Thema „Free Speech“ salonfähig, sagte Carp: „Der BDS ist in vielen Ländern, etwa in Belgien, satisfaktionsfähig. In Deutschland ist das dagegen anders. Aber dann müsste ich irgendwann ein rein deutsches Festival machen – und kein internationales.“

Angst davor, gefeuert zu werden, sagte Carp, habe sie nicht, aber der Druck auf NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sei zu Zeit sehr groß.

Damit ist klar, was die Ruhrtriennale programmatisch erwartet, wenn Carp nicht bald gefeuert wird: Carp wird auch weiterhin BDS-Anhängern eine Bühne bieten, wenn sie es für richtig hält. Und damit wird die Ruhrtriennale den Weg des Musikpreises Echos gehen – wenn die Landesregierung nicht längst die überfälligen  Konsequenzen zieht. Und Carp scheint damit zu rechnen und hat mit der Arbeit an der eigenen Legende begonnen: Die Intendantin, die unerschrocken die Fahne der Kunstfreiheit hochhält. Was ja besser klingt als die Wirklichkeit: Die ehemalige Trotzkistin, die dem antisemitischem BDS in Deutschland das Tor geöffnet hat.

Mehr zu dem Thema auf den Ruhrbaronen:

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Mehr zu dem Thema in anderen Medien:

Süddeutsche Zeitung: Übertrieben und unverhältnismäßig“

WAZ: Armin Laschet sagt seine Teilnahme an der Ruhrtriennale ab

Deutschlandfunk: Vorwürfe gegen die Intendantin der RuhrTriennale: ein völliges Desaster

JNS: Confronting Germany’s mixed record on tackling BDS

Rheinische Post: Kommunikation mangelhaft

Rheinische Post: Ärger um Ruhrtriennale-Chefin

New Music Express: Young Fathers reinvited to German festival after being dropped for supporting pro-Palestinian group

Rheinische Post: Pop und der Israel-Boykott: Roger Waters frohlockt

The Guardian: Ruhrtriennale festival wrong to expel Young Fathers over support for Palestinian rights

Neue Osnabrücker Zeitung: Punktsieg für Populisten: Skandal um Ruhrtriennale

Rheinische Post: Eingeladen, ausgeladen, eingeladen: Young Fathers kommen trotzdem nicht zur Ruhrtriennale

taz: Peinliches Rumeiern

Jüdische Allgemeine: BDS: »Vehikel einer antisemitischen Kampagne

Zeit: Ruhrtriennale: Der Boykott vom Boykott vom Boykott

Tagesspiegel: Ruhrtriennale lädt Young Fathers trotz Antisemitismus-Vorwürfen wieder ein

Kölner Stadtanzeiger: Ruhrtriennale: Streit wegen Boykottaufruf

Rheinische Post: Ärger um Festival: Ruhrtriennale lädt umstrittene Band Young Fathers aus und wieder ein

Westfälische Rundschau: Kulturministerin rüffelt Ruhrtriennale wegen Young Fathers

Jüdische Allgemeine: Ruhrtriennale: Band nach Antisemitismus-Streit wieder eingeladen

Rheinische Post: Kulturfestival im Ruhrgebiet: Boykott-Aufruf: Künstler sagen der Ruhrtriennale ab

Jüdische Allgemeine: »Ruhrtriennale« : Musiker folgen Brian Enos Boykottaufruf

Rolling Stone: Young Fathers: Israelkritische Band von NRW-Festival ausgeladen

Welt: Antisemitische BDS-Kampagne: Young Fathers von Ruhrtriennale ausgeladen

Neue Osnabrücker Zeitung: Morgenland Festival Osnabrück: Wird die Party zum Politikum

Spex: Wegen BDS-Support: Ruhrtriennale lädt Young Fathers aus – Spex Magazin

Jerusalem Post: Germans Music Festival demands Band Young Fathers Reject  BDS

Rheinische Post: Düsseldorf: Ärger um Konzert bei der Ruhrtriennale

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13 Kommentare zu “Ruhrtriennale: Carp hält Aufregung um Festival für „ein bisschen übertrieben und unverhältnismäßig“

  • #1
    Arnold Voss

    Was soll frau nur machen, wenn "eine Menge, auch sehr wesentliche Künstler" Antisemiten sind? Ganz einfach: Die wesentlichen Künstler einladen, die keine sind. Da gibt es nämlich auch eine ganze Meng von. 🙂

  • #2
    ke

    Wie viele Menschen arbeiten wohl bei 40 Grad in der Sonne, damit das Geld, das hier versenkt wird, erwirtschaftet wird.

    Natürlich schaue ich mir meine Lieferanten an. Das machen Unternehmen u.a. darum, um negative Folge zu vermeiden.

    Es sieht für mich so aus, dass Kunst viel Geld will, um dann irgendwas von irgendwelchen Leuten, die man auch nicht richtig kennt, machen zu lassen.

    Ich will nicht, dass meine Steuern so versenkt werden!

    Dass gilt auch für alle autonomen Gruppen, die zuerst finanziert werden wollen.

  • #3
    Thomas Wessel

    BDS-Promo aus erster Hand, Carp plustert BDS zum maßgeblichen Hype der weltweiten Kulturszene auf. Erhebt BDS in den moralischen Adelsstand – BDS-Antisemitismus sei „satisfaktionsfähig“ und besitze „hohe Glaubwürdigkeit“. Erklärt BDS zum international maßgebenden Level: ohne BDS „kein internationales Festival“. Erklärt BDS zur fälligen Zusatzqualifikation: „sehr wesentliche Künstler“. Erklärt Anti-BDS zum deutschen Sonderweg: ohne BDS nzr ein – blutrein? – „„rein deutsches Festival“. Und erklärt BDS natürlich zum Opfer deutscher „Zensur“.

    Das ganze Programm. Diese Frau ist exakt so antisemitisch wie BDS selber. Zum Vergleich: Katja Lucker, Intendantin der Pop-Kultur in Berlin, hat das selbe Problem wie Carp und hat es gelöst, wie man es lösen muss, wenn man es lösen will: Man knickt vor keiner Erpressung ein. Ergebnis: 5 von 150 Acts blieben weg, von niemandem vermisst.

    Anders Carp. Sie wird nicht erpresst, sie erpresst selber.

  • #4
    Norbert

    Was soll der Satz

    „Der BDS ist in vielen Ländern, etwa in Belgien, satisfaktionsfähig. In Deutschland ist das dagegen anders. Aber dann müsste ich irgendwann ein rein deutsches Festival machen – und kein internationales.“

    sagen? Dass Sie meint, dass der BDS in vielen Ländern anerkannt ist?

    Zum eigentlichen Sachverhalt kann ich nicht wirklich was sagen. Ich lese das vor allem als das Fehlen eines Krisenmanagement.

  • #5
    Gast

    Was Carp da vom Stapel läßt, ist an Hochmut und Selbstgefälligkeit schwer zu überbieten. Wer nicht in der Lage ist, ein internationales Festival zu stemmen, wie es andernorts gut funktioniert, der soll es halt lassen und nicht das eigene Unvermögen in so plumper Manier relativieren, nachdem das Kind in den Brunnen geworfen wurde.
    Als Intendantin längst disqualifiziert – doch ich kann verstehen, dass sie so wenig Interviews geben mag, wenn sie sich in jedem derart um Kopf und Kragen redet. Zuerst wirkte sie ignorant, dann trotzig, aber jetzt… Der BDS sei alternativlos!? Kann man so ignorant sein? Wo lebt diese Frau? Was für eine braune Suppe hat sie im Kopf? Und jetzt legt (man) sich Norbert Lammert als geschätzte Serviette daneben um die braune Brühe in Deutschland salonfähig zu machen. Das wird braune Flecken zurücklassen…
    Irgendjemand muß Carp endlich den Flammenwerfer wegnehmen, denn sie richtet ihn schon lang nicht mehr nur auf die Triennale. Und wer sind diese „relevanten Künstler“, die dem BDS Tür und Tor in Deutschland öffnen wollen. Ist das der BDS selbst oder gibt es diese Künstler vielleicht gar nicht?

  • #6
    Ines C.

    Die Süddeutsche arbeitet wirklich hart an ihrem Image als Heimstatt für judenfeindliche Meinungen.
    Gibt es eigentlich auch irgendwo ein Interview mit Lammert, warum er so ein Propaganda-Podium moderieren will?

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Ines C.: Der Süddeutsche Beobachter tut alles, seinem Ruf gerecht zu werden. Nein, bislang ist kein Interview mit Lammert zu dem Thema erschienen.

  • #8
    puck

    Ich finde es vor allem ganz allerliebst, dass Frau Carp einerseits beklagt, auf populistische Art und Weise fertig gemacht zu werden – um dann DEN Populistenspruch schlechthin rauszuhauen: dass man eben gewisse Dinge nicht sagen darf…

  • #9
    Klaus Lohmann

    Vielleicht sollte Jemand dieser Carp morgen mal erläutern, dass die Boykott-Initiatoren und glühendsten Boykott-Verfechter just dieser Tage im großen Stil, mittels Bomben und Raketen, jüdische Bürger ermorden wollen:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-raketenangriff-aus-dem-gazastreifen-mindestens-ein-verletzter-a-1222296.html
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-erstmals-seit-2014-raketenalarm-in-beerscheba-a-1222417.html

    Aber das begreifen anscheinend auch unsere "Kunstfans" in NRW nicht so richtig und offerieren lt. WDR-AKS-Beitrag von der Eröffnung Carp lieber Standing Ovations bei ihrem Erscheinen… Was für eklige Schleimspuren das sind:((

  • #10
    Norbert

    Warum redet hier keiner über die, die Frau Carp ausgewählt haben? Die war ja nicht plötzlich in der Position. Wurden die auch überrascht? Haben die nicht hingeschaut?

  • #11
  • #12
    Arnold Voss

    @ Klaus Lohmann # 9
    Die, die Frau Carp bei der Eröffnung gehuldigt haben, wissen das alle genauso gut wie Frau Carp selber. Das ist das eigentliche Drama.

  • #13
    Norbert

    Klar, jetzt sind alle entsetzt in der Politik. Aber wussten die Entscheider nicht, wen die sich da ins Haus holen und hätten die das wissen können.

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