
Man muss sich diese Geschichte erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: Beim VfL Bochum ist in Teilen des Ruhrstadions das gemeinschaftliche Hüpfen verboten. Nein, das ist kein verspäteter Aprilscherz, sondern tatsächlich eine behördliche Anordnung. Wer als Außenstehender davon liest, dürfte sich verwundert die Augen reiben. Willkommen im deutschen Fußball des Jahres 2026!
Trampolin-Effekt statt Fußballgefühl
Die Bochumer Sportstätten Besitzgesellschaft hat das Verbot für die Blöcke N2, O, P und Q ausgesprochen. Synchronisiertes, rhythmisches Springen sei untersagt, weil dadurch ein sogenannter „Trampolineffekt“ entstehen könne, der bei Zuschauern Unwohlsein auslöse. Die gute Nachricht: Die Tragfähigkeit der Tribüne sei gewährleistet. Na, dann ist ja alles gut!
Die Ultras Bochum sprechen von einer Posse und einer sinnfreien Verfügung. Ganz unrecht haben sie damit nicht. Natürlich muss die Sicherheit der Zuschauer Vorrang haben. Wenn aber eine Tribüne stabil genug ist und trotzdem kollektives Hüpfen zum gesundheitlichen Risiko erklärt wird, darf man zumindest nach der Verhältnismäßigkeit fragen. Wer schützt die Fans eigentlich vor dem Blutdruck, den manche VfL-Auftritte verursachen?
Ein Verein auf dem Weg ins Abseits
Für den VfL kommt diese Posse zur Unzeit. Sportlich ist der Klub nach dem Abstieg längst nicht dort, wo er sich und seine Anhänger gerne sehen würden. Während Schalke und Dortmund im Revier weiterhin die großen Namen sind, machen Essen und Duisburg in der dritten Liga mit ihren Ambitionen ebenfalls auf sich aufmerksam. Bochum droht dazwischen zunehmend an Profil zu verlieren.
Und jetzt auch noch das: Statt über Fußball, Leidenschaft und eine besondere Fankultur zu sprechen, lacht man andernorts über ein Hüpfverbot. Provinziell, skurril, mitleiderregend – die passenden Etiketten liegen schon bereit. Dass ausgerechnet ein Verein, der seine Heimstärke dringend gebrauchen könnte, seiner Kurve solche Fesseln anlegt, macht die Sache nicht besser.
Wenigstens beim Torjubel darf gehüpft werden
Besonders hübsch ist die Klarstellung, dass der Torjubel ausdrücklich erlaubt bleibt. Als müsste man den Bochumer Fans erklären, dass spontane Freude etwas anderes ist als choreografiertes Springen. Allerdings stellt sich angesichts der sportlichen Realität eine andere Frage: Wie häufig wird diese Ausnahme überhaupt benötigt?
Am Sonntag gegen Arminia Bielefeld blieb der große Jubel jedenfalls aus. Der VfL verlor 0:1. Natürlich ist das kein Beweis dafür, dass ein Hüpfverbot sportliche Probleme verursacht. Aber es passt ins Bild eines Vereins, der derzeit wenig Anlass zur Begeisterung liefert und sich zusätzlich mit einer Debatte herumschlagen muss, die niemand gebraucht hätte.
Der VfL Bochum hätte wahrlich andere Baustellen. Doch während andernorts um Aufstiegsträume und große Fußballmomente gerungen wird, diskutiert man an der Castroper Straße darüber, wie viele Menschen gleichzeitig springen dürfen. Man möchte den Bochumern zurufen: Lasst euch nicht unterkriegen! Wobei das mit dem Hochspringen ja gerade schwierig geworden ist.
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