Langlebigkeit beginnt auf dem Teller

Vittorio Giuliano Foto: Privat

Warum werden Menschen in bestimmten Regionen der Welt außergewöhnlich alt und bleiben dabei erstaunlich gesund? Antworten liefern die sogenannten „Blauen Zonen“ – Regionen wie Okinawa in Japan, Sardinien in Italien, Ikaria in Griechenland, Nicoya in Costa Rica und Loma Linda in Kalifornien. Dort leben überdurchschnittlich viele Hundertjährige, während chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Adipositas oder Demenz deutlich seltener auftreten.

Gemeinsam ist diesen Bevölkerungen nicht nur eine natürliche, überwiegend pflanzenbasierte Ernährung, sondern auch regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, starke soziale Bindungen und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl. Die Bewohner Okinawas folgen beispielsweise dem Prinzip Hara Hachi Bu und beenden eine Mahlzeit, bevor vollständige Sättigung eintritt.

Moderne Forschungen zeigen, dass Ernährung weit mehr ist als reine Energiezufuhr. Nährstoffe beeinflussen biologische Prozesse bis auf die Ebene der Genregulation. Im Mittelpunkt steht dabei die Epigenetik – jene Mechanismen, die bestimmen, welche Gene aktiv oder inaktiv sind, ohne die DNA selbst zu verändern.

„Die Ernährung ist einer der stärksten beeinflussbaren Faktoren für gesundes Altern“, erklärt der italienische Mediziner und Longevity-Forscher Dr. Vittorio Giuliano in einem Gastbeitrag für die Zeitungen der Ippen-Mediengruppe. „Heute wissen wir, dass bestimmte Nahrungsbestandteile Entzündungsprozesse, oxidativen Stress, die Funktion der Mitochondrien und sogar die Aktivität von Genen positiv beeinflussen können.“

Besonders gut untersucht sind die Mittelmeerdiät, intermittierendes Fasten und andere Ernährungsformen, die die sogenannte Autophagie fördern – ein zelluläres Recyclingprogramm, das beschädigte Zellbestandteile abbaut und erneuert. Dieser Prozess gilt als wichtiger Baustein für gesundes Altern und Langlebigkeit.

Gleichzeitig warnen Experten vor den möglichen Folgen hochverarbeiteter Lebensmittel und umweltbedingter Schadstoffe. Diese können biologische Regulationsmechanismen stören und langfristig zur Entstehung chronischer Erkrankungen beitragen.

Für Giuliano liegt die wichtigste Erkenntnis der Longevity-Forschung nicht in einem einzelnen „Wundermittel“, sondern im Zusammenspiel vieler Faktoren: „Langlebigkeit ist das Ergebnis täglicher Entscheidungen – von der Ernährung über Bewegung und Schlaf bis hin zu sozialen Beziehungen. Gesundheit im Alter entsteht nicht durch Zufall, sondern durch Lebensstil.“

 

 

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