„Aber es gibt keine Antisemiten mehr“

Solidarität mit Israel - Demonstration in Düsseldorf Foto: Mathias Schumacher Lizenz: Copyrigt
Solidarität mit Israel – Demonstration in Düsseldorf Foto: Mathias Schumacher Lizenz: Copyrigt

Gestern zeigten 400 Menschen auf einer Demonstration in Düsseldorf ihre Solidarität mit Israel. Neben dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag Norbert Römer und der FDP-Landtagsabgeordneten Ingola Schmitz sprach auch dort auch Sebastian Hammer,  Mitglied des Jusos-Landesvorstandes NRW. Wir dokumentieren hier seine Rede.  

Sebastian Hammer Foto: Privat
Sebastian Hammer Foto: Privat

„Aber es gibt keine Antisemiten mehr“

Dieses Zitat der Philospohen Horkheimer und Adorno beschreibt treffend den Antisemitismus nach Ausschwitz.
Ein offener Judenhass tritt wegen Sanktionierung in Deutschland nur noch selten ans Tageslicht.

Das heißt in keinster Weise dass der Antisemitismus aus den Köpfen der Menschen in Deutschland verschwunden ist, im Gegenteil – der „moderne Judenhass“ ist geboren.
Der Hass auf Jüdinnen und Juden wird auf ihren einzigen Schutzraum – den Staat Israel projeziert.

Und es wird deutlich:
70 % der Deutschen sind nach einer repräsentativen Umfrage der Meinung, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen Palästina führt.

Dabei ist es doch so:

Israel trauert über jedes zivile Opfer – Die Hamas sieht in der Tötung jeder Jüdin und jedes Juden einen Erfolg. So ist die Realität.
Wir reden über eine Organisaton, die Menschen als zivile Schutzschilde nutzt – das allein schon eine verachtende Umschreibung für den Mord von Menschen – Eine Organisation deren Gründungszweck die Vernichtung jeglichen jüdischen Lebens ist.
Diese Organisation regiert im Gaza-Streifen. Eine Organisation die offiziell als terroristische Vereinigung in Europa gilt.

Was also soll Israel tun um die Menschen dort zu schützen? Ein Land, dessen Menschen nahezu täglich von Raketen angegriffen werden, übrigens auch in den sogenannten Friedenszeiten.

Ich frage mich, wo sind denn die Demos, wenn es Todesopfer in Ägypten gibt? Wo sind sie bei Syrien? Wo sind sie, wenn Unrecht im Irak geschieht? Wo waren sie in Afghanistan?
Man geht auf die Straße, weil es Israel ist. Es gibt keinen anderen Grund!

Es demonstrieren vermeintliche Linke an der Seite von Islamist*innen und auch an der Seite von rechten Kameradschaften und Autonomen Nationalist*innen.

Zuletzt selbst erlebt habe ich es gemeinsam mit Gabriel, gemeinsam mit einigen Genoss*innen und Freund*innen am letzten Freitag in Essen. Wo wir bedroht und angegriffen wurden von einem islamistischen und antisemitischen Mob, geschützt von einer unvorbereiteten und versagenden Polizei.

Am Ende wurden wir mit Bussen unter Schutz in eine andere Stadt transportiert und mussten dem rassistischen Mob den Ort überlassen.

Das ist eine Niederlage für jede Demokratie!

Der Schulterschluss auf den Pro-Gaza/Pro-Hamas Demos zeigt über was wir hier sprechen. Wir reden nicht über die Solidarität zu einer von „bösen Imperialisten unterdrückten Gruppe“. Wir sehen in diesen Tagen Antisemitismus auf den Straßen!

Dies alles zeigt, dass die Gefahr für Juden in Deutschland wieder gestiegen ist. Hetze auf der Straße und in den Medien. Eine Berichterstattung die teils bei Israel den Grund für antisemitische Ausschreitungen sucht.

Vor diesem Hintergrund frage ich mich auch, wie hier auf dieser Kundgebung und das muss ich kritisieren, Deutschlandfahnen geschwenkt werden können. Ich schäme mich, wenn ich diese Fahne sehe. Ich schäme mich bei dem was derzeit bei Demonstrationen hier passiert.

Der moderne Antisemitismus nach Horkheimer und Adorno, findet sich in der deutschen Linken auch in der Occupy-Bewegung in Form ihrer verkürzten reaktionären Kapitalismuskritik.

Das Bild ist eine ominöse Finanzwelt, gesteuert von einigen Wenigen. Es wird nicht das Gesamtsystem kritisiert, sondern einzelne Teile eines Systems von Widersprüchen. Schnell wird beim zweiten Hinhören klar, wer gemeint ist:
Jüd*innen werden hier zum personifizierten Feindbild!

Dabei ist nicht ein komisches Bild „der da oben“ als Teil einer Weltverschwörung das Problem, sondern der Kapitalismus als solcher.

Für uns sind einige Dinge klar:

– Der Antisemitismus war nie verschwunden, er trägt ein anderes Gewand und es gilt ihn zu verstehen und aufzudecken!

· Jede Kundgebung, jeder Bericht, der die israelische Politik der Selbstverteidigung, und das Existenzrecht Israels angreift. Jede verkürzte reaktionäre Kapitalismuskritik, die Jüd*innen als Fehler ausmacht und nicht das System, ist falsch und ein klares Zeichen des Antisemitismus.

· Lasst uns klar Position beziehen, Antizionismus ist untrennbar von Antisemitismus!

· Die Hamas ist eine Terrororganisation und kein gleichberechtigter Partner! Mit ihr kann es keine Verhandlungen geben!

Und im Sinne von Horkheimer und Adorno:

Nur weil Antisemitismus nicht mehr offen auftritt, gibt es trotzdem Antisemiten!

Der Schutzraum Israel bleibt unantastbar! Lang lebe Israel!
Hoch die internationale Solidarität – Solidarität mit Israel!

Dir gefällt vielleicht auch:

23 Kommentare

  1. #1 | Thomas sagt am 25. Juli 2014 um 08:22 Uhr

    Interessant ist auch, dass der ehemalige Polizeipräsident Düsseldorfs, Jürgen Dybowski, mit für Israel demonstrierte.

    http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/demonstration-fuer-israel-blieb-friedlich-1.1701409

  2. #2 | leoluca sagt am 25. Juli 2014 um 08:58 Uhr

    Eine großartige Rede! Vielen Dank dafür.

    Nicht nur der Düsseldorfer Polizeipräsident, auch der Düsseldorfer Bürgermeister, Karen-Jungen, gehörten zu den Rednern der Demonstration gestern.

  3. #3 | Meva sagt am 25. Juli 2014 um 09:06 Uhr

    Hallo zusammen.
    Ich habe schlecht geschlafen und leide unter Kaffeemangel. Vielleicht habe ich diese Ansprache daher völlig falsch verstanden, vielleicht auch nicht. Jedenfalls bin ich es leid. Ich bin es leid mich rechtfertigen zu müssen auf Anti-Kriegs-Demos (no Mahnwachen!) zu gehen, nur um mich darüber hinaus für meine Beteiligung an Pro-Israel-Veranstaltungen rechtfertigen zu dürfen, weil da gewisse Blitzmerker einen diametralen Widerspruch erkannt haben wollen.

    Hat dieser Mensch Friedens-Demos (ja, diese gibt es) pauschal als antisemitisch bezeichnet? Hat der mich eine Antisemitin genannt, weil ich gegen Krieg bin?
    Gegen Krieg zu sein bedeutet nicht gegen Israelis oder Palästinenser zu sein. Und das bedeutet schon gar nicht, dass man mit der Hamas ins Bett stiege. Was sind das für Politiker, die solche trivialen Unterschiede nicht zu kennen scheinen. Oder rechnet er seine Erlebnisse auf einzelnen NICHT-friedlichen Veranstaltungen einfach auf alle hoch? Das wurde mich zur Frage nach seinem Beurteilungsvermögen führen.
    Jemand der oder die für Friede auf die Straße geht, sucht nicht den Schulterschluss mit Islamisten und Rechten Aktivisten. Im Gegenteil, von solchen grenzt man sich ab, denn deren Friede ist kein Friede.

    Er beklagt zudem wachsende Fremdenfeindlichkeit. Schön, dass das auch mal in der Politik angekommen scheint. Jetzt warten wir mal ab, ob abgesehen von ein paar warmen Worten etwas geschieht. Wetten würde ich nicht darauf. Nicht mal 5 Cent.
    Und woher kommt das eigentlich? Vielleicht unter anderen durch Welterklärer wie Sarrazin und Buschkowksy, deren Elaborate nur zu gern von Rechtsaktivisten übernommen werden? Oder weil Bürger so überaus zufrieden sind? Ist das quasi eine Art Wohlstandshobby? Wohl kaum. Wohl kaum.

  4. #4 | Thomas Wessel sagt am 25. Juli 2014 um 10:14 Uhr

    Das Zitat von Horkheimer/Adorno – „Aber es gibt keine Antisemiten mehr“ – wurde 1944 erstmals veröffentlicht, also nicht NACH, sondern WÄHREND Auschwitz. Das verschärft den Erkenntnisgewinn erheblich. Der folgende Satz lautet: „Sie waren zuletzt Liberale, die ihre antiliberale Meinung sagen wollten.“

    In der betreffenden Passage aus der Dialektik der Aufklärung geht es darum, dass sich Antisemitismus von subjektiven Erfahrungen ablöst, der Hass „kaum mehr eine selbständige Regung“ sei und man sich – „in der Welt der Serienproduktion“ – nicht mehr groß anstrengen müsse, ein eigenes Urteil zu fällen: „Die Spielmarke wird aufgeklebt: jeder zu Freund oder Feind.“

    Die Form des Antisemitismus, die Sebastian Hammer dann jedoch in seiner Rede vorführt, scheint doch eine andere zu sein: Das Kollektiv-Subjekt Israel ist in der Vorstellungswelt derer, die Hammer meint, gerade nicht austauschbar.

  5. #5 | Klaus Lohmann sagt am 25. Juli 2014 um 10:28 Uhr

    @#3 | Meva: Wir suchen immer noch nach der angeblichen „Abgrenzung“, die die Linkenjugend und der Linke-Vorsitzende Michalowsky uns auf den bisherigen Anti-Israel-Demos unter dem Label „Friedensdemo“ verkaufen will. In diesem stinkenden Haufen aus Lügen und Relativierungen (http://www.ruhrbarone.de/antisemitismusdebatte-linkspartei-bundestagsabgeordnete-aus-nrw-stellen-sich-vor-linksjugend-und-landesvorstand/84739) ist keine „Abgrenzung“ zu entdecken, beim besten Willen nicht.

  6. #6 | Meva sagt am 25. Juli 2014 um 10:32 Uhr

    70 % der Deutschen sind nach einer repräsentativen Umfrage der Meinung, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen Palästina führt.

    Ich kenne diese Umfrage nicht, dafür ist mir die Studie bekannt, die 20% der Deutschen latenten Antisemitismus bescheinigte.
    http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2012/37499490_kw04_antisemitismusbericht/207504
    Jeder von uns erinnert sich lebhaft an das politische Erdbeben das quer durch alle Fraktionen verlief. Monatelang gab es kein anderes Thema, selbst die Bundesliga wurde bis zur Lösung der Situation ausgesetzt. Ich kann mich erinnern als wäre es gestern gewesen.
    Wenn nun aber 70% den Konflikt als Vernichtungskrieg sehen (was ich mir nur schwer vorstellen kann), gleichzeitig aber jeder 5. latent antisemitisch sein soll, dann kann ja wohl kaum Antisemitismus Grund für dieses Schreckensergebnis sein.
    Ist hier jemandem zufällig diese Umfrage bekannt und würde sie mir freundlicherweise verlinken oder benennen? Ich glaube diese Zahl erst wenn ich sie mit eigenen Augen sehe. Ich würde vielmehr vermuten, dass bestenfalls 70% überhaupt eine einschlägige Meinung haben. So ein Ergebnis würde ich allenfalls auf Kundgebungen erwarten, die massenhaft von Leuten unterwandert sind deren Sinn nur nach ihrem speziellen Friede steht. So etwas wäre dann nur für unterwanderte Kundgebungen repräsentativ, nicht aber für die gesamte Gesellschaft. Aber das ist nur eine Vermutung, gern lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen.

  7. #7 | Klaus Lohmann sagt am 25. Juli 2014 um 10:58 Uhr

    @Meva: Die besagte Studie stammt aus dem Jahr 2004, ist also mit aktuellen Umfragen nur sehr bedingt vergleichbar und stammt von der Uni Bielefeld: http://www.hagalil.com/antisemitismus/studien/2004/studien-2004.htm

    Auch damals kamen die Autoren allerdings zum Schluss, dass unabhängig von der Form der Auseinandersetzungen in Gaza der Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft wieder „hoffähig“ geworden war.

  8. #8 | Meva sagt am 25. Juli 2014 um 11:29 Uhr

    @Klaus Lohmann Vielen Dank. Ich hatte den Schrieb inzwischen auch gefunden, kann mich aber erst später eindringlich damit beschäftigen. Beim ersten Überfliegen hatte es den Anschein, dass die Befragten gar nicht die Wahl hatten keine Meinung zu haben. Dann wäre meine obige Erwartung natürlich hinfällig.

    Mit „hoffähig“ meinen Sie, dass man sich zunehmend „traut“ antisemitisch zu tönen, oder was? Okay, das kaufe ich Ihnen sofort ab. „Bürgerliche Politiker“ trauen sich ja auch Spaltpilz-Bücher zu schreiben und dürfen diesen Mist darüber hinaus noch ausführlich in den Talk Shows bewerben. Da braucht man sich nicht wundern, dass die You-Tube-Generation sich auch herausnimmt „was mal gesagt werden muss“.

  9. #9 | André sagt am 25. Juli 2014 um 15:01 Uhr

    Ich kann der Rede zwar einiges abgewinnen, aber gerade die Aussage, es könne mit den Hamas-Terroristen keine Verhandlungen geben, finde ich das eigentlich problematische an der Position vieler, die sich als die einzigen Freunde Israels sehen. Ich glaube, man kann Hamas als den Hauptschuldigen ausmachen, und trotzdem für Verhandlungen plädieren. ich glaube, man muss das sogar.

    Wer schießt denn Raketen auf Israel? Das sind doch die Hamas-Terroristen. Folglich muss man auch mit denen verhandeln, wenn man ein Ende der Gewalt will. Mit wem sollte man denn sonst verhandeln? Und dass das Verhandeln mit Terroristen zu Frieden führen kann, hat sich in Nordirland doch gezeigt.

    Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass Verhandeln zum Erfolg führt. Und es ist verdammt schwer zu beurteilen, was eher zu einem nachhaltigen Frieden führt. Die aktuelle Offensive, unter Inkaufnahme zahlreicher Ziviler Opfer, oder der Versuch eines Appeasements und der Verhandlung mit Hamas. Aber man muss es doch als legitime Meinung akzeptieren können, wenn Menschen die gegenwärtige Strategie der israelischen Regierung im Umgang mit den Terroristen falsch finden.

    Nur zur Klarstellung: Mit den Hassparolen, die auf Anti-Israel/Pro-Gaza-Demos derzeit an der Tagesordnung sind, hat das alles nichts zu tun. Für die gibt es keine Rechtfertigung.

  10. #10 | Thomas Wessel sagt am 26. Juli 2014 um 01:08 Uhr

    Würde gerne noch mal zurückkommen auf den Text, der behauptet, es gäbe keine Antisemiten mehr, ist das so?

    Ist ja doch eine äußerst steile These, die da vorweg gestellt ist: Der Juso-Mann beruft sich dafür auf jüdische Autoritäten und handelt anschließend davon, dass sie nicht Recht haben können, weil Antisemiten gut erkenntlich durch die Straßen toben würden. Ist das ein Double Bind?

    Ich will dem Sebastian Hammer nichts Böses, ich frage mich nur, wieso setzt er seinem – – setzt Du Deinem – Text eine derart konträr laufende Überschrift vorweg? Erst: „Gibt keine mehr“, dann: „70 Prozent!“

    Meine Befürchtung:

    In diesem offenbaren Widerspruch drückt sich aus, was alle insgeheim beunruhigt, egal ob sie auf einer Demo für Hamas oder für Israel sind – nämlich dass niemand mit Sicherheit weiß, wofür oder wogegen er oder sie denn nun sei. Wo keiner mehr den Durchblick hat bei der Frage, wie man sich das erklären soll, was früher Wirklichkeit hieß, da funktioniert der Gaza-Konflikt so wie ein Scheibenwischer im Intervall: Für einen Moment wissen sich alle verortet, schon ist es wieder vorbei.

    [Nur als Beispiel: Wer jetzt auf Free-Palestine-Demos geht, wird gerne vorwufsvoll gefragt, warum er das erst jetzt macht, wo Israel den Terror bekämpft und nicht schon vorher, als die Hamas ganz fromm & frei gewütet hat. Die Frage ist gut, deshalb geht sie 1:1 zurück an uns, die wir just dann auf Demos gehen und fordern, Gaza von der Hamas zu befreien, wenn Israel sich anschickt, eben das zu tun.]

  11. #11 | Meva sagt am 26. Juli 2014 um 09:17 Uhr

    @Thomas Wessel, ich denke um diesen Widerspruch ging es dem Autor, denn es gibt sie unstrittigerweise eben doch, scheinbar immer mehr, immer lauter, immer „emanzipierter“. So zu tun als gäbe es keinen Antisemitismus, oder diesen einfach „wegzureden“, löst das Problem nicht. Ganz im Gegenteil. Passivität und Ignoranz in Form von Vogelstrauß-Vorgehensweise, sei es von Politik, Polizei, aber ebenso von der Gesellschaft führt gewiss nicht dazu, dass sich das Problem in Wohlgefallen auflöst.

    Leider ist dieses Thema komplex und völlig überhitzt, das macht es nur noch komplizierter. Bereits berechtigte (also frei von antisemitischen Res­sen­ti­ments) Israelkritik wird oft als Antisemitismus gebrandmarkt, was für zusätzliche Überhitzung sorgt. Nicht selten trifft der Vorwurf voll ins Schwarze. Allein dass wir den Begriff Israelkritik kennen und er so weit verbreitet ist, lässt auf verkappten Antisemitismus schließen. Oder hat schon mal jemand von de berühmten Spanien- oder Italienkritik gehört (Stichworte: Melilla + Lampedusa)? Da werden zwar Ereignisse kritisiert, man hat aber keinen spezifischen Überbegriff.
    Das ändert aber nichts daran, dass man gegen Kriege sein darf. Nicht nur gegen israelische Kriege versteht sich, sondern prinzipiell gegen jeden. So jemandem das Prädikat Antisemit zu verpassen hilft niemandem, meiner Meinung nach verschlimmert so etwas diese verworrene Konstellation.

  12. #12 | Arnold Voss sagt am 26. Juli 2014 um 09:57 Uhr

    Aber es ist nicht nur ein „israelischer Krieg“, Meva. Es ist ein Krieg zwischen der Hamas und Israel den die Hamas begonnen hat. Wer gegen Krieg ist, der kann nur beide Seiten zur Beendigung der Kampfhandlung auffordern. Alles andere hat mit Pazifismus nichts zu tun.

  13. #13 | Meva sagt am 26. Juli 2014 um 10:53 Uhr

    @Arnold Voss, da stimme ich Ihnen völlig zu. Nichts anderes wollte ich andeuten.

  14. #14 | Thomas Weigle sagt am 26. Juli 2014 um 11:53 Uhr

    Hm, hm. Hätte man mit Nazis verhandeln sollen? Wer einen Gegner vollständig vernichten, auslöschen will, kann der für die, die vernichtet werden sollen, Verhandlungspartner sein? Alle diese gutmeinenden Friedensaktvisten sollten darüber mal in aller Ruhe nachdenken…..

  15. #15 | André sagt am 26. Juli 2014 um 12:06 Uhr

    @Thomas Weigle:
    Das ist eine Position, die man haben kann. Ich sage nicht mal, dass sie falsch ist. Ich bin schlicht ein wenig überfragt, was die klügste Lösung ist. Persönlich scheint mir der Vergleich mit der IRA/Sinn Fein passender als der mit den Nazis. Man beachte auch, dass die Hamas vor dem Konflikt sehr an Rückhalt in der Bevölkerung verloren hat.
    Auch bei den Militäraktionen ist der Erfolg ja äußerst zweifelhaft. Klar, erst mal muss Hamas sich reorganisieren, neue Tunnel bauen und Waffen anschaffen. Aber dafür laufen ihr jetzt wieder reihenweise neue Unterstützer zu und auf finanzielle Unterstützung aus dem Ausland kann sie sich jetzt auch verlassen. In ein paar Jahren sind wir wieder in derselben Situation wie vor einem Monat.

    Es ist natürlich legitim, zu finden, dass der militärische Weg trotzdem der erfolgversprechendere ist. Oder dass ein dauerhaftes Kleinhalten von Hamas mit militärischen Mitteln der sicherere Weg für Israel ist, und es um einen dauerhaften Frieden gar nicht geht.

    Mir geht es nur darum: Wer den gegenteiligen Standpunkt einnimmt, hat dafür auch gute Argumente auf seiner Seite.
    Insbesondere ist es grundfalsch in irgendeiner Weise auch nur anzudeuten, dass man, um kein Antisemit zu sein, Verhandlungen mit Hamas grundsätzlich ablehnen müsse.

  16. #16 | Thomas Weigle sagt am 26. Juli 2014 um 12:17 Uhr

    @ Andre Ich weiß nicht, ob keine Verhandlungen mit der Hamas der richtige Standpunkt ist. Aber wir im Lande des Holocaust sollten uns tunlichst mit Ratschlägen an die Israelis in Sachen Hamas zurückhalten. Kurz gesagt: Einfach mal den Mund halten. Auch sonst in Sachen Israel.

  17. #17 | Thomas Wessel sagt am 26. Juli 2014 um 12:56 Uhr

    @ Meva | Nein, ich habe nicht den Eindruck, dass den Juso-Mann beschäftigt, was Horkheimer/Adorno geschrieben haben. Headline und Text stehen in einem auffälligen Widerspruch, den der Autor dann aber mit keinem Wort verhandelt. Es mutet fast an, als sei ihm das gar nicht zu Bewusstsein gekommen. Und da wiederum …

    @ all | … vermute ich ein Phänomen, das etwas über die heutige Form des Antisemitismus aussagt [und über uns, die wir meinen, ihn zu bekämpfen]. Könnte es sein, dass auch für den Antisemitismus der letzten Wochen das gilt, was Horkheimer/Adorno über den faschistischen Antisemitismus geargwöhnt hatten: dass er „sein Objekt gewissermaßen erst erfinden“ muss?

    Und dass die Leute eben nicht mehr mit Inbrunst hassen? Dass es gar kein großes persönliches Investment mehr gibt – und dies deshalb, weil es keine persönlichen Erfahrungen mehr gibt von irgendwas, das einem „die Juden“ angetan hätten?

    Die Überlegung steckt in dem Satz, „es gibt keine Antisemiten mehr“. Und da nun drängt sich die Frage auf: Wogegen kämpfen wir dann an?

    Um darüber etwas heraus zu finden – ich hab da keine Antworten in der Schublade – kann man natürlich über die Leute spekulieren, die sich just jetzt zu Pali-Soli-Demos zusammen tun. Ergiebiger wäre aber vielleicht, darüber nachzudenken, warum wir selber meinen, just dann „für Frieden“ demonstrieren zu müssen, wenn Juden schießen.

    Die Frage ist wirklich als Frage gemeint, nicht als Vorwurf. Es ist gut, gegen Kriege zu sein, natürlich, man könnte jeden Tag gegen Kriege demonstrieren, so wie man jeden Tag für Israel demonstrieren könnte oder für mehr Demokratie. Was macht es, dass wir es jetzt tun?

  18. #18 | Arnold Voss sagt am 26. Juli 2014 um 13:54 Uhr

    Um Frieden zu bekommen, muss man notfalls mit dem Teufel verhandeln, sagte einstmals ein berühmter Mann, dessen Name mir leider im Moment nicht einfällt. Die Frage ist nur, ob der Frieden dauerhaft ist, ja überhaupt sein kann, wenn der Verhandlungspartner eigentlich nur eine Atempause will, um den nächsten vorbereiten zu können.

    Alles was man von der Hamas einschließlich der bisherigen Geschichte des israelisch-palästinensichen Konfliktes weiß, deutet auf Letzteres hin. Wo aber nimmt Jemand für eine solchen „ewigen“ Krieg die Energien und Recourcen? Was bringt ihn trotz der hohen Verluste durch einen insgesamt überlegenen Gegner immer wieder dazu neu zu beginnen.

    Einerseits sicher ein unversöhnlicher Hass auf den Gegner, andererseits funktioniert auch der nicht auf Dauer ohne die Gewissheit, am Ende zu siegen. Die Hamas mag also objektiv – zumindest bislang – unterlegen sein, aber sie fühlt sich nicht so. Dafür gibt es sogar eine objektiven Anlass, denn zumindest ihre Bewaffnung ist nach jeder Niederlage nicht kleiner und schlechter sondern größer und besser geworden.

    Tiefer religiöser Hass ,die Sicherheit des „Endsiegs“ (mit Gottes Hilfe) und Unterstützer die für immer bessere Waffen sorgen sind also die eigentlichen und wesentlichen Gründe für dieses Krieg. Die ersten beiden kann man nicht ändern. Zumindest nicht kurz und mittelfristig. Der Schlüssel ist die finanzielle und waffenmäßige Austrocknung der Hamas.

    Gelingt das aber nicht dann bleibt nur noch, dass sich ihre Gegner die gleiche Zielsetzung geben wie die Hamas gegenüber ihnen: die totale Vernichtung. Das ist die eigentliche Schreckenslogik dieses Krieges an der von außen anscheinend nur wenig geändert werden kann. Darin liegt dann auch in diesem Fall die Ohnmacht des Pazifismus, ja alle derer, die sich dort einen irgenwie gearteten Ausgleich der Interessen wünschen.

  19. #19 | Arnold Voss sagt am 26. Juli 2014 um 14:04 Uhr

    Was den Titelsatz betrifft, denke ich, dass er anders lauten müsste: Es gibt keine bekennenden Antisemiten mehr. Das ist ja auch die eigentliche Aussage des Horkheimer-Zitats, dass ohne weitere Erläuterung nichts anderes als eine erhebliche Verkürzung des dahinter liegenden Gedankengangs darstellt.

  20. #20 | Thomas Wessel sagt am 26. Juli 2014 um 14:43 Uhr

    @ Arnold Voss | Nein, um ein „Bekenntnis“ geht es Horkheimer/Adorno wirklich nicht, sondern darum, dass von einem Antisemitismus, der jede konkrete Erfahrung verloren hat, eine Art „Triebrichtung“ bleibt, unabhängig von einem bestimmten Objekt. Könnte jeden treffen.

    Warum ich darauf beharre: Weil Horkheimer/Adorno eben hier die Hoffnung auf ein Ende des Antisemitismus verorten.

  21. #21 | Stogumber sagt am 26. Juli 2014 um 20:03 Uhr

    Der Juso-Kommentar richtet sich gegen die Außenpolitik Steinmeiers. Steinmeier strebt Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern über eine Zwei-Staaten-Lösung an – und „Palästinenser“ bedeutet hier natürlich die neue PLO/Hamas-Einheitsregierung.
    Umgekehrt will Israel die Hamas isolieren, um diese Verhandlungen und damit auch die Zwei-Staaten-Lösung zu torpedieren.
    Mal gucken, wer sich da in der SPD durchsetzt.

  22. #22 | Thomas Wessel sagt am 27. Juli 2014 um 01:45 Uhr

    @ Stogumber | Tatsächlich? Kann man so viel sagen, ohne es zu meinen, und doch so vieles meinen, ohne es zu sagen?

    Mal gucken, wer sich da in der SPD durchsetzt.

  23. #23 | Maryln Redenz sagt am 20. Juli 2015 um 18:06 Uhr

    Hello very cool site!! Man .. Excellent .. Superb .. I'll bookmark your web site and take the feeds additionally…I am satisfied to find a lot of useful info right here within the submit, we'd like work out extra techniques in this regard, thanks for sharing.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung