
Am 7. Oktober 2023 überfielen Tausende Terroristen der Hamas und weiterer palästinensischer Terrorgruppen Israel, ermordeten mehr als 1.200 Menschen und verschleppten Hunderte als Geiseln in den Gazastreifen. Es war das größte Pogrom an Juden seit der Shoah – und eine Zäsur, die weit über Israel hinausreichte. Drei Jahre später ist der Judenhass auch in Deutschland sichtbarer und lauter geworden: Antisemitische Parolen gehören zum Straßenbild, Verschwörungserzählungen verbreiten sich in sozialen Netzwerken und Teile der politischen Linken haben die „palästinensische Sache“ zu einem zentralen politischen Anliegen gemacht. In Berlin könnte diese Entwicklung nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen: Eine Partei, in deren Umfeld offen israelfeindliche und antisemitische Positionen vertreten werden, könnte den Regierenden Bürgermeister stellen.
Der schwarze Tag im Oktober
Der siebte Oktober 2023, der heute als 10/7 bezeichnet wird, ist heute auf den Tag genau drei Jahre her. Die Juden in Israel begingen den Feiertag Simchat Tora, mit dem das Laubhüttenfest endet.
Um 6:30 Uhr rief die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas den von ihr als Operation al-Aqsa-Flut bezeichneten Angriff auf Israel aus. Dieser begann mit einem massiven und stundenlangen Raketenbeschuss auf den Süden und auf das Zentrum des Landes. Etwa vier Stunden nach Beginn sprach ein Sprecher der IDF (Israel Defense Forces) von rund 2.200 abgefeuerten Raketen und anhaltendem Beschuss. Zur gleichen Zeit gab der oberste Befehlshaber des militärischen Flügels der Hamas die Zahl mit 5.000 an. Die hohe Anzahl überforderte das israelische Abwehrsystem Iron Dome, sodass viele Raketen ihre Ziele erreichten. Es kam zu Toten und Verletzten.
Unter dem Schutz des Raketenbeschusses und des dadurch ausgelösten Luftalarms, wegen dessen viele Sicherheitskräfte in Luftschutzbunkern Schutz suchten, überwanden bewaffnete Terroristen die Grenze. Unter Einsatz von Drohnen wurden Sprengsätze auf Beobachtungs-, Kommunikations- und ferngesteuerte Waffentürme abgeworfen. Auf gleiche Weise wurde auch ein Merkava-Panzer ausgeschaltet, der später propagandawirksam als Symbol des Erfolges präsentiert wurde. Die Besatzung fiel den Angreifern in die Hände. Scharfschützen nahmen gezielt Überwachungstechnik unter Beschuss.
Nachdem die Überwachungssysteme und die Kommunikation der israelischen Grenzposten ausgeschaltet waren, sprengten Vorauskommandos Durchgänge in Mauern und Zäune der Grenzanlage. Auf diese Weise konnten die Angreifer die Grenze an 29 Stellen überwinden.
Bewaffnete Hamas-Terroristen drangen zu Fuß, mit Motorrädern und Pick-ups bis zu 18 Kilometer in das Land ein. Außerdem wurden Gleitschirme genutzt, um nach Südisrael zu gelangen, sowie Schnellboote und Taucher, um den Strand bei Zikim, südlich von Aschkelon, zu erreichen. Angaben der IDF zufolge drangen ca. 3.000 Terroristen nach Israel ein, denen unbewaffnete Zivilisten aus Gaza folgten, um zu plündern.
Die IDF wurde von dem von langer Hand geplanten Großangriff überrascht. Die Angreifer konnten mehrere Außenposten, die Polizeistation in Sderot sowie den Stationierungsort der Gaza-Division einnehmen, wodurch eine koordinierte Reaktion und die Weitergabe von Informationen an den Rest der Armee verhindert wurden.
In grenznahen Kibbuzim begingen die Eindringlinge Massaker an der Zivilbevölkerung, bei denen Hunderte Menschen ermordet wurden. Auf einem Psytrance-Festival wurden rund 360 feiernde junge Menschen getötet. Manche Morde wurden von den Terroristen mit den Mobiltelefonen der Opfer gefilmt, um die Videos an Angehörige und Bekannte zu schicken oder auf den Facebook-Profilseiten der Getöteten hochzuladen.
Bereits kurz nach Beginn des Angriffs veröffentlichte die Hamas Videoaufnahmen, die von Terroristen mit Bodycams oder Helmkameras aufgenommen wurden. Das Material wurde innerhalb weniger Stunden in den PR-Studios der Hamas gesichtet, ausgewählt und professionell geschnitten. Auf den auf Telegram-Kanälen veröffentlichten Clips waren massive Gewalttaten an israelischen Zivilisten in bisher ungekanntem Ausmaß zu sehen, einschließlich Vergewaltigungen und der erniedrigenden Behandlung von Frauen als Beute.
Bei eliminierten Angreifern wurden detaillierte Angriffspläne und teilweise verschlüsselte Aufträge, Zivilisten zu töten, Geiseln zu nehmen und in den Gazastreifen zu verschleppen, gefunden.
Bereits am Vormittag des Tages des Angriffes startete die Militäraktion Eiserne Schwerter und die Einberufung von Reservisten wurde genehmigt. Waren die Medien und die Bevölkerung in Deutschland bisher noch auf der Seite der angegriffenen Israelis, schlug die Stimmung spätestens mit dem Beginn der Bodenoffensive der IDF in der Nacht vom 27. zum 28. Oktober um.
Über 1.200 Tote und 251 Geiseln
Nach der Shoah gab es kein anderes Ereignis, bei dem so viele Juden ermordet wurden wie am siebten Oktober 2023. An diesem Tag und den folgenden wurden mehr als 1.200 Menschen ermordet. Sie wurden getötet, weil sie Juden waren oder als Kollaborateur und Verräter wahrgenommen wurden. Weitere 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt, wo viele bis zum Oktober 2025 über mehrere Jahre unter grausamen Bedingungen gefangen gehalten wurden. Außerdem wurden 4.600 Menschen verletzt.
Zu Recht gingen die schrecklichen Geschehnisse als 10/7 in den Sprachgebrauch solidarischer Menschen ein. Ähnlich wie die islamistischen Terroranschläge vom elften September 2001, die als 9/11 in die Geschichtsbücher eingingen, war auch der siebte Oktober 2023 eine Zäsur. Von nun an konnten Juden sich nicht einmal mehr in dem als Schutzraum gegen Antisemitismus gegründeten Judenstaat sicher fühlen.
Jubel über den Terror
Bereits am Abend des siebten Oktobers hallte die Parole „From the River to the Sea – Palestine will be free!“ durch die Straßen Europas. Im Berliner Stadtteil Neukölln verteilten islamische Anwohner Baklava auf offener Straße, um den Terror im Nahen Osten zu feiern. Samidoun, eine Vorfeldorganisation der palästinensischen Terrorgruppe PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine), die auch in Berlin aktiv ist, schrieb in einem Post auf X (vormals Twitter): „Es lebe der Widerstand des palästinensischen Volkes. Verteilen Süßigkeiten auf der Sonnenallee in Berlin zur Feier des Sieges des Widerstands.“
Antisemitismus nach dem 7. Oktober
Regelmäßig kam es zu Demonstrationen von islamistischen Israelhassern gemeinsam mit Linken, auf denen es zu Forderungen nach der Auslöschung Israels und anderen antisemitischen Ausfällen kam. Die Dokumentationsstelle RIAS dokumentierte für 2023 insgesamt 4.886 antisemitische Vorfälle. Für 2024 waren es 8.713 und 2025 8.725. Damit lag das Niveau 2024 und 2025 mehr als dreimal so hoch wie der Durchschnitt der Jahre 2020–2022.
Diese Vorfälle sind vielfältig und äußern sich in Form von Schmierereien im öffentlichen Raum, Aussagen an Hochschulen, gezielten Sachbeschädigungen von Gedenkorten, der Markierung von Häusern, in denen Juden wohnen, bis hin zu Fällen extremer Gewalt. Beispiele für Letzteres sind der Angriff auf einen jüdischen Kommilitonen, der von einem arabischstämmigen Studenten ausging. Der Tat ging eine Meinungsverschiedenheit über den Konflikt im Nahen Osten voraus. Der Täter schlug mehrfach auf den bereits am Boden Liegenden ein, sodass dieser mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. In den Vereinigten Staaten wurde ein 69-jähriger Jude sogar von pro-palästinensischen Demonstranten am Rande einer Kundgebung getötet.
Hamas-Propaganda und Verschwörungserzählungen
All dem zum Trotz wurde es ein Social-Media-Trend, sich mit den Palästinensern im Gazastreifen zu solidarisieren. Diffus links anpolitisierte Studenten und generell dem Wokeismus Zugewandte übertreffen sich gegenseitig im Posten von Inhalten, die entweder direkt von der Hamas übernommen werden und/oder eine eindeutige antisemitische Färbung haben.
Die Grenzen zu Verschwörungsnarrativen sind dabei fließend. Eine der absurdesten Falschmeldungen ist, dass die meisten Besucher, die beim Supernova-Festival getötet wurden, von israelischen Kampfhubschraubern unter Beschuss genommen worden wären. Zwar wurde diese Behauptung als haltlose Lüge entlarvt, aber einer der initialen Posts auf X (vormals Twitter) wurde zu diesem Zeitpunkt schon über neun Millionen Mal angesehen. „Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben.“ Das wusste bereits NS-Propagandaexperte Joseph Goebbels, dem das Zitat zugeschrieben wird. Diese Theorie diente nicht nur den Nationalsozialisten im Kampf gegen das „Weltjudentum“. Sie scheint auch das Erfolgsrezept der palästinensischen Nationalbewegung zu sein. In langer Tradition, in der stetig behauptet wird, die Juden seien nie ein Volk gewesen und hätten im Heiligen Land nichts verloren, reiht sich auch Muhammad Ahmad Hussein, der Großmufti von Jerusalem, ein, als er 2015 behauptete, dass es auf dem Tempelberg nie einen jüdischen Tempel gegeben hätte.
Die Genozid-Lüge
Die aktuell am stärksten vertretene Lüge ist aber die vom Genozid, den die Israelis angeblich in Gaza begehen würden. Obwohl es kein Urteil des Internationalen Gerichtshofs in den Haag gibt und die Kriterien, die der polnisch-jüdische Jurist Raphael Lemkin 1944 definiert hat, nicht erfüllt werden, verbreiten Anhänger dieser Erzählung ihre Anklage jeden Tag aufs Neue und machen so die Opfer zu Tätern. In diesem Sinne hat die Hamas ein Meisterwerk vollbracht. Sie hat in jahrzehntelanger Arbeit ein Klima geschaffen, in dem sie das größte Pogrom an Juden seit dem Nationalsozialismus begehen konnte und große Teile der „progressiven“ westlichen Linken an ihrer Seite stehen.
Die Linke und die „palästinensische Sache“
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll bei all den antisemitischen Ausfällen, die die Partei „Die Linke“ in jüngster Vergangenheit fabriziert hat. Beim Wahlkampf der Berliner Linken zur Abgeordnetenhauswahl nahm antizionistische Agitation eine dominante Rolle ein. Die starke Ausrichtung auf dieses Thema lässt sich auch als Versuch interpretieren, Wählerstimmen aus dem islamisch-migrantischen Milieu zu gewinnen, und kopiert damit eine Strategie, die in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits erfolgreich war. Am 4. November 2025 wurde der notorische Antizionist Zohran Mamdani zum Bürgermeister New Yorks gewählt. Neben besagter antiisraelischer Hetze war seine Kampagne vom populistischen Wahlversprechen geprägt, für bezahlbare Mieten zu sorgen. Exakt diese Taktik verfolgte die Berliner Linkspartei. Politisch linke Strömungen scheinen weltweit zur parlamentarischen Stimme der Hamas und ihrer Verbündeten geworden zu sein.
Die Berliner Linke und ihre Unterstützer
Dass die Linke es damit ernst meint, zeigte sich bereits während einer Wahlparty, nachdem die Partei mit 24 % der Erststimmen und 25,7 % der Zweitstimmen (unter den muslimischen Wählern holte die Linke 51 %) als klarer Wahlsieger hervorging und nun 47 der 158 Sitze im Abgeordnetenhaus besetzen wird: Neben Clan-Chef Issa Rammo feierte auch Ibrahim Ibrahim mit den Genossen.
Ibrahim ist seit Jahren offener Unterstützer der PFLP, jener Terrororganisation, die Israelis bei Sprengstoffattentaten ermordete, Linienflugzeuge entführte, die direkt am Terrorangriff des 7. Oktobers beteiligt war und, wie weiter oben im Text geschildert, deren Mitglieder den Terrorangriff auf den Straßen Berlins feierten. Außerdem repräsentiert Ibrahim das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“ (VPNK) bei öffentlichen Auftritten und gilt als eine der zentralen Schlüsselfiguren des Vereins. Da das VPNK als Kooperationsplattform zwischen säkularen Linksextremisten der PFLP und Islamisten der Hamas dient, agiert Ibrahim dort als ideologisches Bindeglied.
Kein Freifahrtschein für Antisemitismus
Die Linke könnte den regierenden Bürgermeister in Berlin stellen, indem sie eine Koalition mit SPD und den Grünen bildet und damit ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp durchsetzt. Dies gilt es zu verhindern, um dem Antisemitismus, dem Israelhass und dem Dschihad keinen Freifahrtschein in der Hauptstadt auszustellen.
Denn wenn wir heute nicht aufpassen, wachen wir morgen in einem Land auf, in dem für immer Frühling ist.
Redaktioneller Hinweis:
Der Teil des Artikels, in dem der Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 detailliert geschildert wird, stammt aus einem Text, der sechs Monate nach 10/7 geschrieben wurde und im November 2024 im Knuckle Sandwich Fanzine erschien. Aufgrund der andauernden Aktualität habe ich mich dazu entschlossen, die Einleitung in diesen Artikel einfließen zu lassen, um zu verhindern, dass das Grauen von 10/7 in Vergessenheit gerät.
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