25 Jahre später: Mein 11. September – Ein Datum, das geblieben ist

Das World Trade Center in New York 1999. Archiv-Foto(s): Robin Patzwaldt

Morgen ist wieder der 11. September. Und plötzlich sind tatsächlich 25 Jahre vergangen, seit die Anschläge auf das World Trade Center in New York City die Welt erschütterten. Ein Vierteljahrhundert. Allein diese Zahl fühlt sich für mich irgendwie unwirklich an.

Wie in jedem Jahr wird diese Erinnerung auch diesmal meinen Tag prägen. Ich werde Dokumentationen anschauen, vielleicht wieder in einem Buch blättern und unweigerlich an die Bilder denken, die sich damals in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Für mich ist der 11. September 2001 bis heute eines der prägendsten Ereignisse meines Lebens. Und das, obwohl ich persönlich überhaupt nicht betroffen war. Niemand aus meinem Umfeld starb an diesem Tag.

Ich frage mich deshalb manchmal, wie es wohl den Menschen geht, die damals Angehörige oder Freunde verloren haben. Für sie muss dieser Tag eine völlig andere Dimension besitzen. Ich habe damals „nur“ einen Ort verloren. Aber dieser Ort bedeutete mir bis heute sehr viel.

Liebe auf den ersten Blick

Das World Trade Center war für mich mehr als zwei riesige Türme in Manhattan. Als ich 1999 zum ersten Mal nach New York kam, war es Liebe auf den ersten Blick. Noch mit meinem Gepäck machte ich mich nach der Landung in Newark direkt auf den Weg nach Downtown.

Ich saß damals stundenlang im Schatten der Zwillingstürme und genoss einfach nur das Gefühl, dort zu sein. Ich war fasziniert von den Glasfassaden, den Menschenmassen, dem unglaublichen Tempo und dieser ganz eigenen Mischung aus Geschäftigkeit und Weltstadtgefühl.

In den folgenden Tagen zog es mich immer wieder dorthin. Ich konnte mich an diesem Ort schlicht nicht sattsehen. Auch bei meinem nächsten Besuch im Jahr darauf blieb diese Faszination erhalten.

Für mich waren die Türme damals ein Symbol für all das, was mich an Amerika begeisterte: Größe, Weite, Freiheit und diese beinahe grenzenlose Energie. Vielleicht erklärt das, warum mich ihr Verschwinden so tief getroffen hat.

Als plötzlich alles weg war

Dann kam der 11. September 2001.

Ich saß damals in Deutschland im Büro und starrte wie Millionen andere ungläubig auf die Fernsehbilder. Zunächst wollte mein Kopf nicht akzeptieren, was dort passierte. Das World Trade Center, dieser für mich so faszinierende Ort, stand plötzlich in Flammen. Wenig später waren die Türme verschwunden.

Ich dachte sofort an die Menschen, die ich dort erlebt hatte. An die Menschenmassen auf dem Platz, an die Geräusche, die Hektik, die Normalität. Alles, was ich mit diesem Ort verbunden hatte, war innerhalb weniger Stunden unwiederbringlich Geschichte.

Ein Jahr später stand ich selbst am Ground Zero. Dort, wo ich einst einige meiner glücklichsten Stunden verbracht hatte, klaffte ein riesiger Krater. Der Anblick war schwer auszuhalten.

Eine Narbe, die bleibt

Inzwischen war ich mehrfach wieder dort. 2017 habe ich erstmals das neue World Trade Center besucht und auch das Museum dort gesehen. Damals empfand ich zum ersten Mal so etwas wie Frieden mit diesem Ort.

New York hat wieder aufgebaut. Die Stadt hat die Wunde nicht vergessen, aber sie hat gelernt, mit ihr zu leben. Das neue World Trade Center steht heute für mich deshalb auch für diese unglaubliche Fähigkeit der Stadt, nach einem solchen Schock weiterzumachen.

Trotzdem gehören meine stärksten Erinnerungen weiterhin den alten Türmen.

Wenn ich am 11. September die Augen schließe, sehe ich sie wieder vor mir. Genau so, wie ich sie 1999 erstmals erlebt habe: gewaltig, faszinierend und irgendwie unerschütterlich.

Natürlich weiß ich heute, dass sie das nicht waren. Aber in meiner persönlichen Erinnerung sind sie es geblieben.

Und vielleicht ist genau das mein ganz eigener Umgang mit diesem Jahrestag. Ich erinnere nicht nur an das Grauen des 11. September 2001. Ich erinnere auch an einen Ort, an dem ich mich einst einfach nur glücklich und angekommen fühlte.

Diese Bilder kann mir niemand nehmen. Auch 25 Jahre später nicht.

Die Gedenkstätte im März 2017.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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