Pius-Bruderschaft exkommuniziert – Wie Männer in Kleidchen darüber streiten, wer im Namen Gottes reden darf

Grafik: KI

Haben Sie die Geschichte um die Piusbrüder mitbekommen? Das ist ja einfach maximal lustig. Als bekennender Ketzer und Nicht-Katholik ist das ja wirklich eine absolute Traumgeschichte. Und die Geschichte geht so: Treffen sich zwei Typen, die sich gerne purpurne Kleidchen und Röckchen anziehen, ohne auf den CSD zu wollen (was der einzige

Grund wäre – neben dem Karneval –, um als Mann ein purpurnes Kleid anzuziehen). Der eine Typ ist der Papst, Stellvertreter Christi auf Erden, absolute religiöse Autorität. Der andere Typ ist der jeweilige Leiter der Piusbruderschaft, die selbst nach katholischen Maßstäben als wirklich erzkonservativ gilt.

Worum geht es eigentlich? Die Piusbruderschaft behauptet, dass der Teufel (ja, wirklich der Teufel, Satan, Beelzebub, Pferdefuß – the real deal) während des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kontrolle über die Kirche übernommen habe und die Modernisierung der Kirche ein Indiz für die Kontrolle durch Satan sei. Gemeint ist damit insbesondere, dass die Messe in der Landessprache gehalten wird, also nicht mehr auf Latein, und die Priester zur Gemeinde gewandt predigen, anstatt zum Altar. Außerdem geht es um die Öffnung für Frauen in Ämtern der katholischen Kirche, was von den Piusbrüdern ebenfalls konsequent abgelehnt wird. Nun, das ist eigentlich der gesamte Gegenstand des Streits.

Nun kommt es regelmäßig zum Eklat. Die Piusbruderschaft möchte nämlich Bischöfe weihen. Das haben sie das erste Mal Ende der 80er-Jahre getan und wurden dafür aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Die Wiedereingliederung in die katholische Kirche geschah unter Papst Benedikt. Jetzt muss man wissen: Die Piusbruderschaft – wie erwähnt, wirklich exorbitant unfassbar konservativ – war Papst Benedikt gar nicht so unfassbar unangenehm. Nun muss man außerdem wissen, dass eine Bischofsweihe nur im Auftrag des Papstes erfolgen darf. Hintergrund des ganzen Spiels ist die apostolische Sukzession, also die Weitergabe des Sendungsauftrags der Apostel zur unverfälschten Weitergabe des Glaubens seit Jesus. Oder: welcher wahre Schotte wirklich im Namen Gottes sprechen darf.

So, das zweite Mal geschah das nun vergangene Woche. Die Piusbruderschaft weihte wieder irgendwelche Bischöfe und wurde daraufhin vom Papst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Fun Fact: Die Weihe ist dennoch nach Kirchenrecht gültig. Denn wer die Voraussetzungen zur Weihe erfüllt, darf weihen. Nur fliegt man dafür eben aus der Kirche. Das muss man sich jetzt einfach wirklich auch mal auf der Zunge zergehen lassen: Erwachsene Männer in purpurnen Kleidern, die behaupten, sie würden mit Gott sprechen, mit Engeln oder was auch immer, und die deswegen das Privileg und Recht hätten, andere Menschen zu weihen, um ihnen das Privileg zu verleihen, ebenfalls im Namen Gottes zu sprechen. Und dabei tragen sie purpurne (oder farblich nach Bedarf gewählte) Kleidchen. Und wenn der Falsche behauptet, dies zu tun, ist das Schisma, eine Handlung gegen die Lehre der Kirche.

Man stelle sich einfach mal vor, irgendwo im Frankfurter Bahnhofsviertel kämen zwei Typen auf die Idee, sich zu streiten, wer von beiden im Namen Gottes sprechen darf.

Was für einen Effekt doch Kleidchen haben können.

 

Autorenseite: Daniel Bleich
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