1:3 in Berlin – Kein Auto-Korso durch Dortmund mehr für ‚Kloppo‘

Nach dem Pokalendspiel in Berlin. Foto: Meike Ruschmeyer
Nach dem Pokalendspiel in Berlin bedankt sich die BVB-Mannschaft in der Kurve. Foto: Meike Ruschmeyer

Märchen gibt es eben nicht auf Bestellung! Zu dieser bitteren Erkenntnis mussten gestern Abend auch die BVB-Fans im Lande einmal mehr kommen. Mit 1:3 verlor der Double-Sieger von 2012 das letzte Spiel in der 7-jährigen Ära von Trainer Jürgen Klopp mit dem BVB in Berlin, beim Pokalfinale, gegen den aktuellen Vizemeister VfL Wolfsburg. Verdient? Unverdient? Danach fragt spätestens morgen schon kein Mensch mehr.
Trotz früher 1:0 Führung für die Dortmunder durch Pierre-Emerick Aubameyang (5.) reichten dem Gegner letztendlich 16 Minuten zwischen Spielminute 22 und 38 um das Spiel zu Ungunsten der Klopp-Truppe vorentscheidend zu drehen. Dabei sahen Abläufe in der BVB-Defensive einmal mehr in dieser denkwürdigen Spielzeit aus Sicht der Dortmunder nicht allzu gut aus. ‚Unglücklich‘, wenn man es freundlich formulieren will.

Der DFB-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt
Der DFB-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Am Ende reckten Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking, Naldo, Kapitän Diego Benaglio und Co. den Pokal in den Nachthimmel der Hauptstadt. Der große Anteil der Schwarzgelben im weiten Rund kämpfte mit den Tränen. Tränen eben nicht nur wegen des verlorenen Pokalfinales, sondern eben auch zum Ende der sieben Jahre mit Trainer Jürgen Klopp, zum Ende der 13 Jahre mit Sebastian Kehl, dem langjährigen Team-Kapitän, und auch nach dem nun schon dritten verlorenen Finale zum Saisonende in Folge. Nach dem Champions League-Finale 2013 in London, ging nun nach 2014 auch schon das zweite DFB-Pokalfinale in Folge am Ende verloren. Und das eben, obwohl man die schier allgegenwärtigen Bayern diesmal bereits im Halbfinale höchst selbst aus dem Weg geräumt hatte. Am Ende alles Makulatur. Der Pokal ging an den Werksclub aus der Autostadt.

 
Und damit ist für die nächsten Jahre auch schon eine gewisse Aussage gemacht. Neben dem FC Bayern gilt es für den BVB, der von nun ab von Thomas Tuchel und seinem Team auf der Trainerbank betreut werden wird, die offenbar zuletzt entstandene Lücke auch auf den VfL Wolfsburg möglichst wieder zu schließen. Drei Mal spielte der BVB in dieser Spielzeit gegen den VfL. Zwei Mal in der Liga und einmal nun noch im Pokal. Kein einziges dieser drei Spiele konnten die Schwarzgelben gegen ihren ehemaligen ‚Lieblingsgegner‘ gewinnen. In allen drei Begegnungen machte man auch Pech und Fehlentscheidungen dafür mitverantwortlich. Trotzdem macht die Tatsache schon deutlich, dass das dominante deutsche Team des Jahres 2012 inzwischen eben nicht mehr nationale Spitze ist. Daran ändert auch die durchaus erfolgreiche Bundesligarückrunde, welche die Borussia schlussendlich noch auf Rang 7 in der Liga hievte, nicht wirklich etwas.
Der BVB hat seine spielerische Klasse der Jahre 2011, 12 und 13 letztendlich zuletzt nicht mehr halten können. Das hat auch das gestrige Pokalfinale noch einmal ganz sichtbar gemacht. Und wenn dieser Abend aus BVB-Sicht auch etwas ‚Positives‘ gehabt haben könnte, dann ist das vielleicht die Erkenntnis, dass es durchaus gute Gründe für einen Neuanfang auf der Trainerbank gibt, Thomas Tuchels Verpflichtung nun durchaus auch eine willkommene Chance für den Verein sein kann und wohl auch ist. Auch wenn man das heute in und um Dortmund heute noch keiner so recht hören und lesen mag, da heute noch einmal der große Tag für Trauer über den Abschied von Erfolgstrainer Jürgen Klopp ist.

 
Doch in den kommenden Wochen sollte der Anhang der Schwarzgelben den Blick dann auch durchaus optimistisch nach vorne richten. Die nächsten Tage werden u.a. viele Kaderveränderungen bringen, Thomas Tuchel soll in Dortmund offiziell vorgestellt werden, seine Pläne für den Umbruch, den ‚Neuanfang‘ erörtern können. Die Zeit des Schweigens dazu ist nun auch offiziell beim Verein vorbei. Jürgen Klopp ist beim BVB ab sofort Geschichte. Die Zukunft des Clubs, die Ära nach Klopp, sie kann und wird nun beginnen. Leider allerdings nun ohne den finalen Autokorso mit Jürgen Klopp auf dem LKW um den Borsigplatz fahrend. Und auch Marco Reus wird seinen heutigen 26. Geburtstag sicherlich nicht besonders freudestrahlend verbringen. Fußball kann manchmal eben auch ein ‚hartes Brot‘ sein, wie Jürgen Klopp gestern schon unmittelbar nach dem Spiel feststellte.

Foto: Meike Ruschmeyer
Die BVB-Spieler bekommen nach dem Spielende ihren ‚Trostpreis‘. Foto: Meike Ruschmeyer

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16 Kommentare

  1. #1 | WALTER Stach sagt am 31. Mai 2015 um 11:18 Uhr

    Entäuschungen als BVBer? Ja, nicht nur über das Ergebnis, über den verdienten Sieg der Wolfsburger, sondern vor allem darüber, daß ich den totalen Kampfeswillen der Spieler bis zur letzten Sekunde vermißt habe, auch als Ausruck des Dankes und der Anerkennung für Klopp.

    Daran ändert sich nichts, wenn wir manches Detail im Spiel, im Spielverlauf bedenken und darüber diskutieren.
    Was wäre wenn,……-wenn Reuss das 2:0 gemacht hätte, wenn der Schirie den Freistoß, der zum 1.1 geführt hat, nicht gepfiffen hätte, wenn Kagawa getroffen hätte, wenn Schmelzer nicht wie ein Anfänger die Flanke zugelassen hätte, die zum 3:1 führte, wenn der Schieri dem BVB einen Elfmeter zugestanden hättte……

    Ich meine, das Spiel gestern hat noch einmal deutlich gemacht,warum der BVB -zurecht- nur Platz 7 in der Budnesliga geschafft hat.

    Ich meine zudem, daß das Spiel gestern gezeigt hat, daß mit dieser Mannschaft -partiell verstärkt?-auch in der Spielzeit 2o15/2o16 kein Platz unter den ersten 5 erreicht werden kann.

    Robin,
    Ich stimme Dir zu, daß das Spiel gestern auch gezeigt hat, daß sich für den m.E. nicht zwingend gebotenen Weggang von Klopp doch einige gute Gründe anführen lassen.

    Ich neige dazu, meine hier schon einmal geäußete Annahme zu wiederholen, nach der der BVB in den nächsten Jahren sich auf ein Dasein im Bundesliga-Mittelfeld einrichten muß.

    Aber…………
    "Seltsam ist des Propheten-Lied, noch selsamer was dann geschieht".

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 31. Mai 2015 um 12:04 Uhr

    Du bist ja sogar noch skeptischer in Richtung BVB als ich sonst immer, Walter! 😉
    Der BVB zukünftig nur im Mittelfeld? Glaube ich nicht. In der Rückrundentabelle war man jetzt Fünfter. Neues Personal wird im Sommer kommen. Die Chance auf eine Verbesserung dessen sollte also drin sein, wenn auch ein gewisses Risiko mit neuen Spielern einhergeht. Aber Platz 5 sollte man aber bei dem Budget und Kader schon erreichen können, vielleicht auch mehr. Ein Platz im Mittelfeld wäre meiner Meinung nach mit diesen Möglichkeiten in 2015/16 deutlich zu wenig Ertrag.

  3. #3 | keineEigenverantwortung sagt am 31. Mai 2015 um 12:12 Uhr

    Endspiele sind eine Momentaufnahme, d.h. auch mit einem schlechteren Kader etc. kann man gewinnen. Dies setzt natürlich voraus, dass das Tor getroffen wird. Die Möglichkeiten waren mehrfach vorhanden, sie wurden nach dem 1:0 nicht genutzt. Bei Wolfsburg waren Glück und der Zug zum Tor stärker ausgeprägt. Ein Borusse schießt nicht aus 20 Metern, er trägt den Ball ins Tor.

    Es wird Zeit, dass bei Borussia die Spieler wieder mehr im Mittelpunkt stehen. Sie müssen aus 5 Metern das Tor treffen, wenn sie Pokale gewinnen wollen.

  4. #4 | Thorsten Stumm sagt am 31. Mai 2015 um 14:01 Uhr

    Für eine Neuanfang mit Tuchel eigentlich ganz gut das es nicht zum Pokal gereicht hat. Dann wäre die Ära Klopp wohl zu einer noch grösseren Bürde für Tuchel geworden….und man hätte die Fehler verklären können. Die hat Wolfsburg klar offengelegt. Das sind im wesentlichen zwei Fehler….Klopp hat nicht gemerkt, dass seine Fussballtaktik von den gegnerischer Trainer geknackt wurde….ist schon anderen Fussballgrössen passiert und die Antwort darauf ist, sich neu zu erfinden….was in einem laufenden Vertrag und einen weitgehenden fixen Kader echt schwer ist….und der völlige Fehlgriff bei allen eingekauften Verstärkungen. Das ist fast schon tragisch bis unmöglich…..alle drei, die angeblich soooo toll zum BVB passen sind fussballerische Totalausfälle….daran ist nicht nur Klopp schuld aber für das gleiche Geld hat der FCB sich echt deutlich verstärkt und der BVB hat die Kohle in den Sand gesetzt….das wird mir ein Rätsel bleiben….hätte nur einer von den dreien auch nur halb soviele Tore wie Lewandowski geschossen, die Saison wäre nicht so katrastophal verlaufen…. und eigentlich ist sie ja noch nicht zu Ende….es muss ja noch die Europaliga geschafft werden…mein Fazit ist: Die Ära Klopp geht zu ende wegen dem Unvermögen der sportlichen Leitung ( da gehört Zorc mit zu ) in Zeiten des Erfolges sich zu erneuern und zu wandeln…was sehr schade ist….

  5. #5 | Klaus Lohmann sagt am 31. Mai 2015 um 15:44 Uhr

    Was die Transferpolitik angeht – ich hatte nach vielen, vielen Jahren des lauten Grummelns über Susis Arbeitsleistung ihm nach dem Klopp-Antritt und den 2 Meisterschaften virtuell meine Abbitte angeboten und ihn in höchsten Tönen gelobt. Das war verfrüht, wie sich in dieser Saison gezeigt hat. Da muss Jemand für die neue Saison was gutmachen.

  6. #6 | Robin Patzwaldt sagt am 31. Mai 2015 um 15:49 Uhr

    Absolut, Klaus! Zorc war zu Beginn seiner Managertätigkeit beim BVB rasch umstritten. wegen seiner Transfers, aber auch wg. seiner sehr stillen Art. Ich erinnere mich noch ganz gut daran. Dann, mit den sportlichen Erfolgen, wurde das offenbar von vielen gerne und rasch vergessen. Nun gibt und gab es wieder Kritik an den Transfers. Und bei der sportlichen Bilanz seit 2013, der Abwärtsentwicklung in der Liga zuletzt, muss er da tatsächlich nun erst einmal wieder ein paar Glücksgriffe landen. Horst Heldt wird von den Fans für Platz 6 aktuell quasi zum Rücktritt aufgefordert. Michael Zorc steht aktuell weniger im Fokus. Aber auch er muss nun langsam mit steigendem Druck umgehen, denke ich. Da gebe ich dir völlig Recht.

  7. #7 | leoluca sagt am 1. Juni 2015 um 06:52 Uhr

    Falls ein kurzer Eindruck von außen erlaubt ist:

    Dieser BvB ist ziemlich weit entfernt von seinen guten Zeiten. Wolfsburg war die deutlich reifere, effektivere Mannschaft, während der Gegner sich sehr bemühte. So wie die große Masse der Fans im Stadion auch: sehr gewollt, dieses Pyro-Theater, und diese fortwährende selbstverliebte Lobhudele.

    Christoph Biermann bringt das in den 11 Freunden gut auf den Punkt:

    http://m.11freunde.de/detail/327471

  8. #8 | thomas weigle sagt am 1. Juni 2015 um 10:29 Uhr

    "Jürgen Klopp passt eher zu Eintracht Frankfurt als zu Schalke 04 – da gibt es mehr Bruchland zu entwickeln." Ein Fingerzeig von Heribert Bruchhagen?

  9. #9 | Robin Patzwaldt sagt am 1. Juni 2015 um 10:30 Uhr

    @Thomas: Klopp will sich doch nicht verschlechtern, oder? 😉

  10. #10 | Klaus Lohmann sagt am 1. Juni 2015 um 11:06 Uhr

    Es ist schon spannend, wohin Klopp sich orientieren wird bzw. welcher Verein ihn engagiert. Viele in Frage kommende Vereine (auch international) haben nun über 7 Jahre verfolgen können, dass ein medialer Ober-Zampano ungeachtet seiner Fähigkeiten als Trainer und Talentförderer auch ein Fluch sein kann, wenn die anderen, eigentlichen "Stars" der Teams sich so hinter ihm zurückgestellt und damit unter Druck gesetzt fühlen müssen, wie es bei uns wohl der Fall war.

    Und vielleicht ist es deshalb wirklich eher ein "kleiner" Verein, der das Rennen um Klopp macht, weil es dort in der Mannschaft noch kein solches Zicken-Gehabe gibt wie bei Buyern oder Madrid (da würde CR7 doch eine Revolution gegen Klopp anzetteln, wenn der öfters im Fernsehn kommt wie er selbst). Also wäre auch eine Eintracht aus FFM nicht undenkbar;-))

  11. #11 | thomas weigle sagt am 1. Juni 2015 um 11:41 Uhr

    @Robin Der Gedanke von @Klaus Lohmann hat was!! Ist nicht sehr wahrscheinlich, aber….
    Die Strippenzieher in Vorstand und Aufsichtsrat jedenfalls würden sich wohl eher nicht an einem Jürgen Klopp abarbeiten können.

  12. #12 | Robin Patzwaldt sagt am 1. Juni 2015 um 13:31 Uhr

    Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass Klopp zunächst einmal im Ausland arbeiten wird. Aber lassen wir uns überraschen. 🙂 Viel mehr interessiert mich persönlich aktuell aber auch schon, wie es beim BVB nun unter Tuchel weitergehen wird. 🙂

  13. #13 | Max Adelmann sagt am 1. Juni 2015 um 13:56 Uhr

    Kloppo nach Frankfurt? Wenn noch ein wenig Meenzer in ihm steckt, dann ist Frankfurt ein ebensolches No Go wie jetzt sofort zu Schalke zu gehen…
    Beides sind Mittelklassevereine mit zu hohem Eigenanspruch. weswegen sie ja immer wieder scheitern…

    Tuchel in Dortmund… Wenn er die Erwartungen an sich nicht selbst zu hoch schraubt und die Erwartungen der Fans realistisch bleiben, und die Vereinsführung mitzieht, dann, aber nur dann, wird aus Dortmund wieder DER Bayernjäger und kein Verein der auf Beteiligungen in internationalen Wettbewerben hofft… Die Dortmunder Mannschaft muss umgebaut werden. Umbau kostet Zeit, neuer Trainer kostet Zeit. Also erstmal abwarten und machen lassen…

    Also dann: Haut rein und Glück auf!

  14. #15 | Robin Patzwaldt sagt am 1. Juni 2015 um 15:16 Uhr

    In meiner Familie gibt es schon Leute die behaupten, dass Klopp im Winter zu den Bayern geht, wenn klar wird, dass Guardiola dort nicht verlängern will/wird. Ist allerdings reine Spekulation. Könnte somit aber zumindest wahrscheinlicher geworden sein… Und ein paar Monate Pause werden ihm eh gut tun…

  15. #16 | WALTER Stach sagt am 1. Juni 2015 um 18:07 Uhr

    So eben gelesen: -sh.auch -14-.
    Klopp macht erste einmal eine Pause von der Trainerarbeit, also weder Real, noch Liverpoll, noch…..-Frankfurt (wohl als Witz gemeint oder), noch…..

    Und es spricht Vieles dafür, daß diese Entscheidung von Klopp bereits in dem Augenblick getroffen worden ist, als er sich für den Rücktritt von seinem Trainerjob in Dortmund entschieden hatte.

    Diese Entscheidungen und sein öffentliche Umgang damit untersrtreichen nachdrücklich, daß Klopp eine außergewöhnliche Persönlichkeit ist und daß er sich deshalb in besonderer Weise positiv von anderen Trainern, aber auch von vielen anderen öffentlich agierenden Akteuren aus Politik, Wirtschaft,Kultur,Medien positiv unterscheidet.

    Ich bin mir deshalb sehr sicher, daß Klopp, wenn er 'mal wieder ein Traineramt übernehmen wird, keine Entscheidung trifft, die seinen vielen Freunde, Anhänger, Fans, vor allem im Umfeld des BVB, entäuscht..

    Damit ich nicht mißverstanden werde:
    Was ich über Klopp gesagt habe, ist keine "Heldenverehrung" und geht keinesfalls einher mit einer völlig unkritischen Bewertung seiner Trainerarbeit in DO, da hat auch Klopp Fehler gemacht, sondern nur Ausdruck meiner ganz persönlichen Einschätzung der Persönlichkeit Klopp, denn von solchen finde ich nicht mehr viele.

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