In Gedenken an die Opfer von Hanau fand heute abend eine Trauer-Demo in Bchum statt | Foto: Peter Hesse
In vielen deutschen Städten gedenken zahlreiche Menschen den Opfern des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau. So kamen in Bochum etwa 600 Leute (nach Polizeischätzung) zusammen, um um eine Kundgebung gegen 19 Uhr vor dem Rathaus abzuhalten. Die Demonstrantengruppe traf sich um 18 Uhr am Bochumer Hauptbahnhof und ging geschlossen durch das Bermuda-Dreieck über die Viktoriastraße bis zum Willy-Brandt-Platz am Rathaus.
Bohren & der Club of Gore – eine einzigartige Band mit viel Charakter / Foto. Kim von Coels
Unser Autor Peter Hesse kennt die Band Bohren & der Club of Gore aus Mülheim an der Ruhr seit vielen Jahren. Da heute mit ›Patchouli Blue‹ das neunte Studio-Album der Doom-Jazzer erscheint, hat Peter zu jedem der 11 Albumsongs ein Ereignis aufgeschrieben, was in seinem persönlichen Erinnerungskosmos eng mit der Band verbunden ist.
1.) Meine Welt ist schön
Ostern 1997 – ich verbringe einen Urlaub mit meinem Bruder an der spanischen Mittelmeerküste in Calpe. Bei Regenwetter spielen wir viel Schach, meist verliere ich – bei einer besonders derben Partie zu meinen Ungunsten gibt es sogar eine kleine Schlägerei. Aber wie das so ist unter Brüdern: kurz darauf ist alles vergessen. In diesem Urlaub hören wir immer wieder ein Mix-Tape. Neben Jon Spencer Blues Explosion, DJ Shadow oder Funny Van Dannen bleiben meine Ohren immer wieder am „Track 3“ vom Bohren-Album ›Midnight Radio‹ (1995) hängen, der so klingt, als hätte David Lynch einen Autounfall von Chris Isaak in Zeitlupe gefilmt. Und diese unverwechselbare Spookyness hat die Band bis heute behalten.
Hans Tilkowski: 12.07.1935 – 06.01.2020 / Foto: BVB Fanabteilung
In der Geschichte von Borussia Dortmund ist Hans Tilkowski einer der ganz großen Persönlichkeiten. Er wurde als Sohn eines Bergmanns in Dortmund-Husen am 12. Juli 1935 geboren und absolvierte 81 Spiele für den BVB. Nun ist der großer Keeper, der auf 39 A-Nationalspiele kam, im Alter von 84 Jahren verstorben.
Tilkowski stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Als Sohn von Johann und Martha Tilkowski wuchs er gemeinsam mit den Schwestern Brunhilde und Renate im Dunstkreis der Bahnlinie von Kamen nach Dortmund auf. Nach dem Besuch der Volksschule und den Wirren des 2.Weltkriegs absolvierte der junge Hans ab 1950 eine Lehre als Stahlbauschlosser. Im Jahr 1959 heiratete er seine Ehefrau Luise, mit der er die Kinder Ralf, Uwe und Susanne bekam.
Saint Vitus live im Dortmunder Club Junkyard – Foto: Peter Hesse
Wild und bescheiden, gefährlich und beschwerlich oder aufregend und komplex? Gab es richtig gutes Zeug? Hat der Bass geknallt? Unser Autor Peter Hesse hat ein Mix-Tape mit 10 Tracks aus dem Jahr 2019 zusammengestellt, die ihm eine Menge bedeuten. Zwischen Storytelling, Blues, Post-Rock, Hip Hop, flirrender Elektronik und Heavy Metal wird es so vielseitig, wie das Jahr auch war.
DEICHKIND – Richtig Gutes Zeug (DJ HELL REMIX)
Deichkind sind offen in alle Richtungen und stellen immer die richtigen Fragen. Vor zwei Jahren sagte mir Deichkind-Vordenker Porky mal im Interview für den coolibri: „Wir sind nicht so solche Klischee-Leute, die jetzt nur an einem Stil hängen – sonst hätten wir uns jetzt auch nicht von einem reinen Hip Hop Ding lösen können. Ich bin jetzt auch nicht nur ein stumpfer Rocker, der Pantera und AC/DC auflegt. Ich mag auch Jazz sehr und Afrikanische Musik. Heute morgen war ich hinterm Haus Holz hacken – und dazu lief der Soundtrack vom Film „Taxi Driver“, den der Komponist Bernhard Hermann komponiert hat.“
„Wir werden aber weiterhin bisher akzeptierte historische, politische und wissenschaftliche Erkenntnisse hinterfragen und neu bewerten müssen“, sagt Thom Kinberger
Wie war das Jahr 2019? Gab es im Weltzustand „Dauerkrise“ auch ein paar Lichtblicke? Wir haben uns beim österreichischen Sozialpolitiker Thom Kinberger erkundigt. Gerade in Österreich herrschte dort mit der Ibiza-Affäre viel Unruhe. Ansonsten agiert die Politik vor allem als Handlanger für globale Wirtschaftsinteressen und der Begriff Reform ist zu oft ein Synonym für den Abbau von Sozialstandards.
Thom, über welches Thema hast du dich persönlich am meisten in diesem Jahr aufgeregt?
Adorno sagte ja schon, “Wer denkt, ist nicht wütend”. Deshalb versuche ich mich nicht mehr aufzuregen, um wenigstens nicht als Dummkopf dazustehen. Ab April habe ich die politische Aufgabe übernommen, als Obmann die Salzburger Gebietskrankenkasse bis Ende Jahres zu leiten. Leider hat die letzte Mitte-Rechts Regierung, die solidarische Krankenversicherung, wie wir sie seit 136 Jahren in Österreich haben, zerstört.
Kunstprojekt im Dortmunder Unionviertel von Janna Banning
Das Dortmunder Unionviertel ist ein Stadtteil, der ideale Voraussetzungen für Gentrifizierungsprozesse bietet. In dem ehemals sozial schwachen Stadtteil, der mittlerweile schon Kreativ-Viertel ist, wird das Thema der Gentrifizierung derzeit künstlerisch in den Fokus gerückt. Die aus Bochum stammende Künstlerin Janna Banning hat mit ihrer Arbeit „Wir arbeiten für Gentrifizierung ehrenamtlich“ eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die noch bis zum 8. Dezember an verschiedenen Stationen besuchbar ist.
Es gibt dabei zahlreiche Stationen auf und um die Rheinische Straße herum mit künstlerischen Interventionen, Installationen und Performances geben, die durch eine Route durchs Viertel verbunden sind. „Ich möchte Gentrifizierung gar nicht per se einseitig diskutieren, obwohl es oft negativ konnotiert ist“, sagt Janna und führt ihre Gedanken weiter aus: „Die ersten Stadien von Gentrifizierungs-Dynamiken können ja wirklich subtil und super angenehm daher kommen. Man kann sich zum Beispiel endlich Fair-Trade Kaffee im Recycling To-Go Becher mit Bio-Soja-Latte nebenan kaufen. Oder in der Sonne in hippen Cafés und Restaurants veganes Trendgemüse essen.“
In den 1980er Jahren waren die Multicoloured Shades eine Art Legende. Schon John Peel spielte ihre erste Maxi, die 1984 vom Dortmunder Plattenladen Last Chance aufgelegt worden ist. In ihrer westfälischen Heimat hatten die Bandgründer, also Sänger Pete Barany, Gitarrist Eddie Wagner, Michael Doering am Bass, dazu der Organist Detlev ‚Det Bizarre‘ Bizer sowie Schlagzeuger Martin Heimes leichtes Spiel.
Sie waren bekannt in der Szene und sind noch heute unter Musikern sehr geschätzt. „Damals habe ich die Multicoloured Shades für mich entdeckt – und das, was die gemacht haben, war keinen Deut schlechter als das, was von den Fuzztones oder Miracle Workers kam. Auf mich hatte ihr Sound so eine große Strahlkraft, dass ich mich bis heute dieser Art von Musik verpflichtet fühle.“ Das sind die Worte von Christian ›Doktor‹ Koch, der der musikalische Kopf der Band Vibravoid aus Düsseldorf ist.
Doppelete Ansicht mit Schlafzimmerspiegel / Foto: Rosanna D’Ortona
Ab kommenden Sonntag (15.09.) präsentiert der Projektraum Fotografie im Dortmunder Unionviertel Arbeiten der Kölner Fotografinnen Rosanna D’Ortona, Francesca Magistro und Luisa Zanzani zum Thema ihrer gemeinsamen italienischen Herkunft. Im Rahmen zur Ausstellung ist ein aufwendiger Katalog mit vielen Bildern und Texten entstanden. Es geht bei diesen Arbeiten um die Sehnsucht nach Heimat, Migration und das Unspektakuläre in der Alltäglichkeit.
„Ausgehend von ihren eigenen Beziehungen zu Italien und ihren jeweiligen Migrationsgeschichten“, so schreibt die Kunsthistorikerin Aurora Rodonò in einem Begleittext zu dieser Ausstellung, „die sich zwischen Deutschland und Italien abspielen, arbeiten die drei Fotografinnen Francesca Magistro, Rosanna D’Ortona und Luisa Zanzani sehr motivisch. Sie legen jene kleinen, leisen und zauberhaft kargen Italienbilder übereinander, die sie in den kollektiven Gedächtnissen ihrer Familien aufspüren.“ Diese fotografierten Momentaufnahmen sind Inneneinsichten, berührende „unspektakuläre“ Meditationen und zeiehen den Betrachter tief in die Bilder hinein.
Dieses Trio kann Wasser in Wein verwandeln: Hodja!
Es rumpelt und stochert, es klimpert und alles ist hier immer den berühmten Takt daneben. Mit Led Zeppelin, John Lee Hooker und The Black Keys als musikalische Ziehväter in der Hinterhand speist dieses Trio seine musikalische Welt mit Luft, Leben und Liebe. Jeder Drumtakt klingt so lässig nach Jon Bonham und Sänger Claudius Pratt singt wie ein wild gewordener Voodoo-Prediger. Am kommenden Donnerstag (5. September) gastiert die Band gleich zweimal in Dortmund.
Sie lassen sich Zeit für Spielereien und addieren aus Garage-Punkrock, Blues, Soul und Hardrock eine ganz einzigartige Kaputtnik-Stimmung. Hodja überschreiten immer wieder gekonnt Genre-Grenzen und verwischen sie komplett. Ergänzt von Einflüssen aus Punkrock und Hip Hop, die wie kleine Farbtupfer ins Klangbild wandern, springt hier alles wild umher.
Seit vielen Jahren erspielt sich das Kölner Kollektiv Bukahara in die Herzen ihrer Fans. Ihr Sound ist ein wildes Gemenge von unzähligen Einflüssen wie Folk, Weltmusik und Jazz. Kommenden Freitag (12. Juli) gastiert das Kollektiv in der Freilichtbühne Wattenscheid. Wir befragten Sänger Soufian Zoghlami über Straßenmusik, das Leben auf Tour und unterschiedliche kulturelle Einflüsse.
Soufian, gibt man bei Google im Suchfeld die Buchstabenfolge „buk“ ein, so ist Bukahara der dritte Treffer nach der Stadt Bukarest und dem Autor Bukowski. Ist das nicht irre?
In der Tat, das wusste ich gar nicht…
Mit Straßenmusik habt ihr angefangen, warum ist diese Art der Musik-Darbietung für euch so attraktiv?
Wenn wir irgendwo hingehst zum Spielen, so bist du direkt von Anfang an diesem Ort eingebunden. Du bist direkt involviert, auch wenn dich jetzt Leute meinetwegen auf ihre Party zu sich nach Hause einladen. Je mehr Power und Energie du dann in deinen Vortrag legst, desto mehr merkst du dann wie toll das ist, wenn die Leute stehen bleiben und dir zuhören. Du stellst dich ohne Verstärker vor ein Publikum, die ja vorbeigehen. Wenn du später auf großen Bühnen spielst, merkst du wie gut und auch hart diese Schule war. Ich habe erst viel später begriffen, was ich dabei genau gelernt habe.