Der Klopp-Effekt: Plötzlich ist die Nationalmannschaft wieder sexy

Lange her: Ein entspannter Jürgen Klopp in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Das ist schon irgendwie bemerkenswert: Jürgen Klopp hat als neuer Bundestrainer noch kein einziges Länderspiel bestritten, noch keine Aufstellung verkündet und noch keinen Punkt geholt. Trotzdem hat er etwas geschafft, woran sich seine Vorgänger zuletzt ziemlich erfolglos versucht haben: Er hat die deutsche Nationalmannschaft wieder interessant gemacht.

Am Donnerstag wird Klopp seinen ersten Kader bekannt geben. Und plötzlich reden wieder alle darüber. Wer darf mit? Wer bleibt zu Hause? Welche jungen Spieler bekommen ihre Chance? Welche etablierten Namen müssen um ihren Platz bangen? Der DFB-Termin am 17. September ist längst mehr als eine gewöhnliche Kaderbekanntgabe.

Auf einmal interessiert mich die Nationalelf wieder

Ich gebe es gerne zu: Länderspiele außerhalb großer Turniere habe ich in den vergangenen Jahren häufig eher beiläufig verfolgt. Nicht aus Desinteresse am Fußball, sondern weil die Nationalmannschaft irgendwann etwas von einer lästigen Pflichtveranstaltung hatte.

Man schaute hin, wenn es wirklich wichtig wurde. Ansonsten lief die Sache eben nebenher.

Und jetzt? Jetzt erwische ich mich dabei, wie ich über mögliche Klopp-Kandidaten nachdenke. Genau das ist der Unterschied. Die Nationalmannschaft fühlt sich plötzlich wieder nach Fußball an – und nicht nach einer weiteren zweistündigen Pflichtübung im ohnehin schon vollgestopften Kalender.

Der Klopp-Effekt funktioniert erstaunlich schnell

Natürlich ist das zunächst einmal vor allem ein Stimmungseffekt. Klopp muss erst noch beweisen, dass seine Ideen beim DFB funktionieren. Seine ersten vier Spiele stehen Ende September und Anfang Oktober gegen die Niederlande, Griechenland und Serbien an.

Aber seine Ausstrahlung verändert schon jetzt die Wahrnehmung. Klopp steht für Emotion, Energie, klare Ansagen und die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen. Genau diese Mischung scheint dem Nationalteam zuletzt gefehlt zu haben.

Auch die Spieler selbst sprechen bereits von einer neuen Ära. Leipzigs Kapitän David Raum etwa wünscht sich eine Mannschaft mit Mentalität, Einstellung sowie einer Mischung aus jungen Spielern und Erfahrung. Das klingt ziemlich genau nach dem Fußball, den viele Fans jetzt ebenfalls erwarten.

Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Ergebnisse

Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt. Die ganze Klopp-Euphorie ist schön. Sie ersetzt aber keine guten Leistungen. Am Ende wird auch der neue Bundestrainer daran gemessen werden, was seine Mannschaft auf dem Rasen produziert.

Genau deshalb bin ich auf diesen ersten Kader so gespannt. Nicht, weil ich glaube, dass Klopp mit ein paar überraschenden Namen automatisch alles besser macht. Sondern weil endlich wieder das Gefühl entstanden ist, dass bei der Nationalmannschaft etwas passieren könnte.

Vielleicht ist das der größte Erfolg, den Klopp bisher vorzuweisen hat: Er hat die Neugier zurückgebracht.

Jetzt muss er daraus Begeisterung machen. Und anschließend Ergebnisse liefern.

Denn so einfach kann Fußball manchmal sein.

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