AfD: Europa am Abgrund. Russland aus dem Schneider.

Moskauer Kreml hinter der Bolschoi-Kamenny-Brücke an der Moskwa.
Moskauer Kreml, 2008 (Foto: Eden87; OsvátA / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.)

Russland führt Krieg, Dr. Rainer Rothfuß sortiert die Wörter. Der AfD-Bundestagsabgeordnete wirbt auf Facebook für einen Abend über Energie- und Geopolitik. In seiner Ankündigung eskaliert ein Konflikt, Europa droht der Absturz, und die AfD soll alles retten. Der russische Angreifer hat freundlicherweise keinen Auftritt.

Ein Krieg ohne Absender

In seinem Facebook-Beitrag vom 24. Oktober 2026 lädt Rothfuß für den 30. Oktober nach Nürnberg ein. Die Ankündigung verbreitete er auch auf Telegram. Auf dem Plakat stehen er und die bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Elena Roon. Es geht um Deutschlands Deindustrialisierung. Schon der Begleittext zeigt, welche politische Erklärung das Publikum erwartet.

Rothfuß beschreibt die Spaltung als Folge eines „seit 2014 währenden und 2022 eskalierten Ukraine-Konflikts“. Als „größte geopolitische Katastrophe des 21. Jahrhunderts für Europa“ bezeichnet er die damit verbundene Ost-West-Spaltung. Sie werde Europas globalen Abstieg unumkehrbar machen, sofern die AfD nicht bald die Führung übernehme.

Das ist eine bemerkenswert diskrete Beschreibung eines russischen Angriffskrieges. Ein Konflikt eskaliert: Das klingt, als hätten sich die Verhältnisse unbeaufsichtigt danebenbenommen. Wer die großflächige Invasion im Februar 2022 begann, muss den schönen Rettungsplan nicht stören.

Facebook-Beitrag von Dr. Rainer Rothfuß vom 24. Oktober 2026 mit seiner Ankündigung eines AfD-Abends in Nürnberg und dem vollständigen Text zur Ost-West-Spaltung.
Rothfuß’ Ankündigung vom 24. Oktober 2026: Der Krieg erscheint als eskalierter Konflikt. (Screenshot: Facebook / Rainer Rothfuß)

Die eigene Fraktion wusste es einmal genauer

Ausgerechnet Alice Weidel und Tino Chrupalla formulierten am 24. Februar 2022 unmissverständlich: „Der Angriff Russlands auf die Ukraine ist durch nichts gerechtfertigt.“ Sie verlangten die Einstellung der Kampfhandlungen und den Abzug russischer Truppen. Zugleich warben sie für Verhandlungen und vertrauensbildende Angebote an Russland.

Diplomatie ließ sich also sogar in einer AfD-Erklärung mit einem benannten Angreifer vereinbaren. Rothfuß braucht für seine aktuelle Veranstaltungswerbung weniger Eindeutigkeit.

Schon im August erklärte Rothfuß eine unbestätigte Hackerbehauptung über die NATO zum „Nachweis“. Unsere Recherche dokumentierte, welche überprüfbaren Belege dabei fehlten.

In Sachsen-Anhalt geht die Russlandnähe über Formulierungen hinaus: AfD und BSW setzten gemeinsam einen Antrag für ein Ende der Wirtschaftssanktionen und eine Beschränkung der Ukrainehilfe auf humanitäre Unterstützung durch.

Am Ende seiner Einladung verspricht Rothfuß: „Wer Deutschland rettet, rettet auch Europa“.

Das Rettungsversprechen fällt großzügig aus. Für Russlands Verantwortung war offenbar kein Platz mehr.

Putin muss in dieser Erzählung nicht einmal seine Truppen zurückziehen. Es genügt, aus dem Satz zu verschwinden.

In der App öffnen Autorenseite: Peter Ansmann
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