Mirna Funk, die Kölner Comedia und das Problem mit unbequemen Wahrheiten

Mirna Funk Foto: Anna Rose


Die Journalistin Mirna Funk sollte im Rahmen der Philosophieshow phil.Cologne im Kölner Comedia-Theater auftreten. Daraus wird nun nichts. Das Theater hat den Auftritt abgesagt, weil die Autorin nicht zum Verhaltenskodex der Bühne passe.

Am 12. Juni sollte die Journalistin Mirna Funk mit der Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner im Rahmen der phil.Cologne im Comedia-Theater in Köln über Körperbilder und weibliche Selbstbestimmung sprechen. Daraus wird nun nichts: Die Veranstaltung wird in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt stattfinden, denn das Comedia-Theater will Funk nicht auf seiner Bühne sehen. Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte Manuel Moser, der künstlerische Leiter und zweite Geschäftsführer des Theaters, mehrere ihrer Äußerungen seien pauschalisierend und bestimmten Menschengruppen gegenüber diskriminierend. „Als Beispiel nannte Moser unter anderem eine ,Welt‘-Kolumne Funks vom 4. Dezember 2024, in der sie schrieb, dass ,die größte Gefahr für die jüdische Community aktuell von den in Deutschland lebenden Arabern, Türken‘ und deren Sympathisanten ausgehe.“

Werfen wir doch einen Blick auf das gesamte Zitat: 2024 explodierte die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Berlin. Der Überfall der Hamas auf Israel, bei dem 1200 Menschen massakriert und Hunderte entführt wurden, hatte nicht etwa zu einer Solidarisierung mit den Opfern geführt, sondern eine Welle des Juden- und Israelhasses ausgelöst, die bis heute anhält und deren Zentrum nach wie vor die Hauptstadt ist. Dass sich Juden nicht mehr wehrlos zeigen, ist in den Augen vieler offenbar unverzeihlich. In dem vom Comedia-Theater kritisierten Kommentar in der Welt schrieb Funk damals:

„Selbst ich habe jahrelang journalistisch versucht, zwischen migrantischem Antisemitismus und urdeutschem Antisemitismus zu unterscheiden. Ich habe Texte zu meinen positiven Erfahrungen mit palästinensischen Uber-Fahrern publiziert, habe in jedem Panel und bei jeder Lesung erklärt, dass die Deutschen keine Araber brauchten, um sechs Millionen Juden zu vernichten. Und dazu stehe ich auch weiterhin. Jetzt braucht es allerdings die Fähigkeit, zwei Dinge gleichzeitig zu denken. Eine intellektuelle Denkleistung, der sich die Pro-Pali-Bubble schon immer verweigert hat. Denn unabhängig von der Tatsache, dass die Deutschen keine Araber brauchten, um sechs Millionen Juden zu ermorden, kommt die größte Gefahr für die jüdische Community aktuell von den in Deutschland lebenden Arabern, Türken und ihren deutschen Warmduscher-Freunden, die sich im Zuge der BLM-Bewegung das Ziel gesetzt haben, die besten Allies aller Zeiten zu werden. ,By all means necessary.‘ Mit allen Mitteln sozusagen.“

Was der künstlerische Leiter des massiv mit Steuergeldern unterstützten Theaters als „pauschalisierend und bestimmten Menschengruppen gegenüber diskriminierend“ bezeichnet, ist nichts anderes als eine Beschreibung der Wirklichkeit durch eine in Berlin und Tel Aviv lebende jüdische Publizistin. Sie mag Manuel Moser nicht gefallen, ist aber belegt: Muslimische Hamas-Anhänger, unter ihnen wenig überraschend viele Türken und Araber, gehen gemeinsam mit deutschen Linksradikalen auf die Straße. Große Teile der Kulturszene unterstützen sie. Die Linkspartei hat aus Antisemitismus und Israelhass längst ein politisches Geschäftsmodell gemacht. Radikale Muslime und deutsche Nachwuchsstalinisten sind das neue Stimmvieh; die Partei bleibt ideologisch auf der Linie der SED, die schon zu DDR-Zeiten den palästinensischen Terror unterstützte.

Dass Moser das alles offenbar zu pauschalisierend und diskriminierend findet, hat mit einer in linken Kulturkreisen beliebten Verzerrung der Wirklichkeit zu tun. Nur durch beharrliche Ignoranz der Realität lässt sich der ideologische Rahmen aufrechterhalten, der für die Sicherung der eigenen Existenz so wichtig ist wie der staatliche Zuschuss. Funk spielte da nicht mit. Hätte sie gesagt, nicht Türken, Araber und deren deutsche Warmduscher-Freunde seien eine Gefahr für Juden, sondern Männer, hätte sie wohl in der Comedia auftreten können. Schon nach den von Nordafrikanern in der Silvesternacht 2015 begangenen sexuellen Übergriffen am Kölner Dom war es in diesem Milieu üblich, die Täter als Männer zu beschreiben und so zu tun, als ob Kultur, Herkunft und Religion als Hintergrund der Exzesse keine Rolle spielten. Aber Mirna Funk hatte in ihrem Kommentar ein Tabu gebrochen: Sie hatte die Wirklichkeit beschrieben.

 

Autorenseite: Stefan Laurin
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9 Comments
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Klaus Peters
Gast
Klaus Peters
1 Monat vor

Das ist so bitter, zu lesen. Vielen Dank für den Beitrag. Diese Ausladung von Frau Funk ist ein Skandal und kaum bekannt. Das Verhalten von Herrn Moser macht mich wirklich fassungslos.

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[…] Stefan Laurin Erschienen bei: Ruhrbarone.de, […]

Kai Remmert
Gast
Kai Remmert
1 Monat vor

Dieses Vermeiden und leugnen offensichtlicher Zusammenhänge ist langsam unerträglich. Dinge anzusprechen, um dann über sie zu diskutieren scheint nicht mehr üblich zu sein – die richtige Haltung ist ein nicht zu diskutierendes Statement und das ist wohl ein Dogma.

thomas weigle
thomas weigle
1 Monat vor

Man muss sich schämen, wenn man heutzutage noch links zu denken wagt, weil man dann sich dann in einer ziemlich unappetitlichen Gesellschaft befindet, die nicht besser ist als die, die unter dem Namen Agentenzentrale für Demokratiefeinde firmiert. Es ist zum Knochen kotzen.

Don Giovanni
Gast
Don Giovanni
1 Monat vor

Kann es sein, lieber Herr Weigle, dass sich die unappetitliche Gesellschaft erweitert hat und das Einheitsrot sich mit dem einheitsbraun mit dem einheitsgrün zu einer relativ bunten Mischung vereinigt, nur noch unterscheidbar durch die obzessiv moralisierende Pose?

Thomas Weigle
1 Monat vor

@ Don G. Bei den Grünen gibt es immerhin noch ein paar kluge Köpfe in Sachen Pallis und dem Regime der Kopfwindelträger.Diese wiederum, so scheint es, die Gewinner dieses Krieges sind, so wie ich es zu Beginn des Krieges hier kommentierte. Es wäre schön, wenn die Ruhrbarone hier mal zu ihrer fatalen Einschätzung dieses Krieges klare Stellung bezögen. Diese Haltung jeden, der durchaus berechtigte Kritik an Israels jetziger Regierung und an Trumps Krieg übt, in die antiisraelische und antiamerikanische Ecke zu stellen, ist mehr als fragwürdig und was diesen Deal angeht, scheint der meine schlimmsten Befürchtungen noch zu übertreffen. Und dass Trump schon wieder droht… Der größte Verlierer aber ist die inneriranische Opposition, die ja im Schatten des Krieges erheblich durch die Mullahs und deren Schergen noch massiver als zuvor unter Druck gesetzt wurde, und es ist von vielen tausenden, wenn nicht zehntausenden Toten die Rede. War es das wert? Die Alliierten hatten letztlich einen Plan, um Hitlerdeutschland zu besiegen,ein solcher aber fehlte den USA heuer, alleine schon die wechselnde Kriegsziele, die Trump immer wieder ausgab…..

Hagen Range
Gast
Hagen Range
1 Monat vor

Die Comedia fährt schon seit längerem eine offen diskriminierende Kulturpolitik. Dort werden seit einiger Zeit auch Kabarettisten aus dem Programm gestrichen, mit der offenen Begründung, sie seien zu alt. Wahrscheinlich auch oft zu weiß, denn das ist die Schnittmenge. Es geht nicht mehr um das, was gesagt wird, sondern wer etwas sagen darf. Da passt es doch ins Bild, wenn man jüdischen Glaubens ist und obendrein noch kritisch, dass einem die Auseinandersetzung verweigert wird und man einfach vor die Tür gesetzt wird, wie ein Störenfried der sich nicht an die Hausordnung hält. Die ‚zu alten‘ Kabarettisten sehen übrigens den Nahostkonflikt oft sehr differenziert, aber deren Stimme wurde ja, vielleicht auch in diesen Zusammenhängen, ebenso ausradiert. Seine Bubble wird es Herrn Moser und Co. jedenfalls mit viel Schulterklopfen danken.

Klaus Peters
Gast
Klaus Peters
1 Monat vor

Konsequent (und richtig) würde die phil.cologne handeln, wenn sie ab 2027 die in der Comedian geplanten Veranstaltungen nicht mehr dort, sondern ab dann immer in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt stattfinden lassen würde.

Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
1 Monat vor

Grundsätzlich ist doch zu fragen: wer bekommt für was eigentlich öffentliche Fördermittel?
Borniertheit und Antisemitismus gab es schon immer und gibt es doch immer noch gratis. Wird hier mehr als Gebrabbel für einen miefig „linken“ Kuschelfaktor unterstützt?

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